GC-Forum
An die Stadtpolizei Zürich
An die Medien
An den FCZ und Grasshopper Club Zürich
Communiqué zur Polizeiaktion nach dem Derby FC Zürich – Grasshopper Club Zürich.
Wie in verschiedenen Medien zu lesen war, wurden nach dem Zürcher Derby vom vergangenen Montag zahlreiche Fans des Grasshopper Club Zürich nach dem Verlassen des Stadions von der Polizei eingekesselt und gezwungen, sich fotografieren und registrieren zu lassen.
Die Medienmitteilung der Stadtpolizei Zürich verdreht die Hintergründe und den Ablauf dieser Aktion in grober Art und Weise. Aus diesem Grund sehen wir es als unsere Pflicht an, die Berichte zu relativieren und das Vorgehen der Polizei zu hinterfragen.
Richtig ist, dass die Baslerstrasse bereits beim Abpfiff des Fussballspiels in Richtung Restaurant Schlachthof polizeilich abgesperrt war. Abseits dessen standen die Einsatzkräfte schon bereit, um auch die zweite Seite der Strasse abzusperren und damit die Einkesselung der Fussballfans vorzubereiten. Als die Zuschauer unmittelbar nach Spielschluss das Stadion verliessen, standen Ihnen gerade einmal zwei Extrabusse mit Fahrziel Hauptbahnhof zur Verfügung. Da diese dementsprechend schnell voll waren, verharrten vor dem Ausgang diverse Fans, um auf weitere Busse zu warten oder sich anderweitig zu organisieren. Es muss erwähnt werden, dass durch die bereits vorhandene Absperrung der gewohnte Weg zu den weiteren öffentlichen Verkehrsmitteln sowie zu den Parkplätzen versperrt war.
Nach und nach kamen auch die Fans auf die Strasse, die sich noch von Ihrer Mannschaft verabschiedet oder etwas im Stadion konsumiert haben. Etwa zehn Minuten nach Abpfiff war die Strasse hinter der Gästekurve deshalb mit Leuten überfüllt. Es bildete sich zu keiner Zeit eine gewalttätige oder gewaltsuchende Menschenansammlung. Vielmehr wollte sich der Menschenstrom auf der Baslerstrasse in Richtung Bahnhof Altstetten bewegen, da die andere Seite noch immer abgesperrt war.
Kurz darauf wurde auch die zweite Seite und somit der letzte Weg zum Verlassen des Stadionumfeldes durch die Polizei abgesperrt. Nun fanden sich alle noch anwesenden Leute eingekesselt und dementsprechend im «gewaltbereiten Mob» wieder. In Tat und Wahrheit war dies jedoch eine Ansammlung von normalen Stadionbesuchern, die einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren.
Zivilpolizisten bestimmten anschliessend willkürlich und sporadisch, wer den Kessel verlassen durfte und wer darin verharren und seine Personalien abgeben musste. An dieser Stelle sei erwähnt, dass selbst nach Bekanntgabe der geplanten Aktion keine Aggressivität unter den Eingekesselten auszumachen war, vielmehr haben Ratlosigkeit und Verwunderung über das Vorgehen der Polizei überwogen. Auch ist es absolut nicht korrekt, dass die anwesenden Leute teilweise bewaffnet waren, da die Fans direkt aus dem Stadion gekommen sind. Diejenigen Fans, die verständlicherweise von der Polizei wissen wollten, warum sie festgehalten werden oder was mit den aufgenommenen Daten passiere, wurden entweder mit Standardantworten abgewimmelt oder mit Pfefferspray davongejagt.
Die Frage drängt sich auf, ob künftig jeder Matchbesucher von der Polizei als potenzieller Gewalttäter angesehen wird. Das Klima rund um die Fussballstadien wird seit Jahren schlechter geredet als es ist. Gerade solche Aktionen seitens der Polizei tragen aber einen wesentlichen Teil dazu bei. Ist es tatsächlich das Ziel, friedliche Fussballfans durch solche Massnahmen zu kriminalisieren?
Gegen das Argument der Polizei einer sich versammelnden, gewaltsuchenden Masse spricht ebenfalls, dass die Einkesselung eine von vorneherein geplante Aktion gewesen zu sein scheint. Dies zeigt sich darin, dass schon vorgängig auffällig viel Polizeipersonal beim Ausgang des Gästesektors zusammengezogen wurde und das Polizeipersonal schon ziemlich bald nach Spielende die Formation zur Einkesselung einnahm. Noch viel schwerer wiegt diesbezüglich, dass hinter der Polizeikette gewaltbereite Fans des FC Zürich die frei gelassenen GC Fans einzeln empfangen und angreifen konnten. Wäre es der Polizei wirklich um das Verhindern von Gewalt gegangen, so wäre man dagegen vorgegangen. Offensichtlich ging es aber in keiner Weise darum, Gewalt zu verhindern, sondern bloss, möglichst viele GC Fans zu registrieren. Die Polizeiaktion angesichts dieser Vorkommnisse als Erfolg zu werten, kann bloss als schlechter Scherz verstanden werden.
Wir verlangen von der Polizei, dass sie bekannt gibt, welches der wahre Sinn und Hintergrund zu dieser offensichtlich im Voraus geplanten Aktion war, was mit den aufgenommenen Daten passieren wird und dass diese Daten nach deren Prüfung umgehend gelöscht werden. Des Weiteren rufen wir die Polizei dazu auf, solche Vorgehensweisen intern zu hinterfragen und künftig eine adäquate Gewaltprävention vorzunehmen, ohne sämtliche Fussballfans unter Generalverdacht zu stellen.
Vorwärts GC Züri
Vorstand
IG GC Züri