«Vorschau Schweizer Cup: FC Wil - FC Zürich»
Der Bergholz-Klub versucht am Mittwochabend ab 19.30 Uhr, innerhalb von rund zweieinhalb Monaten den zweiten Super-League-Klub aus dem Cup zu werfen. Die Hürde im Viertelfinal scheint aber eine höhere zu sein als es die Young Boys im Achtelfinal waren. Denn der FC Zürich blickt auf einen gelungenen Rückrundenstart zurück, ist in diesem Jahr noch unbesiegt und hat viel offensive Durchschlagskraft. Dem gegenüber steht die Unbeschwertheit des Underdogs.
Die Überraschungen im Cup werden immer seltener – zumal der Unterklassige seit ein paar Jahren nur noch bis zum Achtelfinal das Heimrecht auf sicher hat. Umso erfreulicher, dass die Wiler in der Runde der letzten Acht als einer von nur zwei Challenge-League-Vertretern noch vertreten sind und von sich sagen können, mit den Young Boys ein Team eliminiert zu haben, das sich als Spitzenteam des Landes bezeichnet.
Am Mittwoch macht der nächste Vertreter der Super League seine Aufwartung in der St. Galler Arena, dem Wiler Exil. Nüchtern betrachtet ist der FC Zürich deutlicher Favorit und alles andere als sein Weiterkommen wäre eine faustdicke Überraschung. Denn die Zürcher haben sich nach einer über weite Strecken enttäuschenden Hinrunde gefangen, in diesem Jahr sieben von neun möglichen Punkten geholt und am vergangenen Samstag die Young Boys mit 4:0 besiegt. Dem Stadtklub ist dabei etwas gelungen, was auch die Wiler in dieser Saison geschafft haben: Sie besiegten die Young Boys vor eigenem Anhang mit vier geschossenen Treffern und erzielten dabei drei Tore in einer Halbzeit.
Mit einer Hirnerschütterung gespielt
Auffallend war beim Spiel am vergangenen Samstagabend im Letzigrund, dass mit Josip Drmic, Mario Gavranovic, Amine Chermiti und Adis Jahovic vier verschiedene Zürcher Stürmer für die Tore verantwortlich zeichneten. Letzterer gehört noch immer dem FC Wil und ist bis Saisonende an die Zürcher ausgeliehen. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Mazedonier verhält, wenn er am Mittwochabend ein wichtiges Tor erzielen würde.
Die offensive Durchschlagskraft ist ein Plus der Zürcher. In den Reihen der Wiler muss sich nach dem Wegzug von Otele Mouangue zum FC Luzern erst herauskristallisieren, wer in dessen Fussstapfen tritt. Neuzuzug Stjepan Vuleta braucht noch etwas Zeit und zog sich im Heimspiel gegen Chiasso (0:1) eine Hirnerschütterung zu, was ihn allerdings nicht daran hinderte, die Partie fertigzuspielen. Orhan Mustafi, der andere offensive Neuzugang, dürfte am Mittwoch wie der wirblige Mittelfeldspieler Sandro Lombardi verletzt fehlen.
„Unsere Chancen liegen bei 10 bis 20 Prozent“
Und trotzdem gehen die Wiler keineswegs chancenlos ins Spiel. Gerade im laufenden Cup-Bewerb fiel auf, dass der Unterschied zwischen der Challenge League und der Super League nicht allzu gross ist. Es steckt genug Klasse in den Reihen der Äbtestädter, um einen Gegner im Zuschnitt des FC Zürich zu ärgern. Vielleicht sogar so stark, wie es in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre dreimal gelungen ist. 1995 genügte ein Treffer von Thomas Buhl zum Sieg, zwei Jahre später verwandelte die Wiler einen 0:1-Rückstand in einen 3:1-Erfolg und 1998 drosch der heutige Aarau-Trainer René Weiler den entscheidenden Penalty an die Latte. Danach hat sich das Blatt allerdings gewendet und die Zürcher setzten sich dreimal in Serie durch, letztmals im November 2008 dank eins Penaltytores von Almen Abdi.
Wils Trainer Axel Thoma schätzt die Erfolgschancen der Wiler auf lediglich 10 bis 20 Prozent. Er sagt aber auch, „dass sich diese Zahl während eines Spiels schnell verschieben kann“. Will heissen, dass der Druck auf den Schultern der Zürcher lastet und die Ostschweizer unbeschwert aufspielen können. Sie haben Thomas Zielsetzung, im Cup zu überwintern, erfüllt und können nun zur Kür ansetzen.
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