Willkomen! Ein Weltmeister beim FCZ. Das klingt zu schön um wahr zu sein. Zwar habe ich den kurzfristigen und langfristigen Plan hinter dieser Verpflichtung noch nicht ganz verstanden, weil wir schnell Resultate brauchen, um nicht in der Relegation Round zu verharren. Ich bin wohl auch nicht der einzige, der bei den Themen Fitness und Vorbildfunktion ein ungutes Gefühl hat.
Deshalb folgende Punkte:
Vor jeder Verpflichtung gibt es meines Erachtens einen ärztlichen Check und sicher auch einen Fitnesstest. Schliesslich wird grösster Wert auf Leistungszahlen gelegt. Wo steht Mendy fitnessmässig im Vergleich zum Kader und den Ansprüchen von MM?Den Worten müssen Taten folgen
Falls der FCZ wirklich an der Verpflichtung festhalten sollte, braucht es nun einen Massnahmenplan, idealerweise in Zusammenarbeit mit der Frauenzentrale, um Mendys nachhaltige Glaubwürdigkeit zu stärken. Welche Lektionen hat er gelernt – und wie?
Klingt vielleicht verrückt, aber warum sollte er nicht eine Art Botschafter werden und sich freiwillig in z.B. Frauenhäusern engagieren?
Heliane erwartet Stil und Klasse. Was für ein schönes Ausspiel für Mendy. Er sollte sich nun öffentlich äussern, sei es alleine oder noch besser gemeinsam mit seiner Freundin, um seine Unschuld zu betonen und seine Lehren darzulegen (weshalb muss ich jetzt an Bill Clinton denken?). Dazu könnte er erste Ideen vorstellen, etwa ein Engagement in Bildungs- und Präventionsprogrammen, die Initiierung und aktive Teilnahme an Initiativen gegen sexuelle Gewalt sowie den respektvollen Umgang mit Frauen. Weshalb nicht durch Leitung von Trainings für Frauen oder als freiwilliger Schiedsrichter bei Juniorinnen-Spielen?
D
devante
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19.02.2025, 08:21 · #3
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Ich erlaube mir hier einen neuen Thread aufzumachen wo man vielleicht die Ganze Diskussion bündeln kann. Nachdem es im Smalltalk ausgeufert ist ohne Ende, will ich hier noch ein letztes Mal eine möglichst sachliche Darlegung meiner Sicht auf den Fall von Mendy, die Bedeutung für den FCZ sowie die allgemeine Diskussionskultur im Forum im Falle von mutmasslichen sexuellen Übergriffen darlegen. Ich würde mich freuen wenn sich einige von euch die Zeit nehmen den ganzen Beitrag zu lesen. Ich werde im Forum keine Beiträge mehr dazu schreiben, aber ihr könnt euch sehr gerne via PN melden um es online oder sogar Mal im echten Leben zu diskutieren. Ich werde an vielen Stellen Agota Lavoyer zitieren, die lange in der Opferhilfe tätig war und das Buch Jede_Frau über das Thema sexualisierte Gewalt geschrieben hat. Alle die wollen finden darin über 300 Quellen zum Thema und ein gutes Buch das auch ohne Vorwissen gelesen werden kann.
Sexualisierte Gewalt ist alltäglich und sie betrifft uns alle. Trotzdem will das Reden darüber noch nicht so recht gelingen. Wobei, das Reden vielleicht schon, aber das zuhören nicht.
Doch zuerst zu Mendy und dem FCZ
Wie in meinem ursprünglichen Post geschrieben geht es nicht nur darum ob Mendy ein verurteilter Straftäter ist. Es geht darum ob ein Mensch, der von vielen verschiedenen Frauen der Vergewaltigung, der sexuellen Übergriffe und des Machtmissbrauchs bezichtigt wurde, einen Platz und eine “neue Chance” in unserem Verein verdient hat. Den Begriff der neuen Chance setze ich bewusst in Anführungszeichen, weil sich unser Präsident öffentlich und sehr klar dazu geäussert hat, und zwar dahingehend dass zwischen ihm, dem Staff und Mendy keinerlei Gespräche über die vorgefallenen Ereignisse oder zumindest seine heutige Einstellung dazu geführt wurden. Es kann daher meiner Meinung nach nicht von einer neuen Chance oder einem Neuanfang geredet werden, sondern schlicht von einer kompletten Ausblendung der Vergangenheit, ohne diese in irgendeiner Weise aufzuarbeiten und zu besprechen. Dieses Zeichen der Vereinsleitung finde ich fatal, und auch wenn es sehr gut und begrüssenswert ist das sich unsere Vereinsleitung mit der Frauenzentrale getroffen hat, ist es meines Erachtens viel zu wenig und viel zu spät. Dass ein FCZ, der gegen aussen für Werte wie Inklusion, Gleichstellung und die Förderung von Frauen(-Fussball) stehen will sich nicht von sich aus mit dem Thema auseinandergesetzt hat ist beschämend.
Alle die sich nicht weiter mit dem Thema und Agota Lavoyers Argumenten und Forschung beschäftigen möchten können hier aufhören zu lesen, bitte schreibt mit danach aber nicht. Für alle anderen habe ich probiert Passagen zu zitieren die auf viele Einwände der vielen Benutzer*innen hier drin eingehen.
Recht ist nicht gleich Gerechtigkeit (Jede_Frau, s151 und folgende)Rechtsgrundlage
Für alle die das Buch nicht in Gänze lesen möchten probiere ich hier eine Kurzfassung dieses Kapitel zu geben.
In der Schweiz galt die Vergewaltigung in der Ehe bis 1992 nicht als Straftat, bis zum letzten Jahr galt auch die “Nein heisst nein” Gesetzgebung noch nicht. Sprich, eine Täter*in musste bis dahin Gewalt androhen oder ausüben, damit eine Vergewaltigung als solche auch rechtlich verurteilt wurde. Sex mit einer Person gegen deren Willen allein reichte davor nicht für eine Verurteilung.
Einen besseren Schutz für Betroffene wäre die “Ja heisst ja” Regelung, die besagt dass es die explizite Zustimmung aller Beteiligten braucht. Die Schweiz wäre gemäss der Istanbul-Konvention dazu verpflichtet, alle nicht einvernehmlichen Sexualkontakte umfassend und angemessen unter Strafe zu stellen.
