«Ich bin stolz, dass ich kein Versager bin»
Heute startet die Serie A in die Rückrunde. Aufsteiger Parma mit Blerim Dzemaili trifft gleich auf Juventus Turin. Grund genug, sich mit dem ehemaligen FCZ-Star über seine Ängste, Einsamkeit als Fussballspieler und sein grosses Ziel 2010, die Weltmeisterschaften in Südafrika zu sprechen.

Für Parma-Star Blerim Dzemaili (23) beginnt die Rückrunde mit einem Knalleffekt: Der sensationelle Aufsteiger empfängt Juventus Turin.
20 Minuten: Blerim Dzemaili, Fussball am Dreikönigs-Tag. Kommt das nicht etwas früh im Jahr?
Blerim Dzemaili: Jetzt geht’s. In Parma haben wir drei bis vier Grad plus. Und dass das letzte Spiel erst zweieinhalb Wochen zurückliegt, hat auch Vorteile: Als Spieler hatte man gar keine Gelegenheit, konditionell abzubauen. Seit zehn Tagen befinden wir uns wieder im Training, am Montagabend sind wir vom Trainingslager auf Malta zurückgekehrt.
Parma liegt als Aufsteiger auf Platz 5 in der Serie A...
Das ist sensationell! Und wenn wir Juventus schlagen, haben wir sogar die Chance auf Platz 2. Wir müssen realistisch bleiben, wir sind der Aussenseiter. Aber wir sind auch eine gute Mannschaft mit einer unglaublich guten Stimmung. So etwas wie hier habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt. Wir freuen uns jeden Tag, gemeinsam auf dem Platz zu stehen. Wir arbeiten konzentriert, aber wir scherzen und lachen viel...
...kein Wunder angesichts der Resultate. Sind Sie nach dem Frust in Bolton und dem Abstieg mit Torino endlich dort angelangt, wo Sie hingehören?
Bolton war ein Frust, da haben Sie recht. Aber schon Torino war trotz des Abstiegs für mich persönlich eine Super-Saison. Ich habe mich im Ausland durchgesetzt, konnte unter vielen Angeboten auswählen. Ich bin stolz, dass ich kein Versager bin.
Hatten Sie Angst zu versagen?
Ich habe an mir gezweifelt, ja. Nach meiner schweren Knieverletzung habe ich mir eine Rückkehr in die Schweiz überlegt. Aber das wollte ich nicht. Ich wollte mich im Ausland durchsetzen. In Turin ist der Knoten geplatzt. Hier war ich plötzlich wieder der alte Dzemaili.
Sie gelten als Familienmensch. Ich nehme an, dass Sie in dieser Zeit von Ihrer Familie, Ihren Freunden und besonders von Ihrer Freundin Barbara Megert unterstützt wurden.
Das ist richtig. Aber trotz aller Unterstützung aus dem Umfeld ist man als Fussballer allein. Ich habe mir selber helfen müssen. Im Sommer, als in der Schweiz die EM-Endrunde war, habe ich noch härter gearbeitet als sonst.
Stichwort Endrunde: An der WM 2006 waren Sie im Kader, ohne eine Sekunde zu spielen. Jetzt steht wieder eine WM vor der Tür, aber Sie wurden von Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld zuletzt nicht mehr aufgeboten.
Die Weltmeisterschaft ist und bleibt mein Ziel. Ich hoffe natürlich, dass ich wieder aufgeboten werde. Aber der Trainer macht die Aufgebote und ich habe zu akzeptieren, wenn mein Name nicht draufsteht. Was ich tun kann, ist weiter meine Leistung zeigen und mich dadurch bei Herrn Hitzfeld aufdrängen.
Sind Sie enttäuscht?
Das ist doch logisch. Ich bin Fussball-Profi. Ich will für die Nationalmannschaft spielen.
Sie gehören noch immer dem FC Torino, sind an Parma nur ausgeliehen. Was passiert mit Ihnen, wenn die Saison in Italien am 16. Mai zu Ende ist?
Wenn wir den Liga-Erhalt schaffen, was ja ziemlich wahrscheinlich ist (lacht), dann ist Parma vertraglich verpflichtet, 50 Prozent von mir für 4,5 Millionen Euro zu kaufen.
Und was passiert mit Ihrer anderen Hälfte?
Über die anderen 50 Prozent müssen sich Torino und Parma bis Ende Juni einig werden. Darauf habe ich keinen Einfluss.
Wenn man Ihnen zuhört, erhält man den Eindruck, Sie würden gerne in Parma bleiben.
Sehr, sehr gerne. Die Mannschaft ist gut, der Klub ambitioniert. Parma möchte wieder dorthin, wo es vor einigen Jahren war: an die europäische Spitze.
Und in die Insolvenz?
Ich glaube nicht, dass das nochmal passiert. Der Klub ist sehr gut organisiert.
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