Medienberichte / Kommentare

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02.08.2022, 22:11 · #2'002
Beiträge: 5'727
Danke im Voraus! https://www.tagesanzeiger.ch/frechheit- ... 2384055346 Frechheit, Skandal, Verschwörung – der Kampf um den Spielplan Schon nach drei Runden sind die Spieltage der Super League durcheinandergewirbelt – weil fast alle Clubs Sonderwünsche haben. Wie soll das bloss bei Playoffs werden? Florian Raz Publiziert: 02.08.2022, 06:15 Noch kein Ball war gerollt, da waren die Ersten schon beleidigt. Beim FC Zürich grollte Ancillo Canepa. In Winterthur war man gestresst. Zwei Wochen später stifteten Anhänger des FC Basel aus Protest Verwirrung, indem sie eine Reise an die Luzerner Bundesfeier ankündigten – und dann wieder absagten. Skandal, Frechheit, Verschwörung. FCZ-Präsident Canepa fand es «respektlos», dass sein Meisterteam zum Start auf Kunstrasen in Bern antreten musste. Winterthur wäre lieber auswärts gestartet. In Basel wittert die Fankurve hinter einer Spielabsage eine politische Agenda auf dem Weg zu mehr Repression gegen Fussballanhänger. Und alles wegen des Spielplans der Super League. Der ist bereits nach bloss drei Runden durcheinandergewirbelt. Während der FCZ und die Young Boys dank europäischen Wettbewerben jeden dritten Tag spielen, genoss der FC Luzern nun bereits sein zweites freies Wochenende. Erst musste sein Heimspiel gegen die Grasshoppers verschoben werden, am vergangenen Sonntag jenes gegen Basel. Das mit Luzern gegen Basel war ein Fehler Was ist da los? Eigentlich nur der übliche Kampf um passende Spieldaten, meldet Philippe Guggisberg, Mediensprecher der Swiss Football League. Bloss das mit der Verschiebung der Partie zwischen Luzern und Basel, das sei auf einen Fehler zurückzuführen. Irgendwo auf dem Weg zwischen Innerschweiz und Bern ging die Information verloren, dass sowohl die Luzerner als auch die Basler Polizei den 31. Juli wegen der Bundesfeier als Sperrdatum eingegeben hatte: «Und als das bemerkt wurde, war es zu spät, noch einmal alle Spieldaten durch den Computer zu jagen.» Vor diesen Computer der Liga setzt sich jeweils Silvano Lombardo und gibt alles ein, was die Spielansetzungen beeinflussen kann. Da gibt es so einiges: die durch den Fernsehvertrag diktierten Anspielzeiten, Europacupeinsätze, Konzerte, Vorgaben der Polizei, Stadionsanierungen, Einschränkungen für Fan-Züge durch die SBB, Wünsche der Clubs. Hat Lombardo das alles eingegeben, meldet ihm der Computer garantiert, dass es unter Berücksichtigung all dieser Einschränkungen leider überhaupt keinen Spielplan gibt. Also beginnt er, weichere Vorgaben zu löschen. Der FC Winterthur möchte noch eine Woche länger Zeit, um seine Schützenwiese für die höchste Spielklasse herauszuputzen? Pech gehabt. Der FCZ würde lieber auf Rasen statt Kunstrasen starten, weil er danach in der Qualifikation zur Champions League nach Aserbeidschan fliegen muss? Geht leider nicht. Nicht alle dürfen am Samstag in Luzern spielen Drin bleiben die wirklich harten Vorgaben. In Luzern zum Beispiel bewilligt die Polizei derzeit keine Samstagsspiele gegen Basel, St. Gallen, den FCZ und die Grasshoppers. Sie hat am Samstag genug mit Menschen im Ausgang zu tun und fürchtet die Mischung von Partygängern und Gästefans. Spielt ein Club am Donnerstag europäisch, werden seine Spiele immer auf einen Sonntag gesetzt. Ist er am Dienstag oder Mittwoch in der Champions League unterwegs, tritt er immer am Samstag an. Spielen die Toten Hosen im Letzigrund, müssen FCZ und GC auswärts ran. Wird in der Swisspor-Arena der Rasen saniert, kann der FCL nicht zu Hause spielen. Wenn es so läuft wie am ersten Spieltag dieser Saison, dann hat die Liga für fünf Spiele plötzlich nur noch vier Spielorte zur Verfügung. Basel, Luzern, Zürich, St. Gallen und Sitten – all diese Stadien fielen wegen Bauarbeiten, Konzerten oder Festivals weg. Also auch das Startspiel des FCL gegen GC. Und für die Begegnung zwischen YB und dem FCZ im ersten Saisonviertel blieb bei allen Berechnungen genau eine Variante frei: der erste Spieltag im Wankdorf. Mit Blick auf all diese Zwänge stellt sich die Frage: Wie will die Liga in der kommenden Saison Playoffs durchführen, wenn die Begegnungen kurzfristig angesetzt werden müssen? «Da kommen punktuelle Herausforderungen auf uns zu», gibt Mediensprecher Guggisberg zu, «aber die können wir angehen.» Inspiration findet die Liga in Österreich. Dort geben die Clubs, die in der Meisterrunde spielen, gleich nach der Aufteilung der Liga Anfang März an, ob sie die erste Playoff-Partie im Mai zu Hause oder auswärts spielen wollen. Damit wäre zumindest etwas Planungssicherheit hergestellt. Für die weiteren Playoff-Runden bleibt dann die Hoffnung, dass keine Demonstrationen, SBB-Baustellen oder Büetzer Buebe die Spiele verhindern.
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ZürcherflyerMitglied
30.11.2023, 11:18 · #2'003
Beiträge: 1'861
«Unterschiede im Jobprofil»
- Guter Klub-Trainer = guter Nati-Trainer? So einfach ist es nicht Wäre Pep Guardiola auch als Trainer eines Nationalteams top? Womöglich schon. Das gilt aber nicht für alle guten Klubcoaches. Heute, 11:33 Uhr Welchen gemeinsamen Nenner haben Pep Guardiola (Manchester City), Jürgen Klopp (Liverpool) oder – um ein aktuelles Beispiel zu nennen – Xabi Alonso (Leverkusen) neben dem Erfolg? Alle drei haben ihren jeweiligen Teams eine bestimmte Spiel-Philosophie eingetrichtert. Das braucht Zeit. Und davon hat ein Klub-Trainer bedeutend mehr zur Verfügung als der Coach eines Nationalteams. Am Ursprung der Unterschiede zwischen den beiden Jobprofilen ist immer der Faktor Zeit. Kaum Möglichkeiten für Korrekturen Rolf Fringer kennt beide Seiten. Er amtete sowohl im In- als auch Ausland als Klubtrainer und dirigierte zwischen August 1996 und Oktober 1997 für 11 Spiele auch die Schweizer Nationalmannschaft. Der 66-Jährige ortet die Unterschiede vor allem auch abseits des Platzes: «Als Nationaltrainer hat man viel mehr Öffentlichkeitsarbeit, man muss im ganzen Land auftreten.» Das könne sehr schnell unangenehm werden, so Fringer weiter und nennt das Beispiel Julian Nagelsmann in Deutschland: «Er hat die letzten beiden Spiele als noch frischer DFB-Trainer verloren, im ganzen Land ist Katzenjammer und nun hat er 4 Monate gar keine Möglichkeit, um irgendetwas zu verbessern», meint der heutige TV-Experte. Spieler-Entwicklung «nur» zweitrangig Auf den nächsten Nationalmannschafts-Zusammenzug zu warten und währenddessen die Spieler bei ihren Klubs zu beobachten, ohne aktiv eingreifen zu können, dürfte nicht jedermanns Sache sein. Für Mark Wolf, Leiter Trainerbildung beim Bundesamt für Sport (BASPO), liegt der grösste Unterschied zwischen dem Job als Nati-Trainer und jenem als Klub-Trainer in der Herangehensweise. «Als Nationaltrainer hat das Abrufen der Top-Leistung am Tag X ein wesentlich höheres Gewicht. Die langfristige Entwicklung des Athleten oder der Athletin steht weniger im Vordergrund», meint Wolf. Entsprechend könne man nicht davon ausgehen, dass ein guter Klub-Trainer, der Tag ein Tag aus mit seinen Spielern an einem Konzept tüfteln kann, per se auch ein guter Nati-Trainer wäre. Im Fall von Nagelsmann wird sich spätestens an der EM im eigenen Land zeigen, ob er als Bundestrainer an seine Erfolge aus dem Klubfussball anknüpfen kann. Und wer weiss, vielleicht wagen sich in Zukunft auch Guardiola, Klopp oder Xabi Alonso auf die «andere Seite». Radio SRF 1, Rendezvous, 29.11.23, 12:50 Uhr; SRF https://www.srf.ch/sport/fussball/fussb ... t-es-nicht
