Ein Artikel aus der heutigen NZZ zum Thema leere Plätze und Ticketing am Cupfinal.
http://www.nzz.ch/aktuell/sport/fussball/zuschauer-aus-hartem-plastik-1.182884
Zuschauer aus hartem Plastik
Einen Cup-Final mit so wenigen Zuschauern hat es im Schweizer Fussball seit zehn Jahren nicht gegeben. Der Fussballverband und die Vereine suchen nach Gründen, müssen sich aber auch selber an der Nase nehmen.
Als der FCZ-Spieler Philippe Koch am Montag in der 37. Minute des Cup-Finals zum Einwurf schreitet, zeigt ihn das Schweizer Fernsehen in Grossaufnahme. Dahinter ist die Gegentribüne des Stade de Suisse zu sehen. Es scheint, als sei Koch alleine im Stadion, statt Sportbegeisterte umrahmen den Verteidiger einzig dunkle Kunststoffsitze.
Fast 32 000 Zuschauern böte das Fussballstadion Platz. Lediglich 23 312 fanden am Montag den Weg nach Bern. So wenige wie seit dem Cup-Final 2004 nicht mehr, als der FC Wil gegen die Grasshoppers reüssierte. Und dies bei einer Affiche wie Basel gegen Zürich. Das Spiel wurde wie bei den legendären Duellen der 1970er Jahre auf einen Ostermontag angesetzt. Damals reisten jeweils bis zu 47 500 Schlachtenbummler ins Wankdorfstadion. Heuer waren es nicht einmal halb so viele.
Am Tag nach dem Zürcher Triumph rätselten der Schweizerische Fussballverband (SFV) und die betroffenen Vereine über mögliche Ursachen für das Fernbleiben vieler Zuschauer. Waren sie in den Ferien? Hat die Attraktivität des Cups abgenommen? Waren die Tickets zu teuer? Oder hat die Berichterstattung über mögliche Ausschreitungen, die zu erwarten waren, viele Sportfreunde abgeschreckt?
Fakt ist, dass die Zuschauerzahlen der vergangenen Jahre gar nicht hätten erreicht werden können. Der SFV hatte lediglich 26 500 Tickets herausgegeben, wie es auf Anfrage hiess. Aus Sicherheitsgründen mussten zwei Sektoren als Pufferzonen leer bleiben. Die klaffenden Lücken im Stadion beschränkten sich aber längst nicht auf die gesperrten Zonen. Vor allem auf der Gegentribüne hätten noch ein paar tausend Zuschauer Platz gehabt. Matchbesucher, die auf dem Schwarzmarkt zu überteuerten Preisen ein Ticket erstanden hatten, staunten nicht schlecht, als sie sahen, dass es am Spieltag selbst an der Tageskasse noch Tickets zu kaufen gab. Über diese Möglichkeit war im Vorfeld nicht informiert worden. Mangelnde Kommunikation scheint denn auch ein wesentlicher Grund für die vielen leeren Sitzplätze gewesen zu sein.
Noch Ende März hatte der SFV mitgeteilt, dass der Vorverkauf voraussichtlich «nur über die Finalisten» erfolgen werde. Diese durften aber lediglich je rund 9000 Tickets verkaufen. Wie der Verband die übrigen 8500 Tickets absetzen wollte, ist unklar. Auf Anfrage gab es dazu keine Antwort. Klar ist hingegen, dass sich der SFV am letzten Mittwoch dazu entschloss, 2000 Tickets für die Gegentribüne und 1000 Tickets für ein Kombi-Angebot mit der Bahn dennoch über Ticketcorner zu verkaufen. Das Angebot kam jedoch zu spät. Über diesen Kanal und die Tageskasse wurden lediglich 1300 Tickets verkauft.
Aber nicht nur der SFV, auch der FCB und der FCZ müssen sich an der eigenen Nase nehmen. Beiden ist es überraschenderweise nicht gelungen, ihre zugeteilten Kontingente abzusetzen. Die Zürcher mussten rund 500, die Basler gar rund 1000 Tickets zurückgeben. Auch hier dürfte die Kommunikation eine entscheidende Rolle gespielt haben, besonders beim FC Zürich. Saisonkarteninhaber hatten wie üblich ein Vorkaufsrecht. Anschliessend versuchte der FCZ die Cup-Final-Tickets an Fans zu verkaufen, die bereit waren, gleichzeitig auch Tickets für drei Meisterschaftsspiele zu erwerben. Als auch damit nicht das gesamte Kontingent verkauft werden konnte, wurden die Regeln liberalisiert. So manche Sportbegeisterte scheinen dies allerdings nicht mehr realisiert zu haben