WM 2022 Katar

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dennisovMitglied
16.01.2022, 21:48 · #1
Beiträge: 5'501
Da heute ja der Tag der neuen Thread Eröffnungen zu scheinen scheint, habe ich grad Lust um einen für die WM 2022 in Katar zu eröffnen, obwohl sie erst in 10 Monaten beginnt. Aber diese WM soll ja etwas ganz besonderes werden, darum hat sie bereits jetzt von mir schon ein wenig Aufmerksamkeit verdient. Trotz all der Verwirrung heutzutage, sollte man wissen, dass das Fundament von dieser WM pure unmenschlichkeit ist- Denn mal ganz zu schweigen vom unökologischen Wahnsinn, starben auf den Baustellen für diese WM schätzungsweise über 6’500 Zwangsarbeiter! Das alles wird von dem vermutlich korruptesten VEREIN der Menschheitsgeschichte namens FIFA supportet. Der neue Sepp Blatter, Infantino, steht sogar so fest zu seinen Überzeugungen, dass er als Schweizer nach Katar zieht, vermutlich lässt man ihn dort in Ruhe mit lästigen Fragen über Menschenrechte und dergleichen. Oder vielleicht, auch wenn fast noch unwahrscheinlicher, entdecken alle teilnehmenden Nationalmannschaften doch noch im letzten Augenblick ihr Rückgrat und boykottieren diese Kacke!
Etoundi14Mitglied
16.01.2022, 22:26 · #2
Beiträge: 454
…Das alles wird von dem vermutlich korruptesten VEREIN der Menschheitsgeschichte namens FIFA supportet. Der neue Sepp Blatter, Infantino, steht sogar so fest zu seinen Überzeugungen, dass er als Schweizer nach Katar zieht, vermutlich lässt man ihn dort in Ruhe mit lästigen Fragen über Menschenrechte und dergleichen. Oder vielleicht, auch wenn fast noch unwahrscheinlicher, entdecken alle teilnehmenden Nationalmannschaften doch noch im letzten Augenblick ihr Rückgrat und boykottieren diese Kacke! Dann kannst du den Thread gleich wieder schliessen ;P
Forza1896Mitglied
17.01.2022, 06:26 · #3
Beiträge: 861
Da heute ja der Tag der neuen Thread Eröffnungen zu scheinen scheint, habe ich grad Lust um einen für die WM 2022 in Katar zu eröffnen, obwohl sie erst in 10 Monaten beginnt. Aber diese WM soll ja etwas ganz besonderes werden, darum hat sie bereits jetzt von mir schon ein wenig Aufmerksamkeit verdient. Trotz all der Verwirrung heutzutage, sollte man wissen, dass das Fundament von dieser WM pure unmenschlichkeit ist- Denn mal ganz zu schweigen vom unökologischen Wahnsinn, starben auf den Baustellen für diese WM schätzungsweise über 6’500 Zwangsarbeiter! Das alles wird von dem vermutlich korruptesten VEREIN der Menschheitsgeschichte namens FIFA supportet. Der neue Sepp Blatter, Infantino, steht sogar so fest zu seinen Überzeugungen, dass er als Schweizer nach Katar zieht, vermutlich lässt man ihn dort in Ruhe mit lästigen Fragen über Menschenrechte und dergleichen. Oder vielleicht, auch wenn fast noch unwahrscheinlicher, entdecken alle teilnehmenden Nationalmannschaften doch noch im letzten Augenblick ihr Rückgrat und boykottieren diese Kacke! Kann euch hierzu nur folgenden Podcast dazu empfehlen. Kommt aus dem Kieler Fanprojekt und klärt über die Verhältnisse von Staaten wie Saudi Arabien oder Katar auf... Schrecklich wie dort mit Menschen umgegangen wird. Football was my first love App https://open.fbwmfl.com/de/listen/0e040 ... 3feec9391a Auch das Thema Sportwashing ist ganz groß dabei.
BartholomeusMitglied
17.01.2022, 10:03 · #4
Beiträge: 1'346
Denn mal ganz zu schweigen vom unökologischen Wahnsinn, starben auf den Baustellen für diese WM schätzungsweise über 6’500 Zwangsarbeiter! Bei der Nennung von absoluten Zahlen muss man immer ein wenig vorsichtig sein. Gemäss Recherche der Zeitung Guardian starben seit der Entscheidung über den Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft 2022 (d. h. im Zeitraum von 2011 bis Herbst 2020) mindestens 6751 Arbeitsmigranten aus Indien, Bangladesch, Nepal, Pakistan und Sri Lanka in Katar. Die Anzahl verstorbener Arbeitsmigranten aus den Philippinen und Kenia, die ebenfalls eine große Anzahl von Arbeitsmigranten stellen, sind in den Rechercheergebnissen nicht enthalten. Aber: Es gibt auch noch Tausende andere Baustellen in Katar, nicht nur die Stadien, da mit dem derzeitigen Bau-Boom viele Gebäude, Schienen, Strassen etc. in Katar entstehen. D.h. von den 6751 gestorbenen Arbeitsmigranten haben bei weitem nicht alle beim Stadionbau gearbeitet. Zudem sind bei den 6751 Todesfällen auch natürliche Todesursachen und weitere Todesumstände wie Verkehrsunfälle, Suizide und Krankheiten etc. enthalten. Gleichwohl: Pausenloses Arbeiten bei 50 °C Hitze, mangelnde Ernährung, fehlendes Trinkwasser, ungenügende Arbeitssicherheit, medizinische Unterversorgung und Gewalt gegen Arbeitende etc. sind in Katar an der Tagesordnung. Ob jetzt 6000 oder 600 Migranten beim Stadionbau gestorben sind, spielt daher keine Rolle. Mit der Vergabe der WM an Katar (inkl. der heute bekannten gekauften Stimmen bei der Vergabe) hat die FIFA ihre letzte Glaubwürdigkeit verspielt. Schade, dass nicht alle Landesverbände geschlossen aus der FIFA austreten und ihren eigenen Weltfussballverband und ihre eigene WM gründen. Aber evtl. wird dies in Zukunft mit der Nations League sogar passieren....