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05.02.2024, 08:01 · #2'004
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INTERVIEW Die Baslerin Stephanie Eymann gilt als härteste Polizeidirektorin der Schweiz: «Gewalt wird nicht toleriert, das ist die rote Linie» Städte und Kantone greifen nach mehreren Fällen von brutaler Fangewalt durch. Die baselstädtische Regierungsrätin Stephanie Eymann (LDP) prägt den Kurs mit. Dennoch glaubt sie nicht, dass die Zürcher Anti-Chaoten-Initiative funktioniert. Andrea Fopp, Daniel Gerny (NZZ) 05.02.2024, 05.30 Uhr «Wir wollen Ausschreitungen an Sportanlässen nicht als regelmässig wiederkehrende Tatsache hinnehmen.» Das sagte Karin Keller-Sutter vor zwölf Jahren, damals als Präsidentin der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD). Woran ist sie gescheitert? Ich war damals noch nicht im Amt. Ich glaube aber, dass die Koordination fehlte: Jede Stadt und jeder Kanton schaute vor allem für sich. Das funktioniert nicht. Die Szene ist in der ganzen Schweiz aktiv. Fans reisen mal dorthin, mal dahin. Sie begleichen Rechnungen dort, wo gerade Spiele der Super-League stattfinden. Wir müssen uns deshalb besser abstimmen. Gleichzeitig muss man auch sehen, dass Fangewalt in Wellen kommt. Lange war es ruhiger, nun nimmt sie wieder zu. Heute gelten Sie als die härteste Polizeidirektorin der Schweiz. Im letzten Jahr haben Sie erstmals eine Fankurve geschlossen, die Muttenzerkurve im Joggeli. Mit welchem Ziel eigentlich? Zunächst: Wir haben das nicht wegen einer Bagatelle getan. Sondern weil ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma fast zu Tode geprügelt worden war. Das war ein brutaler Angriff mit schweren Folgen für die angegriffene Person. So etwas darf nicht ohne Konsequenzen bleiben! Bei einer derart massiven Tat hilft Dialog nicht weiter. Ich habe deshalb die Klubleitung, die Liga und die Kantonspolizei an den Tisch geholt, und wir waren uns einig, dass es eine Reaktion braucht. So haben wir die Massnahme gemeinsam beschlossen. Und was hat die Schliessung gebracht? Es war nicht zuletzt eine weitere Initialzündung für die Städte und Kantone, sich bei solchen Vorkommnissen besser abzustimmen. Daraus ist das Kaskadenmodell entstanden. Es sieht abgestufte Massnahmen vor, die schweizweit einheitlich gehandhabt werden sollen. Und was hat die Schliessung in Bezug auf die Fangewalt gebracht? Die militante Fanszene ging natürlich auf die Barrikaden. Aber wenn man davon einmal absieht: Es war ein wichtiges Zeichen an die gemässigten Fans. An die FCB-Anhänger, die aus Freude ins Stadion gehen, den Fussball zelebrieren wollen und die sich nicht wohlfühlen, solange solche Gewaltausbrüche toleriert werden. Aber es gab weitere Ausschreitungen . . . Ja, kurzfristig gesehen ist das so. Das Problem wird nicht von heute auf morgen gelöst. Doch es ging mir darum, klarzumachen, dass wir solche Dinge in Zukunft nicht mehr hinnehmen. Inzwischen sind in der Schweiz mehrmals Sektoren geschlossen worden. Und dies, nachdem die letzte Saison die ruhigste seit Jahren war. Ist eine solche Eskalationsstrategie der Behörden sinnvoll? Eskalation der Behörden? Vergessen Sie bitte nicht, woher die Gewalt kommt! Wir haben es hier mit brutalen Angriffen auf Personen zu tun. Es geht um schwere Gewaltdelikte. Ich habe die Bilder von letzter Woche aus Zürich Altstetten gesehen, als Polizisten mit Flaschen und Steinen beworfen wurden. Wenn wir auf solche Vorkommnisse reagieren, kann keine Rede von einer Eskalationsstrategie sein. Wir sind uns alle einig, dass es kriminell ist, Polizisten anzugreifen und Sicherheitsleute zu verprügeln. Aber weshalb schnappen und bestrafen Sie nicht Täter, statt ganze Fankurven zu schliessen und damit Unbeteiligte zu bestrafen? Das eine schliesst das andere doch nicht aus. Natürlich müssen wir die Täter stellen. Aber man macht es sich zu einfach, wenn man von wenigen Einzeltätern aus den Kurven ausgeht. Wir haben es mit einer organisierten Szene zu tun. Sie spricht sich ab. Alle sind identisch vermummt, um die Strafverfolgung zu verunmöglichen. Niemand arbeitet mit den Behörden zusammen, um die Täter zu fassen. Man schaut, dass alles unter dem Deckel bleibt. Weiss die Polizei, wer zu dieser Szene gehört und wer dort den Ton angibt? Auch wenn wir dies wissen, hilft uns das im Strafverfahren oft nicht weiter. Denn wir müssen genau beweisen können, wer was getan hat und wer für welche Handlungen verantwortlich ist. In einem Strafverfahren können Sie nicht pauschal eine Strafe verhängen, nur weil jemand zu einer bestimmten Szene gehört. Genau deshalb kommt bei Kurvenschliessungen der Vorwurf der Kollektivstrafen: Sie bestrafen alle, weil Sie die wahren Täter nicht erwischen oder ihnen nichts beweisen können. Es ist nicht so, dass es zu keinen Verurteilungen kommt. Aber ja: Es ist schwierig. Und ich verstehe, dass Massnahmen wie Kurvensperrungen als Kollektivstrafen wahrgenommen werden und Unbeteiligte ärgern. Nur frage ich mich: Weshalb richtet sich der Ärger gegen die Behörden – und nicht gegen die Hooligans? Die Fans müssen doch merken, dass sie Ausschreitungen aus der Kurve heraus nicht mehr tolerieren können. Nur ist die Realität eine andere: Die Identität in der Gruppe wird gestärkt, die Solidarität unter den Fans nimmt zu. Das zeigen auch wissenschaftliche Untersuchungen. Ich will nicht die Wissenschaft in Zweifel ziehen, aber ich bin da anderer Meinung: Wenn wir nicht reagieren, nur weil wir Angst vor einer Solidarisierung haben, läuft das auf eine Forfait-Niederlage hinaus. Angst davor zu haben, dass die Gegenseite Stärke demonstriert, ist keine Lösung. Das würde bedeuten, dass wir, unsere Sicherheitsprinzipien preisgeben. Das gilt übrigens nicht nur für den Fussball, sondern für alle möglichen Bereiche. