Irrer Poker um Nati-Star Gökhan Inler (23): Die Top-Klubs jagen ihn, sein Klub Udinese will ihm eine Ausstiegsklausel abkaufen.

Es ist noch kein Jahr her, da konnten sie in Italien noch nicht einmal seinen Namen richtig schreiben. «Gokan» (Repubblica) und «Goran» (Gazzetta dello Sport) nannten ihn die grossen Zeitungen. «Jetzt glaube ich», sagt Gökhan Inler zu BLICK, «dass sie meinen Namen kennen.»
Dieser Name steht inzwischen dick auf den Einkaufszetteln der europäischen Top-Klubs. Barcelona und Juventus Turin sollen sich bei Udinese gemeldet haben. Deswegen kontern Udineses Klub-Besitzer Giampaolo und Gino Pozzo: Sie wollen Inlers bis 2012 gültigen Vertrag verlängern – um ihm so eine brisante Klausel abzukaufen!
Konkret geht es darum, dass der Mittelfeldspieler dank dieser Klausel den Serie-A-Klub für zehn Millionen Euro, rund 16 Millionen Franken, verlassen kann. Nie hätte jemand daran gedacht, dass sein Marktwert derart explodiert. 2005 war Inler noch Ersatzspieler bei Aarau, erst beim FCZ wurde er Stammspieler und gehört jetzt zum festen Stamm der Nati. Die renommierte «Gazzetta dello Sport» kürte ihn zum besten ausländischen Neueinkauf der Serie A.
Inler bestätigt die Klausel und sagt: «Es ist richtig, dass der Klub meinen Vertrag anpassen will.» Der irre Plan: Bisher verdient Inler rund 1,5 Millionen Franken brutto. Damit die Klausel aus dem Vertrag gestrichen wird, müsste sein Gehalt ungefähr verdoppelt werden. Boss Gino Pozzo ist der Meinung, dass Inler dereinst für 25 Millionen Euro wechseln werde.
Pozzos Furcht ist begründet. Barcelonas Sportdirektor Txiki Beguiristain liess Inler schon beim FCZ beobachten und befand ihn für gut. Nur: Ein Klub wie Barcelona holt keinen Spieler von einem kleinen Klub wie dem FCZ. Als bester ausländischer Neuzuzug in der Serie A ist er plötzlich interessant. So interessant, dass Beguiristain Pozzo bei einem Treffen auf Inler ansprach! Worauf die Zeitung «Tuttosport» schrieb, dass die «Bianconeri» ihn wollen.
Der Nati-Star: «Mich macht es stolz, mit Klubs wie Barcelona und Juve in Verbindung gebracht zu werden. Ich höre viel vom Interesse an meiner Person und werde oft von Spielerberatern, die mich vermitteln wollen, angesprochen.» Inler wird aber fix von Dino Lamberti beraten. «Das bleibt so. Uns reisst niemand auseinander», so Inler.
Was für eine Karriere von «Gögi», dem Sohn türkischer Einwanderer. Er wurde in Olten geboren, begann auch seine Karriere dort. Über den FC Solothurn kam er 2002 zum FC Basel, ging 2005 zu Aarau, wo er meist nur auf der Bank sass. 2006 dann der Wechsel für 400 000 Franken zum FC Zürich, 2008 für 3,3 Millionen Fr. zu Udinese. Dort machte er in dieser Saison 25 Spiele (1 Tor), ist Stammspieler – auch heute in Palermo.
«Meine Entwicklung kommt für mich nicht überraschend», sagt Inler keck. «Dass alles so gekommen ist, ist das Ergebnis harter Arbeit.» Und konkretisiert: «Seit ich bei Udinese bin, war ich nicht ein Mal im Ausgang. Ich habe in meinem ganzen Leben nie Alkohol getrunken und nie geraucht.» Ihm würden Freundin Raquel und seine zwei Yorkshire-Hunde für die Freizeit reichen, sagt er.
Ob er seinen Vertrag verlängert? «Wieso nicht? Ich fühle mich wohl in Udine. Aber im Fussball kann alles schnell gehen.»