Medienberichte / Kommentare

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subMitglied
06.04.2018, 09:25 · #1'741
Beiträge: 1'363
Echt jetzt, Lesbarkeit? Du hast also Mühe den Text zu lesen, weil hier noch zusätzlich die weibliche Form integriert wurde? Krass...
Avatar von Tschik CajkovskiTschik CajkovskiMitglied
06.04.2018, 09:43 · #1'742
Beiträge: 3'346
Echt jetzt, Lesbarkeit? Du hast also Mühe den Text zu lesen, weil hier noch zusätzlich die weibliche Form integriert wurde? Krass... im gegenteil angelsächsisch geprägt entzückt mich diese entwicklung in der deutschen sprache, stelle dabei nur die lesbarkeit in frage und geniesse gleichzeitig die neutrale einfachheit des englischen.
plutoMitglied
06.04.2018, 11:36 · #1'743
Beiträge: 2'758
Danke Tschik! Fange hier jetzt garantiert keine Genderdiskussion an (in ein paar Jahren werden sich eh alle an den Kopf greifen..) aber nebst der Lesbarkeit ist auch die Verunstaltung von Wort und Schrift ein Graus. Logisch aber so geschrieben, da WOZ. Inhaltlich aber sehr gut! :)
südkurve weschtMitglied
14.05.2018, 13:40 · #1'744
Beiträge: 2'981
Spiegel Online zur Pyroshow der HSV Fans. Meiner Meinung nach ein wohltuender, differenzierter Bericht. http://www.spiegel.de/sport/fussball/hamburger-sv-pyrotechnik-beim-abstieg-viel-rauch-um-wenig-kommentar-a-1207632.html
«Bundesliga»
Als die Nachspielzeit schon lief und der erste Hamburger Bundesliga-Abstieg nicht mehr abzuwenden war, zogen HSV-Fans auf der Nordtribüne eine Blockfahne hoch, vermummten sich darunter und zündeten anschließend Pyrotechnik, Rauchbomben und Böller. Einen Teil davon warfen sie auf das Spielfeld, das Spiel musste minutenlang unterbrochen werden. Ein Großteil der 57.000 Zuschauer im Volksparkstadion pfiff die Verursacher aus und forderte mit Sprechchören von den Polizisten auf dem Rasen: "Holt Sie raus! Holt sie raus!" Auch außerhalb des Stadions war die Empörung groß. "Kriminelle Arschlöcher" und "Abschaum" waren nur ein paar der Bezeichnungen für die Verursacher in den sozialen Medien. Einige wünschten sich, die 55.000 anderen Zuschauer sollten doch am besten vor dem Stadion auf die Pyro-Zünder "warten", andere ein härteres Durchgreifen der Polizei. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb von "wahnsinnigen Hooligans". Der Chefredakteur der "Bild"-Zeitung konnte sogar einen "Gewaltausbruch" beobachten. In der "Welt" hieß es, man müsse in der Bundesliga Angst haben, von "geistig tiefergelegten Chaoten erschlagen zu werden." Keine Verletzten während oder nach dem Spiel Aber zu Gewalt ist es im Hamburger Stadion gar nicht gekommen. "Es sind keine Personen verletzt worden - weder vor noch nach dem Spiel", sagt eine Sprecherin der Polizei Hamburg auf SPIEGEL-Anfrage. Zu Sachbeschädigungen konnte die Sprecherin keine Angaben machen. Das kann alles nur Glück gewesen sein, ändert aber nichts am Ergebnis. Wer viele Berichte zu den Vorkommnissen gelesen hat, muss den Eindruck haben, dass deutlich mehr passiert ist. Die "Süddeutsche" fand es "besonders irre", dass bei den Vorbereitungen der Pyroaktion niemand dazwischenging. Was wäre aber das Ergebnis gewesen, wenn die Polizei die Aktion zu unterbinden versucht und "sie rausgeholt" hätte? Ein Blocksturm hätte unkalkulierbare Folgen gehabt. "Es hätte ein unübersichtliches Handgemenge auf der Tribüne gedroht", sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote. Als hunderte Polizisten im Jahr 2013 beim Champions-League-Spiel zwischen Schalke 04 und Paok Saloniki wegen eines Banners die Schalker Nordkurve stürmten, gab es insgesamt 89 Verletzte. Pyrotechnik ist eine Ordnungswidrigkeit Die Polizei hat nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit zu handeln. Das Abbrennen von Pyrotechnik ist aber häufig nur eine Ordnungswidrigkeit nach dem Sprengstoffgesetz und keine Straftat. Wenn deshalb nicht sofort eine mehrere tausend Personen fassende Stehplatztribüne gestürmt wird, hat das wenig mit dem Entstehen rechtsfreier Räume in Fußballstadien zu tun, sondern ist das Ergebnis einer polizeilichen Abwägung. Ob Pyrotechnik generell in deutsche Stadien gehört oder nicht, ist umstritten. Fakt ist: In Deutschland ist der Einsatz in Stadien verboten. Deshalb muss der Einsatz im Hamburger Stadion auch dementsprechend bewertet werden. Die Bilder der dichten schwarzen Rauchsäulen und die Geräusche der Böller können vor allem die Kinder im Stadion verstört haben. Dafür müssen die Verursacher kritisiert werden. Aber nicht für Gewalt, die es im Volksparkstadion nicht gegeben hat.
