Das gestern war eines der frustrierendsten Spiele seit langem. Erst schien die Ankündigung des neuen Trainers so manchen Knopf zu lösen. Man agierte selbstbewusst und mit Spielwitz. Der Gegner kam nicht zu viel Ballbesitz, oder gar Chancen. Doch selbst in dieser Phase des Spiels schienen unsere Mannen die Laufwege ihrer Mitspieler oft nicht zu kennen. 11 Einzelkämpfer versuchten ein Kombinationsspiel aufzuziehen, ohne wirklich zu wissen, wo sie selbst oder ihre Mitspieler eigentlich stehen sollten. Etoundi war hierfür das Paradebeispiel. Er brachte viel Leben und Zug in unsren Angriff, spielte aber immer wieder Pässe ins leere, weil er und sein jeweiliger Mitspieler gerade einer jeweils anderen Idee nachgingen. Und die Defensive wirkte schon in dieser eigentlich ansehnlichen Phase wie ein Panikorchester. Wehe, wenn der Gegner einmal schnell umschalten kann. Brecher hielt dann zwar jeweils auf der Linie durchaus gut, doch fehlt es ihm gänzlich an anderen wichtigen Torhütereigenschaften. Positionsspiel, Strafraumbeherrschung und vor allem das Führen seiner Vorderleute liegen ihm nicht. Er hat vor seiner Aufgabe, den Gegenspielern und den eigenen Mitspielern noch viel zu viel Respekt. Wenn ich zudem unseren Goalietrainer und unseren Ersatzmann anschaue, vermag ich hier keine Aussicht auf Besserung wahrzunehmen. Nef versucht die Abwehr zu dirigieren, ist aber sobald der Ball in Bewegung ist viel zu stark mit sich selbst beschäftigt. Kukeli fühlt sich auf der Position, gerade defensiv, auch noch nicht so richtig wohl. Blind beweist in Manchester aktuell aber, dass ein Spieler dieser Grösse mit dem richtigen Positionsspiel heutzutage in der Innenverteidigung eigentlich funktionieren könnte. Über die AV (Djimsiti gehört da nicht hin) und das DM habe ich schon zu oft schreiben müssen. Defensiv haperts von vorne bis hinten, was kombiniert mit der gestrigen Chancenauswertung leider nur wenig Gutes verheissen kann. Aber dennoch: für rund 60 Minuten war das gestern eigentlich ganz nett anzusehen. Ein paar wunderschöne Szenen und der Versuch eines konsequenten, schnellen Kombinationsspiels gemahnten an bessere Zeiten. Aber just als der Funken - erstmals seit anno weiss nicht wann - sogar aufs Publikum übersprang, wurde das zarte Pflänzchen unserer Hoffnung und aufkommenden Euphorie von den Luzerner Bauern brutal niedergetrampelt. Das Kartenhaus des FCZschen Selbstvertrauens fiel in sich zusammen und die bereits vorher erkennbaren, fehlenden Strukturen akzentuierten sich im Zeichen der Panik. Diese Niederlage könnte gekoppelt mit der Aussicht auf Basel der endgültige Genickbruch für unsere Truppe gewesen sein. Das gestrige Spiel dürfte noch do manche psychischen Nachwehen mit sich bringen und für alle Beteiligten nur sehr schwer zu verarbeiten sein. Wir stecken bereits mitten in Canepas Negativspirale und Hyypiäs Aufgabe nimmt herkuläische Ausmasse an, vor allem dann, wenn er noch vor der Winterpause eine Verbesserung der Lage erzielen will... Dazu passten auch die depperten Penalties und die Verteilung der Karten (z.B. das fehlende Gelb-Rot kurz vor dem 4-2 für taktisches Foul und dann Schubserei). Wenn es nicht läuft, fallen die kritischen Entscheide und die Gunst des Fräuleins Fortuna meist auch den Anderen zu... Zumindest nimmt man das selbst so wahr, was weiter in die Negativspirale führt...
Edit:
@yellow: Liegt die Gefahr bei den luzerner Eckbällen wirklich an deren überlegenen Standards oder nicht doch vielmehr an unserer inferioren Abwehrarbeit, bei der Stellungsspiel und Gegenspieler beide gerne vergessen gehen?
Genau deshalb wünsche ich mir ja von Hyypiä, dass er mit unseren Spielern Standards auf beide!! Seiten übt. Kann ja nicht sein, dass bei fast jedem Corner ein Gegenspieler freistehend zum Abschluss kommt.