Das “Nein heisst Nein”-Prinzip setzt voraus, dass per se Zustimmung zu sexuellen Handlungen vorliegt. Nur wenn diese “stillschweigende Zustimmung” vom Opfer aktiv widerlegt wird, wird davon ausgegangen, dass kein Konsens vorliegt. […| Zudem werden mit dem “Nein heisst Nein”-Prinzip Vergewaltigungsmythen gefestigt, indem weiterhin das Verhalten des Opfers im Fokus steht, anstatt sich darauf zu konzentrieren, ob eine beidseitige Einwilligung vorgelegen hat.[…] Es darf nicht davon ausgegangen werden, dass Passivität und Schweigen Zustimmung bedeuten.
Rechtssprechung
Der deutsche Kriminologe und langjährige Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen, Christian Pfeiffer, hat die Daten und Erhebungen von Sexualdelikten der Jahre 2014 bis 2016 ausgewertet und kam gar zu dem Schluss, dass gerade mal eine von hundert Frauen, die vergewaltigt werden, die Verurteilung des Täters erlebt: “Das liegt daran, dass 85% der Frauen keine Anzeige machen, und dann gibt es folglich auch keine Verurteilungen. Und von den 15%, die übrig bleiben, werden letztendlich nur 7.5% der Täter verurteilt. Das ist indiskutabel”
Beweise und deren Beurteilung vor Gericht
Aus den Kapiteln “Aussage gegen Aussage - wirklich?” Und “Ich glaube es erst, wenn ich es sehe”,
Untersucht wurden 343 eingestellte Verfahren […]. Unter anderem kommt die Untersuchung zu dem Schluss, dass häufig nicht bloss die Aussage-gegen-Aussage-Konstellation zur Einstellung führte, sondern zusätzliche Umstände genannt wurden, die die beschuldigte Person entlasteten. In einem Fall wurde der Umstand genannt, dass ein Zeuge gesehen habe, dass sich der Beschuldigte und die Geschädigte zum Abschied freundschaftlich umarmt hätten. In einem anderen Fall wurde erwähnt, dass die Betroffene kurz zuvor bereits eine Vergewaltigung angezeigt habe, die ebenfalls nicht zu beweisen gewesen sei.
[…]
Ein anderer Fall, über den die Bild am Sonntag 2022 berichtete, war der Fall der 28-jährigen Selina. Selina zeigte einen Freund wegen Vergewaltigung an, sie erinnerte sich schemenhaft, wie sie regungslos dalag und er sie sexuell nötigte und vergewaltigte. Ebenso erinnerte sie sich daran, dass der Täter die Tat filmte und fotografierte. Die Aufnahmen zeigen die regungslose Frau. Selina wurde von einer Polizeibeamtin gesagt, dass den Videos zu entnehmen sei, dass sie vaginal feucht geworden sei, weshalb sie davon ausgehe, dass der Verkehr gewollt gewollt gewesen sei. Was für eine verheerend falsche Aussage, diesen Schutzmechanismus des Körpers als Einvernehmlichkeit zu missinterpretierten. Schliesslich wurde das Verfahren aus Mangel an Beweisen von der Staatsanwaltschaft eingestellt.
[…]
Die Beweislage bei sexualisierter Gewalt ist meist schwierig, was die Strafverfolgung ebenso erschwert. Zudem wissen wir, dass sexualisierte Gewalt häufig ein traumatisches Ereignis ist. Deshalb kann die Tat oft nicht detailgetreu wiedergegeben werden und das wiederum führt dazu, das die juristische Verwertbarkeit der Aussagen weniger gegeben ist. Hinzu kommt, dass Vernehmungen für die Opfer retraumatisierend sein können, was ebenfalls dazu führen kann, dass ihre Aussagen nicht kohärent sind oder dass sie aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht gut kooperieren.
[…]
Vielmehr zeigt uns ein Blick in die juristische Praxis, was uns Untersuchungen bestätigen: Auch die Personen, die bei den Strafverfolgungsbehörden und Gerichten arbeiten, gehen von falschen oder stereotypischen Annahmen über sexualisierte Gewalt, deren Opfer und Täter aus, was, gepaart mit mangelnden Fortbildungen zu dieser Thematik regelmässig zu Fehlurteilen führt.
Das Problem mit sexualisierter Gewalt ist nicht, dass sie sich nicht gut genug beweisen lässt. Das wirklich grosse Problem ist, dass wir in einer Gesellschaft leben, die sich zu wenig für sexualisierte Gewalt und ihre strafrechtliche Verfolgung interessiert.
Falschanzeigen
Noch Anfang des 20. Jahrhunderts haben englische Richter die Geschworenen darauf hingewiesen, dass die Quote von Falschbeschuldigungen bei sexualisierter Gewalt bei 80-90% liege.[…] Dass diese Zahl nicht der Wahrheit entspricht, ist heute in der Forschung unbestritten. Trotzdem wird bei keinem Delikt so oft über Falschanzeigen gesprochen wie bei Sexualdelikten. Damit wird hier auch besonders oft das Stereotyp der lügenden und rachsüchtigen Frau bedient. Ein Blick in diesbezügliche Untersuchungen zeit, dass es gar nicht so einfach ist , eine “korrekte” Falschbeschuldigungsquote zu berechnen. Häufig anzutreffen sind folgende zwei Annahmen: Die Zahl der Falschbeschuldigungen sei wahrscheinlich höher als die Anzahl der Verfahren, die deswegen gegen das “Opfer” eingeleitet werden (zwischen vier und sieben Prozent), und die Einschätzungen seitens der Strafverfolgungsbehörden wiederum ist tendenziell zu hoch.
[…]
Falschanzeigen kommen vor und können für die Opfer einschneidende und gravierende Folgen haben. Sehr wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang der Hinweis von Scheidegger, dass, anders als gemeinhin vermutet, gezielte und geplante Falschanzeigen aus Rache eher die Ausnahme darstellen. Vielmehr seien massiver psychische Störungen die häufigste Ursache von falschen Anschuldigungen. Wichtig ist zudem, dass Falschanschuldigungen nicht mit Fehlurteilen verwechselt werden dürfen.
[…]
In England kam man im Rahmen einer sehr detaillierten Studie aus dem Jahr 2005 zu dem Schluss, dass drei Prozent der Vergewaltigungsanzeigen “wahrscheinlich” oder “möglicherweise” Falschanschuldigungen gewesen sein. Und doch […] hatte die britische Polizei bei ebendiesen untersuchten Vergewaltigungsvorfällen mehr als doppelt so viele, nämlich acht Prozent dieser Anzeigen, als Falschanschuldigung eingeordnet. Diese Fehleinordnung entstand aufgrund von falschen Annahmen der Polizei. So habe es eine Tendenz gegeben, Anschuldigungen, bei denen keine körperliche Gewalt oder Waffen im Spiel waren, als haltlos einzustufen.