LuisCypherMitglied
14.09.2018, 12:19 · #1'746
Beiträge: 1'933
*Der große Bluff des Kapitalismus ist die Behauptung, die Gier des Einzelnen sei letztlich gut für alle. Das schlägt drei Fliegen mit einer Klappe: Es setzt diejenigen ins Recht, die mit allen Mitteln dem Profit hinterherjagen. Es macht diejenigen zu Idioten, die es nicht tun. Und es holt die Mitläufer ins Boot, die gar nicht unbedingt profitieren, es aber glauben.* C. Bartlau
Avatar von MetalZHMetalZHMitglied
14.09.2018, 22:34 · #1'747
Beiträge: 5'727
*Der große Bluff des Kapitalismus ist die Behauptung, die Gier des Einzelnen sei letztlich gut für alle. Das schlägt drei Fliegen mit einer Klappe: Es setzt diejenigen ins Recht, die mit allen Mitteln dem Profit hinterherjagen. Es macht diejenigen zu Idioten, die es nicht tun. Und es holt die Mitläufer ins Boot, die gar nicht unbedingt profitieren, es aber glauben.* C. Bartlau Ein grossartiger Satz aus einem grossartigen Artikel! Der Mann spricht mir aus dem Herzen. Wie Yekini bin auch ich sehr froh, dass es beim FCZ (noch) nicht so ist. Hier eine weitere Aussage, die ich sofort unterschreiben kann: Aber hey, ohne die TV-Millionen ist der deutsche Fußball nicht wettbewerbsfähig. Und übrigens, mit 50+1 auch nicht. Sie wissen schon, die Uefa-Fünfjahreswertung. Sechs bis sieben Europapokalplätze, das scheint eine heilige Marke in Deutschland, zu bewahren wie das Reinheitsgebot. Zwar kämpfen nur zehn bis zwölf Vereine ernsthaft um diese Plätze, aber auch das ist Kapitalismus: Sehr viele müssen dafür herhalten, dass es theoretisch jeder nach ganz oben schaffen kann - und am Ende schaffen es eh die, die schon dort waren. An dieser Stelle übrigens schon mal herzlichen Glückwunsch zur Meisterschaft, liebe Bayern.
We are Motörhead. And we play Rock'n'Roll.
