Wohl das beste Interview in Sachen Sicherheit, darf in diesem Thread nicht fehlen:
http://www.tageswoche.ch/de/2012_51/sport/492936/drei-maenner-eine-liebe.htm
Ein paar Auszüge:
Venutti: Ganz generell gibt es noch immer viele Leute, die glauben, gesellschaftliche Probleme
liessen sich mit neuen Reglementen und dem Strafrecht lösen. Das ist ein Zeichen von Hilflosigkeit.
[…]
Venutti: Im Vergleich zu den 1980er- und 1990er-Jahren ist es ruhiger geworden. Das lässt sich
nachweisen. Jetzt könnten Politiker sagen: Okay, in den letzten 10, 15 Jahren haben wir etwas erreicht,
wurden die Stadien quasi befriedet. Aber das Gegenteil ist der Fall: Es wird permanent versucht, das
Problem grösser zu machen, als es tatsächlich ist. Also muss es politische Interessen dahinter geben.
Und es bestehen kommerzielle Interessen: Es ist eine Sicherheitsindustrie entstanden, auch rund um
Fussballspiele. Private Sicherheitsdienste haben doch Interesse daran, dass es klöpft, zum Teil provo-
zieren sie es selbst.
Lenz: Auf Nulltoleranz kann man eine politische Karriere aufbauen. Wenn man nachfragt, ob es
dadurch in St. Gallen weniger Probleme gebe als in Bern, wo mehr Dialog stattfindet, dann ist das Resul-
tat nicht eindeutig. Wenn man behaupten könnte, dass wir mit Härte wirklich Sicherheit hinbekommen,
die es sonst nirgends in der Schweiz gibt, dann könnte man sagen: Das ist das Modell. Aber so einfach
ist es nicht. Es ist heute so wie einst in der Drogenpolitik. Es gab Leute, die behaupteten: Das lösen wir
mit Nulltoleranz. Funktioniert hat es nicht.