Victor Jara
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30.09.2025, 16:12 · #12'641
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So viel noch zur Mär "das neue Stadion wäre zu klein" muhaha:
https://www.tagesanzeiger.ch/letzigrund-warum-fcz-und-gc-zuschauerzahlen-verdoppeln-309164300063
Hat mich heute morgen so genervt dieser Artikel, dass ich ihn gar nicht hier verlinken wollte. Sie schreiben zwar an einer Stelle, dass das europaweiter Usus ist, die Zuschauerzahlen als "verkaufte Tickets" zu zählen....und machen dann trotzdem einen ganzen Artikel aus gar nichts indem sinnlose Zahlen miteinander verglichen werden und ein Spiel vor 12 Jahren oder so hinhalten muss als Titel.
Ist ja nicht so, dass der FCZ nicht genügend Kritikpunkte anbieten würde für die Journalisten, da muss man doch nicht noch selbst so eine peinliche Story fabrizieren...
PS: Und wenn das Stadion in Winti oder St. Gallen als "ausverkauft" angegeben wird, heisst das auch nicht, dass jeder Platz besetzt ist sondern dass jedes Ticket verkauft wurde. Also genau das gleiche.
Hoi *Florian*, auch ich bin ab dem Tagi-Artikel steihässig geworden. Die Tagi-Redakteure suggerieren mittels einer eigenwilligen Interpretation der statistischen Daten, dass das Fassungsvermögen des neuen Stadions grosszügig genug ausgelegt sei. Und dass die übermittelten Zuschauerzahlen der Hoppers jetzt viel seriöser sind, als die des FCZ. Beides kann aber widerlegt werden, wenn man sich die vorliegenden Daten etwas detaillierter anschaut. Das habe ich dann gemacht. Das durchrechnen ging schnell, aber das Aufschreiben von Argumenten etwas langsamer (etwa so langsam wie unsere Abwehr derzeit noch unterwegs ist – auch Segura und Gomez werden sicher demnächst an Handlungschnelligkeit gewinnen :-).
Da ich aber nun alles schön aufgeschrieben habe, stelle ich mein «Elaborat» auch gerne der Forumsgemeinde zur Verfügung. Bin gespannt, ob Ihr logische Fehler findet, die dann doch eher die Thesen der Tagi-Redakteure oder die Eingangsthese von *dennisov* stützen. War Dein Spruch eigentlich ironisch oder Ernst, Dennisov?
Ich hoffe auch, damit einen Beitrag für eine anständige Diskussions- und Argumentationskultur leisten zu können…
Andere Leseart der statistischen Daten zu den Saisonkarten
Die Anzahl der verkauften Saisonkarten ist aus drei Gründen von Bedeutung:
a) Für die nachhaltige Auslegung des Fassungsvermögens des neuen Stadions
b) Für die Zuteilung der jeweiligen Sektorengrössen FCZ versus GC respektive für die Zuteilung der jeweiligen Kontingente der Saisonkarten FCZ versus GC.
c) Für die Erklärung des Unterschieds zwischen der Differenz (Aufschlag beim Tagi) zwischen dem «realen» Publikumsschnitt und «angemeldeten» Publikum.
Zur Erinnerung: *Publikum real *ist beim Tagi der Saisonschnitt der tatsächlich am Drehkreuz gezählten Eintritte. *Publikum gemeldet* ist beim Tagi der Saisonschnitt der pro Spiel abgegebenen Einzeleintritte plus die Zahlkarten. Der *Aufschlag* ist beim Tagi die Differenz zwischen *Publikum gemeldet* und* Publikum real[*/b]. Angabe in Prozent und natürlich als Saisonschnitt.
Bleiben wir beim Punkt C) Man kann mathematisch zeigen, dass je grösser Anteil der Saisonkarten am Fassungsvermögen des Stadions ist, desto grösser absolute und relative Aufschlag (relativer Aufschlag heisst im Fall des Tagi *prozentualer Aufschlag*). Man muss nur eine einfache und realistische Annahme treffen, dass im Schnitt 20% der Saisonkarten nicht benutzt werden, das heisst pro Spiel 20% der Saisonkarten am Drehkreuz nicht vorgewiesen werden. Man kann sich diese Aussage an einem einfachen Beispiel mit etwas extrem gewählten Werten klar machen. Das heisst mit so genannten Randbedingungen.
Beispiel
Stadion L hat Fassungsvermögen 100'000 Z.
Stadion L wird von den Clubs Z und N gemeinsam genutzt
AUSWÄRTSBLOCK Den Gästefans werden von beiden Vereinen 10% der Karten zugestanden, also 10'000 Karten.