fischbachMitglied
21.10.2018, 07:52 · #1'748
Beiträge: 2'951
Interessante Geschichte der «Irish Times» über den Fussballer Jimmy Hasty, katholischer Nordire aus Belfast. Er hatte nur einen Arm und stürmte in den Sechzigern für Dundalk, auch gegen den FCZ im Meistercup 1963, wo er bei Dundalks 2:1-Sieg im Letzigrund ein Tor erzielte. 1974 wurde er dann in Belfast von einem loyalistischen Paramilitär erschossen. A cautionary tale: The life and death of one-armed striker Jimmy Hasty Remarkable ex-Dundalk player became another tragic casualty of the Troubles https://www.irishtimes.com/sport/soccer/national-league/a-cautionary-tale-the-life-and-death-of-one-armed-striker-jimmy-hasty-1.3669254
Gha_ZüriMitglied
22.11.2018, 08:20 · #1'749
Beiträge: 2'626
Wusste nicht in welchem Thread genau ich das einfügen soll, hab mal diesen hier genommen. 50 neue Regeln im Fussball stehen zur Diskussion bei der FIFA und der IFAB. Beinhaltet auch Regeln um z.B. Zeitverzögerungen zu unterbinden usw. Könnte noch interessant werden, wenn sich der Fussball wirklich so entwickelt. https://onefootball.com/de/news/50-neue ... e=20181122
LuisCypherMitglied
22.11.2018, 14:06 · #1'750
Beiträge: 1'933
Der FC Basel will das Stadion kaufen Dominic Willimann, Oliver Gut vor 32 Min. Präsident Bernhard Burgener will, dass das Fussballstadion St.-Jakob-Park künftig dem FC Basel gehört. Bald rotblaues Eigentum? Aktuell ist der FC Basel im St.-Jakob-Park nur Mieter – und bezahlt dafür jährlich über vier Millionen Franken. Nichts ist im Fussball wichtiger als das Resultat auf dem Rasen. Doch das Resultat auf dem Rasen ist nicht das einzige, was wichtig ist. Denn ein Profifussballclub ist längst nicht mehr nur Verein, sondern ein Unternehmen, das weit über die Eckfahne hinaus denken muss, will es seine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und der Gesellschaft wahrnehmen. Bernhard Burgener ist bekanntlich Unternehmer. Also blickt er auch als Besitzer und Präsident des FC Basel so weit als möglich über die Eckfahne und in die Zukunft. Was er dort seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren sieht, ist unter dem Slogan «Für immer Rotblau» bekannt: Einen FCB, der verstärkt auf den Nachwuchs baut und bei dem das Basler Element ausgeprägt ist. All das gepaart mit sportlichem Erfolg. Was er dort inzwischen auch sieht, war bislang noch nicht bekannt: Einen FC Basel, der in einem Stadion spielt, das er nicht wie bis anhin mietet, sondern das ihm gehört – und das er so gestalten kann, dass es gleichzeitig den eigenen wirtschaftlichen Bedürfnissen wie auch jenen der zahlenden Anhängerschaft optimal Rechnung trägt. Es ist dies mehr als eine blosse Idee. Bernhard Burgener will der Genossenschaft Stadion St.-Jakob-Park das Herzstück – die Fussball-Arena – abkaufen, um dieses in den Besitz des FC Basel zu bringen. Das hat die BaZ nicht nur aus gut unterrichteten Quellen gehört, sondern wird vom FCB auch gar nicht erst dementiert. Roland Heri, der als Chief Operations Officer das Tagesgeschäft der FC Basel 1893 AG leitet, will auf Anfrage zwar nicht näher auf die Thematik eingehen, sagt aber: «Wenn man als Fussballclub in der Dimension eines FCB wirtschaftlich denkt und die eigenen Möglichkeiten auslotet, dann ist das ein interessanter Schritt, den man überprüfen muss.» Viel Geld Der FC Basel würde durch diesen Schritt jährliche Mietkosten von zwischen vier und sechs Millionen Franken einsparen – eine Summe, die auch von der Anzahl der Heimspiele abhängt. Und es stünde ihm frei, bauliche Abänderungen vorzunehmen, falls ihm diese langfristig vorteilhaft erscheinen. Umgekehrt müsste er künftig selbst