C.D.M.
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14.03.2003, 06:23 · #1
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02:20 -- Tages-Anzeiger Online
Derby ade - fusionieren GC und der FC Zürich?
In Zukunft spielen beide Zürcher Profiklubs im Hardturm. Nur Geldnot kann sie noch näher zusammen bringen.
Mit dem Abgang der GC-Mäzene und dem gemeinsamen Stadion stellt sich die Frage, ob sich die beiden Grossklubs der Stadt zusammenschliessen sollten.
Von Marc Zollinger
Am Sonntag spielen die Grasshoppers gegen den FC Zürich im Stadion Hardturm. Das Derby - wie immer, wenn die beiden Stadtrivalen gegeneinander antreten, ein besonderes Spiel. Nobelverein gegen Büezerklub, so will es die Fussballideologie. Sieger gegen Verlierer, sagt die Statistik der letzten Jahre. Beides ergibt eine Spannung, die mehr Zuschauer anlockt und Emotionen hervorruft, als andere Spiele in Zürich das vermögen.
Der Glanz der Rivalen ist allerdings seit Jahren am Verblassen. Der FCZ sucht schon lange an die Glorie der alten Tage anzuknüpfen, vergeblich. GC mangelt es zwar nicht an Erfolgen, dafür an einem grosszügigen Reservoir an leidenschaftlichen Fans. Und nun springen auch noch die beiden Mäzene Rainer E. Gut und Fritz Gerber ab. Wer ab 2004 die Millionen lockermacht, ist ungewiss. Diese Frage stellt sich irgendwann einmal auch dem FC Zürich, dessen Präsident und Alleinherrscher Sven Hotz 73 Jahre alt ist. Warum also nicht die Kräfte bündeln, zumal die beiden Klubs 2007 sowieso zusammen ein neues Stadion beziehen sollen?
«Das Sprüchli von ennet den Gleisen»
Einer, der sich seit Jahren für eine Fusion stark macht, ist der ehemalige Geldgeber von GC, Werner H. Spross. «Das ist eine Sache der Vernunft.» Die Wirtschaftskrise treffe auch die Fussballklubs, einige seien bereits hoch verschuldet, da wäre es in seinen Augen doch nur gescheit, «für euses Züri» eine Mannschaft zusammenzustellen. Nur so sei es auch möglich, das neue Stadion auch auszufüllen. Einen Namen für das Konstrukt hat er auch schon: «Oben Grasshoppers und darunter steht Zürich, so sind beide Klubnamen drin.» Dass dies die FCZ-Anhänger in Rage bringen würde, lässt Spross nicht gelten, schliesslich sei das G im Alphabet weiter vorne als das Z - und GC erfolgreicher als der FCZ. Abgesehen davon: «Das Sprüchli von ennet den Gleisen kann ich nicht mehr hören, das ist ein alter Zauber.»
Die Idee, die beiden Zürcher Profiklubs zu vereinen, ist mehr als dreissig Jahre alt. Albert Fader, ursprünglich FCZ-Spieler, der zu GC wechselte und später sogar Präsident des Klubs wurde, lancierte sie Ende der 60er-Jahre. In einem Sitzungsprotokoll vom 8. Mai 1969 sind seine Argumente dokumentiert: «Wenn Sie bedenken, dass sich in der Agglomeration von Zürich drei Clubs in der Nationalliga A um die Gunst des Publikums streiten, so sind doch die Verhältnisse für sämtliche Clubs, die ja schlussendlich von den Wettspieleinnahmen ihren Betrieb zu finanzieren haben, unerfreulich.» Sein Vorschlag, mit «Zürich United» einen Neuanfang zu wagen, fand aber keine Unterstützung. Gärtnermeister Spross erinnert sich: «Das kam vielen in den falschen Hals, nur schon weil der Name GC verschwinden sollte.»
Fritz Peter, GC-Präsident von 1988 bis 1990, hat grosse Sympathien für eine Fusion. Ausschlaggebend sind für ihn «wirtschaftliche Zwänge» - die allerdings heute noch nicht so sehr gegeben sind: «Bis Ende nächstes Jahr haben wir Ruhe, doch wenn Gut und Gerber abtreten, wird es eng.» Ein einziger Klub sei für die Sponsoren interessanter. Zudem würden die Kosten reduziert: weniger Spiele und weniger Profis, die bezahlt werden müssen. «Das Problem ist aber die psychologische Betreuung der Fans», sagt Peter. «Man muss langfristig und sorgfältig dafür sorgen, dass sie ein gutes neues Zuhause finden.»
GC und FCZ - geht das wirklich zusammen? Michael Funk, Zentralpräsident der Grasshoppers, ist skeptisch. «Nichts in der Welt ist tabu, sofern es eine gute Lösung gibt, doch die Risiken sind zu gross.» Ein Fragezeichen setzt Funk bei den Kosten: «Man kann diese nicht einfach halbieren und zugleich meinen, die Einnahmen verdoppeln sich, diese Rechnung geht nicht auf.» Fussball sei in der Schweiz nun mal kein Geschäft. Und die Gönner, die mit den jeweiligen Klubs verbunden seien, würden sich kaum einem neuen Konstrukt anschliessen. Einer Fusion kann er deshalb nichts abgewinnen, zumal Derbys ihr eigenes Potenzial hätten. «GC muss darum seine Probleme selber lösen.»
«Nur über meine Leiche»
Das grösste Risiko einer Fusion: Viele Emotionen, lange Traditionen gehen verloren, und damit die Fans sich für das Neue begeistern können, müssen subito Erfolge her. Bei den eingefleischten Fans nützen aber nicht einmal drei Meistertitel in Folge. Pech und Schwefel fusionieren? Allein laut über so etwas nachzudenken, ist für sie ein Skandal. Zu verschieden sind die beiden Vereinskulturen. Ausserdem: Schön ist die Feindschaft; wo bleibt sonst der Spott? Dass beide Klubs dereinst in Zürich-West zu Hause sind, ist für viele schon Qual genug. «Mit den Hoppers in der gleichen Kurve?» - ein grosses Thema im Internetforum des FCZ. Doch diese Sorge ist unbegründet: Die Stadionarchitekten haben im Osten und Westen des Fünfecks Fankurven vorgesehen. Die Frage wird bloss sein: stadteinwärts oder stadtauswärts - welcher Klub ist wo zu Hause?
Bisher haben sich nur Leute aus dem Umfeld der Grasshoppers für eine Fusion stark gemacht - «um sich eine Seele einzukaufen», vermutet man in FCZ-Kreisen. Dem Präsidenten Hotz ist das Thema lästig. Er sagt das, was er dazu seit Jahren sagt: «Nur über meine Leiche.»