Forza1896Mitglied
17.01.2022, 13:56 · #5
Beiträge: 861
Denn mal ganz zu schweigen vom unökologischen Wahnsinn, starben auf den Baustellen für diese WM schätzungsweise über 6’500 Zwangsarbeiter! Bei der Nennung von absoluten Zahlen muss man immer ein wenig vorsichtig sein. Gemäss Recherche der Zeitung Guardian starben seit der Entscheidung über den Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft 2022 (d. h. im Zeitraum von 2011 bis Herbst 2020) mindestens 6751 Arbeitsmigranten aus Indien, Bangladesch, Nepal, Pakistan und Sri Lanka in Katar. Die Anzahl verstorbener Arbeitsmigranten aus den Philippinen und Kenia, die ebenfalls eine große Anzahl von Arbeitsmigranten stellen, sind in den Rechercheergebnissen nicht enthalten. Aber: Es gibt auch noch Tausende andere Baustellen in Katar, nicht nur die Stadien, da mit dem derzeitigen Bau-Boom viele Gebäude, Schienen, Strassen etc. in Katar entstehen. D.h. von den 6751 gestorbenen Arbeitsmigranten haben bei weitem nicht alle beim Stadionbau gearbeitet. Zudem sind bei den 6751 Todesfällen auch natürliche Todesursachen und weitere Todesumstände wie Verkehrsunfälle, Suizide und Krankheiten etc. enthalten. Gleichwohl: Pausenloses Arbeiten bei 50 °C Hitze, mangelnde Ernährung, fehlendes Trinkwasser, ungenügende Arbeitssicherheit, medizinische Unterversorgung und Gewalt gegen Arbeitende etc. sind in Katar an der Tagesordnung. Ob jetzt 6000 oder 600 Migranten beim Stadionbau gestorben sind, spielt daher keine Rolle. Mit der Vergabe der WM an Katar (inkl. der heute bekannten gekauften Stimmen bei der Vergabe) hat die FIFA ihre letzte Glaubwürdigkeit verspielt. Schade, dass nicht alle Landesverbände geschlossen aus der FIFA austreten und ihren eigenen Weltfussballverband und ihre eigene WM gründen. Aber evtl. wird dies in Zukunft mit der Nations League sogar passieren.... Es wird in einigen Medien von mehr als 15.000 Toten geschrieben. Aber wie Bartholomeus sagt, da muss man genau hinschauen auf die Todesursache. In einem muss ich dir widersprechen- es ist nicht egal ob es 6.000 oder 600 oder 15.000 sind. Jeder einzelne ist zu viel und wird nicht aufgeklärt / die Familien in ihren Ländern werden im dunkeln gelassen. Bei den ganzen gestellten Berichten zum Thema "Ach wie schön es doch dort ist zu arbeiten" und "es hat sich ja so viel geändert" könnte ich einfach nur kotzen. Die nicht gestellten Berichte will nur keiner sehen und vor allem nicht die großen Leute die mit Geld um sich werfen. Die FIFA und viel andere schauen da bewusst drüber und nehmen die Toten billig in Kauf. Hauptsache das Geld passt. Die Länder, welche die Rechte mit Füßen treten oder um es deutlicher zu sagen "denen es völlig egal ist was mit anderen passiert" die betreiben Sportwashing und erkaufen sich die Sympathie - bestes Beispiel Newcastle in England. Und Vereine schauen drüber und tun so, als ob das alles nicht mehr so wäre - Beispiel Bayern München mit Katar. Da sagt ein Bayern Funktionär etwas wie "ich war in Katar und habe mich selbst überzeugt, wie gut es den Leuten jetzt geht" BULLSHIT! die zeigen dir doch nur die schönen Seiten. Allein wenn man sich mal über das Kafala System dort informiert oder sieht, dass die Gastarbeiter das Land verlassen müssen während der WM (auf eigene Kosten), damit die schöne heile Welt dargestellt werden kann, sollte dies alles nicht mehr gefördert werden. Doch Kritiker werden sofort mundtot gemacht. Kann jedem nur Berichte wie folgenden empfehlen: 9e:mediaembed:PHI+PFlPVVRVQkUgaWQ9IlFFS1ZtV0RvZVJNIiB1cmw9Imh0dHBzOi8vd3d3LnlvdXR1YmUuY29tL3dhdGNoP3Y9UUVLVm1XRG9lUk0iPmh0dHBzOi8vd3d3LnlvdXR1YmUuY29tL3dhdGNoP3Y9UUVLVm1XRG9lUk08L1lPVVRVQkU+PC9yPg==https://www.youtube.com/watch?v=QEKVmWDoeRM Was wird gegen Katar / die Zustände gemacht? schönes Kreise auf dem Spielfeld gebildet, tolle T-Shirts mit "human right" angezogen und verkauft... bla bla... das hilft keinem. Das Kind ist schon lange in den Brunnen gefallen. Die WM hätte nie dorthin vergeben werden dürfen. Ich hoffe so sehr, dass die Leute diese WM boykottieren und die Stadien leer bleiben - aber vor allem sollten die Nationen und vor allem die Spieler auf das Turnier verzichten. Wie geil wäre es, wenn Teams wie Schweiz, Deutschland, Frankreich, England oder Italien geschlossen den Antritt verweigern (träumen darf man ja noch)! Verstehe nicht, dass die Teams nicht selbst den Arsch in der Hose haben, da ein wirkliches Zeichen zu setzen! Ich hoffe die Leute wachen langsam auf! Sorry gleich mal wenn ich mit meinem Beitrag zu weit gehe - aber das Thema trifft einen sehr empfindlichen Punkt bei mir.
BartholomeusMitglied
17.01.2022, 15:53 · #6
Beiträge: 1'346
Es wird in einigen Medien von mehr als 15.000 Toten geschrieben. Aber wie Bartholomeus sagt, da muss man genau hinschauen auf die Todesursache. In einem muss ich dir widersprechen- es ist nicht egal ob es 6.000 oder 600 oder 15.000 sind. Jeder einzelne ist zu viel und wird nicht aufgeklärt / die Familien in ihren Ländern werden im dunkeln gelassen. Ja, gemäss offiziellen Regierungsdaten sind zwischen 2010 und 2019 rund 15'000 Nichtkatarer aller Altersgruppen in Katar Land gestorben, d.h. vielleicht auch 2-jährige Babys oder Schweizer. Beide Beispiele dann wohl kaum im Zusammenhang mit der WM. Daher immer Vorsicht mit solchen Zahlen. Es ist aber anzunehmen, dass wohl hunderte Arbeitsmigranten wegen den elenden Arbeitsbedingungen gestorben sind. Du hast mich falsch verstanden. Mir geht es genau um das Gleiche. Ob 600 oder 6000 spielt keine Rolle, weil jedes Leben, das für die WM geopfert wurde, eines zu viel ist. Selbst wenn es 600 Todesfälle sind, wären dies viel zu viele. Geschweige, wenn es sogar Tausende sind...
likaviMitglied
17.01.2022, 23:33 · #7
Beiträge: 1'302
Mit der Vergabe der WM an Katar (inkl. der heute bekannten gekauften Stimmen bei der Vergabe) hat die FIFA ihre letzte Glaubwürdigkeit verspielt. Schade, dass nicht alle Landesverbände geschlossen aus der FIFA austreten und ihren eigenen Weltfussballverband und ihre eigene WM gründen. Aber evtl. wird dies in Zukunft mit der Nations League sogar passieren.... Kurioser Vorschlag, denn die FIFA IST der "eigene Weltfussballverband" der Landesverbände! Das Exekutivkomittee (heute: FIFA-Rat), welches die WM-Vergabe nach Katar entschieden hat, wurde von den Landesverbänden gewählt! Das ist ja genau der Punkt. Die FIFA ist eine demokratisch aufgebaute internationale Organisation und jeder Landesverband hat EINE Stimme. Es gibt bei der FIFA einerseits die Angestellten, häufig Profis auf ihrem Gebiet. Die würden das ein oder andere sicherlich anders machen. Aber entscheiden in der FIFA tun die LANDESVERBÄNDE und deren Vertreter. Und in so einem System ist natürlich auch klar, was für ein Typ Präsident wird. Ein "Politiker", der sich mit möglichst vielen Landesverbänden gut stellen kann, damit er wiedergewählt wird. Der FIFA-Präsident ist der Vertreter der Mehrheit der Landesverbände. Das muss man sich einfach mal klar und deutlich vor Augen führen! Alle austreten und eine "neue FIFA" gründen würde dementsprechend rein gar nichts ändern. Die FIFA funktioniert genau gleich wie jede andere demokratisch aufgebaute internationale Organisation. Im Positiven wie im Negativen. Die ganze Welt kommt in so einer Organisation zusammen und arbeitet zusammen. Das ist positiv. Aber es bedeutet auch, dass nicht alles so läuft, wie es sich die Westeuropäer gewohnt sind! Westeuropa ist nur ein kleiner Teil der Welt. Wenn jedes Land eine Stimme hat, dann wird immer wieder mal etwas gegen den Willen der Westeuropäer entschieden. Manchmal aus guten Gründen, manchmal aus weniger guten. Der eigentliche Konflikt rund um die FIFA spielt sich zwischen den Landesverbänden ab. Grosse und reiche Fussballländer wie England, Deutschland oder Frankreich mit ihren Grossklubs, fetten TV-Verträgen und den besten Spielern der Welt in ihren Ligen haben in den letzten Jahrzehnten die Macht auf dem Fussballmarkt übernommen und wollen mehr und mehr auch die Macht in der Fussballpolitik. Ihnen ist ein Dorn im Auge, dass in der FIFA Guinea-Bissau und Malta genauso je eine Stimme haben wie Deutschland oder England. Darum drehen sich schlussendlich die Machtkämpfe und Spaltungsbewegungen im Fussball. Sie gehen von den grossen, reichen Ländern aus. Eine Ebene davon ist der UEFA-FIFA Konflikt. Die Europäer wollen all die afrikanischen oder asiatischen Länder nicht mehr mitreden lassen und unterstützen darum die UEFA darin, die FIFA zu untergraben. Sie machen dann einen Sonderwettbewerb nur mit den Südamerikanern. Aber eigentlich ist den grossen Ländern und den Grossklubs auch die UEFA noch viel zu breit und demokratisch aufgestellt. Kritische Berichterstattung über die FIFA stammt