für die Instandhaltung der Immobilie aufkommen. Und vor allem müsste er die Kaufsumme aufbringen: Geschätzte 100 bis 120 Millionen Franken müsste bezahlen, wer das Stadion aus dem gesamten Komplex herauskaufen will, während andere Komponenten wie die Altersresidenz oder das Shopping-Center in Besitz der Genossenschaft bleiben. Es ist dies also knapp die Hälfte jener 250 Millionen Franken, die von 1999 bis 2001 für den gesamten Neubau ausgegeben wurden. Und es ist Geld, von dem zu vernehmen ist, dass es Burgener mittels grosszügiger Unterstützung durch Mäzene so aufbringen kann, dass am Ende der FCB Haupteigentümer des Stadions wäre – ohne dass er Kapital aus der AG einschiesst. Auch wenn offenbar noch keine offizielle Anfrage seitens des FC Basel vorliegt, so haben doch schon erste Gespräche mit Vertretern der Stadiongenossenschaft stattgefunden. Weitere dürften noch folgen, bevor der Vorstand der Genossenschaft am 10. Dezember offiziell zum nächsten Mal tagt. Viel Politik Dieser wird von CVP-Alt-Nationalrat Markus Lehmann präsidiert. Der Ex-Handball-Nationalspieler ist nicht der einzige Politiker in einem Gremium, dem auch der ehemalige FCB-Finanzchef Mathieu Jaus, Marcel Thommen und Raymond Cron angehören: Mit Ueli Vischer, Andreas Kressler und Sabine Pegoraro nehmen drei staatlich Delegierte im Vorstand Einsitz, welche die Interessen der Kantone Basel-Stadt und Baselland wahren. Allein dies ist schon Hinweis darauf, dass ein Verkauf des Stadions von politischem Gewicht ist. Bernhard Burgener und der FCB sind auch auf staatlichen Goodwill angewiesen – umso mehr, als dass der Kanton Basel-Stadt Besitzer des Bodens ist, auf dem der St.-Jakob-Park steht. Bislang wurde das entsprechende Grundstück zu einem günstigen Baurechtszins zur Verfügung gestellt, den jeweils die Genossenschaft zu entrichten hat. Diese umfasst heute rund 900 Mitglieder. Sie sind es, die in letzter Instanz einem Verkauf zustimmen müssten – dann, wenn sich der Genossenschafts-Vorstand, die Politik und der FC Basel diesbezüglich finden sollten. Denn dass es so weit kommt, ist keineswegs gegeben: Schon kurz nach Stadioneröffnung wagte der damalige FCB-Präsident René C. Jäggi mit Unterstützung des damaligen UBS-Verwaltungsratspräsidenten Marcel Ospel einen Vorstoss zum Kauf des Stadions. Der Vorstand der Genossenschaft blockte ab. Knapp zwei Jahrzehnte später stehen die Vorzeichen insofern günstiger, dass der Bau inzwischen der einen oder anderen Sanierungsmassnahme entgegenblickt, was mit Kosten verbunden ist, die aktuell die Genossenschaft tragen müsste. Es könnte dies ein Türöffner sein. Dann, wenn der Preis stimmt – und dann, wenn die künftige Eigentümer-Struktur sich so gestaltet, dass die Genossenschafter das Stadion in verantwortungsvollen Händen wissen.
tadaeusMitglied
26.11.2018, 16:30 · #1'751
Beiträge: 297
In der NZZ entdeckt. Habe ich noch unterhaltsam gefunden. https://www.nzz.ch/schweiz/was-die-schweizer-fussballnationalmannschaft-1983-auf-ihrer-skurrilen-afrikareise-erlebt-hat-ld.1439521 Was die Schweizer Fussballnationalmannschaft 1983 auf ihrer skurrilen Afrikareise erlebte Mit einer Länderspielreise durch Afrika begann die Trainerlegende Paul Wolfisberg die Vorbereitung zur Qualifikation für die WM 1986 in Mexiko. Dabei wurde nicht nur gekickt, sondern auch gestaunt und gekifft – ein Blick zurück. Marc Tribelhorn 26.11.2018, 05:30 Uhr Spieler der Schweizer Fussballnationalmannschaft bei einem Ausflug auf eine Schlangenfarm in Kenya: Marcel Koller (links), Charly In-Albon (2. von links), Marco Bernaschina (2. von rechts) und Martin Andermatt (rechts). (Bild: Karl Mathis / Keystone) Spieler