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Bevölkerung das will. Geht es nicht ganz pragmatisch darum, jenen Weg zu finden, der am ehesten zu einer Beruhigung beiträgt? Ich höre von der Gegenseite nur nie einen Vorschlag dazu. Ich höre immer nur: Dialog. Punkt. Auf der anderen Seite habe ich viele Rückmeldungen von Leuten, die sagen: «Endlich macht jemand etwas gegen die Fangewalt.» Leuten, die nicht mehr ins Stadion gehen, weil sie sich solche Szenen nicht mehr antun wollen. Ihr Vorgänger hat stark auf den «Basler Weg» gesetzt und die Situation mit Dialog beruhigt, oder nicht? Unter dem Strich bin ich gar nicht viel restriktiver als meine Vorgänger. Ich anerkenne, dass der «Basler Weg» etwas gebracht hat. Es braucht den Dialog, und ich pflege ihn weiterhin. Aber nach Gewaltexzessen ist Dialog allein nicht mehr zielführend. Ich möchte, dass man die Regeln und den Spielraum klar definiert und sich dort drin bewegt. Und nicht regelmässig ausschert. Unternehmen die Klubs genügend gegen Fangewalt? Diese Frage ist berechtigt. Von den Klubs kommt häufig die Aussage: «Wir haben mit den Ausschreitungen nichts zu tun. Sie finden ja nicht im Stadion statt.» Ich finde das naiv: Es passiert ja nicht irgendwann, sondern bei der An- oder der Abreise, bei den Fanmärschen, in den Extrazügen. Der Kausalzusammenhang zu den Spielen ist eindeutig da. Und was erwarten Sie von den Klubs? Sie müssen deutlich signalisieren, dass sie Fangewalt auch ausserhalb des Stadions nicht akzeptieren. Das passiert nur teilweise. Der FC Basel hat nach dem Angriff auf den Sicherheitsmann klargemacht, dass man nicht zur Tagesordnung übergehen kann. Ganz anders der FC Zürich nach den Übergriffen in Altstetten: Der Klub hat sich in den Medien stark gegen Sektorschliessungen gewehrt. Und wie sehen Sie die Rolle der Fanorganisationen? Ich bedaure es sehr, dass die Fanorganisationen aus dem Dialog über das Kaskadenmodell ausgestiegen sind. Wir haben diese Runde für alle involvierten Parteien geöffnet, um alle an einem Tisch zu haben – und dann wird ausgestiegen. Das ist jetzt auch nicht gerade dialogbereit. Wie ernsthaft war denn dieser Dialog überhaupt gemeint? Haben die Behörden die Massnahmen nicht praktisch vorgeschrieben? Die Dialogbereitschaft war sehr ernst gemeint. Wir haben die Fanorganisation aufgefordert, Ideen vorzubringen. Wenn man sich dann zurückzieht, fehlt mir das Verständnis. Man muss sich doch an einen Tisch setzen können, auch wenn es einmal unangenehm wird. Die härteste Massnahme im Kaskadenmodell ist das Spielverbot. Soll das Modell Gewalt verhindern oder bestrafen? Das lässt sich nie trennscharf auseinanderhalten. Ich mache Ihnen ein Beispiel. Wenn man wegen ein paar Verkehrsunfällen auf einem Strassenabschnitt Tempo 30 einführt, sagen alle die, die vorsichtig gefahren sind: Nun werde ich dafür bestraft, dass ein paar Rowdys nicht aufgepasst haben. Dennoch hat das Tempolimit eindeutig präventiven Charakter. Die Frage ist aber nicht ganz unwichtig, weil die Verweigerung einer Bewilligung als Sanktion rechtlich auf wackligen Füssen steht. Die Massnahmen haben eine starke präventive Komponente. Aber was im Detail zulässig ist, werden letztlich die Gerichte entscheiden müssen, falls die Massnahmen angefochten werden. Es gibt einen weiteren Streitpunkt: die personalisierten Tickets, um die Identität von Stadionbesuchern zu kennen. Seit Jahren sprechen die Polizeidirektoren davon, passiert ist immer noch nichts. Lassen Sie sich vom Widerstand der Klubs einschüchtern? Ich habe mich in der KKJPD ja von Anfang an für personalisierte Tickets ausgesprochen, worauf es einen Aufschrei bei Klubs und Fans gegeben hat. Jede Massnahme wird hochemotional kritisiert. Das ist aber nicht der Grund für die Verzögerung. Sondern? Der Datenschutz. Die Klubs können die Daten der Ticketkäufer nicht einfach speichern und den Behörden weitergeben. Dafür brauchen wir eine Gesetzesgrundlage. Gesetze lassen sich ändern. Fehlt es nicht vielmehr am politischen Willen? Nein, das nehme ich nicht so wahr. Seitens der Behörden spüre ich eine grosse Geschlossenheit in der ganzen Schweiz. Wir wollen der Fangewalt Herr werden. Warum führen Sie als Regierungsrätin die personalisierten Tickets nicht einfach in Ihrem Kanton ein? Nach aktuellem Wissensstand müsste Basel-Stadt dafür dem erweiterten Hooligan-Konkordat beitreten. Das Parlament wollte das in der Vergangenheit nicht. Würde ich in Eigenregie personalisierte Tickets auf dem Sonderweg einführen, würde ich den politischen Willen missachten, auch wenn der Entscheid zehn Jahre zurückliegt. Deshalb wird für mich die Einführung der personalisierten Tickets ein politischer Marathon: Ich werde das erweiterte Konkordat in Basel-Stadt noch einmal auf den Tisch bringen. Werden Sie eine Mehrheit finden? Das erweiterte Konkordat ist ja auch unter Bürgerlichen umstritten, der derzeitige FDP-Regierungskandidat Luca Urgese hat Sie in der Vergangenheit wegen Ihrer Initiative in diese Richtung kritisiert. Das erweiterte Konkordat hat weniger mit links und rechts und mehr mit Freiheits- contra Sicherheitsdenken zu tun. Es kann durchaus sein, dass Basel-Stadt dem erweiterten Konkordat nicht beitreten will – was uns übrigens in der Vergangenheit von den anderen Kantonen nicht nur Lob eingebracht hat. Setzen die anderen Kantone Sie unter Druck? Nein. Und ich möchte dem erweiterten Konkordat nicht beitreten, nur damit die Sicherheitsdirektoren aus den anderen Kantonen befriedigt sind. Ich möchte es probieren, weil ich überzeugt bin, dass man einen solchen Weg gemeinsam mit allen Kantonen und Städten beschreiten muss. Ich habe keine Angst vor dem politischen Diskurs. Werfen wir noch einen Blick auf die Fanszene: Aus Zürich hört man, die Fans seien jünger und gewaltbereiter geworden. Was passiert in Ihrem Stadion? Die lange Zeitachse habe ich nicht. Von der Grösse her ist die Szene stabil. Die Polizei sagt mir aber, die politische Ausrichtung habe sich verändert. Es gibt Hinweise auf eine teilweise Überlappung zwischen der Fanszene und den Teilnehmern gewisser Demonstrationen. Gemäss unseren Informationen gibt es in der Muttenzerkurve die Weisung, dass der harte Kern nicht an Demonstrationen teilnehmen soll. Sprechen Sie eher von rechten oder von linken Aktivisten unter den Fussballfans? Das überblicke ich nicht, aber ich weiss, dass es innerhalb der Muttenzerkurve verschiedene Gruppen gibt. Was ich sagen kann: Bei uns in Basel ist die linksaktivistische Szene um einiges grösser als die rechte. Wir haben aber auch viele Matchbesucher aus dem Baselbiet, diese Klientel kann ich nicht beurteilen. Reden wir über Demonstrationen. Dort greifen Sie auch durch. Was ist Ihre Strategie? Mein Ziel ist immer dasselbe. Es gibt Regeln in einer Gesellschaft, an die man sich halten muss. Mir war von Anfang an die hohe Zahl an unbewilligten Demonstrationen ein Dorn im Auge. Die Teilnehmer machen eigentlich, was sie wollen, und verweigern sich dem Dialog mit der Polizei. Es gibt die Versammlungsfreiheit und das Recht auf freie Meinungsäusserung. Das ist korrekt, und dieses Grundrecht möchte ich nicht einschränken. Aber Gewalt wird nicht toleriert, das ist die rote Linie. Wenn Leute das Gefühl haben, sie könnten sich vermummen oder mit Spraydosen durch die Stadt laufen, «Scheissbullen» rufen und ein paar Scheiben zerschlagen, akzeptiere ich das nicht. Um das zu verhindern, braucht es die Bewilligungspraxis. Also Organisatoren, die mit der Polizei die Route besprechen und ansprechbar sind. Wird der Dialog verweigert, versucht die Kantonspolizei die Kundgebung zu stoppen. In Zürich wird im März über eine Volksinitiative abgestimmt. Sie will die Kosten unbewilligter Demonstrationen auf Störer überwälzen. Ist das der richtige Weg? Die SVP Basel-Stadt sammelt Unterschriften für ein ähnliches Begehren. Wir haben das Thema in der Regierung noch nicht besprochen, aber