passt vielleicht nicht so in diesen thread, hab aber keinen besseren gefunden...
aus dem Tagblatt zürich ein bericht über Urs Fischer:
«Der Trainer, den es noch nicht kribbelt »
Das Porträt: Urs Fischer
ASSISTENZTRAINER Urs Fischer ist ein FCZ- Urgestein. Bis zum Sommer leitete er die U-21- Mannschaft. Jetzt ist er die Nummer 2, hinter Cheftrainer Bernard Challandes.
VON MARKUS HEGGLIN UND GINGER HEBEL
«Man muss seine Rolle akzeptieren. » Urs Fischer ist um 8.30 Uhr einer der Ersten auf dem Trainingsgelände in der Brunau. In seinem Büro in der Saalsporthalle bereitet er das Training der ersten Mannschaft vor. Seit der alte Letzigrund abgebrochen wurde, liegt hier draussen zwischen Autobahn, Sihlcity und Üetliberg die Heimat des FCZ. «Natürlich neiden wir GC den Campus in Niederhasli», sagt Fischer lächelnd. Sein Schmunzeln soll bedeuten: Wir habens zwar etwas bescheidener als unser Lokalrivale, dafür sind wir die Nummer 1 der Stadt.
Seit dem Sommer ist er die Nummer 2 bei seinem FCZ. Dem er seit über 20 Jahren angehört, von ein paar Jahren bei St. Gallen einmal abgesehen.
Für den 41-Jährigen kam dieser Schritt überraschend. Die Klubführung musste in kürzester Zeit ein neues Führungsteam zusammenstellen. Meistermacher Lucien Favre hatte sich nach Berlin verabschiedet, er wurde durch Bernard Challandes ersetzt. Dann lockte Favre auch noch seinen langjährigen Assistenten Harald Gämperle zu Hertha.
«Die Zeit war knapp, die Lösung mit mir ist aus der Not geboren.» Urs Fischer trainierte bisher die U-21-Mannschaft – mit viel Erfolg. Er hätte seine Arbeit mit den Jungen gerne fortgeführt, sie für die erste Mannschaft «parat gemacht». Deshalb sagte er auch nicht spontan zu, als er angefragt wurde, wollte Bedenkzeit. Er willigte ein, wohl mehr aus Loyalität und Verantwortungsgefühl seinem Verein gegenüber als aus innerstem Antrieb. Zugeben würde er dies allerdings nicht.
Zwei Gradlinige
Urs Fischer war immer eine Leaderfigur, früher als jahrelanger Captain, dann als Nachwuchstrainer. Jetzt muss er sich unterordnen, in die hintere Reihe stellen. Ein Problem? Fischer, der Unkomplizierte, dem alle Starallüren abgehen, der nicht lange um den heissen Brei herumredet, ein «Fadegrade» eben, betont nochmals, was er zu Beginn des Gesprächs gesagt hat: «Wenn man diesen Job macht, muss man die richtige Einstellung haben, das heisst: Ich arbeite im Hintergrund, die Verantwortung hat der Cheftrainer.» Das tönt nach strenger Hierarchie, ist in Wirklichkeit aber unkomplizierter. Das hängt stark mit der Person Bernard Challandes zusammen. Er ist der «klassischere» Romand als der introvertierte Favre, gleicht mit seinem unprätentiösen Wesen charakterlich eher dem Fischer. «Er ist kommunikativ, schätzt, wenn jemand nicht einfach immer Ja sagt, und pflegt einen modernen Führungsstil», schwärmt dieser.
Assistenztrainer stellen im Training die Töggel auf, rennen mit den Spielern bei Wind und Wetter um den Platz, während der Cheftrainer im geheizten Räumchen mit den Journalisten über seine Spielphilosophie plaudert? «Ein Klischee, das ist sicher nicht bei Bernard der Fall», lacht Fischer.