nicht zufällig hauptsächlich aus Deutschland und England - unsere Medien übernehmen diese dann einfach eins zu eins. Da ist eine gute Portion Euro-Chauvinismus dabei. Natürlich auch handfeste finanzielle Interessen der reichen Ligen und Klubs. Aber durchaus auch unterschiedliche Wertvorstellungen und gesellschaftliche Realitäten. In vielen asiatischen Staaten gibt es aus moderner westeuropäischer Sicht inakzeptable Arbeitsbedingungen für Fabrikarbeiter, Bauarbeiter oder Hausangestellte. Völlig unabhängig von Fussball. Vielen Medienkonsumenten bei uns scheinen vor der WM-Vergabe nach Katar davon offenbar keine Ahnung gehabt zu haben! Willkommen in der Realität. Ich habe etwas in den von Forza verlinkten Kieler Podcast reingehört und da meint der eine Podcaster ganz erstaunt darüber, was auf der arabischen Halbinsel alles so gang und gäbe sei, da sei ja "Ungarn" oder "Polen" nichts dagegen. Das drückt genau die Diskrepanz zwischen der Realität und unserer Westeuropäischen Medien-Bubble aus. Unsere Medienberichterstattung wird zusätzlich aber auch von aussen vom Propagandakrieg zwischen Saudi Arabien und Katar beeinflusst. Saudi Arabien tut alles, um Katar in der internationalen Wahrnehmung in den Dreck zu ziehen. Und umgekehrt. Dafür werden teure PR Agenturen engagiert, die dann die "Medienarbeit" verrichten. Auch die WM 2006 in Deutschland war Sportwashing. Das "Sommermärchen" war eine PR-Kampagne Pro Deutschland und Pro Merkel-Regierung. Es ging dabei sowohl um die deutsche Vergangenheit wie auch um die Gegenwart (Rolle Deutschlands als "Polizist" und "Werkbank" Europas, dadurch hohe Arbeitslosigkeit in südlichen Ländern). Und für Merkel wars gleich zu Beginn ihrer langen Regierungszeit auch innenpolitisch ein regelrechter Image-Booster. Auch Deutschland oder die Schweiz werden von UNO-Gremien immer wieder wegen verschiedenster Verfehlungen gerügt und angeklagt. Das könnte man alles auch sehr einfach skandalisieren, wenn man wollte. Und das wird in anderen Weltgegenden auch gemacht. Denn mal ganz zu schweigen vom unökologischen Wahnsinn, starben auf den Baustellen für diese WM schätzungsweise über 6’500 Zwangsarbeiter! Bei der Nennung von absoluten Zahlen muss man immer ein wenig vorsichtig sein. Gemäss Recherche der Zeitung Guardian starben seit der Entscheidung über den Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft 2022 (d. h. im Zeitraum von 2011 bis Herbst 2020) mindestens 6751 Arbeitsmigranten aus Indien, Bangladesch, Nepal, Pakistan und Sri Lanka in Katar. Die Anzahl verstorbener Arbeitsmigranten aus den Philippinen und Kenia, die ebenfalls eine große Anzahl von Arbeitsmigranten stellen, sind in den Rechercheergebnissen nicht enthalten. Aber: Es gibt auch noch Tausende andere Baustellen in Katar, nicht nur die Stadien, da mit dem derzeitigen Bau-Boom viele Gebäude, Schienen, Strassen etc. in Katar entstehen. D.h. von den 6751 gestorbenen Arbeitsmigranten haben bei weitem nicht alle beim Stadionbau gearbeitet. Zudem sind bei den 6751 Todesfällen auch natürliche Todesursachen und weitere Todesumstände wie Verkehrsunfälle, Suizide und Krankheiten etc. enthalten. Genau. Zum Vergleich: in Deutschland starben im gleichen Zeitraum (2011 bis 2020) etwa 2,5 Millionen Migranten bzw. deren Familienmitglieder. Mit Statistiken wird wirklich viel Schindluder getrieben. Gleichwohl: Pausenloses Arbeiten bei 50 °C Hitze, mangelnde Ernährung, fehlendes Trinkwasser, ungenügende Arbeitssicherheit, medizinische Unterversorgung und Gewalt gegen Arbeitende etc. sind in Katar an der Tagesordnung. Ob jetzt 6000 oder 600 Migranten beim Stadionbau gestorben sind, spielt daher keine Rolle. Doch, es spielt eine grosse Rolle selbst ob es 600 oder 601 sind. Denn jedes Leben zählt. Zum Thema FIFA: was ist die Alternative? Die reichen Klubs und Ligen arbeiten in die Richtung eines hierarchisch aufgebauten und von Wenigen geführten Business. Das wäre möglicherweise professioneller als die FIFA in manchen Dingen, aber es würde die Fussballwelt spalten und die Mehrheit ausschliessen. Ich habe lieber eine etwas chaotische demokratische FIFA mit der ein oder anderen dubiosen WM-Vergabe, als verschiedene private Super League-Businesses auf der Welt, die wie im Boxen miteinander in Konkurrenz stehen und Fussballfans zu 100% als Konsumenten sehen. Ohne eine starke FIFA entwickelt sich der Fussball komplett in Richtung einer Red Bull-Welt. Dann müssen wir auch gar nicht mehr über die Rechtmässigkeit einer WM-Vergabe diskutieren, denn Nationalteam-Fussball gibt es dann gar nicht mehr. In diesem lässt sich ja im Vergleich zum Klubfussball kaum Geld verdienen - nur viel Ehre und Prestige. Letztendlich haben mich die FIFA WM-Turniere zum Fussball-Fan gemacht. Oder jetzt der Afrika Cup. Super! Oder Juniorennationalteams. Wenn sich die Grossen aus England, Deutschland, Frankreich etc. gegen die FIFA (sprich: die Afrikaner, Asiaten, kleine europäischen Länder etc.) durchsetzen, gibt es das dann alles in der heutigen Form nicht mehr.
josipMitglied
18.01.2022, 08:13 · #8
Beiträge: 478
... eine hochinteressante sicht auf die dinge, danke likavi. wie prophezeist du die entwicklung der fifa in den nächsten jahren? werden sich die eurozentrischen kräfte durchsetzen?
sanoizhMitglied
18.01.2022, 08:29 · #9
Beiträge: 388
... Danke für diesen sehr interessanten Beitrag. Ich finde die Berichte rund um die FIFA oft etwas zu einfach. Wenn dann noch AL Politiker in den Medien lauft verkünden "vielen Zürcher sei es gar unwohl, dass die FIFA hier ist", passt das perfekt ins Bild. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
DieterMitglied
18.01.2022, 09:07 · #10
Beiträge: 9'298
... Danke für diesen sehr interessanten Beitrag. Ich finde die Berichte rund um die FIFA oft etwas zu einfach. Wenn dann noch AL Politiker in den Medien lauft verkünden "vielen Zürcher sei es gar unwohl, dass die FIFA hier ist", passt das perfekt ins Bild. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Wieso soll es gewissen Zürchern nicht unwohl sein dürfen die FIFA zu beheimaten?
likaviMitglied
18.01.2022, 09:08 · #11
Beiträge: 1'302
... eine hochinteressante sicht auf die dinge, danke likavi. wie prophezeist du die entwicklung der fifa in den nächsten jahren? werden sich die eurozentrischen kräfte durchsetzen? Ich finde, wir müssen den Fussball retten und dafür ist es Fünf vor Zwölf. Das Tragische ist: die Fans schlafen! Sie helfen Red Bull und Konsorten, ohne dass sie es merken. Sie schauen der Zerstörung der FIFA und der internationalen Fussballfamilie gleichgültig oder gar unterstützend zu. Sie wurden erfolgreich über die Jahre mit Anti-FIFA Propaganda zugemüllt. Angeblich ginge es der FIFA "nur ums Geld". Es ist doch mehr als paradox, dass die Englischen und Deutschen Medien die eigenen Grossklubs, die Partnerschaften mit den Machthabern in Qatar oder Saudi-Arabien haben, nur sehr lauwarm dafür kritisieren, wenn überhaupt. Dabei geht es in diesem Fall wirklich nur ums Geld. Und die Klubpräsidenten könnten ihre Entscheidungen sehr einfach und schnell revidieren. Die FIFA-WM in Katar hingegen ist ein demokratischer Mehrheitsentscheid der Landesverbände der ganzen Welt und deren Vertreter. Der FIFA-Präsident hat nicht die Macht dazu, diese Entscheidung umzustossen. Und die Mitarbeitenden in der FIFA-Administration sowieso nicht. Zudem ist es die einzige Einnahmequelle der FIFA und damit werden dann über vier Jahre alle defizitären internationalen Junioren- und Frauenturniere, das weltweite Schiedsrichterwesen und Infrastrukturprojekte in kleinen, armen Ländern querfinanziert. Die FIFA ist die einzige Struktur, welche die Zersplitterung und totale Kommerzialisierung des Weltfussballs verhindern oder zumindest stark abbremsen kann. Wenn die FIFA nicht mehr genügend Relevanz hat, ist es zu spät. Dann übernehmen die "Super League"-Leute das Kommando und in diesen elitären Klub kommt man dann nicht rein. In der FIFA ist jeder Landesverband vertreten und die Vertreter der Landesverbände ihrerseits wiederum werden von den (Amateur-)Vereinen gewählt. Da kann grundsätzlich jeder mitreden, der sich stark engagiert. Wer im Fussball etwas zum Guten verändern will, der muss in den SFV und die FIFA rein, mitwirken und die FIFA stärken. Wie soll es sonst gehen? Wichtig dabei ist aber: man muss dabei auch demütig genug sein, zu akzeptieren, dass nicht alles nach den eigenen Wertvorstellungen laufen kann. Die Welt ist divers und immer weniger eurozentrisch. Wir können nicht (mehr) erwarten, dass sich alle nach unseren Vorstellungen richten. Trotzdem kann man Dinge in kleinen Schritten in die richtige Richtung bewegen. Nur so ist Frieden und eine nachhaltige Entwicklung der Welt möglich. Nicht nur im Fussball.