Club Z hat 80'000 Saisonkarten verkauft. Im Schnitt werden 20% der Saisonkarten nicht genutzt. In absoluten Zahlen sind das 16'000. Das heisst pro Spiel sind 64'000 der Saisonkartenplätze belegt. Unter der Annahme, dass die fehlenden Saisonkarten durch die freiverkäuflichen Karten ersetzt werden (10'000 Auswärtsfans, 6'000 sporadische Heimbesucher mit Einzeleintritt) hat man dann
- ein *Publikum real* von 80'000 Z und
- ein *Publikum gemeldet *von 96'000 Z.
- Aufschlag in absoluten Zahlen 16'000.
- Aufschlag in Prozenten: (16’000/ 96’000) x 100 => 16,67 % also rund 17%
Club N hat 10'000 Saisonkarten verkauft. Im Schnitt werden 20% der Saisonkarten nicht genutzt. In absoluten Zahlen sind das 2'000. Das heisst pro Spiel sind 8'000 der Saisonkartenplätze belegt. Unter der Annahme, dass die 2000 fehlenden Saisonkarten durch Einzeleintritte für sporadische Heimbesucher ersetzt werden und weiterhin das Auswärtskontigent ausgeschöpft wird, hat man dann im Schnitt 12'000 verkaufte Einzeltickets:
- 10'000 Auswärtsfans und
- 2'000 sporadische Heimbesucher).
Publikum real von 20'000 Z und ein *Publikum gemelde*t von 22'000 Z.
- Aufschlag in absoluten Zahlen 2'000.
- *Aufschlag in Prozenten*: (2000 / 20’000) x 100=> 10 %.
Nun kann man noch weiter gehen und sich fragen, wie sich der prozentuale Aufschlag ändert, wenn berücksichtigt wird, dass es zwei oder sogar vier Derbies zwischen den Clubs Z und N gibt.
Für das Heimderby des Clubs Z ändert sich aufgrund der hohen Anzahl von eigenen Saisonkarten quasi nichts.
Für den Schnitt des Clubs N ist es aber massgeblich, mit wieviel Anhängern der Club Z zu seinen heimspilen kommt. Wenn Club Z mit 70'000 Anhänger anrückt, trägt er – unter Abzug der 10'000 Away-Tickets - mit 60'000 zusätzlichen Tickets zur massgeblichen Steigerung des Schnitts von Club N bei.
Nehmen wir an, N hat 20 Heimspiele. Dann trägt Z zur Hebung des Schnitts von N um 3'000 Zuschauer bei. Am absoluten Aufschlag ändert sich nichts, der Prozentuale Aufschlag wird aber um rund ein Prozent gesenkt. Denn jetzt haben wir:
- Publikum real* von N: 23'000 Zuschauer
-* Publikum gemeldet* von 25'000 Z.
- Aufschlag in absoluten Zahlen: 2'000.
- Aufschlag in Prozenten: (2000 / 23’000) x 100=> *8.6 %.*
Noch krasser wird das fiktive Beispiel, wenn N zwei Heimderbies hat. Wenn Z je mit 60'000 zur Hebung des Zuschauerschnittes von N beiträgt, dann hat N dadurch einen um 6'000 Zuschauer (120'000:20) höheren Schnitt. Dann berechnet sich der *prozentuale Aufschlag* von N wie folgt:
- *Publikum real von 26'000 Zuschauer *
- *Publikum gemeldet von 28'000 Z*.
- Aufschlag in absoluten Zahlen: 2'000 (weiterhin) .
- *Aufschlag in Prozenten*: (2000 / 26’000) x 100=> 7.7 %.
In diesem letzten fiktiven Beispiel hätte also Club Z einen mehr als doppelt so hohen *prozentualen Aufschlag* (17:7.7 = 2.2). Und dies, obwohl sich beide Clubs korrekt an die internationalen Vorgaben halten, die Summe der Anzahl der verkauften Tickets plus die Anzahl der Saisonkarten zu melden.
Fazit Ich hoffe, dass ich am fiktiven Beispiel aufzeigen konnte, dass man aus dem relativen Aufschlag keinesfalls ableiten kann, dass ein Club seriösere Daten angibt. Dafür müssten mindestens die absolute Zahlen der verkauften Saisonkarten, der verkauften Einzeltickets und der Gästefans ins Verhältnis gesetzt werden. Bei gleicher Praxis (gemäss internationalem Standard) muss der FCZ «schlechter» dastehen, d.h. einen höheren Prozentualen Aufschlag haben. Das ist rechnerisch gar nicht anders möglich.
Einfach, weil der FCZ mehr als doppelt so viele Saisonkarten verkauft und im Schnitt auch mehr als doppelt so viele Eintritte zählt. Zudem tragen die FCZ-Fans überproportional zur Hebung des GC-Schnittes bei. Dies kann man ganz leicht den Zahlen entnehmen, die im Tagi-Artikel präsentiert wurden.
