Aus dem Sonntagsblick:
Der ehemalige FCZ-Liebling und Absatzkönig Cesar ist heute beim Derby dabei. Hört der Brasilianer das Wort GC, denkt er an Tränen, Klettern und die Meisterfeier.
Unvergessen ist der Cup-Halbfinal im März 2004, als der FCZ gegen GC nach einer 5:2-Führung in der Verlängerung noch 5:6 verlor. Unvergessen die Szene, als Schiri Urs Meier Zürichs Mittelfeldspieler Cesar nach dessen Treffer zum 5:2 wegen übertriebenen Torjubels vom Platz stellte. Es war das Debüt des Brasilianers, als er aus lauter Freude aufs Gitter kletterte.
Für SonntagsBlick klettert Cesar im Hardturm-Areal erneut auf einen Zaun. «Der Hardturm sieht aus wie ein Friedhof», sagt er. Cesar lacht. Im Gegensatz zu jenem frostigen Märztag. Der schlaksige Brasilianer gesteht: «Ich habe in meinem Leben bis jetzt zweimal geweint. Einmal, als meine Grossmutter starb. Das andere Mal nach diesem Spiel. Es war die schmerzvollste Niederlage in meinem Leben.»
Gute Erinnerungen an den Stadtrivalen gibts auch: Im Mai 2007 siegte Cesar mit dem FCZ durch Tore von Santos und Margairaz 2:0. Er stemmte im GC-Stadion den «Chübel». Besser gehts nicht!
Ein halbes Jahr später verliess der Absatzkönig als zweifacher Meister, Cupsieger und Publikumsliebling den Klub. Wechselte für 3,5 Millionen Franken nach Dubai zu Al Ahly. Nach einem kurzen, unglücklichen Abstecher zu Hertha BSC Berlin ging er wieder in die Wüste.
Jetzt ist der 31-Jährige wieder zurück. Am Mittwoch hat er sich beim Spitzenspiel FCZ – FCB bestens unterhalten. Heute will er zum Derby. Vom FCZ ist Cesar beeindruckt. «Die junge Mannschaft hat unglaublich viel Persönlichkeit, kombiniert sehr schnell.» Würden sie auch gegen GC und in den letzten beiden Spielen so auftreten, könnte der Meister nur FCZ heissen, ist Cesar überzeugt.
Cesar ist nur auf Durchreise. Am Montag fliegt er weiter nach Dubai. Fussballschuhe hat er keine dabei, stattdessen etliche DVDs von brasilianischen Talenten. Cesar ist Ende letzter Saison zurückgetreten, arbeitet nun als Spielerberater. In der Schweiz ist sein Freund Ilija Polimac sein Partner. Cesar: «Ich möchte jungen Talenten dieselbe Chance geben, wie ich sie hatte.» Den FCZ werde er dabei bevorzugt behandeln, sagt er, «aus Dankbarkeit. Ich hoffe, dass ich die FCZ-Fans wieder einmal so richtig glücklich machen kann, wenn ich ein Talent bringe.»
Ist auf seinen DVDs ein neuer Raffael oder Cesar zu bestaunen? «Ich weiss nicht, aber andere haben auch Talent», sagt Cesar und grinst.
Falls der FCZ, wie von ihm prognostiziert, in zwei Wochen die Meisterschaft feiern sollte, wird er schon zu Hause in Sao Paolo sein. Bei seiner Frau Joana und Baby Nicolas. Sein drittes Kind ist knapp ein Monat alt.
Der Lebemann, der zu seiner Aktivzeit unzählige Male im Büro von Trainer Lucien Favre antraben musste, weil er zu lange im Ausgang war, scheint endlich gezähmt.