ich denke, die Initianten stellen es sich einfacher vor, als es ist. Was ist schwierig? Es kann nicht sein, dass der Veranstalter, der die Bewilligung für eine Demonstration einholt, nachher für das Verhalten aller Teilnehmer haftet. Das ist keine Geburtstagsparty mit zwanzig Leuten, die man gut kennt. Es kommen auch Menschen, welche die Kundgebung unterwandern und die man als Organisator schwer kontrollieren kann. Haben Gewerkschaften oder linke Parteien keine Verantwortung dafür, was beispielsweise am 1. Mai passiert? Sie können doch Einfluss auf ihre Klientel nehmen. Es ist nicht so einfach. Die Veranstalter können durchaus die Parole durchgeben, dass sie Gewalt nicht tolerieren. Aber sie können nicht verhindern, dass Gewaltbereite auftauchen. Ich erwarte aber, dass sich die Organisatoren von Gewalt distanzieren. Das machten die Veranstalter am 1. Mai in Basel letztes Jahr nicht konsequent, und dann passierte, was passiert ist. Vermummte Mitglieder des schwarzen Blocks tauchten auf, woraufhin die Polizei einen Teil der Demonstration einkesselte. Die Arbeit der Polizei wird schwierig, wenn sich Veranstalter einer bewilligten Demonstration mit Vermummten solidarisieren und es noch gut finden, wenn diese an der Spitze des Demonstrationszugs laufen. Dann kann die Polizei gewaltbereite nicht mehr von friedlichen Demonstranten unterscheiden, das macht die Arbeit schwierig. Ihre Polizei hat am 1. Mai sogar eine Passantin eingekesselt, die gar nicht demonstrierte, sondern einfach durch die Stadt ging. Das lassen wir einmal dahingestellt. Gegen die Polizei läuft wegen des Einsatzes ein Gerichtsverfahren, daher kann ich nicht im Detail Auskunft geben. Ganz allgemein sind Demonstrationen häufig ein Gemenge. Für die Polizisten ist es schwierig, zu erkennen, wer friedlich demonstriert, wer Schlagstöcke und anderes Material bei sich hat. Daher lässt es sich nicht verhindern, dass auch Menschen eingekesselt werden, die sich friedlich verhalten. Die Frage ist: Wie verhält man sich dann als Demonstrant? Und? Es ist ganz einfach: Wer der Polizei den Ausweis zeigt, darf den Kessel verlassen. Wer sich hingegen weigert und sich mit Vermummten solidarisiert, der kann sich nicht beklagen, wenn er nicht rauskommt. Kritiker sagten, die Polizei habe auch Leute, die sich ausgewiesen hätten, nicht rausgelassen am 1. Mai. Leider kann ich dazu nichts sagen, weil das Gerichtsverfahren läuft. Ich möchte mich der Diskussion nicht verweigern, aber ich kann dem Urteil des Gerichts nicht zuvorkommen. Schauen wir auf Ihre bisher dreijährige Amtszeit zurück: Was haben Sie mit Ihrer Nulltoleranz gegenüber unbewilligten Demonstrationen bisher erreicht? Ladenbesitzer beklagen sich: «Jeden Samstag gibt es eine Demo.» Andere sprechen vom «Chilling-Effekt» – es werde nicht mehr demonstriert, weil ich so repressiv sei. Jetzt führen wir seit zwei Jahren eine Statistik, um Klarheit in die diffuse Diskussion zu bringen. Und? Gibt es dank Ihrer Verschärfung weniger unbewilligte Demonstrationen und Ausschreitungen? Wir haben eine konstant hohe Anzahl an Demonstrationen, 2023 waren es 224, darunter auch kleine Standaktionen. Fakt ist: Die meisten Demonstrationen gehen friedlich über die Bühne. Auch wenn die, die ausarten, mediale Präsenz haben. Wir fragen noch einmal: Hat Ihre Verschärfung etwas gebracht? Gibt es weniger Gewalt als unter Ihrem Vorgänger? Das kann ich nicht sagen, denn Gewalt ist schwierig zu messen. Aber die Anzahl unbewilligter Demonstrationen hat letztes Jahr deutlich abgenommen. Ob das an meiner Strategie liegt, kann ich noch nicht sagen. Dafür ist es zu früh, es braucht einen Mehrjahresvergleich. Im Dialog erreichen wir Teilerfolge. Welche? Beispielsweise haben mir Demonstrationsveranstalter gesagt, es wirke abschreckend, wenn man eine Kopie des Ausweises bei der Polizei lassen müsse, um eine Bewilligung einzuholen. Daraufhin sagte der Kommandant: «Stimmt, man muss sich zwar ausweisen, aber die Kopie der ID braucht es tatsächlich nicht.» Man muss gegenseitig einen Schritt aufeinander zugehen. Am 3. März wählt Basel-Stadt den Nachfolger für den neu gewählten Bundesrat Beat Jans in die Regierung. Es besteht die Chance, dass es seit 19 Jahren erstmals wieder eine bürgerliche Mehrheit gibt. Was würde sich punkto Fangewalt und Demonstrationen ändern? Eine bürgerliche Mehrheit in der Regierung ändert noch gar nichts. Über den angesprochenen Beitritt zum erweiterten Konkordat etwa müsste das Parlament entscheiden. Und die Demonstrationen sind kein Gesamtregierungs-Business, sondern liegen in der Kompetenz der Sicherheitsdirektorin. Von daher würde sich nur etwas ändern, wenn man mir ein anderes Departement zuweisen würde. Haben Sie solche Pläne? Das Justiz-und Sicherheitsdepartement galt lange Zeit als Trostpreis. Bei Ihnen hat man aber von aussen das Gefühl, Sie seien mit Leidenschaft dabei. In meinem Amt steht man die ganze Zeit im Schaukasten. Wenn ich weiss, diesen Samstag marschieren 2000 Leute durch die Stadt, trinke ich kein Cüpli, denn ich möchte jederzeit vor meine Mitarbeitenden hinstehen können, wenn etwas passiert. Das ist mein Anspruch. Denn die Polizisten haben mein Vertrauen verdient, und die Stadt braucht sie. Das ist harte Büez, macht aber Freude.
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LemieuxMitglied
05.02.2024, 08:20 · #2'005
Beiträge: 1'339
"Es ist nicht so einfach. Die Veranstalter können durchaus die Parole durchgeben, dass sie Gewalt nicht tolerieren. Aber sie können nicht verhindern, dass Gewaltbereite auftauchen." Schön das man hier einen unterschied zu den Kurven macht...... was für e dummi Chueh
MostowojMitglied
05.02.2024, 09:20 · #2'006
Beiträge: 1'487
Ob die Tante beim Durchlesen ihres Interviews etwas merkt? Beim Fussball so: Und was erwarten Sie von den Klubs? Sie müssen deutlich signalisieren, dass sie Fangewalt auch ausserhalb des Stadions nicht akzeptieren. Das passiert nur teilweise. Der FC Basel hat nach dem Angriff auf den Sicherheitsmann klargemacht, dass man nicht zur Tagesordnung übergehen kann. Ganz anders der FC Zürich nach den Übergriffen in Altstetten: Der Klub hat sich in den Medien stark gegen Sektorschliessungen gewehrt. Bei Demos so: Was ist schwierig? Es kann nicht sein, dass der Veranstalter, der die Bewilligung für eine Demonstration einholt, nachher für das Verhalten aller Teilnehmer haftet. Das ist keine Geburtstagsparty mit zwanzig Leuten, die man gut kennt. Es kommen auch Menschen, welche die Kundgebung unterwandern und die man als Organisator schwer kontrollieren kann. Es ist nicht so einfach. Die Veranstalter können durchaus die Parole durchgeben, dass sie Gewalt nicht tolerieren. Aber sie können nicht verhindern, dass Gewaltbereite auftauchen. Ich erwarte aber, dass sich die Organisatoren von Gewalt distanzieren. Das machten die Veranstalter am 1. Mai in Basel letztes Jahr nicht konsequent, und dann passierte, was passiert ist. Was gilt jetzt, Frau Eymann? Kann man als Fussballclub bzw. als Veranstalter nun verhindern, dass Gewaltbereite ausserhalb der Stadien Lämpe machen, oder nicht?