Mein Fazit
Es kann sein das Mendy unschuldig ist. DIe Wahrscheinlichkeit dafür halte ich persönlich für verschwindend gering, aber ja, es ist möglich. Ich kenne weder Mendy, noch die betroffenen Frauen noch seine heutige Haltung zu den Taten. Und hier hat der FCZ auf ganzer Linie versagt. Wenn eine solche Vorgeschichte Publik ist und bereits medial stark darüber berichtet wurde, ist es naiv, rückgratlos und feige sich nur auf den juristischen Freispruch zu berufen und das Thema nicht mit dem Spieler direkt anzusprechen.
Zum Forum: Viele in diesem sehr männlich dominierten und administrierten Forum fühlen sich extrem angegriffen wenn sexuelle Gewalt als ein strukturelles und männliches Problem benannt wird. Das bedeutet nicht dass alle Männer Vergewaltiger sind und es bedeutet auch nicht, dass alle Männer individuell dazu beitragen dass solche Übergriffe System haben und systematisch unbelangt bleiben. Eine ausführliche und konkrete Diskussion über den Fall den Mendy und die Bedeutung für den FCZ mehrheitlich in den Smalltalk zu verbannen, der öffentlich nicht zugänglich ist, sehe ich allerdings als eine klare Bejahung des Status Quo. Die juristische Unschuld wird als Heiligtum stilisiert, aufgrund derer man den Transfer nicht kritisieren sollte. Ich sehe das (wie doch einige andere hier drin) sehr anders und hätte mir von der sportlichen Leitung und dem Präsidium sehr viel mehr erwartet. Ich persönlich werde bis auf weiteres nicht an FCZ Spiele gehen und hoffe sowohl die Canepas als auch die Südkurve werden sich nun aktiv mit diesem Transfer und seiner Bedeutung auseinandersetzen.
hier gehts weiter
N
nicht
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19.02.2025, 10:30 · #4
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Danke so wie einst Real Madrid für all die Schreib- und Recherchearbeit! Wieso dies jetzt im Spielerthread diskutiert wird, wo doch nach eurer Definition getrennt werden soll zwischen der sportlichen Komponente und dem Umgang vom Club mit solch einem Spieler verstehe ich nicht ganz aber seis drum.
Besonders stossend im Umgang von Canepa mit dem Thema finde ich folgende Aussage:Wir kennen die Vorgeschichte. Im vorliegenden Fall wurde Mendy aber freigesprochen. Es gab und gibt für uns keinen Anlass, an der Korrektheit der juristischen Aufarbeitung zu zweifeln. Bekannte Fussballer sind oft begehrte Objekte, um sie auch ohne ein Fehlverhalten einzuklagen.
Solche Statements mit klassischer Täter-Opfer-Umkehr vom obersten Vertreter des Vereins den ich so sehr liebe, beschämen mich sehr und lassen mich daran zweifeln ob ein Stadionbesuch unter einer so einer Führung für mich noch möglich ist, solch eine Aussage darf mm. nicht unwidersprochen stehen gelassen werden und hoffe auf dementsprechende Signale am Samstag.
D
Demokrit
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19.02.2025, 10:40 · #5
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«Solche Statements mit klassischer Täter-Opfer-Umkehr vom obersten Vertreter des Vereins den ich so sehr liebe, beschämen mich sehr und lassen mich daran zweifeln ob ein Stadionbesuch unter einer so einer Führung für mich noch möglich ist, solch eine Aussage darf mm. nicht unwidersprochen stehen gelassen werden und hoffe auf dementsprechende Signale am Samstag.»
Das sehe ich auch so. Intern kann man das, wenn es denn unbedingt sein muss machen, aber in der Aussendarstellung ist das ein total falsches Signal.
C
cucinotta77
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19.02.2025, 11:41 · #6
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Ich erlaube mir hier einen neuen Thread aufzumachen wo man vielleicht die Ganze Diskussion bündeln kann. Nachdem es im Smalltalk ausgeufert ist ohne Ende, will ich hier noch ein letztes Mal eine möglichst sachliche Darlegung meiner Sicht auf den Fall von Mendy, die Bedeutung für den FCZ sowie die allgemeine Diskussionskultur im Forum im Falle von mutmasslichen sexuellen Übergriffen darlegen. Ich würde mich freuen wenn sich einige von euch die Zeit nehmen den ganzen Beitrag zu lesen. Ich werde im Forum keine Beiträge mehr dazu schreiben, aber ihr könnt euch sehr gerne via PN melden um es online oder sogar Mal im echten Leben zu diskutieren. Ich werde an vielen Stellen Agota Lavoyer zitieren, die lange in der Opferhilfe tätig war und das Buch Jede_Frau über das Thema sexualisierte Gewalt geschrieben hat. Alle die wollen finden darin über 300 Quellen zum Thema und ein gutes Buch das auch ohne Vorwissen gelesen werden kann.
Sexualisierte Gewalt ist alltäglich und sie betrifft uns alle. Trotzdem will das Reden darüber noch nicht so recht gelingen. Wobei, das Reden vielleicht schon, aber das zuhören nicht.
Doch zuerst zu Mendy und dem FCZ
Wie in meinem ursprünglichen Post geschrieben geht es nicht nur darum ob Mendy ein verurteilter Straftäter ist. Es geht darum ob ein Mensch, der von vielen verschiedenen Frauen der Vergewaltigung, der sexuellen Übergriffe und des Machtmissbrauchs bezichtigt wurde, einen Platz und eine “neue Chance” in unserem Verein verdient hat. Den Begriff der neuen Chance setze ich bewusst in Anführungszeichen, weil sich unser Präsident öffentlich und sehr klar dazu geäussert hat, und zwar dahingehend dass zwischen ihm, dem Staff und Mendy keinerlei Gespräche über die vorgefallenen Ereignisse oder zumindest seine heutige Einstellung dazu geführt wurden. Es kann daher meiner Meinung nach nicht von einer neuen Chance oder einem Neuanfang geredet werden, sondern schlicht von einer kompletten Ausblendung der Vergangenheit, ohne diese in irgendeiner Weise aufzuarbeiten und zu besprechen. Dieses Zeichen der Vereinsleitung finde ich fatal, und auch wenn es sehr gut und begrüssenswert ist das sich unsere Vereinsleitung mit der Frauenzentrale getroffen hat, ist es meines Erachtens viel zu wenig und viel zu spät. Dass ein FCZ, der gegen aussen für Werte wie Inklusion, Gleichstellung und die Förderung von Frauen(-Fussball) stehen will sich nicht von sich aus mit dem Thema auseinandergesetzt hat ist beschämend.
