21.01.2022, 08:50 · #21
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Ok, dann nimmt schon noch wunder aus welcher Perspektive das Regierungssytem in Katar nicht rückständig ist?
Aus katarischer Perspektive zum Beispiel? Natürlich dominiert immer noch die USA die Welt und damit auch die aktuelle amerikanische Definition von Fortschrittlichkeit und Rückständigkeit. Sollte die ökonomische US-Dominanz in nächster Zeit aber in Frage gestellt werden, dann werden auch die entsprechenden Wertvorstellungen nicht mehr dominieren. Gewisse Dinge, die heute als fortschrittlich gelten, werden dann von der Weltmehrheit als rückständig angesehen werden, und einiges (nicht alles) was im heutigen westlichen Wertekanon als fortschrittlich gilt, wird als rückständig /dekadent / unmoralisch betrachtet werden. Ich hoffe nicht, dass Demokratie da dazugehören wird, aber auszuschliessen ist es nicht.
In den USA herrscht immerhin Gewaltenteilung, auch wenn sie das in der Aussenpolitik nicht so genau nehmen. Wenn du auf der Target Liste des Emir stehst, dann bekommst du ganz sicher keinen fairen Prozess (was in den USA immer noch die Regel ist).
Klar.
Ich finde, dass du hier in der Diskussion auch nicht so differenziert bist. Aus meiner Sicht ist vieles was du schreibst klassischer Whataboutism und einfach mal die Gegenposition einnehmen.
Aus meiner Sicht ist es natürlich umgekehrt. Ich versuche, mehr Differenzierung in einen populistisch einseitigen Narrativ zu bringen. Und genauso wie beispielsweise Forza siehst du mich in einer Diskussion regelmässig jemandem mit einer anderen Meinung in gewissen Punkten Recht geben. Oder sowohl positive wie negative Eigenschaften einer umstrittenen Person, Organisation oder Vorlage aufzählen. Und ich lerne gerne in einer Diskussion etwas Neues hinzu. Ich würde das alles als ein Zeichen von Differenzierung sehen. Es gibt hier im Forum einige User, bei denen ich das noch überhaupt nie beobachtet habe.
«Whataboutism» hat sich zuletzt zum klassischen Kampfbegriff der populistischen Ideologen entwickelt. Bitte keine Vergleiche und Einordnungen! Lasst uns und unsere liebgewonnenen Feindbilder und Vorurteile in Ruhe! We love to hate!
Wenn alle die WM-Vergabe 2022 als korrupt bezeichnen (was sie nachweislich auch war), dann schreibst du einfach mal, dass das ein demokratischer Prozess war, weil ja schliesslich Wahlen stattgefunden haben (Irgendwo hast du auch geschrieben, dass alle Landesverbände wählen konnten, was nun mal nicht stimmt, weil damals das Exekutivkomitee gewählt hat. In einem anderen Post hast du das immerhin noch erwähnt).
Doch, bezüglich WM 2026 hat der Kongress die Entscheidung gefällt und damit direkt alle Landesvertreter. Das habe ich geschrieben. Und auch das Exekutivkomitee wurde von den Landesvertretern gewählt. Repräsentative Demokratie. Die du offenbar weniger kritisch siehst als ich. Das Exekutivkomitee war ein von allen Landesvertretern aus ihren eigenen Reihen gewähltes Gremium von Landesvertretern, die sich alle drei, vier Monate in ein Flugzeug gesetzt und zu einer Sitzung in Zürich oder anderswo getroffen haben. Viele haben ja durch die Medien das Bild von einer FIFA im Kopf, die in Zürich sitzt und von hier aus irgendwelche dubiosen Entscheide über WM-Vergaben fällt. Aber so war und ist es nicht. Es sind die Vertreter der Landesvertreter aus der ganzen Welt, welche diesen Entscheid gefällt haben. Und die in Zürich sitzende FIFA Administration hat dann diesen politischen Entscheid der Weltfussballgemeinschaft umzusetzen.
In Russland finden auch Wahlen statt, würdest du Russland deshalb als Demokratie bezeichnen? Wohl eher nicht.
Wenn in Russland das einzige Problem wäre, dass von 100 Millionen Wählern drei bestochen worden sind und genau diese drei den Ausschlag bei der Wahl gegeben haben, dann wäre Russland trotzdem eine Demokratie. Verwerfliche Gründe für politische Entscheidungen kann es in jedem politischen System geben. Der Vorteil von Volksentscheiden ist, dass drei von 100 Millionen im Normalfall nicht den Ausschlag geben. Aber so ist es in Russland ja nicht. Es werden Gegenkandidaten ins Gefängnis gesteckt oder aus anderen fadenscheinigen Gründen nicht zur Wahl zugelassen. Ein echter demokratischer Prozess wird so von vornherein zumindest untergraben.
Vieles was du schreibst, kann man so generell nicht sagen. Z.B. bin ich mit deinen Aussagen zur repräsentativen und direkten Demokratie gar nicht einverstanden, das ist mir auch zu schwarz/weiss. Aber das führt nun von der Diskussion rund um die FIFA weg, deshalb mache da ich auch kein Fass auf.
Also, willst du ernsthaft bestreiten, dass Repräsentative Demokratie viel anfälliger auf Bestechung, Blackmail und Korruption ist als Direkte Demokratie? Das ist schlicht nicht abstreitbar. Ein Dutzend Menschen kann man deutlich einfacher bestechen als mehrere Millionen. Eine Frage der Logik und der weltweiten Praxis. Darum hast du ja auch keine konkreten Argumente dagegen.
Die Geschichte mit der WM-Vergabe offenbart exemplarisch einen der Schwachpunkte von Repräsentativer Demokratie. Die Ländervertreter wählen das Exekutivkomitee und dieses bestimmt die WM-Vergabe. Es geht um viel. Eine beschränkte Anzahl von Leuten geben den Ausschlag. Da lässt sich gar nicht vermeiden, dass Interessenvertreter der betroffenen Parteien an die Grenzen des Erlaubten (und manchmal darüber hinaus) gehen, um diese Entscheidungsträger mit allen Mitteln auf ihre Seite zu ziehen.
Und was soll «kann man nicht sagen» bedeuten?
a. Es ist physikalisch unmöglich dies zu sagen
b. Es ist nicht erlaubt, dies zu sagen
c. Diese Ansicht habe ich zum ersten Mal gehört, ich fühl mich in meiner Bubble ganz wohl und habe keine Lust, meine zementierte Meinung zu hinterfragen
d. Ich habe keine Argumente
e. Ich habe keine Zeit zu antworten