Forza1896Mitglied
18.01.2022, 10:29 · #12
Beiträge: 861
... eine hochinteressante sicht auf die dinge, danke likavi. wie prophezeist du die entwicklung der fifa in den nächsten jahren? werden sich die eurozentrischen kräfte durchsetzen? Ich finde, wir müssen den Fussball retten und dafür ist es Fünf vor Zwölf. Das Tragische ist: die Fans schlafen! Sie helfen Red Bull und Konsorten, ohne dass sie es merken. Sie schauen der Zerstörung der FIFA und der internationalen Fussballfamilie gleichgültig oder gar unterstützend zu. Sie wurden erfolgreich über die Jahre mit Anti-FIFA Propaganda zugemüllt. Angeblich ginge es der FIFA "nur ums Geld". Es ist doch mehr als paradox, dass die Englischen und Deutschen Medien die eigenen Grossklubs, die Partnerschaften mit den Machthabern in Qatar oder Saudi-Arabien haben, nur sehr lauwarm dafür kritisieren, wenn überhaupt. Dabei geht es in diesem Fall wirklich nur ums Geld. Und die Klubpräsidenten könnten ihre Entscheidungen sehr einfach und schnell revidieren. Die FIFA-WM in Katar hingegen ist ein demokratischer Mehrheitsentscheid der Landesverbände der ganzen Welt und deren Vertreter. Der FIFA-Präsident hat nicht die Macht dazu, diese Entscheidung umzustossen. Und die Mitarbeitenden in der FIFA-Administration sowieso nicht. Zudem ist es die einzige Einnahmequelle der FIFA und damit werden dann über vier Jahre alle defizitären internationalen Junioren- und Frauenturniere, das weltweite Schiedsrichterwesen und Infrastrukturprojekte in kleinen, armen Ländern querfinanziert. Die FIFA ist die einzige Struktur, welche die Zersplitterung und totale Kommerzialisierung des Weltfussballs verhindern oder zumindest stark abbremsen kann. Wenn die FIFA nicht mehr genügend Relevanz hat, ist es zu spät. Dann übernehmen die "Super League"-Leute das Kommando und in diesen elitären Klub kommt man dann nicht rein. In der FIFA ist jeder Landesverband vertreten und die Vertreter der Landesverbände ihrerseits wiederum werden von den (Amateur-)Vereinen gewählt. Da kann grundsätzlich jeder mitreden, der sich stark engagiert. Wer im Fussball etwas zum Guten verändern will, der muss in den SFV und die FIFA rein, mitwirken und die FIFA stärken. Wie soll es sonst gehen? Wichtig dabei ist aber: man muss dabei auch demütig genug sein, zu akzeptieren, dass nicht alles nach den eigenen Wertvorstellungen laufen kann. Die Welt ist divers und immer weniger eurozentrisch. Wir können nicht (mehr) erwarten, dass sich alle nach unseren Vorstellungen richten. Trotzdem kann man Dinge in kleinen Schritten in die richtige Richtung bewegen. Nur so ist Frieden und eine nachhaltige Entwicklung der Welt möglich. Nicht nur im Fussball. Noch fetten Respekt für deinen Beitrag und allgemein finde ich es cool, dass wir diese Thema hier diskutieren. Interessant wäre es auch dies persönlich so in der Runde zu besprechen. Du hast geschrieben "es ist 5 vor 12"... ich glaube eher, dass es schon 5 nach 12 ist... Aber ich bin bei dir, wir sollten den Fussball (alle gemeinsam) retten! Der Sport den wir lieben, den viele leben und mit viele Emotionen begleiten! Der Sport der für den Bürger gemacht ist, egal welche Schicht, Geschlecht, Herkunft usw. Doch da stoßen wir schon auf ein Problem: vielen wird es scheissegal sein was mit dem Fussball passiert - der normalo Fan schaltet den TV ein und sieht eben Fussball - tolles Niveau, Stadien (wenn nicht gerade Corona ist) meist voll, tolle Spieler und lustige Werbung. Zudem werden Firmen / Investoren gefördert ohne das der "Fan" es merkt. Was hinter den Kulissen passiert, wird einigen "normalo Fans" auch völlig egal sein. Aber eben nicht einer großen Zahl an Leuten die den Fussball lieben und leben! Danke auch hier für die Ausführung zur FIFA. Ich verstehe, dass man die FIFA stärken sollte, damit nicht alles aus dem Ruder läuft (Super League usw.). Aber wie willst du sinnvoll eine FIFA - die demokratisch handelt / handeln sollte - stärken, wo Demokratie auch nur ein "Leitwort" ist. Auch hier wird zwar demokratisch abgestimmt, aber die Stimmvergabe auch oft durch Geld beeinflusst. Also Demokratie auf dem Papier und nicht gelebt. Das Staaten wie Saudi-Arabien oder Katar Sportveranstaltungen austragen dürfen ist dennoch eine Frechheit (auch wenn es angeblich so laut den Stimmen beschlossen wurde). Da wird ein Interessenskonflikt / Krieg ausgetragen und der Fussball (den wir alle lieben) benutzt um eine schöne tolle Welt darzustellen. Nicht nur dort werden Menschen schlecht behandelt und Rechte missbraucht. Aber gerade dies muss nicht noch gefördert werden. Und nur die FIFA zu kritisieren ist auch nicht richtig - Klubs wie Bayern oder viele englische Klubs schauen darüber hinweg, hauptsache das Geld kommt und alles andere ist egal. Das ist traurig mit anzusehen. Und auch die Fans schauen drüber hinweg - Beispiel Newcastle - dort werden die Investoren gefeiert, der Investor gaukelt vor, dass ihm der Fussball und der Verein ja so wichtig wären... bla bla... Sympathien werden erkauft und Märkte erschlossen und weiter Geld in Infrastruktur usw investiert. Wegen was? wegen Macht und guter Außendarstellung und ja ggf. noch mehr Geld. Und eines ist auch klar, ohne Geld geht es nicht (Sponsoren etc.) - aber die Frage ist auch, wann ist mal gut? Wo ist die Grenze des erlaubten mit finanziellen Mitteln? Und spätestens wenn auch noch (persönliche oder politische) Machtverhältnisse ausgetragen werden sollte schluss sein - ist es aber nicht. Weil nach außen alles schön verkauft wird. Die Sympathie kann man sich super erkaufen... Es geht doch schon lange nicht mehr um den Sport / Fussball - wohl gemerkt den wir alle lieben und der für alle zugänglich sein sollte. Da gibt es noch unzählige Beispiele die ich absurd finde. Wieso muss das Super Cup Finale vor einige Tagen zwischen Bilbao und Real Madrid in Saudi Arabien stattfinden? aso ja... da war ja ein Deal über 120 Millionen im Spiel... Selbst die Spieler staunen darüber und hinterfragen dies... aber halt nur hinterfragen. Da wird kein Zeichen gesetzt. Back zur WM 2022: Ein Land das auf Menschen und deren Rechte scheisst hat den Zuschlag bekommen. Stadien die dort keiner benötigt (nach der WM) wurden gebaut und dies forderte viele Todesopfer. Manche Stadien werden sogar zurückgebaut nach der WM - "sehr zielführend". Dieses Land spielt wieder einmal vor ein "toller Gastgeber" zu sein, der die Welt offen empfängt... Und die Welt wird offen empfangen, zum einen die Arbeiter aus dem Ausland die ausgenommen werden und behandelt werden wie der letzte Dreck + die zukünftigen Kunden die sehen sollen wie "toll" Katar doch ist, wie gut es allen geht und wie lieb doch die Leute sind - alles nach dem Motto "lasst uns doch auch noch zukünftig Geschäfte machen". Ich bin verwundert, dass so viele dem immer noch blind gegenüberstehen und glauben, dass die Welt so toll ist dort. Und ich bleibe bei der Meinung - diese WM hätte niemals dort hin vergeben werden dürfen. Dort wird ein System gefördert, dass alles andere als toll ist und jetzt auch noch die falsche Aufmerksamkeit bekommt. Zur WM 2006 in Deutschland - damals war ich zu jung um das alles zu hinterblicken. Jetzt im weiteren Alter betrachtet war es natürlich auch wieder eine politische Darstellung und die Gerüchte um gekaufte Stimmen für die damalige WM gibt es genug. Aber ja auch hier wurde wieder der Fussball missbraucht für persönliche, politische und machthaberische Vorsätze. Frage dich mich in dieser Diskussion am meisten beschäftigt zielt auch auf die Aussage "Fussball retten". Was könnt man machen um wirklich was zu bewegen? wo könnte man diese großen Leute / Staaten wirklich treffen um dagegen zu halten?