Alle die sich nicht weiter mit dem Thema und Agota Lavoyers Argumenten und Forschung beschäftigen möchten können hier aufhören zu lesen, bitte schreibt mit danach aber nicht. Für alle anderen habe ich probiert Passagen zu zitieren die auf viele Einwände der vielen Benutzer*innen hier drin eingehen.
Recht ist nicht gleich Gerechtigkeit (Jede_Frau, s151 und folgende)Rechtsgrundlage
Für alle die das Buch nicht in Gänze lesen möchten probiere ich hier eine Kurzfassung dieses Kapitel zu geben.
In der Schweiz galt die Vergewaltigung in der Ehe bis 1992 nicht als Straftat, bis zum letzten Jahr galt auch die “Nein heisst nein” Gesetzgebung noch nicht. Sprich, eine Täter*in musste bis dahin Gewalt androhen oder ausüben, damit eine Vergewaltigung als solche auch rechtlich verurteilt wurde. Sex mit einer Person gegen deren Willen allein reichte davor nicht für eine Verurteilung.
Einen besseren Schutz für Betroffene wäre die “Ja heisst ja” Regelung, die besagt dass es die explizite Zustimmung aller Beteiligten braucht. Die Schweiz wäre gemäss der Istanbul-Konvention dazu verpflichtet, alle nicht einvernehmlichen Sexualkontakte umfassend und angemessen unter Strafe zu stellen.
Das “Nein heisst Nein”-Prinzip setzt voraus, dass per se Zustimmung zu sexuellen Handlungen vorliegt. Nur wenn diese “stillschweigende Zustimmung” vom Opfer aktiv widerlegt wird, wird davon ausgegangen, dass kein Konsens vorliegt. […| Zudem werden mit dem “Nein heisst Nein”-Prinzip Vergewaltigungsmythen gefestigt, indem weiterhin das Verhalten des Opfers im Fokus steht, anstatt sich darauf zu konzentrieren, ob eine beidseitige Einwilligung vorgelegen hat.[…] Es darf nicht davon ausgegangen werden, dass Passivität und Schweigen Zustimmung bedeuten.
Rechtssprechung
Der deutsche Kriminologe und langjährige Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen, Christian Pfeiffer, hat die Daten und Erhebungen von Sexualdelikten der Jahre 2014 bis 2016 ausgewertet und kam gar zu dem Schluss, dass gerade mal eine von hundert Frauen, die vergewaltigt werden, die Verurteilung des Täters erlebt: “Das liegt daran, dass 85% der Frauen keine Anzeige machen, und dann gibt es folglich auch keine Verurteilungen. Und von den 15%, die übrig bleiben, werden letztendlich nur 7.5% der Täter verurteilt. Das ist indiskutabel”
Beweise und deren Beurteilung vor Gericht
Aus den Kapiteln “Aussage gegen Aussage - wirklich?” Und “Ich glaube es erst, wenn ich es sehe”,
Untersucht wurden 343 eingestellte Verfahren […]. Unter anderem kommt die Untersuchung zu dem Schluss, dass häufig nicht bloss die Aussage-gegen-Aussage-Konstellation zur Einstellung führte, sondern zusätzliche Umstände genannt wurden, die die beschuldigte Person entlasteten. In einem Fall wurde der Umstand genannt, dass ein Zeuge gesehen habe, dass sich der Beschuldigte und die Geschädigte zum Abschied freundschaftlich umarmt hätten. In einem anderen Fall wurde erwähnt, dass die Betroffene kurz zuvor bereits eine Vergewaltigung angezeigt habe, die ebenfalls nicht zu beweisen gewesen sei.
[…]
Ein anderer Fall, über den die Bild am Sonntag 2022 berichtete, war der Fall der 28-jährigen Selina. Selina zeigte einen Freund wegen Vergewaltigung an, sie erinnerte sich schemenhaft, wie sie regungslos dalag und er sie sexuell nötigte und vergewaltigte. Ebenso erinnerte sie sich daran, dass der Täter die Tat filmte und fotografierte. Die Aufnahmen zeigen die regungslose Frau. Selina wurde von einer Polizeibeamtin gesagt, dass den Videos zu entnehmen sei, dass sie vaginal feucht geworden sei, weshalb sie davon ausgehe, dass der Verkehr gewollt gewollt gewesen sei. Was für eine verheerend falsche Aussage, diesen Schutzmechanismus des Körpers als Einvernehmlichkeit zu missinterpretierten. Schliesslich wurde das Verfahren aus Mangel an Beweisen von der Staatsanwaltschaft eingestellt.
[…]
Die Beweislage bei sexualisierter Gewalt ist meist schwierig, was die Strafverfolgung ebenso erschwert. Zudem wissen wir, dass sexualisierte Gewalt häufig ein traumatisches Ereignis ist. Deshalb kann die Tat oft nicht detailgetreu wiedergegeben werden und das wiederum führt dazu, das die juristische Verwertbarkeit der Aussagen weniger gegeben ist. Hinzu kommt, dass Vernehmungen für die Opfer retraumatisierend sein können, was ebenfalls dazu führen kann, dass ihre Aussagen nicht kohärent sind oder dass sie aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht gut kooperieren.
[…]
Vielmehr zeigt uns ein Blick in die juristische Praxis, was uns Untersuchungen bestätigen: Auch die Personen, die bei den Strafverfolgungsbehörden und Gerichten arbeiten, gehen von falschen oder stereotypischen Annahmen über sexualisierte Gewalt, deren Opfer und Täter aus, was, gepaart mit mangelnden Fortbildungen zu dieser Thematik regelmässig zu Fehlurteilen führt.
Das Problem mit sexualisierter Gewalt ist nicht, dass sie sich nicht gut genug beweisen lässt. Das wirklich grosse Problem ist, dass wir in einer Gesellschaft leben, die sich zu wenig für sexualisierte Gewalt und ihre strafrechtliche Verfolgung interessiert.