GooseMitglied
05.02.2024, 10:10 · #2'007
Beiträge: 2'028
Ob die Tante beim Durchlesen ihres Interviews etwas merkt? Beim Fussball so: Und was erwarten Sie von den Klubs? Sie müssen deutlich signalisieren, dass sie Fangewalt auch ausserhalb des Stadions nicht akzeptieren. Das passiert nur teilweise. Der FC Basel hat nach dem Angriff auf den Sicherheitsmann klargemacht, dass man nicht zur Tagesordnung übergehen kann. Ganz anders der FC Zürich nach den Übergriffen in Altstetten: Der Klub hat sich in den Medien stark gegen Sektorschliessungen gewehrt. Bei Demos so: Was ist schwierig? Es kann nicht sein, dass der Veranstalter, der die Bewilligung für eine Demonstration einholt, nachher für das Verhalten aller Teilnehmer haftet. Das ist keine Geburtstagsparty mit zwanzig Leuten, die man gut kennt. Es kommen auch Menschen, welche die Kundgebung unterwandern und die man als Organisator schwer kontrollieren kann. Es ist nicht so einfach. Die Veranstalter können durchaus die Parole durchgeben, dass sie Gewalt nicht tolerieren. Aber sie können nicht verhindern, dass Gewaltbereite auftauchen. Ich erwarte aber, dass sich die Organisatoren von Gewalt distanzieren. Das machten die Veranstalter am 1. Mai in Basel letztes Jahr nicht konsequent, und dann passierte, was passiert ist. Was gilt jetzt, Frau Eymann? Kann man als Fussballclub bzw. als Veranstalter nun verhindern, dass Gewaltbereite ausserhalb der Stadien Lämpe machen, oder nicht? richtig, Mostowoj.. ist mir auch aufgefallen.. die gute Dame widerlegt sich selbst..
Avatar von neineineineiMitglied
05.02.2024, 10:45 · #2'008
Beiträge: 2'322
Ob die Tante beim Durchlesen ihres Interviews etwas merkt? Beim Fussball so: Und was erwarten Sie von den Klubs? Sie müssen deutlich signalisieren, dass sie Fangewalt auch ausserhalb des Stadions nicht akzeptieren. Das passiert nur teilweise. Der FC Basel hat nach dem Angriff auf den Sicherheitsmann klargemacht, dass man nicht zur Tagesordnung übergehen kann. Ganz anders der FC Zürich nach den Übergriffen in Altstetten: Der Klub hat sich in den Medien stark gegen Sektorschliessungen gewehrt. Bei Demos so: Was ist schwierig? Es kann nicht sein, dass der Veranstalter, der die Bewilligung für eine Demonstration einholt, nachher für das Verhalten aller Teilnehmer haftet. Das ist keine Geburtstagsparty mit zwanzig Leuten, die man gut kennt. Es kommen auch Menschen, welche die Kundgebung unterwandern und die man als Organisator schwer kontrollieren kann. Es ist nicht so einfach. Die Veranstalter können durchaus die Parole durchgeben, dass sie Gewalt nicht tolerieren. Aber sie können nicht verhindern, dass Gewaltbereite auftauchen. Ich erwarte aber, dass sich die Organisatoren von Gewalt distanzieren. Das machten die Veranstalter am 1. Mai in Basel letztes Jahr nicht konsequent, und dann passierte, was passiert ist. Was gilt jetzt, Frau Eymann? Kann man als Fussballclub bzw. als Veranstalter nun verhindern, dass Gewaltbereite ausserhalb der Stadien Lämpe machen, oder nicht? richtig, Mostowoj.. ist mir auch aufgefallen.. die gute Dame widerlegt sich selbst.. Sie behauptet ja weiter oben im Interview, dass geheime Zirkel aka. der innere Kern der Kurve solche Dinge wie in Altstetten abspreche und daher die Kurve zu bestrafen komplett richtig sei. Aus ihrer weltfremden Sicht heraus gesehen stimmen die zwei Aussagen so schon überein. Aus der Realität heraus betrachtet halt überhaupt nicht. Wer sagt es ihr?
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ZhyrusMitglied
05.02.2024, 11:19 · #2'009
Beiträge: 15'717
Aus ihrer weltfremden Sicht heraus gesehen stimmen die zwei Aussagen so schon überein. Aus der Realität heraus betrachtet halt überhaupt nicht. Wer sagt es ihr? Ich will nicht die Wissenschaft in Zweifel ziehen, aber… Muhahahaha. Die wurde doch auch wie Eric Weber mit schwerem Rauch gefoltert!
Avatar von KrönuKrönuMitglied
05.02.2024, 12:20 · #2'010
Beiträge: 13'343
Aus ihrer weltfremden Sicht heraus gesehen stimmen die zwei Aussagen so schon überein. Aus der Realität heraus betrachtet halt überhaupt nicht. Wer sagt es ihr? Ich will nicht die Wissenschaft in Zweifel ziehen, aber… Muhahahaha. Die wurde doch auch wie Eric Weber mit schwerem Rauch gefoltert! Solche Leute schaffen es bis in den Bundesrat... (Ich meine nicht den Eric)
Avatar von N'GombutuN'GombutuMitglied
05.02.2024, 17:09 · #2'011
Beiträge: 231
Ich will nicht die Wissenschaft in Zweifel ziehen, aber… Muhahahaha. Die wurde doch auch wie Eric Weber mit schwerem Rauch gefoltert! Das ist nicht lustig. Wäre sie Rimoldi, würde sie für eine solche Aussage von allen halbwegs zurechnungsfähigen Medien durch den Dreck gezogen. Eigentlich sollte dies bei einer amtierenden Regierungsrätin umso mehr geschehen... Das einzig Positive an diesem unsäglichen Interview resp. dieser unsäglichen Politik sind die zunehmend kritischen Fragen der Journalisten. Vielleicht dreht der Wind ja endlich.
tadaeusMitglied
13.02.2024, 14:34 · #2'012
Beiträge: 297
Platziere das mal hier rein: INTERVIEW Erich Vogel über Deals im Fussball: «Meine kriminelle Energie half mir, nicht übertölpelt zu werden» Lange war er der mächtigste und umstrittenste Mann im Schweizer Fussball. Erich Vogel erklärt, weshalb er wie Murat Yakin tickt und die Degen-Brüder mag. Er fordert die Abschaffung des Abseits. Fabian Ruch (Text), Karin Hofer (Bilder) 02.02.2024, 16.30 Uhr Herr Vogel, Sie sind 85 Jahre alt. Darf man ein Gespräch mit Ihnen mit der Frage beginnen: Wie fit sind Sie? Ich lebe mit zwei Krebsen, Prostata und Zwölffingerdarm. Mein Zustand ist nach einer schweren Operation vor sechs Jahren aber stabil. Ich jogge praktisch täglich, kurz und intensiv. Manchmal komme ich mir vor wie Usain Bolt mit 85 Jahren. Sie waren jahrzehntelang der mächtigste und auch umstrittenste Mann im Schweizer Fussball. Vermissen Sie diese Zeit? Fussball ist mein Leben, selbst wenn ich viele Interessen wie Literatur und Film, Theater und Psychologie habe. Der Fussball ist ein Mikrokosmos der Gesellschaft. Alles, was wir in unserem privaten Leben erfahren, finden wir auch im Fussball wieder – nur intensiver und weniger verhüllt und damit ehrlicher: Liebe und Hass, Freude und Enttäuschung, Solidarität und Konkurrenz. Was hat der Fussball Sie gelehrt? Das Fussballgeschäft ist sehr ambivalent. Und Fussball ist ein Fehlerspiel. Daher wirst du im Fussball immer wieder mit deinen Fehlern konfrontiert. Fussball lehrt uns also auch Demut. Ich bin seit über sechzig Jahren im Fussball tätig, habe 26 Meistertitel als Juniorenspieler, Nachwuchstrainer, Cheftrainer und Sportchef gewonnen, wurde aber auch fünfmal entlassen. Wo ausser im Fussball können Sie solche Emotionen derart intensiv erleben? Vielleicht noch im Theater. Was ist Ihre derzeitige Tätigkeit? Ich berate unter anderem Heinz Spross, der sich bei den GC-Frauen engagiert, und habe auch drei dicke Dossiers über alle Spiele und jede Spielerin erstellt. Ich bilde Trainerinnen und Sportchefs in Führungs- und Sozialkompetenz aus – und dies unentgeltlich. Aber nur Menschen, die über einen hohen Eigenantrieb verfügen und entsprechend extreme Ambitionen haben. Was bleibt nach über sechzig Jahren im Profifussball? Ein FCZ-Präsident sagte einmal über mich: «De Vogel ziet d Lämpe a wie s Liecht d Flüüge!» Das ist eine originelle und ziemlich präzise Beschreibung eines Teils meiner Persönlichkeit. Ich bin im Kreis 5 geboren, hatte schlechte Lehrer und im Grunde genommen eine miserable berufliche Perspektive. Was ich tatsächlich erreicht habe, hätte ich nie für möglich gehalten. Und weil ich mich nie auf unsaubere Deals einliess, blieb ich immer unabhängig. Wie wichtig ist Ihnen Geld? Geld war nie ein wichtiger Antrieb in meinem Leben. Was bedeuten Ihnen Statussymbole? Gar nichts. Keine Uhr, kein Schmuck, nie ein teures Auto gefahren, nie teure Kleider getragen. Einzig Reisen waren mir immer wichtig, aber nicht die Tourismusströme. Ich war in 68 Ländern tätig, allein 18 in Afrika, als ich für die Fifa arbeitete. Sind Sie reich? 