sanoizhMitglied
18.01.2022, 12:50 · #13
Beiträge: 388
... Danke für diesen sehr interessanten Beitrag. Ich finde die Berichte rund um die FIFA oft etwas zu einfach. Wenn dann noch AL Politiker in den Medien lauft verkünden "vielen Zürcher sei es gar unwohl, dass die FIFA hier ist", passt das perfekt ins Bild. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Wieso soll es gewissen Zürchern nicht unwohl sein dürfen die FIFA zu beheimaten? Natürlich darf es uns Zürchern unangenehm sein, die FIFA zu beheimaten. Es ging mir um die Vereinfachung der Situation. Meiner Meinung nach wird um die FIFA schnell (natürlich auch zurecht) polemisiert. Und einfache Antworten auf komplexe Fragen mag ich nicht so.
likaviMitglied
18.01.2022, 14:26 · #14
Beiträge: 1'302
Danke auch hier für die Ausführung zur FIFA. Ich verstehe, dass man die FIFA stärken sollte, damit nicht alles aus dem Ruder läuft (Super League usw.). Aber wie willst du sinnvoll eine FIFA - die demokratisch handelt / handeln sollte - stärken, wo Demokratie auch nur ein "Leitwort" ist. Auch hier wird zwar demokratisch abgestimmt, aber die Stimmvergabe auch oft durch Geld beeinflusst. Also Demokratie auf dem Papier und nicht gelebt. Das kann man so generell nicht sagen. Es gibt ja sehr viele Entscheidungen jedes Jahr durch den Kongress und das Exekutivkomittee/Rat und bei der Mehrheit dieser Entscheidungen geht sicherlich alles mit rechten Dingen zu. Aber Repräsentative Demokratien haben natürlich generell IMMER den Schwachpunkt von Käuflichkeit, Lobbying und Korruption. In einem Parlament mit 200 Abgeordneten kommt es häufig auf 5-10 Abgeordnete an, die noch unentschlossen sind. Da ist die Versuchung von allen Seiten gross, die entscheidenden Stimmen mit unredlichen oder halbredlichen Methoden zu sichern: Politische Deals, Bestechungsgelder, attraktives Jobangebot für Sohn/Tochter/Ehefrau, Einschüchterung/Drohungen/Blackmail,.... Es sollen ja auch bei der WM-Vergabe für 2022 ALLE Kandidaturen versucht haben, Stimmen zu kaufen. Nicht nur Katar. Das ist einer von vielen Gründen, warum Direkte Demokratie so viel besser ist. Denn Millionen von Stimmbürgern zu bestechen ist so gut wie unmöglich. Übertragen auf die FIFA müsste also die WM-Vergabe von einem grösseren Gremium bestimmt werden. Und das ist ja auch so geändert worden. Für 2026 hat der ganze Kongress aller Mitgliedsländer die Entscheidung gefällt. Idealerweise würden alle Lizenzierten Fussballspieler der Welt über eine WM-Vergabe abstimmen. Dann müssten die aber auch alle die detaillierten Reports zu den Austragungsländern lesen und beurteilen können. Ausserdem gäbe es das Problem von unterschiedlichen Lizenzierungskriterien in den einzelnen Mitgliedsländern. Das Staaten wie Saudi-Arabien oder Katar Sportveranstaltungen austragen dürfen ist dennoch eine Frechheit (auch wenn es angeblich so laut den Stimmen beschlossen wurde). Da wird ein Interessenskonflikt / Krieg ausgetragen und der Fussball (den wir alle lieben) benutzt um eine schöne tolle Welt darzustellen. Nicht nur dort werden Menschen schlecht behandelt und Rechte missbraucht. Aber gerade dies muss nicht noch gefördert werden. Alle Länder haben Interessenskonflikte und alle Länder wollen sich toll darstellen. Ohne Ausnahme... Der Konkurrent zu Katar waren die USA. Dort werden auch Menschen schlecht behandelt und Rechte missbraucht. Und selbst ohne die gekauften Stimmen hätte Katar gleich viele Stimmen wie die USA gehabt (ohne Stichentscheid). Zu demokratischen Entscheiden gehört unabdingbar, dass man auch verlieren kann. Es geht doch schon lange nicht mehr um den Sport / Fussball - wohl gemerkt den wir alle lieben und der für alle zugänglich sein sollte. Das kann man so generell nicht sagen. Die Reichen und Mächtigen sind auch nur Menschen mit häufig der genau gleichen Faszination für Fussball wie viele andere auch. Und viele sind, wenn es um Fussball geht, genauso emotional und unvernünftig wie ein Fan in der Kurve. Und geben viel zu viel Geld aus, um noch einen guten Stürmer zu kaufen. Weil diese Saison, ja, diese Saison wird es nun ganz bestimmt klappen mit einem Titel.... Superreiche haben halt den Vorteil, dass sie das was ein Normalo nur in einem Fussballmanager-Game simulieren kann, in der Realität hautnah miterleben können. Frage dich mich in dieser Diskussion am meisten beschäftigt zielt auch auf die Aussage "Fussball retten". Was könnt man machen um wirklich was zu bewegen? wo könnte man diese großen Leute / Staaten wirklich treffen um dagegen zu halten? Willst Du wirklich "Staaten treffen"? Das ist eine sehr kriegerische Denkweise. Hinter den Staaten stehen letztendlich alle Einwohner eines Landes. Willst Du die wirklich "treffen"? Die USA hat immer noch viele Machtmittel, um andere Länder "zu bestrafen", wenn sie sich nicht so verhalten, wie die USA es will. Aber da wir in westlichen Ländern schon lange nur noch ein sehr kleines Wirtschaftswachstum haben, haben wir in der Welt nicht mehr so viel Einfluss wie auch schon. Darum können wir anderen Ländern auch im kulturellen / moralischen Bereich immer weniger "Vorschriften" machen, was sie tun und was sie lassen sollen. Der Fussball kann nicht nur aus übermässiger Kommerzialisierung, sondern auch aus übermässiger Politisierung auseinanderfallen. Dann verliert er seine verbindende Kraft über politische, ökonomische und kulturelle Grenzen hinweg. Wenn dir die Menschenrechtssituation in Katar ein Dorn im Auge ist: es gibt Non-Profit Organisationen, die sich seit Jahrzehnten damit befassen und sich in diesem Bereich engagieren. Das Beste ist es, da direkt zu helfen und zwar nicht nur wenn Fussball-WM ist, sondern auch danach. Wenn dir die Zukunft des Fussballs am Herzen liegt, dann geht es darum, konstruktiv Ideen zu entwickeln und diese in bereits bestehende Strukturen wie die FIFA einzubringen. Sich noch lange über eine bestimmte WM-Vergabe aufzuregen und darum generell alles Mist zu finden, bringt niemandem etwas. Weder den Fussballern, noch den Arbeitern aus Bangladesch. Wenn sich Katar nicht um die Fussball-WM beworben hätte, dann hätte es wahrscheinlich irgendwelche andere Prestige-Projekte gebaut. Mit den gleichen Arbeitsbedingungen - aber weniger Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Letztendlich ist dies auch die allererste Fussball-WM im arabischen Raum, der schon sehr lange Teil der internationalen Fussballfamilie ist. Dies komplett zu ignorieren, hat viel mit westlicher Arroganz zu tun.
