26.09.2025, 14:32 · #12'613
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https://www.nzz.ch/sport/fussball/der-fcz-versinkt-unter-den-canepas-und-milos-malenovic-im-chaos-ld.1904361
Wäre jemand so nett?
PS: Milos raus
Nzz
Warum lassen die Canepas das zu? Unter Milos Malenovic verkommt der FC Zürich zum Spieler-Casino
Der Sportchef Malenovic hat den FCZ radikal umgebaut – doch der Klub ist in allen Belangen schlechter geworden. Womöglich reagiert das Besitzer-Ehepaar nicht, weil ihm die Hände gebunden sind.
Fabian Ruch
26.09.2025, 15.30 Uhr 5 min
Nicht mehr ein Herz und eine Seele? FCZ-Sportchef Milos Malenovic und Präsident Ancillo Canepa auf der Trainerbank in Winterthur.
Manuel Geisser / Keystone
Bevor der FCZ-Trainer Mitchell van der Gaag die Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den FC St. Gallen am Samstag beginnt, verzieht er ironisch das Gesicht. «Muss ich das trinken?», fragt er und beschaut die Getränkedose eines neuen Sponsors. Muss er nicht, beruhigt ihn der Medienchef. Die peinvolle Cup-Niederlage beim unterklassigen Nyon war eklig genug, «negativ», «bitter», «ein Rückschlag», sagt der Holländer emotionslos, «damit müssen wir umgehen». Den Präsidenten Ancillo Canepa hat er seither weder gehört noch gesehen. Mit dem Sportchef Milos Malenovic gab es ein Gespräch, «on a daily basis», wie er sagt, also nichts Grundsätzliches.
Van der Gaag redet viel und sagt wenig. Vielleicht beginnt er in diesen Tagen zu realisieren, wo er hingeraten ist. Zu einem Klub mit einem Vorgesetzten Malenovic, der dem Trainer erst Ende August noch jede Menge neue Spieler hinstellte. Und in ein unruhiges Unternehmen auf Abwegen, das schwer in der Kritik steht.
Auch Heinz Russheim kann davon erzählen. Er war während elf Jahren und bis Frühling 2024 Technischer Leiter der FCZ-Akademie, beliebt und anerkannt im Betrieb, immer noch eng verbunden mit dem Klub. Als der 63-Jährige feststellte, mit welchen «rabiaten Methoden und mit wie vielen Lügen und Drohungen» Malenovic die Strukturen im Klub verändert habe, reichte er die Kündigung ein. «Das tat weh, mein Herz hängt am FCZ», sagt Russheim, der heute unter anderem als Konditionstrainer bei Rapperswil-Jona arbeitet.
Auch die Fans haben genug von Malenovics Machenschaften
Heinz Russheim hat die Vorgänge im FCZ bereits vor ein paar Monaten öffentlich kritisiert. Und er sagt, er habe danach selbst von Mitarbeitenden des Klubs zustimmendes Feedback erhalten. «Milos Malenovic zerstört alles, was in den Jahren zuvor aufgebaut worden ist», sagt er. «Die Stimmung ist himmeltraurig, alle haben Angst.» Es gibt viele dem FC Zürich nahestehende Menschen, die Russheims Aussagen bestätigen. Sie zeichnen das Bild eines chaotischen Klubs, der die Werte verloren hat, die ihn einst ausgezeichnet haben.
Alle Macht für Milos Malenovic – so lautet seit zwei Jahren das FCZ-Motto. Und die Frage ist immer noch, ob der Sportchef ein Genie oder ein Grössenwahnsinniger ist. Malenovic hat im ersten Jahr seiner Tätigkeit stets gesagt, dass man ihn und sein Wirken erst nach drei Transferphasen werde beurteilen können, dann werde das Team zusammengestellt sein. Es ging danach weiter wie zuvor: veränderte Strategie, neue Spieler, noch mehr Transfers, wieder ein anderer Trainer. Mittlerweile hat Malenovic gegen 100 Spielerwechsel getätigt, auch im Unternehmen hat er personell fast alles umgestellt.