der Schweizer Fussballnationalmannschaft bei einem Ausflug auf eine Schlangenfarm in Kenya: Marcel Koller (links), Charly In-Albon (2. von links), Marco Bernaschina (2. von rechts) und Martin Andermatt (rechts). (Bild: Karl Mathis / Keystone) Es ist eine ungewöhnliche Reisegesellschaft, die sich am 30. November 1983 frühmorgens am Flughafen Kloten einfindet: die Schweizer Fussballnationalmannschaft samt Verbandsfunktionären, Spielerfrauen, einem Dutzend Journalisten und 180 Fans. Um Punkt 10 Uhr hebt die gecharterte Swissair-Maschine des Typs DC-10 in Richtung Afrika ab. Auf dem Programm steht eine elftägige Rundreise mit Stopps in Algerien, Côte d’Ivoire, Simbabwe und Kenya. Vier Länderspiele werden innert sieben Tagen und in verschiedenen Klimazonen absolviert, danach folgen Badeplausch und Safari-Spass. Über 12 000 Flugkilometer sind dabei zurückzulegen. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt: Im Frachtraum lagern unter anderem 1000 Flaschen Wein und 60 Flaschen Champagner. Für Spritzfahrten vor Ort ist sogar ein Nissan-Sportwagen verladen worden. «Eine Ferienreise wird’s bestimmt nicht», verkündet Nationaltrainer Paul Wolfisberg, der das Abenteuer überhaupt erst möglich gemacht hat. Streit um «Hottentotten-Reise» Der 50-jährige Luzerner, äusserlich eine Mischung aus Bud Spencer und Wilhelm Tell, ist ein kerniger Typ, eckt an, hat eigene Ideen. Seit er 1981 die Nati übernommen hat, geht es bergauf mit der Mannschaft, auch wenn Wolfisberg, der nebenher weiter als Architekt arbeitet, kein grosser Taktiker ist. Seine Stärke ist die Motivation. Für den «Wolf», wie er im Volksmund genannt wird, würden die Spieler durchs Feuer gehen. Oder wie es der Starspieler Heinz Hermann formuliert: «Mit ihm fühlen wir uns so kampfbereit wie die alten Eidgenossen.» Und so soll nach der verpatzten Qualifikation für die Europameisterschaft 1984 nun der Grundstein für das Fernziel Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko gelegt werden. Bereits im Frühjahr 1983 hat Wolfisberg seinen Assistenten und U-21-Nationaltrainer Erich Vogel mit der Organisation eines Trainingslagers beauftragt, in dem neue Spieler und das Sozialverhalten getestet sowie Reisestrapazen simuliert werden können. Vogel, bis heute eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Schweizer Fussballs, hat dank einem früheren Fifa-Mandat gute Kontakte nach Afrika, wohin es damals noch kaum je europäische Teams verschlagen hat. Doch der finanziell klamme Schweizerische Fussballverband will partout kein Geld springen lassen für die «verrückte Idee». Der Generalsekretär Edgar Obertüfer spricht verächtlich von einer «Hottentotten-Reise». Doch Wolfisberg und Vogel geben nicht auf, sondern spannen den befreundeten «Blick»-Sportchef Mario Widmer ein – und im Nu sind private Sponsoren wie Nissan, die Swissair sowie Kuoni an Bord. Der «Blick» rührt die Werbetrommel und inseriert: «Traumreise des Lebens halb geschenkt. Mit den Wölfen rund um Afrika.» Knapp 2500 Franken kostet die Fussball-Safari nur, innert Stunden sind alle Plätze verkauft. Die Reise ist ein komplexes logistisches Unterfangen, allein schon wegen der Impfungen und Prophylaxen für die Spieler und Supporter, der Verpflegung und der Unterbringung von gut 240 Personen in Gegenden mit wenig entwickelter Infrastruktur. Acht Spieler aus dem Stammkader geben nach der langen Saison Forfait. Im 20-köpfigen Team dabei sind schliesslich neben Routiniers wie Andy Egli, Roger Wehrli, Raimondo Ponte, Heinz Hermann und Roger Berbig auch Jungtalente wie Marcel Koller und Martin Andermatt. Fast alle setzen zum ersten Mal einen Fuss auf den Schwarzen