Gelesen werden darf es trotzdem. Wenn ich denke wie viele verzerrte Blick- und 20min-Artikel hier schon gepostet wurden...
Die Südkurve sammelt - und GC profitiert
Geschrieben von: Konrad Stähelin

Die Fans des FC Zürich engagieren sich seit Jahren für Stehplätze in der Südkurve des neuen Letzigrunds. Ihr Einsatz scheint Erfolge zu zeitigen, doch: Die Hoppers werden vermutlich mitprofitieren, ohne einen Rappen zu bezahlen.
Dass die Stadt Zürich mit dem neuen Letzigrund ihren beiden Traditionsklubs ein an Fan-Unfreundlichkeit schwer zu überbietendes Stadion vor die Nase setzte, sagt einiges über den Stellenwert der Sportart in der Limmatstadt aus. Dass sie den Fussballfans seit der Stadioneröffnung im Jahr 2007 noch immer keine Verbesserungen bietet, ist frech.
Die Fans des FCZ setzen sich schon seit dem Abbruch des alten Letzis vor viereinhalb Jahren für Stehplätze in der neuen Südkurve ein. Bis heute wurden sie vertröstet, im Mittelpunkt der Diskussion steht das Kostenproblem: Ein Umbau gemäss der Sicherheitsauflagen würde sich nun nach Fertigstellung des Ovals auf rund eine Million Franken belaufen. Die Stadt als Stadionbesitzerin sah bisher keinen Grund, draufzuzahlen.
Nun greifen die Südkurvengänger für ihren Traum selbst ins Portemonnaie, in der Kasse der „use mit de stüel“-Aktion haben sich schon mehr als 100‘000 Franken angesammelt. Und, das Engagement scheint endlich Früchte zu tragen: Auf ihrer Homepage beschreibt die SK die Gespräche mit Behördenvertretern als „konstruktiv“.
Hoppers: FCZ soll im Letzi bleiben
Ein Erfolg in der Stehplatzfrage würde der Kurvenkultur der ganzen Schweiz Auftrieb verleihen, der Einsatz der FCZ-Fans ist lobenswert. Doch: Sie sammeln auch für den „Feind“, die Hoppers. Die Fans des Rekordmeisters, für sie ist der Letzigrund verhasstes Exil, würden vom finanziellen Effort ebenfalls profitieren. Der Nordkurve würde wohl ebenfalls zur Stehrampe umgebaut werden. Dass die Stadt die roten Klappsitze nur in der Südkurve entfernen würde, ist nicht realistisch. Stehplätze lassen sich nicht erkaufen, „use mit de stüel“ schafft höchstens Goodwill.
Die Gründe der Hoppers, sich nicht für Stehplätze im Letzigrund zu engagieren, sind offensichtlich: Ihr Fokus liegt auf der Gestaltung der neuen Heimat, dem Hardturm-Stadion. „Wir haben für den Neubau ein Positionspapier ausgearbeitet, in dem die Stehplatz-Forderung explizit erwähnt ist“, sagt Anthony Sauter, Vorstandsmitglied der Fan-Dachorganisation IG GC Züri. „Der Letzigrund ist nicht unser Stadion, da engagieren wir uns nicht.“
Ob ein Sammeln unter den GC-Fans überhaupt erfolgreich wäre, ist ohnehin zweifelhaft: Schon vor Jahresfrist spendeten diese mittels der Aktion „Rettet GC“ 280‘000 Franken, um ihrem Verein das Überleben zu sichern, Generosität macht müde. Trotzdem würde man sich von Hopper-Seite über einen Erfolg der Rivalen von „ennet de Gleis“ freuen. Einerseits stiege die Wahrscheinlichkeit eines Verbleibs des FCZ in dessen Heimstadion nach Fertigstellung des Hardturms (siehe Foto unten, blauwiis.ch), zweitens könnten sich auch die Hoppers während der verbleibenden Letzi-Jahre an einer Stehplatztribüne erfreuen.