Die Resultate sind verheerend. Als Malenovic am 2. Oktober 2023 offiziell beim FCZ vorgestellt wurde, lag das Team in der Super League nach einem 4:1 in Luzern auf Rang 1. Seither ging es in allen Belangen nur abwärts. In der Tabelle. Mit den Leistungen. Im Ansehen.
Auch die Südkurve hat längst genug von den Machenschaften und mehrmals kundgetan, wie wenig sie von Malenovic hält. Sie hat das dem Sportchef auch persönlich klargemacht. Die Fans sind bestens vernetzt und haben ein gutes Gespür. Einmal stand auf einem Transparent, dass der FCZ sich nicht neu erfinde, sondern die Identität verliere.
Das Gambling des Sportchefs kann aufgehen
Es sieht so aus, als ob Malenovic den Verein führt wie seine Spielerberatungsfirma. Es sind Wetten auf die Entwicklung von sehr vielen Fussballern aus sehr vielen Ländern. Wenn zwei oder drei von 25 oder 45 Spielern für eine respektable Ablösesumme verkauft werden können, zahlt sich das finanziell aus. Vielleicht Cheveyo Tsawa. Oder Damenius Reverson, Jahnoah Markelo, Junior Ligue.
Malenovics Gambling hat einen hohen Preis. Der FCZ hat mit katastrophalen Entscheidungen wie der Verpflichtung von Benjamin Mendy Anfang Jahr enorm an Glaubwürdigkeit verloren. Heinz Russheim sagt, es sei unverständlich, dass Malenovic solche Narrenfreiheit geniesse: «Wer ist der Chef im Klub? Die Canepas hätten als Besitzer längst reagieren müssen. Vielleicht können sie es nicht. Aber es kann doch nicht sein, dass sie nicht sehen, was vor ihren Augen alles schiefläuft und wie schlecht sich der Klub präsentiert.»
Der Spielerberater Baykal Bellusci sagt, er habe sich mit Heliane und Ancillo Canepa immer gut verstanden: «Aber seit Malenovic beim FCZ ist, hat unsere Agentur keinen Zugang mehr zum Klub. Vorher war ich persönlich und geschäftlich nahe mit dem FCZ verbunden.»
Die entscheidende Frage ist: Warum lassen die Canepas zu, was mit ihrem Lebenswerk passiert? Man hätte gerne mit ihnen und Malenovic gesprochen, aber das ist seit Monaten nicht möglich. Auch in dieser Woche blieb eine Anfrage an die Medienstelle unbeantwortet, die Verantwortlichen verstecken sich. Andere Angestellte, die nicht von Malenovic engagiert worden sind, reden hinter vorgehaltener Hand – und sind schockiert über die Zustände.
Das hartnäckige Gerücht: Klubverkauf ist längst vereinbart
Ein Grund, warum die Canepas nicht längst reagiert haben, könnte sein, dass ihnen die Hände gebunden sind, weil sie mit Malenovic und seinen Investoren aus dem Ausland längst eine Vereinbarung über die Übernahme des Klubs getroffen haben.
So behaupten das Klubkenner, die auch erzählen, es sei bereits Geld geflossen, zumal das Besitzer-Ehepaar in den letzten Jahren viele Millionen Franken einschiessen musste, um die horrenden Defizite zu übernehmen. Und: In letzter Zeit soll es vermehrt zu Meinungsverschiedenheiten mit Malenovic gekommen sein, die Canepas dürften erkannt haben, wie stark sie sich erneut in ihrer Personalwahl getäuscht haben. Als man noch mit Ancillo Canepa reden konnte, entgegnete er mit Ausdrücken wie «Bullshit», «Fake News» oder «Lügen» auf solche hartnäckig kursierenden Geschichten.
Heliane Canepa hat vor ein paar Jahren in einem Interview mit dem Magazin «Sportlerin» gesagt, man werde den FCZ dereinst in Schweizer Hände übergeben: «Klar: Irgendwann werden wir uns zurückziehen und den Verein verkaufen, wobei wir ihn sicher nicht irgendwo ins Ausland verschachern werden.»
Ancillo Canepa hat Ende 2023 gesagt, man werde den FC Zürich neu erfinden. Immerhin das waren keine Fake News: Es ist vollumfänglich gelungen.