Was sind nun in Zürich die reell verkauften Saisonkarten?
Dem Artikel entnehme ich, dass der FCZ knapp 9'000 Saisonkarten (SK) verkauft hat. Die Hoppers machen keine Angaben zu den verkauften Saisonkarten. Dies mutet seltsam an, wenn die Hoppers gleichzeitig betonen, dass sie bei den Zuschauerzahlen transparent sein wollen. Wenn man sich die Zahlen aus der letzten Saison genau anschaut, die im Tagi-Artikel präsentiert werden, kann man folgende Randwerte für GC abschätzen (wie zeige ich weiter unten):
- Maximale Anzahl der verkauften Hoppers-Saisonkarten 4’000
- Minimale Anzahl der verkauften Hoppers-Saisonkarten 3’000
- Die Unsicherheit dieser Abschätzung grenze ich auf 500 Saisonkarten ein.
Schlussfolgerungen aus der Anzahl Saisonkarten
Sektoren
Rechnungsbeispiel 1 Werden 9'000 Saisonkarten für den FCZ und 4000 Saisonkarten für GC als Planungsgrösse genommen, müssten die Sektoren im neuen Stadion dann im Verhältnis von 9:4 = 2.25 zu Gunsten FCZ aufgeteilt werden.
Grösse der Südkurve z.B. 6000 Z, dann müsste die Hopperskurve auf rund 2'700 Z ausgelegt werden.
*Rechnungsbeispiel 2*: Bei einer Planungsgrösse von 9'000 Saisonkarten für den FCZ und 3’000 Saisonkarten für GC ergäben dann folgende Verhältnisse:
Grösse der Südkurve 6000 Z, dann müsste die Hopperskurve auf rund 1/3 davon, d.h. auf 2'000 Z ausgelegt werden.
Fassungsvermögen neues Stadion bei Derby
Werden 9'000 Saisonkarten für den FCZ und 3000 Saisonkarten für GC als Planungsgrösse genommen, müsste man bei den Derbies mit durchschnittlich 15'000 Zuschauern rechnen: 12’000 treue Zuschauer auf beiden Seiten abzüglich 20% => 9.600 Zuschauer anhand Sisonkarten.
Normalerweise kommen noch 25% bis 30 % freiverkaufte Tickets dazu. Da es sich um ein Derby handelt, setze ich einfach 25% frei verkaufte Tickets von der Gesamtsumme an «treuen» Fans sprich SK-Besitzern. 25% von 12'000 sind 3'000. Ergo muss aus den verkauften Saisonkarten mindestens mit durchschnittlich 15 K bei den Derbies gerechnet werden.
Reserve Bei der Planung von jeder Art von Gefässen werden in der Regel 20% Reserven für die Abfederung von Spitzenwerten eingeplant.
20% von 15'000 Z sind 3'000 Z. Zusammen ergibt dies 18 K.
Man ist also anhand des Zuschaueraufkommen im Letzigrund bei der Planung des neuen Stadions am Anschlag. Zumindest was das Derby angeht. Es lässt sich easy zeigen, dass sich wenig daran ändert, wenn man die Zahlen für den Klassiker oder das Kantonsderby gegen Winti durchrechnet.
Zukünftige Entwicklungen
Mehr Zuschauer wegen neuem Stadion Allgemein wird davon ausgegangen, dass ein neues Stadion mit verbesserter Sicht und verbesserter Infrastruktur ein Zuschauerplus von 20% bringt. Bei den Hoppers wird dies sicher zutreffen. Schliesslich werden sie dann nicht mehr im «Exil» sein. Durchschnittlich 20% mehr Zuschauer bei den Derbies hiesse 18K statt 15K.
Man hätte für die Spitzen keine Reserven mehr (notwendige Reserven bei 18 K wären dann 3'600 Reserveplätze, was für ein «reales» Publikum ein Stadion von 21'600 K erforderlich machen würde.
Mehr Zuschauer wegen Bevölkerungswachstum
Laut Amt für Statistik wird die Bevölkerungszahl in der Stadt Zürich bei 2050 auf 600'000 EW anwachsen, der Kanton von 1.6 auf 2 Millionen EW. Hält die Entwicklung der Zuschauerzahlen mit der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung mit, sollten die Zuschauerzahlen beim Derby auch separat nur für den FCZ um einen Faktor von ca. 1.25 wachsen.