1,8 Millionen Franken. Es sollte viel mehr sein mit diesen Erfolgen und nach dieser langen Zeit. Aber es ist mir völlig egal. Haben Sie nie Geld genommen? Nie! Nie? Nie!! Nicht einen Rappen. Mir war immer bewusst: Wer illegal Geld nimmt, ist erpressbar. Das lässt dich nicht mehr ruhig schlafen. Mir wurde oft Geld angeboten. Viele bekannte Sportchefs, Trainer und Schiedsrichter haben sich schmieren lassen. Haben Sie geschmiert? Nicht geschmiert, aber selbstverständlich haben wir bezahlt. Wohin das Geld am Ende geflossen ist, war mir egal. Ich konnte es sowieso nicht beeinflussen. Ich blieb aber immer in den gesetzlichen Schranken. Kein schlechtes Gewissen? Warum auch? Wenn man einen Spieler unbedingt will, kostet das nun einmal Geld. Manchmal wollte ein Berater verdienen, der Vater, der Spieler selber, das Umfeld – das ist völlig normal. Im Fussball wird, wie in der Wirtschaft, bestochen und betrogen. Da halfen mir mein scharfer Verstand, meine immateriellen Werte und meine kriminelle Energie, nicht übertölpelt zu werden und als Verlierer dazustehen. Kriminelle Energie? Kriminelle Energie haben alle Menschen. Die meisten wissen es nicht. Und diejenigen, die es wissen, werden es öffentlich nicht eingestehen. Wer hat in seinen Gedanken und Träumen nicht schon einmal seinen Feinden den Tod gewünscht, sie in die Hölle verbannt und dem Fegefeuer ausgeliefert? Lorenz Erni, der bekannteste Strafverteidiger der Schweiz, schrieb: «Jeder von uns könnte in eine Ausnahmesituation geraten, in der er Dinge tut, die er selbst niemals für möglich gehalten hätte.» Kann man also sagen: Zwanzig Tage Untersuchungshaft für Ihre über sechzig Jahre Arbeit im Profifussball sind angemessen? Ich war nur zweimal vor Gericht. Einmal wegen einer Bagatelle, weil ich einen deutschen Spieler zwei Wochen zu lang in der Schweiz spielen liess. Das zweite Mal, weil ich einen blöden Spruch gemacht hatte, als Peter Bozzetti den damaligen YB-Sportchef Fredy Bickel erpresste. Ich hätte Bozzetti nicht sagen sollen, dass er statt der gebotenen 131 000 auch gleich 200 000 Franken verlangen könne, weil YB genügend Geld habe und ich wisse, dass Fredy als Sportchef über eine halbe Million Franken im Jahr verdiene. Das war auf Tonband, weil Bozzetti abgehört wurde, was ich ihm auch voraussagte. Meine Aussage wurde vom Gericht als Anstiftung zur Erpressung eingestuft, deshalb war ich zwanzig Tage in Untersuchungshaft. Ich war mit dem Urteil nicht einverstanden, weil ich nicht einsah, warum ich wegen eines unüberlegten Spruchs so hart bestraft wurde. Und die Anwaltskosten betrugen 350 000 Franken. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen? Zum Glück hat meine Frau die Situation entspannt gemeistert. Und mir war wichtig, dass sich Fredy Bickel mir gegenüber korrekt verhalten hat. Er wurde vom Staatsanwalt gefragt, ob ich ein Erpresser sei. Er sagte zu mir: «Nein, Erich, das bist du nicht. So habe ich dich nie erlebt.» Mit Bickel habe ich den Kontakt nie abgebrochen. Ich weiss, dass ich ein guter Konfliktmanager bin. Aber als Konfliktvermeider bin ich der grösste Idiot. Vor ein paar Jahren sagten Sie in der NZZ, dass Sie einer seien, der über Leichen gehe und viel mehr Feinde als Freunde habe. Sie sagten: «Ich bin unsensibel, stur, weiss alles besser, ich bin rücksichtslos, kann Menschen weh tun und habe keine Angst, mich von ihnen zu trennen.» Sie sagten aber auch: «Ich kann Menschen begeistern und überzeugen, ich bin durchsetzungsstark und konfliktfähig, nicht korrumpierbar, gehe geradeaus, bin schnell und radikal.» Beides entspricht der Wahrheit. Die Frage ist: Wie wird man wahrgenommen? Das Wahrnehmungsvermögen des Menschen ist limitiert, immer sehr selektiv, manchmal verzerrt, oft verfälscht. Kein Mensch hat die Fähigkeit, die Wirklichkeit objektiv wahrzunehmen. Es sind immer subjektiv gefärbte Ansichten, Meinungen und Schlussfolgerungen. Genau das zeigen die beiden Aussagen in Ihrer Frage, die grundsätzlich deckungsgleich sind, wenn man sie richtig versteht. Die erste wird durch das kalte und fahle Mondlicht beleuchtet. Die zweite erstrahlt durch das helle und warme Sonnenlicht. Wie sieht Ihr Menschenbild aus? Die menschliche Natur bewegt sich ständig zwischen zwei entgegengesetzten Polen. Am wärmeren Pol verfügt sie über ein grosses Potenzial für Kooperation und die Gestaltung tragfähiger Beziehungen. Auf dem kälteren Südpol finden sich eine grenzenlos egoistische Dynamik und egozentrische Selbstbehauptung. Schon in der Antike hat Sophokles in seiner Tragödie «Antigone» den Chor sinngemäss singen lassen: «Ungeheuer ist vieles, doch es gibt nichts Ungeheureres als den Menschen.» Wenn wir an gegenwärtige Kriege und Ereignisse denken: Haben sich die Menschen im Umgang miteinander tatsächlich wesentlich weiterentwickelt? Sie haben Karrieren zerstört. Keine Reue? Ich habe nie absichtlich eine Karriere zerstört. Ich habe Spielern und Trainern mitgeholfen, tolle Karrieren zu machen. Aber es ist mir auch zu oft nicht gelungen, Talenten zum Durchbruch zu verhelfen. Das hätte ich besser machen müssen. Da sind mir zu viele Fehler unterlaufen, das tut mir leid. Haben Sie eine weiche Seite, die Sie im Fussball erfolgreich versteckt haben? Alle Menschen verfügen über einen weichen Kern. Bei Filmen kommen mir oft Tränen, im realen Leben eher selten. Empathie ist sicher nicht meine Kernkompetenz. Erfolg ist im Fussball wichtiger als Freundschaften. Mich muss man über die Erfolge beurteilen, die meine Klubs erreicht haben. War Giovane Elber Ihr bester Transfer? Ich denke es. Leider gab mir der damalige GC-Chef Werner Spross die 2 Millionen Franken nicht, um Elber fix zu kaufen, er gehörte der AC Milan. Ich rief dann den früheren GC-Trainer Ottmar Hitzfeld in Dortmund an und sagte ihm, dass er Elber holen müsse, 2 Millionen Franken für Milan, 200 000 für GC. Ottmar hatte aber starke Stürmer. Also kontaktierte ich den Bayern-Manager Uli Hoeness und überredete ihn, ein Spiel von uns schauen zu kommen, weil Giovane Weltklasse sei. Wir spielten in Lugano, Uli kam zu spät, weil er den Flieger verpasst hatte. In der ersten Halbzeit war Giovane stark und schoss ein Tor, nach der Pause verteidigten wir nur noch. Uli war skeptisch. Giovane ging dann für etwa 4 Millionen zu Stuttgart und nachher für 14 Millionen doch noch zu den Bayern. Das musste ich natürlich später ansprechen. Wie lief das? Ich besuchte