Philippescu
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01.04.2008, 14:28 · #801
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heul doch
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Dzemaili und der Gedanke an ein Leben fern von Bolton
Der Zürcher sieht bei den Bolton Wanderers keine Perspektive mehr und seine EM-Aussichten schwinden. Nicht wirklich weiter brachte ihn ein Spiel in seiner Heimat Mazedonien.
Von David Wiederkehr, Kumanovo
Wieder einmal war er gut unterhalten. Sass auf der Tribüne des Reebok-Stadions in Horwich. Sah, wie die Bolton Wanderers 2:0 gegen Arsenal führten – aber doch noch verloren. 2:3 – fünf Tore. Nur: Er hätte gar nicht da sitzen wollen, in einem Schalensitz irgendwo auf halbem Weg zwischen geschwungener Dachkonstruktion und Rasen. Er hätte spielen wollen, ein paar Minuten wenigstens.
Doch das darf Blerim Dzemaili nicht. Solange der Trainer in Bolton Gary Megson heisst, jedenfalls. In einem der seltenen Gespräche unter vier Augen habe er ihm das unverhohlen gesagt. «Ansonsten redet er nicht mit mir», sagt Dzemaili. Hört sich an, als hätte er resigniert.
Zuzusehen, obwohl er von seinem Kreuzbandriss längst genesen ist, «das ist hart, das tut weh», gesteht der Zürcher, der in zwei Wochen 22-jährig wird. Denn er glaubt, seiner Mannschaft helfen zu können, jetzt, da diese ein Spiel nach dem nächsten verliert und nach dem Höhenflug im Uefa-Cup der Abstieg aus der Premier League droht. Und doch könnten ihm ausgerechnet diese Misserfolge zu Gute kommen, schliesslich fehlen Megson zunehmend die Argumente. «Meine Hoffnung ist, dass der frühere Trainer zurückkehrt », sagt Dzemaili.
Sam Allardyce war es, der den Zuzug von Dzemaili vom FC Zürich vor gut einem Jahr möglich gemacht hatte. Seit ein paar Wochen darf Dzemaili aber nicht einmal mehr für die Reserven auflaufen – auf Geheiss von Megson, der sich in der Winterpause seltsamerweise gegen eine Ausleihe des Mittelfeldspielers nach Fulham oder Hertha Berlin gestemmt hatte.
Der Umzug nach Manchester
Kein Wunder, stellt sich Dzemaili Fragen nach dem Warum. «Vielleicht mache ich mir auch zu viele Gedanken», mutmasst er, «aber ich verstehe nicht, warum mich Bolton überhaupt geholt hat.» Von den Mitspielern bekomme er Komplimente, im Training fühle er sich gut. Und seit seinem Umzug nach Manchester gefällt ihm England noch besser.
Wäre da nur das Nichtstun und Zweifeln, während Spieler wie Gökhan Inler oder Gelson Fernandes mit ihren Klubs auf der Position im Mittelfeld Punkte sammeln können fürs Nationalteam. «Vor kurzem war ich ihnen weit voraus», sagt Dzemaili, jetzt sieht er seine EMChancen schwinden. «Noch habe ich die Teilnahme zwar nicht abgeschrieben, aber viele Chancen bekomme ich wohl nicht mehr, um mich zu zeigen», sagt er und befürchtet: «Bei Bolton werde ich bis zum Saisonende auf der Tribüne sitzen.» Nationaltrainer Köbi Kuhn ahnt das auch, und er sorgt sich um einen seiner Lieblingsspieler. Doch die Einflussnahme in Bolton hat nichts bewirkt, weswegen es vor einer Woche zum Szenenwechsel kam: Dzemaili reiste mit der U-21 zum EM-Qualifikationsspiel nach Mazedonien, während Kuhn seine A-Nationalmannschaft gegen Deutschland testen liess. Ein Rückschritt war das für Dzemaili nicht, «vielmehr betrachte ich es als Glück, noch für die U-21 spielberechtigt zu sein». Und der Flug nach Südosteuropa, in eines der ärmsten Länder des Kontinents, stellte für ihn kein Gang in eine fremde Welt dar: Dort wurde Dzemaili geboren, in Tetovo, das nur 80 Kilometer entfernt ist von Kumanovo, wo die Partie stattfand.
«Ich habe mich sehr auf dieses Spiel gefreut», sagte er. Er fühle sich heimisch in Mazedonien, auch wenn er nur die vier ersten Jahre seines Lebens dort gelebt hat und sich die Erinnerungen an seine Kindheit auf die Schweiz beschränken. Auch wenn er nicht mazedonisch spricht, sondern albanisch. Noch immer leben Cousins und ein Grossvater in Bogovinje, einer Agglomerationsstadt von Tetovo. Einmal im Jahr besucht er seine alte Heimat.
Vernichtendes Urteil von Schürmann
Die Vorfreude auf den berühmten Verwandten machte sich auch in Bogovinje breit, wo die Cousins eine Carfahrt nach Kumanovo gechartert hatten. Auf einem Transparent feierten sie «Blerim Xhemaili», wie der Name in Albanisch geschrieben wird. Jemand trug gar ein Leibchen des Schweizer Nationalteams mit jener Nummer 15, die Dzemaili für die WM 2006 bekommen hatte. Ein weiterer darf sich künftig das Shirt überstreifen, mit dem Dzemaili zum U-21-Spiel auflief: Der Umjubelte warf es in die Menge auf der Tribüne. Zum erbetenen Gruppenfoto kam die Delegation aber nicht, sie wurde nicht zum Spielerbus durchgelassen.
Und auch die Unterstützung half nichts, die Schweiz blamierte sich gegen Mazedonien. Dzemaili war beim 1:2 nicht der Leader, wie es Trainer Pierre-André Schürmann erwartet hatte. «Offensichtlich, dass ihm Spielpraxis fehlt. Ich bezweifle, dass es ihm zur EM reicht», urteilt der Trainer vernichtend.
Sein Anwalt prüft die Optionen
Zumindest gegen aussen vernimmt dies Dzemaili gelassen. «Ich war mit 20 an einer WM, nun verpasse ich mit 22 möglicherweise eine EM», sagt er und vollendet: «Das Leben ginge trotzdem weiter.» Das Heimturnier ist für ihn nicht mehr jener Massstab, dem er alles unterordnet. Wichtiger wäre ihm Klarheit, wie es mit ihm weitergeht – in Bolton oder anderswo. Sein Anwalt klärt momentan ab, welche Optionen er hat. Bleibt Megson der Trainer, will Dzemaili Bolton verlassen.
Sein Vertrag mit dem Premier-LeagueKlub läuft bis Ende Juni 2009, und kommt Dzemaili auf eine bestimmte Anzahl Spiele, wird dieser um ein Jahr verlängert. Doch damit rechnet der Schweizer nicht.
— test