Es gab mal jemand im Forum der eine Arbeit zum Thema „Wahrnehmung des Fussballs in den Medien“ oder ähnlich gepostet hat. Dort wurde dies, soweit ich weiss, auch thematisiert. Vielleicht findet ja jemand den Link noch.
Vielleicht meinst du diese Arbeit: **
Vom Stimmungsmacher zum Feindbild: Zur Veränderung der medialen Wahrnehmung von Feuerwerk in Schweizer Fussballstadien
Hier das Fazit aus dieser Arbeit (hervorhebungen von mir):
Fazit: Mediale Wirklichkeit statt Realität
Aus den Ergebnissen der Inhaltsanalyse lässt sich erstens schliessen, dass die Berichterstattung
zum Issue „Feuerwerk in Fussballstadien“ bezogen auf die Schweiz in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren tatsächlich stark zugenommen
hat. Geht man im Folgenden davon aus, dass Massenmedien gewisse „limited effects“ auf die Rezipienten haben, lassen sich die Medien vor dem Hintergrund von DeGeorges Awarness- sowie Salience-Modells für eine veränderte Wahrnehmung der Öffentlichkeit dem Issue gegenüber verantwortlich machen. Zweitens lässt sich ein klarer Wertewandel hin zu einer fast ausschliesslich negativen Berichterstattung
erkennen. Solche Veränderungen lassen sich nach Scheufele darauf zurückführen, dass sich der Stellenwert, welchen Journalisten den einzelnen Nachrichtenfaktoren zuweisen, immer wieder verändert. Zwischen den untersuchten Zeitperioden muss also eine Orientierungsphase stattgefunden haben, welche durch eine Neuorientierung aufgrund eines allgemeinen Wertewandels, einer veränderten Nachrichtenideologie oder historischer Ereignissegeprägt wurde. Durch bewusstes, oder in den meisten Fällen eher unbewusstes Agenda-Setting und Framing der Journalisten wurde also aus dem kaum beachteten Thema „Feuerwerk in Fussballstadien“ ein Issue, das heute sowohl in der öffentlichen als auch der politischen Agenda verankert ist und fast ausschliesslich negativ wahrgenommen wird.
Um neben der Veränderung der Intensität und Ausprägung auch Aussagen über die Verhältnismässigkeit der Berichterstattung machen zu können, wurden sechs Leitfadeninterviews mit Experten aus den Kreisen Journalismus, Fanarbeit und Stadionsicherheit geführt. Vergleicht man die Ergebnisse der Inhaltsanalyse mit den Einschätzungen der Experten zur tatsächlichen Entwicklung des Feuerwerks in den Stadien, stellt man fest, dass die mediale Berichterstattung in ihrer Intensität nicht mir der Realität übereinstimmt: Weder hat das Zünden von Feuerwerk im Jahr 2008 extrem zugenommen, noch ist die Gefahr, die davon ausgeht heute beträchtlich grösser als in den 1990er Jahren, als kaum darüber berichtet wurde.
Dieser Vergleich bestätigt die in der Einleitung aufgestellte Grundhypothese: Die Medien
(hier durch drei Tageszeitungen repräsentiert) geben durch ihre Eigenschaften des Agenda-Settings und Framings eine mediale Wirklichkeit wieder, welche in ihrem Ausmass nicht der Realität entspricht.
Aufgrund der dargelegten Medieneffekte auf die öffentliche Meinungsbildung, können die die Medien somit mitverantwortlich
gemacht werden für die heutige negative Wahrnehmung des Issues „Feuerwerk in Fussballstadien“.
Mögliche Ursachen der Veränderung
Was die Ursachen des medialen Frame-Modifying sind, lässt sich anhand der Inhaltsanalyse nicht klären, weshalb hier ein zweites Mal auf die Experteninterviews zurückgegriffen wurde. Die folgende Auflistung basiert aufgrund des beschränkten Rahmens der vorliegenden Arbeit nicht auf einer qualitativen Inhaltsanalyse, sondern auf der freien Interpretation des Autors. Aufgelistet werden nur diejenigen Ursachen, welche von mindestens zwei der sechs Experten erwähnt wurden.
• Gesellschaftliche Veränderungen:
Das Sicherheitsbedürfnis in der Gesellschaft hat sich erhöht, wodurch Feuerwerke nicht mehr ins Bild des sauberen Sport passen. Auslöser dieser Entwicklung könnte die Vergabe der Europameisterschaften an die Schweiz gewesen sein. Laut der Experten seien damals Pyros plötzlich mit deliquentem Verhalten gleichgestellt worden.[/list:u:128bgx7v]
• Einzelne Ereignisse:
Fast alle der Experten gaben einzelne Ereignisse an, welche zum Stimmungswandel beigetragen haben könnten: Ein solches ist zum Beispiel die sogenannte „Schande von Basel“, als im Jahr 2006 Fans des FC Basel nach dem verlorenen Spiel um die Meisterschaft aufs Spielfeld stürmten und gegnerische Anhänger und Spieler angriffen. Weiter könnten auch die Fackelwürfe in den Jahren 2007 (FCZ-Fans) und 2008 (YB-Fans) eine Auswirkung auf die Berichterstattung gehabt haben. Erwähnt wurden zudem Ereignisse ausserhalb der Schweiz, vor allem um die Jahrtausendwende in Italien.[/list:u:128bgx7v]
• Boulevardisierung und Kommerzialisierung in den Medien:
Fast alle Experten waren sich einig, dass heutzutage im Journalismus tendenziell zu wenig recherchiert
werde, was vor allem beikomplexen Themen verheerende Auswirkungen haben kann. Dieser Umstand wird auf die Kommerzialisierung, und die damit einhergehende Verknappung der Ressourcen zurückgeführt. Gleichzeitig seien sogenannte „reisserische“ Nachrichtenfaktoren immer wichtiger geworden, negative Schlagzeilen liessen sich einfacher verkaufen. Verstärkt werde diese Entwicklung durch das Aufkommen neuer Medien, vor allem im Internet
.[/list:u:128bgx7v]
• Veränderung bei Journalisten/neue Informationen:
Einen sicherlich zentralen Aspekt der veränderten Wahrnehmung bildet die Information der Medienschaffenden. Erst um 2005 herum seien sowohl den Verantwortlichen der Liga als auch den Journalisten die Gefahren der Feuerwerke richtig bewusst geworden. Die zusätzlichen Informationen und die Sensibilisierung hätten dann zu einer distanzierteren und in der Folge negativeren Berichterstattung geführt.[/list:u:128bgx7v]
• Veränderung in der Fankultur:** Bei all den anderen genannten Gründen darf nicht vergessen werden, dass sich natürlich auch die Fankultur an sich verändert hat. Obwohl sich die Mehrheit der Experten darin einig ist, dass die Gefahr die heutzutage von Feuerwerk in Fussballstadien ausgeht nicht grösser ist als früher, kann man doch eine Zunahme sowohl der Intensität als auch der Regelmässigkeit des Abbrennens feststellen. Zudem fahren heute wesentlich mehr Fussballfans auch an Auswärtsspiele, was zusätzliche Konflikte wie auch eine erhöhte mediale Präsenz zur Folge hat.[/list:u:128bgx7v]