Forza1896Mitglied
18.01.2022, 15:52 · #15
Beiträge: 861
Alle Länder haben Interessenskonflikte und alle Länder wollen sich toll darstellen. Ohne Ausnahme... Der Konkurrent zu Katar waren die USA. Dort werden auch Menschen schlecht behandelt und Rechte missbraucht. Und selbst ohne die gekauften Stimmen hätte Katar gleich viele Stimmen wie die USA gehabt (ohne Stichentscheid). Zu demokratischen Entscheiden gehört unabdingbar, dass man auch verlieren kann. Gebe ich dir recht, dennoch ist es Fakt, dass die WM 2022 in Katar stattfindet und eben nicht in den USA. Ich weiß auch, dass in anderen Ländern die Rechte der Menschen nicht viel Wert sind. Dennoch muss ich es / müssen es die Leute nicht toll finden was da passiert und das auch noch zusätzlich unterstützen. Oder mit dem Argument kommen "in anderen Ländern ist auch schlecht, was regst dich über Katar auf?" Wäre die WM in Saudi-Arabien hätten wir die gleiche Situation. Und mir ist klar, dass Länder wie Katar und Saudi-Arabien polarisieren und auch Unterstützung oder eben viel Gegenwind bekommen. Im Jemen ist die Situation auch beschissen, interessiert (im Gegensatz zu Katar) nur noch weniger (wenn man die Presse oder das Handeln der Nationen verfolgt), da im Jemen nicht viel zu holen ist (Infrastruktur, Rohstoffe etc.) Das kann man so generell nicht sagen. Die Reichen und Mächtigen sind auch nur Menschen mit häufig der genau gleichen Faszination für Fussball wie viele andere auch. Und viele sind, wenn es um Fussball geht, genauso emotional und unvernünftig wie ein Fan in der Kurve. Und geben viel zu viel Geld aus, um noch einen guten Stürmer zu kaufen. Weil diese Saison, ja, diese Saison wird es nun ganz bestimmt klappen mit einem Titel.... Superreiche haben halt den Vorteil, dass sie das was ein Normalo nur in einem Fussballmanager-Game simulieren kann, in der Realität hautnah miterleben können. Ja man kann nicht alle in einen Sack stecken /es verallgemeinern. Gut beschrieben die Situation von dir, trotzdem für einen "normalo Fan" nicht immer verständlich und nachvollziehbar und irgendwo auch traurig zu sehen - aber das ist halt die Realität Willst Du wirklich "Staaten treffen"? Das ist eine sehr kriegerische Denkweise. Du verstehst das hier zu politisch. Bleiben wir mal beim Fussball. Die Hauptaussage / Frage ist "was kann ein kleiner Fan denn machen, damit die großen (Staaten/ Machthaber usw) mit ihrer Macht / Geld durchkommen und machen können was sie wollen?! Seien wir ehrlich, jeder kleine Fan ist doch erstmal machtlos und muss zuschauen wie der Fussball so ein bisschen den Bach runter geht. Was der kleine Fan sagt interessiert doch keinen oder nur am Rande. Beispiel Bayern München JHV: Da bringt einer den Mut auf etwas diskutieren zu wollen, dann wird er Mundtot gemacht. Was bleibt denn bei Fans hängen? Die großen Geldgeber haben uns im Sack, unser Wort ist egal... Der normale Fan / Ultra / Kurvengänger fühlt sich machtlos... Würde ein normaler Fan so handeln (im kleinen Stil), nämlich machen was er will mit Druckmitteln, wäre er schneller weg als er Amen sagen könnte. Und die Meinung stammt nicht nur von mir, sondern basiert auf unzählige Unterhaltungen mit Fans im Rahmen einer Doktorarbeit die ich 3 Jahre begleiten durfte. Und genau dieses Thema / diese Ansichten bekomme ich jetzt wieder zur WM2022 zugespielt - ein reicher Staat hat so viel Einfluss, tritt Menschenrechte mit Füßen und nutzt wieder einmal den Volkssport Nummer 1 um Sympathien zu erlangen (i know - das gleiche machen Klubs oder andere Staaten auch).Aber die WM ist nun einmal in Katar - also ist Katar auch das Thema. So viele Leute können sich doch aus unterschiedlichen Schichten nicht täuschen oder eine völlig falsche Einstellung haben - oder etwa doch? Und nochmal ich bin natürlich auch für ein friedliches Zeichen das gesetzt werden muss. Ich würde es feiern, wenn die Spieler großer Nationen einfach nicht antreten würden. Klar rettet das keine Leben mehr, aber einfach mal ein Zeichen setzen und zeigen "mit uns nicht"! Wir unterstützen diese Vorgänge / diese "tolle Scheinwelt" nicht. Tolle t-shirts tragen mit human right oder Regenbogenfarben zeigen bringt auch nichts. Genauso wenig wie einfach alles so hinnehmen und dort Fussball genießen wo alles noch absurder ist als in anderen Ländern. Aber wie gesagt, ich bin offen für andere Vorschläge oder lasse mich belehren wieso meine Denkweise / die Meinungen die ich sammeln durfte "falsch" sind. Es gibt immer zwei Seiten / Dinge die die eine Seite mehr weiß. Wenn dir die Zukunft des Fussballs am Herzen liegt, dann geht es darum, konstruktiv Ideen zu entwickeln und diese in bereits bestehende Strukturen wie die FIFA einzubringen. Sich noch lange über eine bestimmte WM-Vergabe aufzuregen und darum generell alles Mist zu finden, bringt niemandem etwas. . Nochmal ich finde die Sicht von dir mega und auch wie du es erklärst. Und ich lerne gerne dazu in meinen Ansichten. Und da sind wir beim richtigen Punkt - die konstruktiven Ideen. Mir geht es nicht darum, dass ich diese habe oder sage "hier hätte ich eine Lösung". Ich frage mich vielmehr, was die Lösung sein könnte und gibt es überhaupt eine? Also primär (um beim sportlichen zu bleiben) den Fussball zu retten. Ich habe bisher noch keine Idee gelesen aber dafür schon x-mal die Frage gesehen "was könnte man machen". Du scheinst hier wesentlich besser informiert zu sein und vllt. hast du da eine Idee.
Avatar von din Vaterdin VaterMitglied
18.01.2022, 17:54 · #16
Beiträge: 6'247
[…] Alle Länder haben Interessenskonflikte und alle Länder wollen sich toll darstellen. Ohne Ausnahme... Der Konkurrent zu Katar waren die USA. Dort werden auch Menschen schlecht behandelt und Rechte missbraucht. […] Willst du damit die Rechtssituation in einer liberalen Demokratie auf die gleiche Stufe stellen, wie diejenige in einer absoluten Monarchie?