Ottmar, der mittlerweile bei den Bayern war. Es war Freitagabend im Teamhotel am Tag vor einem Bayern-Heimspiel. Ottmar sagte mir und Uli, dass Giovane der einzige Spieler von Weltklasseformat in seiner Mannschaft sei. Das war eine Genugtuung für mich. Sie sind bei GC immer noch einflussreich. Wird Fredy Bickel neuer CEO? Fredy kennt GC und die Liga, ist erfahren. Aber wenn der Vogel jetzt öffentlich Ratschläge erteilt, ist das für keinen Kandidaten hilfreich. Die neuen amerikanischen Besitzer sind für GC ein Lottofünfer, der zum Lottosechser werden kann, wenn die richtigen Leute in der Führung eingesetzt werden. Die Präsentation der Amerikaner war top, sehr professionell. Die verstehen, wie man eine stark beschädigte Marke wieder aufbauen muss. Ein Problem ist: GC verliert jedes Jahr 5 bis 10 Millionen Franken, bis das neue Stadion steht. Das muss nicht so sein. Wenn du gut arbeitest, kannst du mit Transfereinnahmen viel Geld verdienen. Zeki Amdouni brachte Basel fast 20 Millionen ein, er ging zum schlechtesten Team in der Premier League. In der Conference League bekommst du als Teilnehmer rund 5 Millionen pro Saison, in der Europa League 10, in der Champions League 40, diese Beträge verdoppeln sich in den nächsten Jahren. GC und Champions League – schwierig. Los Angeles ist der Hotspot der Unterhaltung und des Sports. Wer sich in dieser Stadt durchsetzt, muss vieles richtig gemacht haben. Zürich ist ebenfalls reich, weltoffen und mächtig. Die Amerikaner wissen genau: Mit Google, Apple, Microsoft und Disney haben vier der fünf grössten Konzerne der Welt eine sehr starke Präsenz in Zürich. Auch Huawei und andere Grosskonzerne sind hier. Die chinesischen Besitzer haben bei GC 35 Millionen verlocht, weil sie viele Fehler gemacht haben. Was war Ihr grösster Fehler? Mit Abstand: Leo Beenhakker 1992 als GC-Trainer verpflichtet zu haben. Ich bin seit 1952 bei GC, der legendäre Fredy Bickel war jahrelang mein Juniorentrainer, ich habe alle Teams seither gesehen. 1992 hatten wir das beste Kader der GC-Geschichte. Und dann kam dieser Beenhakker, vorher unter anderem bei Real Madrid und niederländischer Nationalcoach. Und der grosse Erich Vogel hat sich getäuscht? Überhaupt nicht. Im Gegenteil. Ich akzeptierte ihn nicht, ich hasste ihn, weil ich immer ein Fan der Johan-Cruyff-Schule war, Beenhakker aber diesem scheusslichen Rinus-Michels-Fussball zugewandt war. Der einflussreiche Journalist Mario Widmer vom «Blick» rief mich an und sagte, dass es mit Oldrich Svab, der nach Ottmar Hitzfeld als Trainer zu GC gekommen war, nicht weitergehe. Er sagte, er habe einen, diesen Beenhakker, den müsse ich holen. Ich sagte: «Niemals, Mario!» Widmer meinte, wenn es mit Beenhakker nicht klappe, sei ich unschuldig, das sei ein berühmter Trainer. Sonst würde es auch für mich eng. Das war einleuchtend für Sie? Ich war ein Feigling und habe Beenhakker für acht Monate engagiert, um meinen Kopf zu retten. Mir war damals nicht bewusst, dass Beenhakker meine totale Abneigung gegen ihn spüren könnte und ich ihm damit die Arbeit ungemein erschweren würde. Mein Ego war stärker als meine Vernunft. Die Niederlage in Bern gegen YB im Dezember 1992, als wir in die Abstiegsrunde mussten, war der schlimmste Moment in meiner Karriere. Aber diese Erfahrung war wertvoll für mich, weil ich danach noch rücksichtsloser wurde – oder eben durchsetzungsstärker. Als nächsten Trainer holte ich Christian Gross vom kleinen FC Wil. Das war mutig, das hätte mich meine Karriere kosten können. Sie haben viele Spieler und Trainer wie Christian Gross bedingungslos gefördert. Wie stolz sind Sie auf den Werdegang von Murat Yakin? Ich holte ihn mit 17 aus der Lehre und habe immer an ihn geglaubt. Er ist wie ich. Direkt, schnell, ohne Angst. Er musste früh eine unglaubliche Verantwortung übernehmen. In seinem Clan sind 50 Leute, 45 wollen von ihm profitieren. Mir hat immer imponiert, dass eine Frau diesen Clan geführt hat. Doch der enorme Einfluss der Mutter auf Murat hatte auch seine Schattenseiten. Sie hat oft an seinen Stolz appelliert – und dieser Stolz hat ihm einige Male geschadet. Stolz ist meist mit mangelnder Anpassungsfähigkeit verbunden. Aber ich finde es toll, wie sehr Murat seine Mutter verehrt hat. Ich habe auch ein sehr positives Frauenbild. Was hat Sie geprägt? Ich verehrte meine Schwester, die mich hauptsächlich erzogen hat. Ich hatte zwei tolle Ehefrauen, mit der ersten war ich 28 Jahre verheiratet. Meine zweite Frau hatte Krebs, ich musste sie in den Tod begleiten, das war hart. Da kam ich erstmals an meine Grenzen, diese Erfahrung hat mein Leben drastisch verändert. Sie gelten als Vaterfigur von Murat Yakin. Stimmt dieses Bild? Nein. Ich hatte nie ein Kind. Mit der zweiten Frau, die deutlich jünger war als ich, hatte ich ein Baby, das nur einen Tag überlebte. Es war eine Frühgeburt, nach 24 Wochen schon, wahrscheinlich ausgelöst durch den Krebs, der im Körper schon wucherte. Mit Muri bin ich einfach schon seit langem eng verbunden. Waren Sie überrascht, dass Yakin Nationaltrainer bleiben durfte? Ich war erstaunt und hatte nach den schwachen Länderspielen 2023 auch gedacht: Jetzt erwischt es Muri. Das wäre ungerecht gewesen. Die schwache Figur im SFV ist Pierluigi Tami, der Chef von Yakin. Er ist nett, aber ein Versager und überfordert. Tami wollte Muri entlassen, aber spürte, wie der Wind im Verband weht. Murat wird ihn nie ernst nehmen. Warum ist Yakin ein guter Trainer? Er ist ein brillanter Taktiker. Aber man muss ihm kompetente Mitarbeiter an die Seite stellen. Nicht einen Assistenten wie Vincent Cavin, der nur Tamis Spion war. Es braucht einen wie einst Walter Grüter, dem Muri vertraut und auf den er hört. Muri war als Spieler selbst der grösste Zocker, leistete sich viele Freiheiten, der Nationaltrainer Köbi Kuhn hat oft ein Auge zugedrückt. Und Murat war als Fussballer eine Herausforderung. Ich zeige Ihnen einmal, was er mit 20 bei GC über seinen Trainer Christian Gross sagte. Das berühmte Interview im «Tages-Anzeiger». Ja. Sehen Sie, 3. September 1995: Muri über Christian, ich war GC-Sportchef. «Der Trainer ist einer der Menschen, die mich überhaupt nicht kennen.» Oder: «Für mich ist es schwierig, mit dem wichtigsten Vorgesetzten in einem Spannungsverhältnis zu arbeiten.» Und: «Ich bin schon ein paar Mal vom Trainer enttäuscht worden.» Und auch: «Ich bin mit dem Trainer ziemlich oft nicht einverstanden. Mehrmals hatten wir Streit wegen Positionen, die ich spielen sollte. Ich gehöre nicht auf die Seite. Ich denke, ein Spieler sollte da eingesetzt werden, wo er am besten ist. Ich gehöre ins Zentrum.» Klingt genau gleich wie heute zwischen Yakin und seinem Captain Granit Xhaka. Man gibt gerne weiter, was man erlebt hat. Der Konflikt zwischen Yakin und Xhaka ist nicht lösbar. Beide sind stur. Also muss man die beiden coachen. Wie ich damals Gross und Yakin. Tami kann das nicht. Wobei man sagen muss: Gross hat damals souverän reagiert und war nicht im Stolz verletzt. Es geht bei diesem Konflikt ebenfalls darum, dass Xhaka im Zentrum vor der Abwehr spielen will. Wie 1995. Stolz, Eitelkeit, Macht, Neid, Missgunst. Granit ist nur dann stark im defensiven Mittelfeld, wenn die