Falschanzeigen
Noch Anfang des 20. Jahrhunderts haben englische Richter die Geschworenen darauf hingewiesen, dass die Quote von Falschbeschuldigungen bei sexualisierter Gewalt bei 80-90% liege.[…] Dass diese Zahl nicht der Wahrheit entspricht, ist heute in der Forschung unbestritten. Trotzdem wird bei keinem Delikt so oft über Falschanzeigen gesprochen wie bei Sexualdelikten. Damit wird hier auch besonders oft das Stereotyp der lügenden und rachsüchtigen Frau bedient. Ein Blick in diesbezügliche Untersuchungen zeit, dass es gar nicht so einfach ist , eine “korrekte” Falschbeschuldigungsquote zu berechnen. Häufig anzutreffen sind folgende zwei Annahmen: Die Zahl der Falschbeschuldigungen sei wahrscheinlich höher als die Anzahl der Verfahren, die deswegen gegen das “Opfer” eingeleitet werden (zwischen vier und sieben Prozent), und die Einschätzungen seitens der Strafverfolgungsbehörden wiederum ist tendenziell zu hoch.
[…]
Falschanzeigen kommen vor und können für die Opfer einschneidende und gravierende Folgen haben. Sehr wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang der Hinweis von Scheidegger, dass, anders als gemeinhin vermutet, gezielte und geplante Falschanzeigen aus Rache eher die Ausnahme darstellen. Vielmehr seien massiver psychische Störungen die häufigste Ursache von falschen Anschuldigungen. Wichtig ist zudem, dass Falschanschuldigungen nicht mit Fehlurteilen verwechselt werden dürfen.
[…]
In England kam man im Rahmen einer sehr detaillierten Studie aus dem Jahr 2005 zu dem Schluss, dass drei Prozent der Vergewaltigungsanzeigen “wahrscheinlich” oder “möglicherweise” Falschanschuldigungen gewesen sein. Und doch […] hatte die britische Polizei bei ebendiesen untersuchten Vergewaltigungsvorfällen mehr als doppelt so viele, nämlich acht Prozent dieser Anzeigen, als Falschanschuldigung eingeordnet. Diese Fehleinordnung entstand aufgrund von falschen Annahmen der Polizei. So habe es eine Tendenz gegeben, Anschuldigungen, bei denen keine körperliche Gewalt oder Waffen im Spiel waren, als haltlos einzustufen.
Mein Fazit
Es kann sein das Mendy unschuldig ist. DIe Wahrscheinlichkeit dafür halte ich persönlich für verschwindend gering, aber ja, es ist möglich. Ich kenne weder Mendy, noch die betroffenen Frauen noch seine heutige Haltung zu den Taten. Und hier hat der FCZ auf ganzer Linie versagt. Wenn eine solche Vorgeschichte Publik ist und bereits medial stark darüber berichtet wurde, ist es naiv, rückgratlos und feige sich nur auf den juristischen Freispruch zu berufen und das Thema nicht mit dem Spieler direkt anzusprechen.
Zum Forum: Viele in diesem sehr männlich dominierten und administrierten Forum fühlen sich extrem angegriffen wenn sexuelle Gewalt als ein strukturelles und männliches Problem benannt wird. Das bedeutet nicht dass alle Männer Vergewaltiger sind und es bedeutet auch nicht, dass alle Männer individuell dazu beitragen dass solche Übergriffe System haben und systematisch unbelangt bleiben. Eine ausführliche und konkrete Diskussion über den Fall den Mendy und die Bedeutung für den FCZ mehrheitlich in den Smalltalk zu verbannen, der öffentlich nicht zugänglich ist, sehe ich allerdings als eine klare Bejahung des Status Quo. Die juristische Unschuld wird als Heiligtum stilisiert, aufgrund derer man den Transfer nicht kritisieren sollte. Ich sehe das (wie doch einige andere hier drin) sehr anders und hätte mir von der sportlichen Leitung und dem Präsidium sehr viel mehr erwartet. Ich persönlich werde bis auf weiteres nicht an FCZ Spiele gehen und hoffe sowohl die Canepas als auch die Südkurve werden sich nun aktiv mit diesem Transfer und seiner Bedeutung auseinandersetzen.
hier gehts weiter
Vielen Dank für diesen Post! Ich bin dankbar und auch etwas stolz, dass wir ein Forum haben mit meist hoher sprachlicher und fachlicher Kompetenz. Dazu kommen Posts wie dieser, der schlicht herausragend ist. Danke für die Zeit, die Du dafür aufgewendet hast.
Nun ist alles gesagt und der Ball liegt bei der Vereinsleitung. Alle dürfen Fehler machen. Nun gilt es zu den Fehlern zu stehen, daraus zu lernen und den Worten Taten folgen lassen.
C
cucinotta77
Mitglied
55 Beiträge
Dabei seit März 2008
19.02.2025, 11:49 · #7
Beiträge: 55
Vor jeder Verpflichtung gibt es meines Erachtens einen ärztlichen Check und sicher auch einen Fitnesstest. Schliesslich wird grösster Wert auf Leistungszahlen gelegt. Wo steht Mendy fitnessmässig im Vergleich zum Kader und den Ansprüchen von MM?
Das Statement von Marc Schneider zum Transfer grunsätzlich und zum Fitness-Stand (nach 11:14) ist schon sehr klar: https://www.srf.ch/play/tv/super-league ... cb72bd3b58
P
piiiZH
Mitglied
1'867 Beiträge
Dabei seit April 2008
19.02.2025, 13:10 · #8
Beiträge: 1'867
Vor jeder Verpflichtung gibt es meines Erachtens einen ärztlichen Check und sicher auch einen Fitnesstest. Schliesslich wird grösster Wert auf Leistungszahlen gelegt. Wo steht Mendy fitnessmässig im Vergleich zum Kader und den Ansprüchen von MM?
Das Statement von Marc Schneider zum Transfer grunsätzlich und zum Fitness-Stand (nach 11:14) ist schon sehr klar: https://www.srf.ch/play/tv/super-league ... cb72bd3b58
Eine berechtigte Frage, welche bisher durch den ganzen Rummel völlig im Hintergrund war. Aber irgendwann muss man sich dann doch fragen, was das nun den ganzen Ärger wert? Ich bin durchaus gespannt, wann er zu seinem ersten Teileinsatz kommen wird und vor allem wie er sich dann zu Präsentieren vermag.