likaviMitglied
19.01.2022, 07:46 · #17
Beiträge: 1'302
Nochmal ich finde die Sicht von dir mega und auch wie du es erklärst. Und ich lerne gerne dazu in meinen Ansichten. Und da sind wir beim richtigen Punkt - die konstruktiven Ideen. Mir geht es nicht darum, dass ich diese habe oder sage "hier hätte ich eine Lösung". Ich frage mich vielmehr, was die Lösung sein könnte und gibt es überhaupt eine? Also primär (um beim sportlichen zu bleiben) den Fussball zu retten. Ich habe bisher noch keine Idee gelesen aber dafür schon x-mal die Frage gesehen "was könnte man machen". Du scheinst hier wesentlich besser informiert zu sein und vllt. hast du da eine Idee. Ich habe hier schon mehrmals die Idee einer Europaliga oder noch besser einer Weltliga unter der Ägide der FIFA vorgebracht. Konkret: eine Fortsetzung der Ligapyramide nach oben! Die besten Klubs der Welt spielen in einer Weltliga, dann gibt es auf zweithöchster Stufe so etwas wie Kontinentalligen und dann noch eine dritte Stufe mit Klubs aus der gleichen Region eines Kontinents. Auf dieser dritten Stufe könnte sich die oberste rein nationale Liga eines grossen Landes wie Deutschland befinden, während die besten zwei, drei Schweizer Teams mit Klubs aus einigen benachbarten Ländern spielen. Auf vierter Stufe wäre dann beispielsweise auch die höchste rein nationale Schweizer Liga (Super League), die von der SFL / SFV organisiert wird. Ganz wichtig: zwischen den Stufen gäbe es wie üblich im Fussball Auf-/Abstieg. Bei solch internationalen Ligen sollte die Durchlässigkeit leicht höher sein, als national üblich, also beispielsweise bei einer 20er-Liga vier bis fünf Auf-/Absteiger. Vorteile:
  • Die Langeweile in den nationalen Ligen durch die grossen sportlichen und finanziellen Diskrepanzen wird gebrochen: jede Mannschaft spielt auf dem Level, wo sie auch hingehört, keine befindet sich "auf einem anderen Planeten" wie beispielsweise seit Jahrzehnten die Bayern in Deutschland
  • Dasselbe gilt für den internationalen Level - die Teams welche den Aufstieg in die Welt- / Kontinentalliga sportlich schaffen, würden alle am gleichen internationalen TV-Pool partizipieren - es gäbe nicht mehr diese enormen Diskrepanzen mehr zwischen Klubs aus grossen und kleineren TV-Märkten in internationalen Spielen - Ajax, Benfica oder Celtic hätten eine faire Chance, sich mit guter Arbeit auch mittel- bis langfristig auf Augenhöhe mit Chelsea, Dortmund, Juve etc. zu bewegen
  • Die besten Teams der Welt würden Woche für Woche am Wochenende gegeneinander spielen, statt nur zusätzlich unter der Woche - das würde Fussballfans weltweit noch stärker verbinden und vereinen - ausserdem wären auch Klubs von ausserhalb Europas dabei
  • Wenn sich das System etabliert, dann hätte die FIFA endlich wieder die Mittel. um notwendige und zukunftsweisende Regeln durchzusetzen, alle Mitgliedsländer sind an der Erarbeitung dieser Regeln beteiligt - sollte zum Beispiel Financial Fairplay zu diesen Regeln gehören, dann wäre das nicht nur Papier, sondern könnte wirklich konsequent durchgesetzt werden, denn alle Klubs wollen ja dabei sein
  • Die ständigen Grabenkämpfe über Spielerabstellungen und Termine zwischen Klubs, Nationalteams, Ligen, Internationalen Verbänden und Spielern würden verschwinden
  • Dementsprechend könnten die FIFA und Kontinentalverbände die wichtigen Internationalen Turniere und Spiele der Nationalteams wieder stärken
  • Vereinfachung des Wettbewerbswirrwars und der Überbelastung der Spieler - im Prinzip noch drei Wettbewerbe: Liga (an der Spitze international), Pokal (national), WM/EM für Nationalteams
  • Eine Spaltung des Fussballs wird verhindert
  • Es würde sichergestellt, dass die FIFA auch weiterhin beispielsweise das System der Ausbildungsentschädigungen bei Transfers durchsetzen kann
  • Parallel könnte natürlich ein vom Aufbau her identischer Frauenwettbewerb aufgezogen und separat global vermarktet werden, nicht gekoppelt an die Männerligen (es könnten also auch reine Frauenklubs teilnehmen, immer basierend auf rein sportlichen Kriterien, ebenfalls mit Auf-/Abstieg)
Nachteile:
  • In einigen Ländern spielen die besten Klubs nicht mehr in der obersten nationalen Liga. -> Als Kompensation sollten die nationalen Pokalwettbewerbe gestärkt werden. Diese würden so eine deutlich erhöhte Bedeutung bekommen als einzige reine nationale Klub-Wettbewerbe
  • Kein separater Europacup mehr: dieser ist im Ligafussball integriert
Offene Fragen: - Besitzverhältnisse / Finanzierung: ich würde hier weltweit eine liberale Haltung einnehmen, wenn Milliardäre ihr Geld in den Fussball stecken wollen, sollen sie das tun. Dieses zusätzliche Geld kommt schlussendlich allen im Fussball zugute. Die einzelnen Länder sollen aber weiterhin ihre eigenen verschärften Regeln haben dürfen, zum Beispiel Deutschland mit seinem 50+1. Wichtig ist einfach, dass die international zentral generierten TV- und Marketing-Gelder auf sinnvolle Weise möglichst gleichmässig verteilt (basierend auf der Ligastufe) werden.
likaviMitglied
19.01.2022, 08:13 · #18
Beiträge: 1'302
[…] Alle Länder haben Interessenskonflikte und alle Länder wollen sich toll darstellen. Ohne Ausnahme... Der Konkurrent zu Katar waren die USA. Dort werden auch Menschen schlecht behandelt und Rechte missbraucht. […] Willst du damit die Rechtssituation in einer liberalen Demokratie auf die gleiche Stufe stellen, wie diejenige in einer absoluten Monarchie? Wenn man es aus dieser Perspektive anschaut natürlich nicht. Diesbezüglich ist Katar aus europäischer Perspektive Jahrhunderte im Rückstand in seiner Entwicklung. Wenn du allerdings aus politischen Gründen auf einer Target Liste des Pentagon oder der CIA bist, dann hilft dir die liberale Demokratie auch nicht mehr viel. Es gibt weiterhn die Todesstrafe etc. Die Realität ist fast nie so schwarz/weiss, wie man es aus dem täglichen Medienkonsum her denken könnte. Jedes Land und jede Regierung will PR für sich machen. Das ist völlig normal. Und man kann umgekehrt auch absolut jedes Land mit einer gezielten PR-Kampagne international in ein ganz schiefes Licht stellen, wenn man will. Es herrscht eine ständige starke Disbalance zwischen den echten grössten Problemen / Skandalen dieser Welt und den öffentlich wahrgenommenen. Denn letztere stind stark durch (geo-)politische, ideologische oder ökonomische Interessen gefärbt. Manches im ARD-Bericht von oben, was in Bezug auf die Kommunikationspolitik von Katar und FIFA als "skandalträchtig" dargestellt wird, ist banal, oder entlastet die Akteure sogar eher.
chukMitglied
19.01.2022, 14:44 · #19
Beiträge: 1'061
Danke auch hier für die Ausführung zur FIFA. Ich verstehe, dass man die FIFA stärken sollte, damit nicht alles aus dem Ruder läuft (Super League usw.). Aber wie willst du sinnvoll eine FIFA - die demokratisch handelt / handeln sollte - stärken, wo Demokratie auch nur ein "Leitwort" ist. Auch hier wird zwar demokratisch abgestimmt, aber die Stimmvergabe auch oft durch Geld beeinflusst. Also Demokratie auf dem Papier und nicht gelebt. Das kann man so generell nicht sagen. Es gibt ja sehr viele Entscheidungen jedes Jahr durch den Kongress und das Exekutivkomittee/Rat und bei der Mehrheit dieser Entscheidungen geht sicherlich alles mit rechten Dingen zu. Aber Repräsentative Demokratien haben natürlich generell IMMER den Schwachpunkt von Käuflichkeit, Lobbying und Korruption. In einem Parlament mit 200 Abgeordneten kommt es häufig auf 5-10 Abgeordnete an, die noch unentschlossen sind. Da ist die Versuchung von allen Seiten gross, die entscheidenden Stimmen mit unredlichen oder halbredlichen Methoden zu sichern: Politische Deals, Bestechungsgelder, attraktives Jobangebot für Sohn/Tochter/Ehefrau, Einschüchterung/Drohungen/Blackmail,.... Es sollen ja auch bei der WM-Vergabe für 2022 ALLE Kandidaturen versucht haben, Stimmen zu kaufen. Nicht nur Katar. Das ist einer von vielen Gründen, warum Direkte Demokratie so viel besser ist. Denn Millionen von Stimmbürgern zu bestechen ist so gut wie unmöglich. Übertragen auf die FIFA müsste also die WM-Vergabe von einem grösseren Gremium bestimmt werden. Und das ist ja auch so geändert worden. Für 2026 hat der ganze Kongress aller Mitgliedsländer die Entscheidung gefällt. Idealerweise würden alle Lizenzierten Fussballspieler der Welt über eine WM-Vergabe abstimmen. Dann müssten die aber auch alle die detaillierten Reports zu den Austragungsländern lesen und beurteilen können. Ausserdem gäbe es das Problem von unterschiedlichen Lizenzierungskriterien in den einzelnen Mitgliedsländern. Das Staaten wie Saudi-Arabien oder Katar