Tschik Cajkovski
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27.05.2016, 06:34 · #241
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Lucien Favre
«Der Niedergang des FCZ berührt mich sehr»
Interview / von Sven Schoch, sda / 27.5.2016, 07:00 Uhr
Mit dem OGC Nice hat der Fussball-Coach Lucien Favre viel vor. Das Schicksal des FC Zürich bewegt ihn. «Dass der FCZ abgestiegen ist, kann ich kaum glauben», sagt der 58-Jährige.
Lucien Favre steigt an der Côte d'Azur nach achtmonatiger Pause wieder ins Business ein. Er sei wieder frisch im Kopf und bereit, mit dem OGC Nice weitere Fortschritte zu machen. Der Waadtländer hat viel vor und ortet in einem spannenden Umfeld das Potenzial, sich auf gutem Niveau zu stabilisieren. Ihn reize die Herausforderung, so der Romand im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Nur etwas betrübt ihn in diesen Tagen: «Der Abstieg des FCZ tut mir weh.»
Ihr Name kursierte in England, in Deutschland, Sie aber haben sich für die Ligue 1 entschieden. Warum steigen Sie beim OGC Nice ein?
Wir waren schon lange in Kontakt miteinander. Peu à peu hat mich das Projekt von Nice überzeugt. Die Infrastruktur ist modern und sehr gut, die Mannschaft ist noch im Aufbau, aber bereits gut. Es wird darum gehen, alles Schritt für Schritt auf gutem Niveau zu stabilisieren.
Das Stadion ist bereits erstklassig.
Es immer wichtig, in einer Arena mit Ambiance spielen zu können. Die Fans fühlen sich in diesem Stadion wohl. Für die Zukunft ist das Umfeld wichtig. Wegen der EURO wurde in Frankreich viel Geld investiert. Und in einem Jahr wird der Klub ein Sportzentrum für 15 Millionen eröffnen.
Was ist mit Nice zu bewegen? Paris Saint-Germain und Lyon wirtschaften in einer anderen Money League.
Warten wir ab, es geht im Sport manchmal schnell aufwärts, aber auch abwärts. Es ist viel zu früh, bereits Prognosen abzugeben. Aber klar, Paris ist eine grosse Geschichte, Lyon hat ein riesiges Stadion und enorme Möglichkeiten, Bordeaux, Saint-Etienne, vergessen wir Marseille nicht. In Frankreich gibt es viele sehr solide Vereine.
Was verbinden Sie generell mit dem französischen Fussball?
Die Athletik fällt mir auf, die Qualität ist gut. Aber wissen Sie, jede Meisterschaft hat ihre Eigenheiten, ihre Vorzüge, ihre Fehler. Überall gibt es dominante Klubs, in Frankreich ist es PSG, in Deutschland sind die Bayern führend, in Spanien die Madrilenen und Barça. Ich werde mich rasch adaptieren, zumal man in der Romandie ohnehin eher auf die Ligue 1 ausgerichtet ist.
Sie arbeiten nach fast 13 Jahren erstmals wieder im frankophonen Raum. Ein Zufall?
Man kann seinen Weg als Trainer nie exakt planen, man muss immer für alles offen sein - auch für ein Land mit einer anderen Sprache. Im Leben kann schnell viel passieren, im Sport sowieso. Aber ich gebe es zu, wieder in meiner eigenen Sprache zu kommunizieren, ist schon fast ein bisschen komisch.
Welche Erfahrungen nehmen Sie aus dem deutschsprachigen Teil der Fussball-Szene mit?
Ich denke an Zürich zurück, es war zunächst schwierig, dann kam der Cup, die zwei Meistertitel, dann der Job bei der Hertha in der Hauptstadt. Als Schweizer konnte ich eine solche Offerte nicht ausschlagen, auch wenn es damals schwer war, mich zu überzeugen. Später erlebte ich die Story mit Gladbach. Ich habe überall spannende und wertvolle Persönlichkeiten getroffen, die Kontakte werden nie abreissen. Es bleiben substanzielle Erinnerungen zurück.
In Mönchengladbach prägten Sie das Comeback eines einst grossen Klubs. Was folgt in Nizza?
Es ist wie gesagt zu früh, darüber etwas zu sagen. Wir müssen den Sommer abwarten, vielleicht gibt es Veränderungen. Ich hoffe es nicht, ich würde gerne alle Spieler halten. Viele Spieler sind jung, etwa 24 im Durchschnitt. Sie besitzen die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln.
Sie pausierten während acht Monaten. Was stand während dieser Auszeit im Vordergrund?
Ich verfolgte viele Spiele, man muss als Trainer immer alle Details im Auge behalten. Die Entwicklung geht rasend schnell, man muss bereit sein und in allen Bereichen Fortschritte machen. Und man muss frisch sein im Kopf, sonst bringt eine Rückkehr nichts. Aber acht Monate Pause genügten; ich wollte im Juni unbedingt wieder auf dem Platz stehen.
Sie setzen Ihre Laufbahn bei einem Europa-League-Teilnehmer fort, der Klub, den Sie zum Meister-Double geführt haben, spielt künftig in der Challenge League.
Der Niedergang des FCZ berührt mich sehr. Ich habe in dieser Stadt eine phantastische Zeit verbracht, die ich nie mehr vergessen werde. Zürich war für mich eine extrem wichtige Station. Dass der FCZ abgestiegen ist, kann ich kaum glauben. Es ist irgendwie nicht möglich, oder? Ich bin zwar weit entfernt in Frankreich, aber diese Nachricht trifft mich hart. Es ist momentan schwierig, die richtigen Worte zu finden. Der FCZ in der Challenge League, das ist einfach nur extrem traurig. Es tut mir für alle Supporter leid.