Kontinent. Penalty aus neun Metern Die fussballerischen Leistungen der «Wölfe» sind ziemlich durchzogen. Das erste Spiel in Algier findet nur wenige Stunden nach der Landung statt. Gegen die Mannschaft, die an der WM 1982 sensationell die Deutschen geschlagen hat, resultiert ein 2:1-Sieg. Zwei Tage später verliert die Schweiz im subtropischen Abidjan 0:1 gegen die ruppig einsteigende Mannschaft von Côte d’Ivoire und am 4. Dezember in der auf 1500 m ü. M. gelegenen simbabwischen Hauptstadt Harare mit 2:3 gegen «gazellenhaft um uns herumtänzelnde Afrikaner» («Sport»). Zum Abschluss erkämpfen sich die Schweizer in der Hafenstadt Mombasa bei 35 Grad im Schatten immerhin ein torloses Unentschieden. Viel zu reden geben bei Spielern, Fans und Journalisten die mitunter kurios-fremden Bedingungen, auf die sie in Afrika treffen. In Algerien wird der einheimische Schiedsrichter vom Publikum heftigst ausgepfiffen, als er den Schweizern (!) einen Elfmeter verwehrt. In Abidjan gleicht das Spielfeld im riesigen Stadion mehr einer Kraterlandschaft als einem Rasen, die Penaltypunkte sind nur neun Meter vom Tor entfernt, und die Schweizer Mannschaft erhält erst Einlass in die Umkleidekabine, nachdem ein ivoirischer Funktionär mit einem Trainingsleibchen bestochen worden ist. Aus Simbabwe berichtet ein Journalist: «Zur Folklore zu zählen war nicht bloss der die Regeln nach Belieben auslegende Schiedsrichter, sondern auch das Vorspiel mit zwei schwergewichtigen Seniorenteams (. . .) sowie das in alten Uniformen aufmarschierte Musikkorps» – das zudem die längst ausgemusterte Nationalhymne «Rufst du, mein Vaterland» intoniert. In Mombasa schliesslich reisen die Spieler bereits umgezogen im Bus an, sitzen in der Pause auf dem Feld und duschen später im Hotel, weil es im Stadion keine Garderoben gibt. Mit kolonialem Blick Höchst problematisch sind einige der Zeitungsberichte, die während der Afrikareise geschrieben werden. Was möglicherweise «lustig» hätte sein sollen, zeugt von kaum kaschierten rassistischen Stereotypen. Besonders das Boulevardblatt «Blick» kennt keine Hemmungen und schreibt etwa über das Spiel «auf dem Bananenacker» in Abidjan: «In einer Negeroper haben Weisse keinen Platz» oder «Elfenbeins Zahui hat sich im schummrigen Licht kaum vom Hintergrund abgehoben». In seiner täglichen Kolumne «Marios schwarze Notizen» frotzelt Sportchef Mario Widmer über die Schweizer Segnungen für die einheimische Küche: «Dank Maggi (. . .) haben die Elfenbeineranerinnen mehr Zeit, sich der Baby-Produktion zu widmen.» Trotz dichtem Programm ist die Stimmung in der Reisegesellschaft meist bestens. Während die Fans zwischen den Matches Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten wie den Victoria Falls unternehmen oder am Pool liegen, absolvieren die Spieler lockere Trainings oder strampeln im Schatten von Palmen auf dem Ergometer. Trainer Wolfisberg nutzt den exotischen Trip für allerlei medizinische Messungen. In den Ernstkämpfen tragen einige Spieler an die Waden geklebte Schrittzähler. Auch Urinproben werden gesammelt, was zu interessanten Einsichten geführt haben muss: Denn in Afrika raucht Wolfisberg mit seinen Spielern «auch mal einen Joint», wir er später erzählen wird. Nachhaltig leistungssteigernd wirkt sich das afrikanische Abenteuer aber nicht aus. Die Nationalmannschaft verpasst die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko knapp, worauf der «Wolf» seinen Rücktritt bekanntgibt.
DemokritMitglied
05.12.2018, 13:01 · #1'754
Beiträge: 5'834
«Einfach nur traurig...»
Und sehr beklemmend. Deshalb kommt auch zum Beispiel auch der italienische Fussball kaum vom Fleck.
