Stadtkreis9 schrieb: Valderrama schrieb: tehmoc schrieb: «Der Verein eiert nur noch herum und mir persönlich ist es völlig egal, ob jemand mit Zürcher Identität den FCZ übernimmt. Ich bin in der Welt zuhause und kann mit provinziellem Lokalstolz seit jeher nichts anfangen. Wichtiger ist Kontinuität und Seriosität unter den neuen Eigentümern.
Mit den Canepas konnte ich mich auch nie anfreunden. Mir sind sie zu schrullig, zu selbstgefällig und ich habe seit jeher den Eindruck, dass der FCZ ein Kinderersatz ist - neben den Hunden natürlich. (Wer nennt sein Haustier schon nach sich selbst?) Auf der Suche nach der bestmöglichen „Betreuung“ für den Verein agieren sie wie Helikoptereltern von der Goldküste. Für mich ist auch seit Rolf Fringer klar, dass die Menschenkenntnis nicht allzu ausgeprägt ist.
Wenn man die Entscheide der letzten Jahre anschaut, dann sprechen sie ausserdem für sehr dürftig ausgeprägte analytische Fähigkeiten. Und es wird immer nur noch schlimmer. Auch deshalb wäre es einfach sinnvoll, so schnell wie möglich die Nachfolge nachhaltig zu regeln. Ja, eine lokale Lösung würde ich unterschreiben, aber sie hat absolut keine Priorität mehr angesichts der Entwicklung.»
Wichtiger als Kontinuität und Seriosität ist beim FCZ aktuell KI: Kompetenz und Integrität. ;)
Zum Thema Lokalstolz gebe ich dir zwar recht, denn auch ich kann damit eher wenig anfangen. Nur sind die von dir geforderten Punkte betreffend Seriosität und Kontinuität bei ausländischen Investoren halt meistens eher nicht gegeben.
Natürlich gibt es auch andere Beispiele wie Lugano, wo seriös gearbeitet wird, weil sich der Besitzer bewusst ist, dass der Verein finanziell ein Fass ohne Boden sein kann, er aber gleichzeitig mehr als genug Geld hat, um dies zu stemmen. Einen solchen Investor zu finden, dürfte allerdings eher im Bereich des fast Unmöglichen liegen.
Die restlichen Vereine haben alle mehr oder weniger lokales Geld im Hintergrund. Basel hat sehr viel lokales Geld. YB hat mit lokalem, wenn auch Zürcher Geld, trotz anfänglicher Probleme etwas Grosses geschaffen. Sion hat lokales Geld. Lausanne hat einen Chemiekonzern im Hintergrund, der aber ebenfalls stark in der Region verwurzelt ist. Servette hat lokales Geld. Thun hat mehrheitlich lokales Geld. Luzern hat lokales Geld. St. Gallen hat lokales Geld.
Xamax ging praktisch hopps, nachdem die lokale Lösung wegfiel und ein tschetschenischer Betrüger übernahm. Servette wurde von einem dubiosen nicht lokalen Investor an den nächsten weitergereicht und litt jahrelang darunter. Wil wurde ebenfalls mindestens zweimal von ausländischen Investoren beinahe ins Verderben geritten. GC wird momentan wie ein Wanderpokal alle paar Jahre weitergereicht und bisher sieht es eher nach weiterem Niedergang als nach nachhaltigem Erfolg aus. Bentancur hat in Bellinzona ein gigantisches Chaos hinterlassen und der Verein stand kurz vor dem Konkurs.
Bei allem strategischen Versagen muss man den Canepas immerhin lassen, dass sie für ihre Fehler finanziell stets geradegestanden sind. Bei einer ausländischen Lösung ohne Bezug zur Region und zum FCZ stellt sich halt schon die Frage, ob diese Leute ihre Verpflichtungen ebenfalls erfüllen, wenn es einmal nicht so läuft wie erhofft. Die oben genannten Beispiele zeigen ja ziemlich deutlich, dass dies keineswegs selbstverständlich ist.
Wenn also keine vernünftige lokale Lösung gefunden wird und die internationalen Optionen ähnlich wenig überzeugend sind wie beispielsweise bei GC, dann bin ich eher dafür, den Verein soweit zusammenzustutzen, dass er finanziell tragbarer für lokale Personen wird.
Sorry für den ausufernden Beitrag.
Das Problem ist halt, dass die Canepa‘s die Tür für weitere Aktionäre jahrelang geschlossen hielten. Sie wollten immer nahezu 100% Aktienanteil behalten. Für potenzielle Interessenten war die Message klar und abschreckend.
Wenn du dich dann aus finanziellen Gründen plötzlich gesprächsbereit zeigst, stehen die Interessenten nicht Schlange.
Ich werfe den Canepa‘s schon vor, dass sie den FCZ nach Aussen isoliert und ihm so geschadet haben. Das passiert, wenn sich ein Präsident in das Tagesgeschäft einmischt und alles persönlich nimmt. Könnt ihr euch noch an die „schwarze Liste“ mit sechs Beratern erinnern? Oder die ganzen geräuschvollen Abgänge? Spieler dürfen nicht zurückkehren, da sie uns ablösefrei verliessen, aber wir selber verpflichten fast nur ablösefreie Spieler…
In der Meistersaison war Canepa genau der Präsident, den man sich wünscht. Die Kommunikation lief über Breitenreiter und Jurendic und wir hatten Ruhe. Canepa konnte sich um das Wesentliche kümmern und das Sportliche den Profis überlassen. Er ist zwar sturr und hat seine Macken, aber ich glaube, dass er ein guter Mensch ist und dem FCZ eigentlich nur Gutes will.
Das mit dem 100% Aktienanteil war ja nicht immer so. Sie wollten das nicht seit jeher. Diese kam erst, als der Verein nach den anfänglichen Erfolgen unter Canepa erstmals finanziell in Schieflage geriet. Darauf musste die Bilanz saniert werden. Wenn ich mich richtig an diese GV erinnere, war das irgendwo um 2012, also schon ein gutes Stück in seiner Amtszeit. Damals schwellte ja auch der Konflikt mit Greber und co, welche z.B. Fischer oder Bickel viel eher absägen wollten. Ich meinte gehört zu haben, dass die Canepas schlussendlich auch die einzigen waren, die bereit waren, die benötigten Millionen auf den Tisch zu legen, um die Bilanz zu sanieren. Danach begann die alleinige Herrschaft der Canepas. Mit jeder weiteren Kapitalerhöhung, welche sie alleine zeichnete, wurde der Aktienanteil immer grösser. Ob sie aber wirklich die Türe verschlossen haben, weiss ich nicht.