V
Victor Jara
Mitglied
1'458 Beiträge
Dabei seit Mai 2016
19.02.2025, 15:41 · #9
Beiträge: 1'458
Ich erlaube mir hier einen neuen Thread aufzumachen wo man vielleicht die Ganze Diskussion bündeln kann. Nachdem es im Smalltalk ausgeufert ist ohne Ende, will ich hier noch ein letztes Mal eine möglichst sachliche Darlegung meiner Sicht auf den Fall von Mendy, die Bedeutung für den FCZ sowie die allgemeine Diskussionskultur im Forum im Falle von mutmasslichen sexuellen Übergriffen darlegen. Ich würde mich freuen wenn sich einige von euch die Zeit nehmen den ganzen Beitrag zu lesen. Ich werde im Forum keine Beiträge mehr dazu schreiben, aber ihr könnt euch sehr gerne via PN melden um es online oder sogar Mal im echten Leben zu diskutieren. Ich werde an vielen Stellen Agota Lavoyer zitieren, die lange in der Opferhilfe tätig war und das Buch Jede_Frau über das Thema sexualisierte Gewalt geschrieben hat. Alle die wollen finden darin über 300 Quellen zum Thema und ein gutes Buch das auch ohne Vorwissen gelesen werden kann.
Vielen Dank, *So wie einst Real Madrid*, für die Zusammenstellung und Aufbereitung des umfangreichen Materials als Diskussionsgrundlage. Ich wollte eigentlich so wie Du nicht weiter auf
den Fall Mendy eingehen und mich dazu äussern, ob er allenfalls dem Team weiterhilft oder nicht. Nachdem *Devante* Dein Post aus dem Small-Talk in den öffentlichen Teil verschoben hat,
gehe ich dennoch auf drei Punkte in Deinem Beitrag ein, der mir relevant erscheinen:
Recht ist nicht gleich Gerechtigkeit (Jede_Frau, s151 und folgende)Rechtsgrundlage
Für alle die das Buch nicht in Gänze lesen möchten probiere ich hier eine Kurzfassung dieses Kapitel zu geben.
In der Schweiz galt die Vergewaltigung in der Ehe bis 1992 nicht als Straftat, bis zum letzten Jahr galt auch die *“Nein heisst nein” Gesetzgebung noch nicht.* Sprich, eine Täter*in musste bis dahin *Gewalt androhen oder ausüben, damit eine Vergewaltigung als solche auch rechtlich verurteilt wurde*. *Sex mit einer Person gegen deren Willen allein reichte davor nicht für eine Verurteilung.*
Einen besseren Schutz für Betroffene wäre die “Ja heisst ja” Regelung, die besagt dass es die explizite Zustimmung aller Beteiligten braucht. Die Schweiz wäre gemäss der Istanbul-Konvention dazu verpflichtet, alle nicht einvernehmlichen Sexualkontakte umfassend und angemessen unter Strafe zu stellen.
Das “Nein heisst Nein”-Prinzip setzt voraus, dass per se Zustimmung zu sexuellen Handlungen vorliegt. Nur wenn diese “stillschweigende Zustimmung” vom Opfer aktiv widerlegt wird, wird davon ausgegangen, dass kein Konsens vorliegt. […| Zudem werden mit dem “Nein heisst Nein”-Prinzip Vergewaltigungsmythen gefestigt, indem weiterhin das Verhalten des Opfers im Fokus steht, anstatt sich darauf zu konzentrieren, ob eine beidseitige Einwilligung vorgelegen hat.[…] Es darf nicht davon ausgegangen werden, dass Passivität und Schweigen Zustimmung bedeuten.
Dem von Dir zitierten Buch Jede_Frau, s151 und folgende) entnehme ich, dass das Prinzip *“Nein heisst nein”* erst vor Kurzem ins CH-Strafrecht aufgenommen wurde. Als Verhaltensnorm ist dieses Prinzip schon seit längerem in Teilen der westlichen Gesellschaft verankert, aber eben nur in Teilen....die meisten älteren Menschen (wie ich) werden bei *Vergewaltigung* erst einmal an die Ausübung von psychischer oder physischer Gewalt denken, z.B. einen Überfall im Park oder im Waschkeller u.ä. Wenn ich den NZZ-Artikel richtig verstanden habe, ging es beim Prozess von Mendy aber um die Frag e, ob das Prinzip *“Nein heisst nein”* respektiert hat oder nicht. Mendy verneint, dass er sich über das Nein ist Nein-Prinzip hinwegesetzt hat. Wir waren bei diesen Parties alle nicht dabei. *Möglicherweise* waren Alkohol und Drogen im Spiel. Es ist demnach fast unmöglich, nachzuweisen, dass Mendy willentlich dieses Prinzip verletzt wie es wohl auch sehr schwer sein dürfte, in zweifelsfrei zu entlasten:
Darum das Urteil "Not Guilty".
Daran sollten wir uns halten für eine Anklagepunkt, der zum damaligen Zeitpunkt in Schweiz noch gar nicht strafbar war. Mendy ist zudem mit einer mehrmonatigen U-Haft und dem Verlust eines grossen Teils seines Vermögens für sein Fehlverhalten bestraft worden. Mendy immer wieder an Pranger zu stellen, mag mach Einem das Gefühl geben, etwas gegen sexuelle Übergriffe zu tun. Ich halte dies aber für wenig hilfreich. Zumal ich Menschenmengen, die sich am Pranger zusammenfinden, aus persönlichen Erlebnissen grundsäzlich misstraue...wenn es nämlich real darum geht, Frauen in Not zu helfen, ist man plötzlich sehr einsam.
Was ich hingegen hilfreich finde, ist das Material, dass Du zusammengetragen und publik gemacht hast, *So wie einst Real Madrid*. Das kann dazu beitragen, das *“Nein heisst nein”* in der Gesellschaft besser zu verankern. Ja sogar um über die “Ja heisst ja”-Regelung nachzudenken. Letztere würde auch den Männern einen besseren Schutz vor Falschanklagen geben. Ob Mendy sich an so einem gesellschaftlichen Diskurs beteiligen möchte, muss er selber entscheiden. Es sollte aber keineswegs Voraussetzung dafür sein, dass er für den FCZ spielen darf.
Mein Fazit
Es kann sein das Mendy unschuldig ist. DIe Wahrscheinlichkeit dafür halte ich persönlich für verschwindend gering, aber ja, es ist möglich. Ich kenne weder Mendy, noch die betroffenen Frauen noch seine heutige Haltung zu den Taten. Und hier hat der FCZ auf ganzer Linie versagt. Wenn eine solche Vorgeschichte Publik ist und bereits medial stark darüber berichtet wurde, ist es *naiv, rückgratlos und feige* sich nur auf den juristischen Freispruch zu berufen und das Thema nicht mit dem Spieler direkt anzusprechen.