Los TiozMitglied
05.12.2018, 13:53 · #1'755
Beiträge: 3'995
Gibt auf Youtube eine spannende Doku (von WDR) über den Fussball in Buenos Aires, wurde glaube ich auch schon hier im Forum gepostet. Auf jeden Fall sehr sehenswert! 9e:mediaembed:PHI+PFlPVVRVQkUgaWQ9IjRLNG9lUU9Zc3hRIiB1cmw9Imh0dHBzOi8vd3d3LnlvdXR1YmUuY29tL3dhdGNoP3Y9NEs0b2VRT1lzeFEiPmh0dHBzOi8vd3d3LnlvdXR1YmUuY29tL3dhdGNoP3Y9NEs0b2VRT1lzeFE8L1lPVVRVQkU+PC9yPg==https://www.youtube.com/watch?v=4K4oeQOYsxQ
ZurigoMitglied
05.12.2018, 14:44 · #1'756
Beiträge: 1'968
Die Jungs von Argifutbol haben vor einigen Jahren einen super interessanten Doku über Quilmes gedreht. Sehenswert! https://www.youtube.com/watch?v=3HXfqLcYLe4
yellowMitglied
07.12.2018, 10:53 · #1'757
Beiträge: 6'695
Glücklicherweise gibt es in der Sportredaktion des TAs nicht nur Typen wie den ultra GC-Fan T. Schifferle mit seinen immer wiederkehrenden Berichten über seinen Lieblingsverein und seinen z.T. doch recht primitiven Spitzen gegen den Stadtverein. Deshalb hier ein Artikel aus der heutigen Ausgabe. Er spricht wohl v.a. ältere Semester und Fussball-Romantiker an. Raphaël Nuzzolo, der Antistar Der Stürmer von Xamax führt mit zehn Toren und acht Assists die Skorerwertung der Super League an – als 35-Jähriger. Er erklärt dies mit «unsichtbarem Training» und der Leistung der anderen. Er schiesst Tore, wie er das Auto parkiert: Wer sich wundert, weshalb der 35-jährige Raphaël Nuzzolo in diesen Tagen Tor um Tor schiesst, muss dem Stürmer vielleicht einmal beim Parkieren zuschauen. Der Mann nähert sich unten am Neuenburgersee dem Restaurant Beau Lac. Er sieht eine Parklücke, eine enge Lücke – und nimmt sie in einem Zug mit einem Affenzahn. Einlenken, einfahren, aussteigen. Nuzzolo parkiert, wie er Tore schiesst. Mit einem Selbstverständnis, das in diesen Tagen kein Zögern und Zweifeln kennt. 10-mal hat er bisher in 16 Spielen getroffen, dazu 8-mal den entscheidenden Pass gespielt. Er trifft im Strafraum und von ausserhalb, per Volley und Abstauber, per Elfmeter und Freistoss. 23 Tore hat Xamax bisher geschossen, bloss bei fünf von ihnen hatte Nuzzolo seinen Fuss nicht im Spiel. Ohne seine Skorerpunkte hätte Neuenburg statt 13 nur 4 Punkte. Ohne ihn wäre Xamax der FC La Sagne, so schrieb das jüngst ein Fan in den sozialen Medien, er meinte den Verein einer 900-Personen-Gemeinde. Ein anderer fügte an, bei Nuzzolo müsse er seine eigene Heterosexualität überdenken. Ja, Nuzzolo wird in Neuenburg gerade gefeiert. Die Gründe für seine Tore Nuzzolo erreicht also das Restaurant Beau Lac, direkt am See, die Aussicht im siebten Stock: bezaubernd. Nuzzolo mag schöne Dinge, er hat den Ort vorgeschlagen, hierher kommt er regelmässig, trinkt einen Espresso, liest Zeitungen, denkt nach – und geht danach ins Training. Hier will er erklären, weshalb es ihm, dem alten Mann, dem 35-Jährigen, so prächtig läuft. Erster Grund, die Erfahrung: «Ich weiss, welche Wege ich gehen muss – und welche nicht.» Er hat bei Xamax alle Freiheiten, er kann zwischendurch abtauchen und sich erholen, um dann im richtigen Moment aufzufallen, elegant und leichtfüssig. Zweitens, die Einstellung. Nuzzolo hält viel vom «entraînement invisible», dem unsichtbaren Training. Viel schlafen, viel erholen, glutenfrei essen. «Ich habe nie gesagt, ich mache mehr als die anderen», sagt er. Also kommt er kurz vor dem Training ins Stadion und geht gleich danach wieder. Er hört drei, vier Tage vor den Spielen auf, im Training an seine Grenzen zu gehen. Noch nie litt er an Muskelproblemen oder Knieverletzungen. Manche nennen das Glück, andere professionell. Drittens, das Selbstvertrauen. «Du denkst nicht nach.» Wie beim Parkieren. Schliesslich viertens, vielleicht der interessanteste Punkt. Nuzzolo ist vergangene Saison mit Xamax aufgestiegen und hat in der Super League bald einmal bemerkt, dass das Niveau seit seiner Zeit als