Der Chef überlässt ihm viel Verantwortung, er darf im Training eigenständig Spielergruppen führen, wird bei der Mannschaftsaufstellung in die Diskussion einbezogen. Daneben macht Fischer das, was seine Kollegen auch tun: Sie nehmen dem Trainer so viel wie möglich ab, erledigen Administratives, schneiden Videos zusammen, beobachten die Spieler beim Training und beim Spiel, vier Augen sehen schliesslich mehr als zwei.
Natürlich können die beiden zurzeit ihr entspanntes Verhältnis geniessen.
Denn die Mannschaft hat Erfolg, es herrscht Ruhe im Verein. Obwohl dessen Ziele hoch sind. Das Team soll wieder um den Meistertitel kämpfen und auch europäisch mithalten können.
Dabei ging die Klubführung mit seinem neuen Trainerduo ein grosses Risiko ein. Bernard Challandes, der 12 Jahre lang beim Schweizerischen Fussballverband tätig war, musste sich erst wieder daran gewöhnen, täglich mit einer Mannschaft zu trainieren. Und für Fischer war der Job des Assistenztrainers Neuland. «Wir mussten uns zuerst finden, aber es klappt sehr gut», bilanziert Optimist Fischer. Dass er als FCZ-Urgestein über die bessere Lobby im Klub verfügt, sei für Challandes kein Problem. Eben weil es zurzeit wohl keine Probleme im Verein gibt.
Gegenüber den Spielern verhalten sich die beiden unterschiedlich. Fischer duzt, Challandes siezt die Spieler. Sie besprechen private Probleme auch eher mal mit dem Assistenztrainer. Ihr Kindermädchen möchte er aber nicht sein. Als ehemaliger Spieler, der auch mal auf den Putz hauen konnte, versteht er, wenn die Sportler manchmal Dampf ablassen (natürlich nicht in dem Sinne, wie es einige Spieler beim FC Thun taten). Entscheidend
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ist für ihn die Professionalität, ein Fussballer müsse wissen, was seine Leistung beeinträchtige.
Dass ein Spieler bei ihm auf gut Wetter macht, damit Challandes ihn nicht auf die Ersatzbank setzt, ist bisher noch nicht vorgekommen. «Es gibt keinen Trainer, der einen einsatzbereiten Spieler draussen lässt, ausser aus taktischen Gründen. Sie stellen sich unter der Woche mit ihren Trainingsleistungen selber auf.»
Es geht ihm etwas zu schnell
Urs Fischer hätte nach seiner Karriere als Spieler auch die Möglichkeit gehabt, etwas ganz anderes zu machen. Er verfügt über einen KVAbschluss und hat in seiner Aktivzeit teilweise auch halbtags bei Banken oder Treuhandbüros gearbeitet. Vielleicht wäre seine Familie froh gewesen, wenn er die Wochenenden endlich einmal mit ihnen verbracht hätte. Aber sie kennt es nicht anders und hat seinen Entscheid für den Fussball mitgetragen. Fischer ist seit 15 Jahren verheiratet und hat zwei Töchter.
Sein Vertrag als Assistenztrainer ist auf ein Jahr befristet, ab Januar peilt er die Uefa-Pro-Lizenz an, die ihn berechtigt, einen Super-LeagueVerein zu trainieren. Ein ehemaliger Spitzenfussballer als Trainer eines Spitzenklubs, das ist ja keine Seltenheit. Doch jetzt zögert der sonst so zupackende Fischer. Es geht ihm alles etwas zu schnell. «Da warst du erst Aktiver, und plötzlich bist du schon mittendrin in der Hektik.» Er würde lieber noch mehr Erfahrungen sammeln, sich Zeit nehmen, durchaus auch wieder als Nachwuchstrainer arbeiten.
«Ich habe gehört, irgendwann kommt das Kribbeln, ein Spitzenteam zu führen. Ich spüre es jetzt aber noch nicht.» Und wenn er doch mal einen Klub wählen könnte. «Sicher nie GC.»