http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/a ... 61370.html
i. «Es wäre schon geil gewesen, da drinnen», sagt ein vielleicht 16-jähriger Jugendlicher mit blau-rotem FCB-Schal um den Hals zu seinem Kumpel. Beide blicken etwas bedrückt durch die Schlitze zwischen den Stahlbalken ins Letzigrund-Stadion. Vor einer halben Stunde ist ihr Extrazug im Bahnhof Altstetten angekommen. 40 Franken haben sie für das Billett bezahlt. Mit etwa 400 weiteren Fans des FC Basel sind sie hinter einem riesigen Transparent mit der Aufschrift «Fuessball ghört allne» zum Letzigrund gezogen. Aber das Spiel ihres Vereins gegen den FC Zürich werden sie nicht sehen: Die Hardcore-Fans aus der Muttenzerkurve haben zum Boykott aufgerufen und wollen ihren Verein von der Baslerstrasse aus unterstützen. 38 Franken für eine Karte im Gäste-Sektor sind ihnen zu viel. Und die beiden Fussballfreunde wollen solidarisch sein. Man habe schliesslich seine Prinzipien.
Beim Eingang vor den Sektoren B 10 bis 13 gegenüber dem Schlachthof haben sich die empörten Basler versammelt. Junge Männer verteilen Flugblätter, auf denen zu lesen ist, dass der FCB zurzeit ebenfalls 35 Franken für Gästetickets verlange. Aber der Verein habe angekündigt, dass der Eintritt ab nächster Saison nur noch 25 Franken kosten werde. Dass bis dahin noch 14 Heimspiele des FCB zum nur minimal unter dem FCZ-Tarif liegenden Ticketpreis anstehen, steht nicht auf dem Zettel. Eifrig werden alle in Diskussionen verwickelt, die trotz dem Boykottaufruf ins Stadion gehen. Doch keiner will draussen bleiben.
So um viertel vor acht taucht plötzlich Gigi Oeri mitten in den Fans auf. «Gigi, bleib bei uns draussen!», wird sie bedrängt, aber die schwerreiche Mäzenin und Klubpräsidentin hat kein Musikgehör für die Bitten der treuesten Fans ihres FCB. Sie verdreht verzweifelt die Augen und wedelt mit der gespreizten Hand vor dem Gesicht, ehe sie sich auf den Weg zu einem anderen Eingang macht. Derweil verkündet einer durchs Megafon, dass die Muttenzerkurve Freibier für alle standhaften Boykotteure ausgebe.
Gegen Spielbeginn hin wird die Gruppe immer kleiner. Aber jene, die ausharren, bleiben guten Mutes, und als in der 15. Minute ein Tor für ihren Klub fällt, jubeln sie und brennen bengalische Fackeln ab, als ob sie im Stadion drin wären. Aber das sind sie nicht, und so dauert es eine Minute, bis sie erfahren, dass der Treffer wegen Abseits annulliert wurde. Die Fackeln fallen auf den Boden, und die noch rund 150 vorwiegend jugendlichen Fans draussen vor der Tür werden leise. Später aber haben sie doch noch ein wenig zu feiern. Am Schluss steht es nämlich 2:2. Die Basler auf dem Rasen haben dem Meister den Meister zwar nicht ganz gezeigt. Die anderen vor den Billettkassen auf ihre Art aber schon.