YB-Spieler nicht gestiegen ist. Eher das Gegenteil ist der Fall. «Wir haben heute viel mehr junge Spieler in den Mannschaften, das spürt man.» Der Fussball sei zwar technischer und schneller geworden, doch das Toreschiessen auch einfacher. Da ist einer in der Form seines Lebens und erzählt dann, dass das vor allem mit anderen zu tun hat. Nuzzolo fährt einen Renault Laguna, Occasion, und zahlt seine Rechnungen in der Postfiliale. Nuzzolo bekommt von Gegnern Komplimente. Der Stürmer führt einen Whatsapp-Chat mit ehemaligen Kollegen bei den Young Boys. Hoarau, Rochat, Benito oder auch von Bergen sind im Chat versammelt, «Wölfli of Wall Street» heisst er, denn Goalie Wölfli ist auch dabei. Nach den beiden wunderbaren Freistosstoren gegen Lugano lief er heiss. «Nuzz on fire» stand da, oder «Nuzz en magique». Nuzzolo und YB, Nuzzolo und Xamax. Zwei Vereine – mehr gibt es in seiner Karriere nicht. «Die richtigen», sagt Nuzzolo. Er hat einmal in der «Berner Zeitung» gesagt, dass er Mühe habe mit Abschiednehmen, dass er mehr Wärme und Vertrauen brauche als andere. Das mögen alles Gründe sein, weshalb er nicht bei mehr Clubs spielte. Die wahren Gründe liegen wohl aber vor allem in Nuzzolos Bescheidenheit und seinem Wesen, treu und loyal zu sein. Er ist ein Fussballer, der sich als Arbeiter sieht und sich nie als Talent gesehen hat. «Ich habe immer etwas länger gebraucht.» Er zweifelte lange daran, ob es ihm für die Nationalliga A reiche. Erst als Miroslav Blazevic 2005 nach Neuenburg kam – als Trainer mit Kroatien WM-Dritter 1998 – und ihm sagte, «du hast es drauf», glaubte er selbst daran. Und zweifelte trotzdem weiter. Wenn er gegen Basel oder YB spielte, dachte er jedes Mal: «Die Spieler dort sind alle besser als ich, da werde ich nie spielen.» Von Tschagajew vertrieben Zu jener Zeit steht für Nuzzolo fest: Er will seine ganze Karriere in Neuenburg verbringen. Dann kommt Präsident Tschagajew in der Pause des Cupfinals gegen Sion in die Kabine und droht den Spielern mit dem Tod. In diesem Moment ist für Nuzzolo klar, er muss gehen. Er wechselt 2011 zu YB, bis er 2016 zu Xamax, damals noch in der Challenge League, zurückkehrt – und auf viel Lohn verzichtet. Er nickt. «Du musst in deiner Karriere fünf, sechs richtige Entscheidungen treffen, das habe ich gemacht», sagt er und fügt an: «Xamax ist mein Verein.» Bei anderen Fussballern wäre der Satz eine Floskel, bei Nuzzolo ist es eine Liebeserklärung. Sie erinnert an früher, an damals, als alles besser war. Dazu passt vielleicht auch, dass Nuzzolo so etwas wie ein Antistar ist. Er bezahlt noch immer seine Rechnungen mit Bargeld in der Post und fährt einen Renault Laguna, Occasion gekauft, in die Jahre gekommen. Dazu passt vielleicht ebenfalls, dass Xamax nicht so recht dem Fussball-Establishment angehört. Die Mannschaft trainiert meist um vier Uhr nachmittags, damit die Väter im Team am Morgen auf ihre Kinder aufpassen können. Medientermine macht man noch direkt mit den Spielern am Handy ab – bei anderen Vereinen undenkbar. Xamax ist Tabellenletzter. Raphaël Nuzzolo steigt lieber mit einem gesunden Verein ab, als dass der Club durch teure Transfers havariert. Doch erst einmal will er den Moment geniessen – er ist kostbar: Eine alte Liaison erblüht von Neuem. (Redaktion Tamedia) Erstellt: 06.12.2018, 21:55 Uhr Für mich ist Nuzzolo nicht nur ein sympathischer Dinosaurier, sondern auch (ausserhalb des FCZ) der unglaublichste Spieler dieser Vorrunde. Seine beiden Freistosstore vom letzten Sonntag sprechen für sich.
Don UrsuloMitglied
17.02.2019, 11:45 · #1'759
Beiträge: 10'541
Experten diskutieren über das Abstiegsduell zwischen GC und Xamax FCZler Renggli mit vernichtendem GC-Urteil: "Sehe bei GC nur abgestandenen Blauburgunder aus dem Tetra-Pack!" :-) https://www.sport.ch/superleague/277426 ... tetra-pack
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