*So wie einst Real Madrid*: Da schiesst Du meiner Meinung nach deutlich über das Ziel hinaus. Wir wissen nicht, in welcher Form das Fehlverhalten von Mendy angesprochen wurde oder nicht. Dem Interview von Frau Canepa entnehme ich zumindest, dass sie sich ein genaues Bild von Mendy gemacht hat. Und ich traue HC als ehemalige CEO eines weltweit erfolgreichen High-Tech-Unternehmens einiges an Menschenkenntnissen zu. Auch was die Einsicht von Mendy betrifft, sei sein Fehlverhalten nun strafbar oder nur moralisch verwerflich gewesen.
Zum Forum: Viele in diesem sehr männlich dominierten und administrierten Forum fühlen sich extrem angegriffen wenn sexuelle Gewalt als ein strukturelles und männliches Problem benannt wird. Das bedeutet nicht dass alle Männer Vergewaltiger sind und es bedeutet auch nicht, dass alle Männer individuell dazu beitragen dass solche Übergriffe System haben und systematisch unbelangt bleiben. Eine ausführliche und konkrete Diskussion über den Fall den Mendy und die Bedeutung für den FCZ mehrheitlich in den Smalltalk zu verbannen, der öffentlich nicht zugänglich ist, sehe ich allerdings als eine klare Bejahung des Status Quo. Die juristische Unschuld wird als Heiligtum stilisiert, aufgrund derer man den Transfer nicht kritisieren sollte. Ich sehe das (wie doch einige andere hier drin) sehr anders und hätte mir von der sportlichen Leitung und dem Präsidium sehr viel mehr erwartet. Ich persönlich werde bis auf weiteres nicht an FCZ Spiele gehen und hoffe sowohl die Canepas als auch die Südkurve werden sich nun aktiv mit diesem Transfer und seiner Bedeutung auseinandersetzen.
Da das Forum primär implementiert worden ist, um über das Wohl und Wehe des Männerteams des FCZ diskutieren, ist es naturgemäss sehr männlich dominiert. Ich kann darin kein Fehlverhalten sehen. Ich kann innerhalb der sehr heterogenen FCZ-Fangemeinschaft auch kein ausgeprägt frauenfeindliches Verhalten erkennen. Auch dann nicht, wenn etliche User der Meinung sind, dass der Fall nun genügend diskutiert worden ist und dass man Mandy nun in Ruhe lassen sollte. Denn wie gesagt, er wurde bereits bestraft (s.oben). Die Diskussion über die Verankerung des *“Nein heisst nein” Prinzips * hast u.a. Du ins Rollen gebracht. Wenn diese aber hilfreich sein soll, muss sie an anderer Stelle als im Tread "Unsere Spieler / Benjamin Mendy" weitergeführt werden.
— Pro Rückkehrer und Nachwuchs statt Söldner
S
Stehplatz
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19.02.2025, 16:35 · #10
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Dem von Dir zitierten Buch Jede_Frau, s151 und folgende) entnehme ich, dass das Prinzip “Nein heisst nein” erst vor Kurzem ins CH-Strafrecht aufgenommen wurde. Als Verhaltensnorm ist dieses Prinzip schon seit längerem in Teilen der westlichen Gesellschaft verankert, aber eben nur in Teilen....die meisten älteren Menschen (wie ich) werden bei Vergewaltigung erst einmal an die Ausübung von psychischer oder physischer Gewalt denken, z.B. einen Überfall im Park oder im Waschkeller u.ä.
"Nein heisst nein" gibt es in Grossbritannien schon deutlich länger als in der Schweiz https://www.tagesschau.de/ausland/amnes ... g-101.html
Und, vermutlich wiederhole ich schon Gesagtes: Vergewaltigungen sind selten in Parks und Waschkellern. Sondern meist im häuslichen Umfeld mit bekannten Personen. Deshalb sind sie ja auch so schwierig nachzuweisen und werden selten angezeigt. Dann kommen noch teure Anwälte dazu...
Was da alles hinein interpretiert wird zu Mendy ist einfach unglaublich. Ja, vielleicht ist Canepa etwas naiv, wenn er sich in der Öffentlichkeit so äussert. Es kann aber niemand beweisen, dass es falsch ist. Mendy wurde in allen Punkten freigesprochen. Natürlich ist die Hürde im Strafrecht für eine Verurteilung höher als im Zivilrecht, das ist auch in England nicht anders. Der Grundsatz In dubio pro reo (lat. „Im Zweifel für den Angeklagten“), bedeutet, dass im Strafprozess ein Angeklagter nicht verurteilt werden darf, wenn dem Gericht Zweifel an seiner Schuld verbleiben. Und das war bei Mendy offenbar der Fall. Niemand (nur er selber) weiss was stimmt.
Man soll diesen Kerl doch jetzt endlich in Ruhe lassen. Er hat aus seinem moralisch durchaus verwerflichen Verhalten sicher viel gelernt und wird es auch bereuen. Aber auch er hat eine neue Chance verdient.
Der FCZ hat sich gut überlegt einen solchen 'vorbelasteten' Spieler zu verpflichten und hat sich dafür entschieden. Der Club muss nun mit dem Risiko das mit einem solchen Transfer verbunden ist leben. Wenn er einschlägt, haben sie wohl alles richtig gemacht und wenn nicht, ist er in 1 Jahr wieder weg. Aufgrund des Statements von Mendy bin ich aber überzeugt, dass das kein schlechter Junge ist und vielleicht noch viele überzeugen kann, auch wenn ihm im Moment noch sein schlecher Ruf nach eilt. Ich habe den Eindruck, dass er vieles wieder gutmachen und sich rehabilitieren möchte. Deshalb soll man ihn nun doch in Ruhe lassen und sich auf das sportliche konzentrieren!
K
komalino
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20.02.2025, 16:04 · #13
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Der FCZ hat sich gut überlegt einen solchen 'vorbelasteten' Spieler zu verpflichten und hat sich dafür entschieden.
Hat er das wirklich? Ich bin mir da nicht so sicher.
D
Dieter
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20.02.2025, 16:51 · #14
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Was da alles hinein interpretiert wird
Zb das?
Er hat (…) sicher viel gelernt und wird es auch bereuen.
;)
S
stedtlerin
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20.02.2025, 19:35 · #15
Beiträge: 84
ich weiss, er wurde schon irgendwo gepostet, hab ihn aber nicht mehr gefunden, deshalb hier nochmals weil es ja um die Verpflichtung Mendys geht, hört euch bitte unbedingt diesen Podcast an, er bringt so viel wichtige hervor, und spricht mir an so vielen Punkten aus dem Herzen:
Hat der FCZ eine Verantwortung? Sehr gute Erläuterung:
https://open.spotify.com/episode/4Uk1AFZawb8O4vrtmanhLU
S
Stogerman.
