«Neuer Vertrag für Favre bis 2011 bei Hertha: «Länger wäre zu viel»»
Lucien Favre (51) verlängerte seinen Vertrag beim sensationellen Bundesliga-Dritten Hertha Berlin vorzeitig um ein Jahr. Das verriet der Schweizer im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnetz.
Wie fühlt man sich als Bundesliga-Trainer der Hinrunde? Bei einer Umfrage auf dem DSF-Teletext haben über 50 Prozent der Teilnehmer Sie gewählt.
(lacht)Das ist nicht so wichtig.
Aber es ist doch schön, wenn Ihre Arbeit anerkannt wird.
Ja, schon. Aber es geht so schnell im Fussball – wie auch im Leben. Ich konzentriere mich nur auf die Rückrunde. Diese wird spannend. Für uns wird es hart, sehr hart. Wie in der Hinrunde wird jedes Spiel eng sein. Wir müssen das Glück provozieren, kämpfen, viel laufen und als Einheit auftreten.
Dass Sie im Moment zahlreiche Verletzte haben, macht es aber nicht einfacher.
Momentan fallen vier zentrale Mittelfeldspieler aus. Doch das können wir nicht ändern. Pal Dardai und Gojko Kacar werden bald wieder zu Verfügung stehen. Bei Fabian Lustenberger dauert es länger. Und der junge Lennart Hartmann fällt schon sechs Monate aus. Wir werden improvisieren. Cicero kann auch in der Mitte spielen.
Für Fabian Lustenberger muss es bitter sein. Er hätte ohne seinen Ermüdungsbruch morgen beim Auftakt gegen Frankfurt bestimmt gespielt.
Ja, das ist schade für Fabian. Ich hoffe, dass er schnell wieder fit sein wird. Doch sechs Wochen wird er mindestens ausfallen.
Auch Rechtsverteidiger Sofiane Chahed ist verletzt. Heisst das, dass Steve von Bergen gegen Frankfurt zum Einsatz kommt?
Ja, ich denke schon.
Sie haben mit dem kroatischen Mittelfeldspieler Marko Babic und argentinischen Verteidiger Leandro Damian Cufré nur zwei Neue verpflichtet.
Wir haben eine Verstärkung fürs Mittelfeld gesucht und mussten dann noch auf die Verletzung von Chahed reagieren.
Scott Chipperfield vom FC Basel war bei Ihnen im Test. Waren Sie noch an anderen Spielern aus der Schweiz interessiert?
Nein, nur an Chipperfield. Leider hat es mit seiner Verpflichtung nicht geklappt.
Gibt es in der Super League keine Spieler mehr, die gut genug für die Bundesliga sind?
Doch, doch. Aber finanziell ist das für uns unmöglich. Wir konnten nur Spieler verpflichten, die keine Ablösesumme kosten.
In den letzten Wochen haben Sie mit Hertha verhandelt. Wie sieht es mit Ihrer Vertragsverlängerung aus?
Ja, wir haben den Vertrag bis 2011 verlängert.
Herzliche Gratulation. Warum wurde nur um ein Jahr verlängert?
Ich denke, das ist gut so. Länger wäre zu viel. Die Vertragsverlängerung bedeutet für mich auch mehr Druck. Ich muss etwas erreichen. Ich stehe noch mehr in der Verantwortung.
Sie haben davon gesprochen, dass es spannend wird in der Rückrunde. Denken Sie nicht, dass Bayern München nach dem starken Auftritt im Cup dominieren wird?
In Stuttgart waren die Münchner stark. Doch das war nur ein Spiel. Anfangs Saison, als Franck Ribéry ausfiel, hatte Jürgen Klinsmann das System umgestellt. Seit Ribéry wieder fit ist, spielen sie wieder ein 4-4-2 wie unter Ottmar Hitzfeld. Für mich sind sie die klar stärkste Mannschaft der Liga.
Was trauen Sie Tabellenführer Hoffenheim zu?
Die Hoffenheimer sind gefährlich für die Bayern. Ich hoffe, sie können den verletzten Vedad Ibisevic ersetzen. In der Hinrunde haben sie fantastischen Fussball gespielt. Doch wie gesagt, es wird spannend. Werder Bremen wird zurück kommen, mit Schalke ist zu rechnen, Leverkusen ist sehr stark, Wolfsburg hat sich weiter verstärkt – und ich könnte noch viele weitere Mannschaften aufzählen.
Der dritte Rang nach der Hinrunde war mit dieser Mannschaft schon ein Wunder. Bei der starken Konkurrenz wird es schwierig, wieder vorne mitzuspielen.
Ja, schon. Zumal wir in der Rückrunde ein Auswärtsspiel mehr haben werden. Die anderen Mannschaften müssen reagieren. Es wird schwierig für uns, das wissen alle. Doch wir haben in dieser Saison noch keine Geschenke bekommen.
Ist es ein Vorteil, das jedem klar ist, dass es kein Spaziergang wird?
In Berlin ist der Druck immer da. Wohl auch, weil es die Hauptstadt von Deutschland ist. Wenn wir komplett antreten können, sind wir besser als letztes Jahr.
Im Gegensatz zu Ihrer Ära mit dem FC Zürich holt Ihr Team jetzt die Punkte eher mit zweckmässigem Fussball. Spielerisch ist es noch nicht so stark.
Es geht. Es kommt langsam. Aber wir haben noch viel zu tun. Bei der Ballannahme sind wir noch zu langsam, und wir haben zu viele Ballverluste. Wir wissen das. Es ist wichtig, dass wir solid und mit Geduld spielen.
Es war zu lesen, dass Sie sich über den Sieg der ZSC Lions in der Champions Hockey League gefreut haben.
Ja, das ist fantastisch für den ganzen Schweizer Sport. So etwas ist immer gut. So wie bei Roger Federer oder Alinghi.
Was kann der Schweizer Fussball aus dem Erfolg der Lions lernen?
So etwas wäre im Fussball unmöglich. Es wird schon enorm schwierig, einen Erfolg zu wiederholen, wie ihn der FC Basel 2003 in der Champions League hatte. Beim FCZ hatten wir eine junge, gute Mannschaft zusammen. Doch dann wollten alle weg. Nur wenn man so ein Team mehrere Jahre zusammenhalten könnte, wäre es möglich, in der Champions League auf hohem Niveau zu spielen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)
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