Aus dem Tages-Anzeiger Regionalteil von heute:
FRAG-WÜRDIG MIT URSAL YASAR (27), NEUER TRAINER DER ERSTEN MANNSCHAFT DES FC WOLLISHOFEN
«Ich will als Trainer sportliche Erfolge erzielen»
Ursal Yasar trainiert ab Sommer die erste Mannschaft des FC Wollishofen. Als Spieler war er einst Wunschstürmer von Lucien Favre beim FCZ, litt aber unter zahlreichen Verletzungen.
Mit Ursal Yasar sprach Robert Wildi
Ursal Yasar, Sie sind Ex-Profi und mit 27 noch im besten Fussballer-Alter. Weshalb wechseln Sie jetzt als Trainer des aktuellen 3. Ligisten Wollishofen in die Niederungen des Regionalfussballs?
Dieser Entscheid ist nicht von heute auf morgen gefallen und die Folge eines längeren Prozesses. Ich musste mich in den letzten Jahren immer wieder mit hartnäckigen Knieverletzungen herumschlagen und kam deshalb als Spieler nur selten auf mein ganzes Leistungsniveau. Nachdem ich nun bei Wollishofen in den letzten Jahren bereits Juniorenteams trainierte, ist vom Verein das Angebot gekommen, im Sommer die erste Mannschaft zu übernehmen. Ich habe spontan zugesagt und denke, dass damit eine neue Periode in meiner persönlichen Fussballkarriere beginnen kann.
Trotzdem, nachdem Sie noch vor einigen Jahren beim FCZ der Wunschstürmer vom damaligen Trainer Lucien Favre waren, kam ein Abstieg in Raten bis in die 2. Liga, wo Sie aktuell bei Glarus spielen. Was ist der Grund dafür?
Wie schon gesagt, mühsame Knieverletzungen machten mir immer wieder zu schaffen. Dazu kamen in der FCZ-Zeit auch andere Probleme. Nachdem mich Favre zunächst unbedingt wollte, gab es nach meiner ersten verletzungsbedingten Pause schon auch gewisse Kommunikationsprobleme. Natürlich sind nicht nur die Verletzungen, obwohl sie mir mit der Zeit auch psychisch zu schaffen machten, der Grund für meine nicht optimale Entwicklung als Spieler. Ich zeigte sicherlich auch manchmal nicht die Leistungen, welche die Trainer von mir erwartet hatten.
War das auch der Grund, weshalb Ihr nächstes Engagement beim damaligen Super-League-Klub Schaffhausen nicht von Erfolg gekrönt war?
Vielleicht. Trainer Jürgen Seeberger holte mich vom FCZ und erwartete, dass ich bei Schaffhausen gleich Tor um Tor erziele. Ich hatte aber noch immer mit den Folgen einer Knieverletzung zu kämpfen und konnte die hohen Erwartungen deshalb nicht erfüllen.
Es folgten Concordia Basel, ein Verein der 2. türkischen Division, dann Tuggen, YF Ju- ventus, Glarus und jetzt Wollishofen. Werden Sie dort noch spielen?
Ich werde mit der Mannschaft sicherlich mittrainieren und bei Bedarf oder Personalmangel auch spielen. Aber der aktive Fussball steht bei mir tatsächlich nicht mehr im Vordergrund.
Haben Sie sich beruflich anderweitig orientiert?
Ja, nachdem ich die aktuelle Saison bei YF Juventus in der 1. Liga in Angriff genommen hatte, erhielt ich ein Jobangebot auf einer Bank mit guten Weiterbildungsmöglichkeiten. Das war auch der Grund, weshalb ich mich im gegenseitigen Einvernehmen wieder vom Klub getrennt habe. Der Trainingsaufwand in der 1. Liga liess sich nicht mit dem Beruf vereinbaren.
Wie ist der erste Kontakt zum FC Wollishofen zu Stande gekommen?
Ich bin vor fünf Jahren ins Quartier gezogen, weil meine Freundin hier wohnte.
Über einen guten Kollegen, der bei Wollishofen damals Junioren trainierte, bin ich mit dem Verein in Kontakt gekommen. So hat sich eins ums andere ergeben. Nach den C-Junioren habe ich die B-Junioren und schliesslich die A-Junioren des Klubs übernommen.
Was erwarten Sie von der Arbeit mit der ersten Mannschaft?
Ich habe meine klaren Ideen, wie ich das Team, in dem einiges an Potenzial steckt, weiterbringen möchte. Es ist durchaus möglich, dass ich die Mannschaft sogar in der 2. Liga übernehmen kann. Zurzeit belegt sie in der 3. Liga den zweiten Tabellenrang.
Wie sehen Ihre mittel- und langfristigen Trainerambitionen aus?
In erster Linie freue ich mich jetzt auf die Herausforderung mit dem FC Wollishofen. Ich bin fest gewillt, mit dieser Mannschaft sportliche Erfolge zu realisieren. Natürlich möchte ich, wenn immer möglich, dereinst auch mal Teams in höheren Ligen trainieren. Das ist mein erklärtes Ziel.
Welche Trainerdiplome haben Sie?
Zurzeit bin ich Inhaber des B-Diploms. Das A-Diplom werde ich so rasch als möglich erwerben. Dafür muss ich jetzt aber erst mal eine Aktivmannschaft trainieren. Danach sehen wir weiter.
*Welche Spielertypen mögen Sie besonders? *
Wenn Sie mich als Spieler fragen, liebe ich Typen, die durch ihre individuelle Klasse auffallen und Partien im Alleingang entscheiden können. Als Trainer verschiebt sich diese Optik ein wenig. Aus dieser Perspektive mag ich Spielertypen, die eine taktische Vorgabe optimal umsetzen können und ihre Fähigkeiten in den Dienst der Mannschaft stellen.
*Sie reden schon wie ein richtiger Trainer.
Gibt es internationale Vorbilder?*
In den europäischen Spitzenteams agieren viele Trainer auf einem bemerkenswerten Niveau. Als hervorragenden Motivator schätze ich zum Beispiel José Mourinho, in Bezug auf taktisches Verständnis bewundere ich Arsène Wenger. Erwähnen möchte ich aber auch Lucien Favre, der beim FCZ herausragende Arbeit geleistet hat.

*Vom FCZ-Stürmer zum 3.-Liga-Coach. Ursal Yasar: «Ich freue mich auf die Herausforderung mit Wollishofen.» *
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