Sportveranstaltungen austragen dürfen ist dennoch eine Frechheit (auch wenn es angeblich so laut den Stimmen beschlossen wurde). Da wird ein Interessenskonflikt / Krieg ausgetragen und der Fussball (den wir alle lieben) benutzt um eine schöne tolle Welt darzustellen. Nicht nur dort werden Menschen schlecht behandelt und Rechte missbraucht. Aber gerade dies muss nicht noch gefördert werden. Alle Länder haben Interessenskonflikte und alle Länder wollen sich toll darstellen. Ohne Ausnahme... Der Konkurrent zu Katar waren die USA. Dort werden auch Menschen schlecht behandelt und Rechte missbraucht. Und selbst ohne die gekauften Stimmen hätte Katar gleich viele Stimmen wie die USA gehabt (ohne Stichentscheid). Zu demokratischen Entscheiden gehört unabdingbar, dass man auch verlieren kann. Es geht doch schon lange nicht mehr um den Sport / Fussball - wohl gemerkt den wir alle lieben und der für alle zugänglich sein sollte. Das kann man so generell nicht sagen. Die Reichen und Mächtigen sind auch nur Menschen mit häufig der genau gleichen Faszination für Fussball wie viele andere auch. Und viele sind, wenn es um Fussball geht, genauso emotional und unvernünftig wie ein Fan in der Kurve. Und geben viel zu viel Geld aus, um noch einen guten Stürmer zu kaufen. Weil diese Saison, ja, diese Saison wird es nun ganz bestimmt klappen mit einem Titel.... Superreiche haben halt den Vorteil, dass sie das was ein Normalo nur in einem Fussballmanager-Game simulieren kann, in der Realität hautnah miterleben können. Frage dich mich in dieser Diskussion am meisten beschäftigt zielt auch auf die Aussage "Fussball retten". Was könnt man machen um wirklich was zu bewegen? wo könnte man diese großen Leute / Staaten wirklich treffen um dagegen zu halten? Willst Du wirklich "Staaten treffen"? Das ist eine sehr kriegerische Denkweise. Hinter den Staaten stehen letztendlich alle Einwohner eines Landes. Willst Du die wirklich "treffen"? Die USA hat immer noch viele Machtmittel, um andere Länder "zu bestrafen", wenn sie sich nicht so verhalten, wie die USA es will. Aber da wir in westlichen Ländern schon lange nur noch ein sehr kleines Wirtschaftswachstum haben, haben wir in der Welt nicht mehr so viel Einfluss wie auch schon. Darum können wir anderen Ländern auch im kulturellen / moralischen Bereich immer weniger "Vorschriften" machen, was sie tun und was sie lassen sollen. Der Fussball kann nicht nur aus übermässiger Kommerzialisierung, sondern auch aus übermässiger Politisierung auseinanderfallen. Dann verliert er seine verbindende Kraft über politische, ökonomische und kulturelle Grenzen hinweg. Wenn dir die Menschenrechtssituation in Katar ein Dorn im Auge ist: es gibt Non-Profit Organisationen, die sich seit Jahrzehnten damit befassen und sich in diesem Bereich engagieren. Das Beste ist es, da direkt zu helfen und zwar nicht nur wenn Fussball-WM ist, sondern auch danach. Wenn dir die Zukunft des Fussballs am Herzen liegt, dann geht es darum, konstruktiv Ideen zu entwickeln und diese in bereits bestehende Strukturen wie die FIFA einzubringen. Sich noch lange über eine bestimmte WM-Vergabe aufzuregen und darum generell alles Mist zu finden, bringt niemandem etwas. Weder den Fussballern, noch den Arbeitern aus Bangladesch. Wenn sich Katar nicht um die Fussball-WM beworben hätte, dann hätte es wahrscheinlich irgendwelche andere Prestige-Projekte gebaut. Mit den gleichen Arbeitsbedingungen - aber weniger Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Letztendlich ist dies auch die allererste Fussball-WM im arabischen Raum, der schon sehr lange Teil der internationalen Fussballfamilie ist. Dies komplett zu ignorieren, hat viel mit westlicher Arroganz zu tun. Du machst in deinen Ausführungen ziemlich viele Fässer auf, wobei ich dir sagen muss, dein Narrativ vom imperialistischen, chauvinistischen Westen zieht im Kontext des Weltfussballs für mich überhaupt nicht: 1. Katar ist im fussballbegeisterten Maghreb und im nahen Osten aufgrund seiner Aussenpolitik unbeliebt bis verhasst. Der überwiegende Teil der arabischen Welt fühlt sich diesbezüglich also null vertreten. Aufgrund dieser Isolierung haben sie den Fussball als aussenpolitisches Instrument gewählt, was mich zum nächsten Punkt führt. 2. Dieser UEFA vs. FIFA Posse tangiert den Masterplan der Kataris nicht wirklich. Ist ja letztlich nur ein Verteilkampf von 2 Verbänden, wer das grössere Stück des Fussball-Kuchens erhält. In beiden Organisationen sind sie bestens vernetzt und können mit ihren Petro-Dollars Regeln umgehen und verletzten (PSG, WM-Vergabe etc.). 3. Die Hoffnung, dass eine reformierte FIFA den Fussball rettet, halte ich für reichlich naiv. Seit Infantino an der Macht sind viele Bemühungen zu mehr Compliance und Transparenz aktiv sabotiert worden. Ihr habt ja die 1-Landesverband-1-Stimme-Problematik schon erwähnt. Viele dieser Länder haben kaum eine Fussballinfrastruktur, werden aber laufend mit nicht zweckgebunden Millionen alimentiert, wobei viele Fälle dokumentiert sind, wo dieses Geld in dubiosen Kanälen verschwindet. Und jetzt erklär mir, wieso gerade die Typen, die sich in der Vergangenheit ungeniert selbst bereichern konnten, jemand Wählen sollen, der dieses korrumpierte System abschafft? Wer innerhalb der FIFA auf dieses Missstände aufmerksam macht, wird durch inkompetente Ja-Sager ersetzt, so geschehen mit Eckert und Borbely, die aus der Ethikkommission geschmissen wurden. Da halte ich es noch für realistischer, dass eine "Koalition der kleinen Anständigen" Landesverbände die UEFA von innen heraus reformiert. Aber die sind ja auch auf die Brotkrümel angewiesen, die ihnen von den Katar-Milliarden noch übrig bleiben, darum muckt man lieber nicht zu fest auf. 4. Mann muss ja nicht das Gefühl haben, dass Katar wegen dieser WM sein Kafala-System abschafft. Bis zur WM werden noch bestmöglich Imagemakulaturen vorgenommen, danach wird wieder vieles beim Alten sein. Es ist wichtig und legitim, die WM-Vergabe immer wieder zu thematisieren und zu kritisieren. Nicht einmal um eine nachhaltige Verbesserung der Menschenrechte zu erreichen (unrealistisch!), sondern nur schon um all den Funktionären ein Signal zu senden, dass sie in ihren Ämtern keine Narrenfreiheit geniessen und durchaus mit Gegendruck und Reputationsverlust, vielleicht sogar mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen.
Avatar von din Vaterdin VaterMitglied
19.01.2022, 16:32 · #20
Beiträge: 6'247
[…] Alle Länder haben Interessenskonflikte und alle Länder wollen sich toll darstellen. Ohne Ausnahme... Der Konkurrent zu Katar waren die USA. Dort werden auch Menschen schlecht behandelt und Rechte missbraucht. […] Willst du damit die Rechtssituation in einer liberalen Demokratie auf die gleiche Stufe stellen, wie diejenige in einer absoluten Monarchie? Wenn man es aus dieser Perspektive anschaut natürlich nicht. Diesbezüglich ist Katar aus europäischer Perspektive Jahrhunderte im Rückstand in seiner Entwicklung. Wenn du allerdings aus politischen Gründen auf einer Target Liste des Pentagon oder der CIA bist, dann hilft dir die liberale Demokratie auch nicht mehr viel. Es gibt weiterhn die Todesstrafe etc. […] Ok, dann nimmt schon noch wunder aus welcher Perspektive das Regierungssytem in Katar nicht rückständig ist? In den USA herrscht immerhin Gewaltenteilung, auch wenn sie das in der Aussenpolitik nicht so genau nehmen. Wenn du auf der Target Liste des Emir stehst, dann bekommst du ganz sicher keinen fairen Prozess (was in den USA immer noch die Regel ist). Ich finde, dass du hier in der Diskussion auch nicht so differenziert bist. Aus meiner Sicht ist vieles was du schreibst klassischer Whataboutism und einfach mal die Gegenposition einnehmen. Wenn alle die WM-Vergabe 2022 als korrupt bezeichnen (was sie nachweislich auch war), dann schreibst du einfach mal, dass das ein demokratischer Prozess war, weil ja schliesslich Wahlen stattgefunden haben (Irgendwo hast du auch geschrieben, dass alle Landesverbände wählen konnten, was nun mal nicht stimmt, weil damals das Exekutivkomitee gewählt hat. In einem anderen Post hast du das immerhin noch erwähnt). In Russland finden auch Wahlen statt, würdest du Russland deshalb als Demokratie bezeichnen? Wohl eher nicht. Vieles was du schreibst, kann man so generell nicht sagen. Z.B. bin ich mit deinen Aussagen zur repräsentativen und direkten Demokratie gar nicht einverstanden, das ist mir auch zu schwarz/weiss. Aber das führt nun von der Diskussion rund um die FIFA weg, deshalb mache da ich auch kein Fass auf.
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