https://www.tagesanzeiger.ch/der-fussball-muss-nicht-die-welt-retten-409931375221
so einen kommentar hätt ich ihm fast nicht zugetraut, dem lieben GC-winti-freund schifferle. wenn er jetzt noch seine eigene empörungsmentalität betreffend unserer hiesigen pyrophilen kurven in den griff kriegt, könnte
man ihn fast noch cool finden.
Es ist nicht ok, dass tausende Arbeiter starben, zu einem Hungerslohn (im reichsten Land der Welt) und dazu noch in dreckigen Massenunterkünften hausen mussten.
Nein ist es nicht.
Aber es ist/war auch nicht ok, wenn die Arbeiter schon vorher oder nachher an Hotelanlagen, Hochhäuser etc gearbeitet haben, unter den selben menschenunwürdigen Bedingungen - nur hat es bis anhin keinen Sau interessiert, bis der Weltfussball mit ihren Konsumenten kam. Das hat halt schon ein unglaubwürdiges Gschmäckle.
Was ist eigentlich mit den Menschen, die in anderen Staaten auf den Baustellen verrecken? Da dort keine WM stattfindet, interessiert sich keine Sau für diesen Scheisszustand.
Es ist eben ein Unterschied, wenn du durch Vergabe einer WM dieses Treiben noch intensivierst und legitimierst. Die Situation um die Gastarbeiter hätte nie so ein Ausmass angenommen ohne WM, wenn man bedenkt welche Infrastruktur da hingeklotzt werden musste innert begrenzter Zeit. Letztlich kann man jede Kritik mit Whatabout-Argumenten mundtot machen (Was ist eigentlich mit?).
In Schifferles Meinungsstück ist nicht alles falsch. Aber wie immer macht er sich zu einfach. Relativ willkürlich verknüpft er verschiedene Themenkomplexe um seine These zu stützen . Auch im Podcast verabschiedet er sich jeweils, wenn die Zusammenhänge all zu komplex werden. Und ja, natürlich kann der Fussball nicht die Welt retten, auch wenn er gerne so tut.
Ich mache niemandem moralische Vorhaltungen, der WM gucken will. Ich weiss selber noch nicht ob ich meinen "Boykott" durchziehen kann. Aber solche Meinungen, die mehr oder weniger laut "Heuchelei" schreien, kommen meistens aus der Ecke, die einfach störungsfrei Fussball konsumieren wollen. Ich finde allerdings, es schadet keinem Fan sich mit den Auswüchsen des Fussballbusiness auseinanderzusetzen und die eigene Rolle darin zu hinterfragen.