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Dabei seit Dezember 2015
20.02.2025, 20:29 · #16
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ich weiss, er wurde schon irgendwo gepostet, hab ihn aber nicht mehr gefunden, deshalb hier nochmals weil es ja um die Verpflichtung Mendys geht, hört euch bitte unbedingt diesen Podcast an, er bringt so viel wichtige hervor, und spricht mir an so vielen Punkten aus dem Herzen:
Hat der FCZ eine Verantwortung? Sehr gute Erläuterung:
https://open.spotify.com/episode/4Uk1AFZawb8O4vrtmanhLU
Ich habe mir den Podcast beim Joggen angehört und er war für mich zu Einseitig.
Ganz vieles, was da im Podcast gesagt wurde, stimmt in meinen Augen. Paradebeispiel wäre da für mich die ungeschickte/schlechte Kommunikation von Canepa. So wie er den Zugang kommentiert hat, hat er gezeigt, dass man die Vergangenheit von Mendy gewissermassen auf die leichte Schulter genommen hat und sich viel zu wenig mit möglichen Konsequenzen auseinandergesetzt hat.
Der Podcast thematisiert aber teilweise auch die Opfer-Täter-Umkehr, welche hier vorliegen soll, was ich an sich etwas problematisch finde. Ich bin, wie die Podcasterinnen auch, der Meinung dass Canepas Aussage diesbezüglich maximal ungeschickt war, weil sie obengenanntes "auf die leichte Schulter" nur weiter unterstreicht. Trotzdem ist Mendy rechtlich gesehen nicht ein Täter (Achtung: Dies macht ihn nicht zum Opfer, nur zum Nicht-Erwiesenen-Täter), eine Opfer-Täter-Umkehr kann hier also nicht wirklich im angestammten Sinne geschehen.
Was der Podcast aussen vor lässt, und mir hier für ein moralisches Urteil zum Mendy von Heute fehlt:
Was denkt Mendy heute über seine Tat? Wie ist seine heutige Wertvorstellung?
Für mich sind diese beiden Fragen zentral, denn selbst wenn Mendy ein erwiesener Täter wäre, könnte man ihn unter bestimmten Umständen beim FCZ anstellen und ich wäre "Ok" damit.
Zur Straftheorie gehört (zumindest in der Schweiz) auch die Resozialisierung. Ein Täter muss wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden. Ein Mendy, der seine Taten bereut und Einsicht zeigt (keine Ahnung ob das so ist), sollte doch vom FCZ aufgenommen werden, oder nicht? Der FCZ steht ja schliesslich für Integration.
Nun, ich habe keine Ahnung wie Mendy heute tickt, ob er seinen moralischen Kompass auf die Spur gebracht hat, und wie er heute über die Vergangenheit denkt. Was ich jedoch weiss ist, dass der FCZ (gem. den Aussagen Canepas in den Medien) seine Pflicht, dies zu prüfen, zu locker genommen hat.
Ich habe keine abschliessende Meinung zum Mendy von heute, weil ich davon überzeugt bin, dass dafür zu wenige Informationen bekannt sind. Den Mendy von Früher find ich moralisch Kacke.
Gefunden auf barrikade.info:Kein Benjamin Mendy zum FCZ
Der FCZ verpflichtet den französischen Linksverteidiger und Weltmeister Benjamin Mendy. Einmal mehr beweist Sportchef Milos Malenovic, dass er keinerlei Interesse hat die Identität des FCZ zu bewahren, um stattdessen Transfers durchzuführen, welche alleine dem persönlichen Prestige dienen.
Dass gegen Mendy zahlreiche Vergewaltigungsvorwürfe bestehen, scheint ihm und der Klubführung genauso egal zu sein. Doch uns ist es nicht egal. Wir, als FCZ-Fans, die die Prinzipien der Solidarität vertreten und gegen sexistische Gewalt stehen, werden keinen Benjamin Mendy in unserem Stadion, keinen Benjamin Mendy in unserer Stadt dulden.
Also um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Mendy, du bist nicht sicher hier, wir werden dir nach den Spielen verfolgen. Du kannst dich mit deinen Anwälten vor dem Gesetz schützen, aber du kannst dich nicht vor der Richtung durch das Volk schützen. Dein Auto, dein Haus, deine liebsten Dinge sind nicht sicher vor uns und wir geben keine Ruhe, bis du dich aus unserer Stadt verpisst. Gebe Acht.
https://barrikade.info/article/6856
G
Gögi
Mitglied
2'198 Beiträge
Dabei seit Dezember 2007
25.02.2025, 11:14 · #19
Beiträge: 2'198
Gefunden auf barrikade.info:Kein Benjamin Mendy zum FCZ
Der FCZ verpflichtet den französischen Linksverteidiger und Weltmeister Benjamin Mendy. Einmal mehr beweist Sportchef Milos Malenovic, dass er keinerlei Interesse hat die Identität des FCZ zu bewahren, um stattdessen Transfers durchzuführen, welche alleine dem persönlichen Prestige dienen.
Dass gegen Mendy zahlreiche Vergewaltigungsvorwürfe bestehen, scheint ihm und der Klubführung genauso egal zu sein. Doch uns ist es nicht egal. Wir, als FCZ-Fans, die die Prinzipien der Solidarität vertreten und gegen sexistische Gewalt stehen, werden keinen Benjamin Mendy in unserem Stadion, keinen Benjamin Mendy in unserer Stadt dulden.
Also um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Mendy, du bist nicht sicher hier, wir werden dir nach den Spielen verfolgen. Du kannst dich mit deinen Anwälten vor dem Gesetz schützen, aber du kannst dich nicht vor der Richtung durch das Volk schützen. Dein Auto, dein Haus, deine liebsten Dinge sind nicht sicher vor uns und wir geben keine Ruhe, bis du dich aus unserer Stadt verpisst. Gebe Acht.
https://barrikade.info/article/6856
Mittelalter.
— Consultant to the President
-
ehem: SO für ZH
M
Mostowoj
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1'487 Beiträge
Dabei seit Februar 2005
25.02.2025, 11:20 · #20
Beiträge: 1'487
Es ist zu hoffen, dass der Club gegen die Urheber dieser Drohungen rechtliche Schritte ergreift.
Da wird eine Grenze massiv überschritten.
Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich "FCZ-Fans" sein sollen.
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