Einbeiner schrieb: sub schrieb: «Warum schreiben immer alle von dominantem Ballbesitzfussball? Für mich war Ballbesitz nie wirklich der Hauptplan. Red Bull, MM und Hediger setzen doch hauptsächlich auf das schnelle Umschaltspiel, mit Ball(rück)eroberungen im Defensivdrittel des Gegners. Umschaltspiel setzt doch Ballbesitz des Gegners voraus und nicht eigenen? Auch die langen Bälle die immer wieder gespielt werden und so gewollt zu sein scheinen, sind doch nur darauf ausgelegt, den zweiten Ball zu gewinnen. Das hat doch nichts mit Ballbesitzfussball im eigentlichen Sinn zu tun?»
Schnelles Umschaltspiel? Dein Ernst? MM hat immer gesagt, man wolle „dominanten Ballbesitzfussball“ spielen. Hediger führt diese „Prinzipien“ vom dominanten Auftreten +/- fort und man sieht nur schon an Aufstellungen & System, dass es nie um Basics wie „solides Verteidigen & bei Ballgewinn schnelles umschalten“ geht- was bei unserem Spielermaterial mehr als angebracht wäre. Es ist immer kompliziert: Bei Ballbesitz rückt der Aussenverteidiger ins Zentrum und wir spielen mit 3-er Kette, bei Ballverlust sind es wieder 4 Verteidiger (so wie auf dem Matchblatt) und ein ZM (meist Tsawa) betreibt ein sinnloses Gegenpressing und nimmt sich so selbst aus dem Spiel. Das führt dazu, dass die Abstände zwischen den Linien so offen sind, dass jeder Gegner, der mehr als 2 gerade Pässe spielen kann (also eigentlich alle ausser Winti) uns relativ einfach ausspielen kann.
Ich meine nicht das klassische Umschalten aus einer tiefstehenden Defensive heraus, sondern das Umschalten von "wir haben den Ball nicht" zu "wir erobern den Ball" zu "wir haben den Ball" (gemäss dem SFV-Sprech). Die körperlich starken Spieler sind dafür geholt worden, Zweikämpfe zu gewinnen und Bälle zu erobern. Nie hat MM ein Augenmerk auf technisch starke, spielintelligente Spieler im Zentrum gelegt. Einzig auf den Flügeln kamen 1vs1 Spieler zum Zug. Ansonsten wurde die Physis gefördert und gefordert. Das widerspricht den Anforderungen für "dominanten" Ballbesitzfussball komplett. Für diese Art Fussball müssten die Spieler am Ball gut sein. MM's Plan und auch der von Hediger in der U19 und U21 war der, den Ball zu jagen, den Gegner zu Fehlern in deren Spielaufbau zu zwingen und daraus Kapital zu schlagen. Deshalb das Hochstehen unserer Verteidigung, um den Platz für die Gegner beschränkt zu halten und die Laufwege fürs Pressing und Gegenpressing kurz zu halten. Deshalb die ganze Zeit das betonen der Intensität. Jagen, in höchstem Tempo, nie nachlassen. Das ist das Vokabular, das MM im Nachwuchs verwendete. Sekunden runterzählen, wie lange es zur Rückeroberung dauert. Fördern des "längsten Balles", meist diagonal, nichts klein-klein, nichts Kreatives im eigentlichen Sinne, dass bei Ballbesitzfussball nötig wäre.
Hediger spielte immer auf Pressing und starkes Gegenpressing bei Ballverlust. Ballbesitz und "zum Ball Sorgetragen" waren m.E. nie Grundprinzipien. Viel zu viele Bälle wurden und werden in unserem Spiel als 50:50 Bälle in die Offensive gedroschen. Das ist kein Ballbesitzfussball. Das macht kein Pep-Team.
Viel eher werden bei uns Ballverluste billigend in Kauf genommen, damit der Gegner umschaltet und wir dann dank Ballgewinn im Gegenpressing kurze Wege zum gegnerischen Tor und wenig gegnerische Spieler vorfinden. So zumindest ginge der Plan. Leider, und da bin ich mit dir einig, genügen für ein solches Spiel, unsere Spieler nicht.
Edit: Und für ansehlichen Ballbesitzfussball genügen unsere schon gar nicht.