Gekoppelter Faktor
Koppelt man beide Faktoren (mehr Zuschauer wegen neuem Stadion mit Faktor 1.2 und mehr Zuschauer wegen allg. Bevölkerungswachstum mit Faktor 1.25) so ergibt sich der gekoppelte Faktor als Produkt der beiden Faktoren: 1.2 x 1.25 = 1.5
Auf das Derby bezogen, würde dies bedeuten, dass die reale durchschnittliche Zuschauerzahl bis 2050 auf 22.5 K anwachsen würde.
Nimmt man nur die aktuellen Zahlen der beiderseits verkauften Saisonkarten (12'000), so wäre man 2050 bei einer durchschnittlichen Zuschauerzahl von 18 K für die Derby. Das heisst, jedes Derby wäre dann ausverkauft, weil es keine Planungsreserven mehr gäbe.
Auf den FCZ alleine bezogen, kann man das reale Publikum einer mittelprächtigen Saison 2023 /2024 nehmen. Laut Tagi-Artikel hatten wir da ein Publikum real von 12'354 Zuschauer. Wird diese Zahl mit 1.5 multipliziert, dann haben wir im Jahre 2050 eine durchschnittliche Zuschauerzahl von, 18'531 Z. Also würden schon im Schnitt über dem geplanten Fassungsvermögen liegen. Reserven für ein erhöhtes Zuschaueraufkommen bei Spitzenkämpfen gäbe es natürlich keine.
BTW Ich habe nicht die letzte Saison als Basis genommen, weil diese vom Zuschaueraufkommen einen deutlich negativen Ausreisser für den FCZ darstellt. U.a. gab es wegen Verpflichtung von Mendy und auch aus anderen Gründen sind doch viele Fans zu Hause geblieben.
Was die Statistiken zur aktuellen Saison im Artikel sollen, verstehe ich nicht. Man kann bei einer Gesamtheit von 18 Heimspielen keine Statistik über drei Spiele erstellen und dann auch noch behaupten, dass die Hoppers weniger schummeln sprich seriöser sind! Besonders, wenn die Saison mitten in den Schulferien beginnt, wo ein nennenswerter Anteil der Saisonkartenbesitzer des FCZ abwesend sind. Ansonsten mache ich eine Statistik über die drei letzten Runden, erkläre die Meisterschaft für beendet und den FCZ zum Meister :-)
Wie lässt sich die Anzahl der Saisonkarten von GC abschätzen?
Der Zahl von einem realen Schnitt von 5'923 Zuschauern. Geht man davon aus, dass die Hoppers pro Saison 40'000 Auswärtsfans haben (20 K von uns, 20 K von den restlichen Clubs insbesondere FCB, Winti, SG, LU und YB), dann kommt man grob auf einen Schnitt von 2'000 Auswärtsfans. Zieht man diese vom realen Schnitt der Hopper in der letzten Saison ab, kommt man auf eine maximal mögliche Anzahl von 4'000 Saisonkarten für die Hoppers. Es gibt einige Hinweise darauf, dass selbst diese Zahl zu hoch sein dürfte. Unter anderem ist das Publikum gemeldet mit 6'878 Z um rund 955 Z höher als das Publikum real. Daraus kann abgeleitet werden, dass die Anzahl der Saisonkartenbesitzer bei GC letzte Saison im Minimum bei 3'000 Nasen gelegen haben dürfte.
Generelles Fazit
Ich hoffe, dass es doch ein paar User und Userinnen gibt, die die Geduld aufgebracht haben, die Argumentation und Rechenbeispiele durchzulesen. Ich hoffe auch, dass Ihr keinen Fehler in meiner Argumentation entdeckt habt. Ich denke, dass ich zeigen konnte, dass
1.die Darstellung mit Aufschlag in Prozenten irreführend ist und dass der FCZ auf gar keinen Fall mehr bei den Zahlen schummelt als GC. Es handelt sich mehr um einen Artefakt, weil der FCZ viel mehr Saisonkarten verkauft als GC
2.das Fassungsvermögen für das neue Stadion zu gering ausgelegt ist. Es ermöglicht keine nachhaltige Entwicklung beider Vereine.
Es sei denn, man möchte die verfügbaren Plätze im neuen Stadion künstlich verknappen und damit insbesondere dem FCZ damit schaden. Für die Fussballkultur, die sich in der Südkurve herausgebildet hat, wäre dies aber eine Katastrophe. Aber auch sozialpolitisch würde sich die Stadt einen richtigen Schuss ins eigene Knie setzen. Es sollten sogar dem Tagi 6'000 Südkurvengänger bedeutend lieber sein, die die Mannschaft bedingungslos mit Singen unterstützen als 3'000 oder 4'000 Jugendliche auf der Strasse, weil es n im neuen Stadion keinen Platz mehr für sie gibt.
— Pro Rückkehrer und Nachwuchs statt Söldner