Mannschaft dominant ist. Wie bei Bayer Leverkusen. Die Schweiz ist nicht immer dominant. Warum holte Arsenal im letzten Sommer Declan Rice für 112 Millionen Franken für die Position vor der Abwehr? Granit hat gespürt, dass er bei Arsenal weiter in Rollen spielen muss, die er nicht mag. Darum ging er. Also hat Murat Yakin recht? Vielleicht können auch beide im Recht sein. Darum geht es nicht. Muri denkt, er habe kein Problem mit Granit. Hat er aber. Bei ihm ist die Taktik immer wichtiger als der Mensch. Mit Granit geht das nicht. Der beste und mächtigste Spieler einer Mannschaft muss immer auf seiner Lieblingsposition spielen. Gerade im Nationalteam. Selbst wenn die stärksten Auftritte der Schweiz unter Muri jene waren, als Granit fehlte. Wenn Muri nicht einen Schritt auf Xhaka zugeht, wird es an der EM zu einem Desaster kommen. Und er muss auch ein paar andere Probleme lösen. Woran denken Sie? Manuel Akanji und Fabian Schär sind hervorragende Abwehrspieler. Sie spielen in ihren Klubs auf europäischem Topniveau, im Nationalteam aber zwei Klassen schlechter. Beide sind vom Naturell her keine Abwehrchefs. Murat Yakin muss es gelingen, dass Akanji und Schär gerne miteinander spielen. Und Ricardo Rodriguez sowie Xherdan Shaqiri haben viel von ihrer Dynamik eingebüsst. Muri ist gefordert, Lösungen zu finden, bei denen die beiden nicht mehr immer gesetzt sind. Mir ist klar, dass das gerade bei Shaqiri wegen seiner grossen Verdienste schwierig wird. Das wird für den Trainer eine gewaltige Challenge. Sie haben auch einmal beim FC Basel gearbeitet. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des FCB? Die Degen-Brüder sind Chaoten, aber ich mag sie. Sie haben Mut. David und Philipp Degen haben vielleicht 20 Millionen Vermögen, davon investieren sie 16 Millionen in den FCB. Hätte ich 20 Millionen, würde ich 19 in GC investieren. Also bin ich noch der grössere Vogel als die Degens. Und was sehen Sie, wenn Sie in die Zukunft des Fussballs schauen? Die künstliche Intelligenz wird die Welt verändern wie noch nie etwas anderes vorher. Mit KI wird ein Abseits bald in einer Tausendstelsekunde erkennbar sein. Und die Handsregel muss wieder sein wie früher: Absicht oder keine Absicht? Fussball ist das wundervollste Spiel der Welt, warum machen wir es so kompliziert? Ich habe eine Idee, die den Fussball revolutionieren würde. Klingt interessant. Schaffen wir das Abseits ab! Als Fussball-Romantiker fällt es schwer, diese Idee charmant zu finden. Was hat Romantik im Fussball zu suchen? Es geht darum, den Sport noch attraktiver zu machen. Der Fussball hat die grössten Tore im Sport, wir haben das grösste Spielfeld, aber überall fallen mehr Tore, oder es gibt mehr Punkte: Im Eishockey, Handball, Basketball, American Football, sogar im Baseball. Im Fussball sind es keine drei Tore pro Begegnung. Das ist absurd. Wir sind doch Idioten, lassen wir solche Resultate zu. Die Aufmerksamkeitsspanne des Menschen nimmt ständig ab, es braucht immer schneller neue Reizpunkte. Die junge Generation wird ein 0:0 nicht mehr interessant finden. Wir sind doch schizophren, ändern wir nichts. Kein Abseits bedeutet: mehr Möglichkeiten, mehr Spektakel, mehr Tore. Sie werden in zwanzig Jahren an meine Worte denken! Wir haben sehr lange geredet. Wie oft haben Sie gelogen? Wirklich gelogen: nie. Es gibt viele Wörter und Verhaltensweisen zwischen Lüge und Wahrheit. Aber ich habe Ihnen tatsächlich nicht alles für die Öffentlichkeit freigegeben, was ich weiss. Manchmal habe ich Ihnen nicht widersprochen, obwohl ich anderer Meinung war. Ich habe einiges netter formuliert, als ich es gedacht habe. Manches habe ich zugespitzt, um origineller zu sein. Einigen Fragen bin ich etwas ausgewichen, denn sie erfordern von mir ein vertieftes Nachdenken. Aber ich habe weder geschummelt, getäuscht, fingiert, verfälscht, verdrängt noch manipuliert. Mehr Ehrlichkeit war mir nicht möglich! Erich Vogel war Trainer, Funktionär, Sportchef Erich Vogel ist auch mit 85 Jahren noch schnell, belastbar und wortgewaltig – das Treffen in seiner Wohnung in Uitikon-Waldegg dauert rund fünf Stunden. Vogel wuchs als Metzgersohn in Zürich auf und studierte Literatur, Soziologie und Theater in Zürich und Paris. Er trat bereits 1952 den Grasshoppers bei. Als Fussballer schaffte Vogel den Sprung in die erste Mannschaft nicht («Ich war zu weich»), legte danach aber als Trainer, Funktionär und vor allem als Sportchef jahrzehntelang eine bemerkenswerte Karriere hin. Er arbeitete unter anderem für die Fifa, den SFV, für Xamax, Aarau, Basel, Zürich und immer wieder für GC – und gewann viele Titel. Im Herbst 2013 sass Vogel wegen Anstiftung zur Erpressung des damaligen YB-Sportchefs Fredy Bickel zwanzig Tage in Untersuchungshaft.
Avatar von DaveDaveMitglied
15.02.2024, 08:54 · #2'013
Beiträge: 8'210
Ach ja, der Erich der Besserwisser. War da mal nicht der Fall Volker Eckel?
«Wenn jemand sagt, der FCZ sei kein Spitzenklub, habe ich Mühe, weiterzudiskutieren.» Ancillo Canepa
ArtemosMitglied
15.02.2024, 15:41 · #2'015
Beiträge: 1'501
Lädt bei mir nicht, was steht da? E: Jetzt hats geladen.
GlaronaMitglied
15.02.2024, 15:56 · #2'016
Beiträge: 13'396
Lädt bei mir nicht, was steht da? E: Jetzt hats geladen. Geht bei mir nicht. Hoppla?
chnobliMitglied
15.02.2024, 16:18 · #2'017
Beiträge: 10'418
Lädt bei mir nicht, was steht da? E: Jetzt hats geladen. Geht bei mir nicht. Hoppla? Investorenabstimmung Kurz: Alles zusammengenommen muss festgestellt werden: Der Beschluss der DFL ist nicht wirksam, was mittlerweile auch zahlreiche Sportrechtsexperten bestätigen, weil die DFL-Verantwortlichen die eigene Satzung betreffend der 50+1-Regel missachten und das uneingeschränkte Weisungsrecht des Muttervereins nicht sichergestellt, sondern sogar proaktiv selber eingeschränkt haben.
GlaronaMitglied
15.02.2024, 16:35 · #2'018
Beiträge: 13'396
Lädt bei mir nicht, was steht da? E: Jetzt hats geladen. Geht bei mir nicht. Hoppla? Investorenabstimmung Kurz: Alles zusammengenommen muss festgestellt werden: Der Beschluss der DFL ist nicht wirksam, was mittlerweile auch zahlreiche Sportrechtsexperten bestätigen, weil die DFL-Verantwortlichen die eigene Satzung betreffend der 50+1-Regel missachten und das uneingeschränkte Weisungsrecht des Muttervereins nicht sichergestellt, sondern sogar proaktiv selber eingeschränkt haben. Merci Findi guät.
Simon Le BonMitglied
20.02.2024, 08:58 · #2'019
Beiträge: 731
Ach ja, der Erich der Besserwisser. War da mal nicht der Fall Volker Eckel? Die Story wird heute vom angeblichen GC-Schifferle e nochmals in all ihren so erstaunlichen wie doch auch wunderbaren Facetten dargelegt. https://www.tagesanzeiger.ch/gc-und-vol ... 6790623145 (Bezahlschranke).
Avatar von roliZroliZMitglied
20.02.2024, 14:07 · #2'020
Beiträge: 1'820
Ach ja, der Erich der Besserwisser. War da mal nicht der Fall Volker Eckel? Die Story wird heute vom angeblichen GC-Schifferle e nochmals in all ihren so erstaunlichen wie doch auch wunderbaren Facetten dargelegt. https://www.tagesanzeiger.ch/gc-und-vol ... 6790623145 (Bezahlschranke). Ja, das war ein Schock, als ich diese Schlagzeilen las. Zum Glück entpuppte sich das als Fake. Und zum Glück ging dieser Kelch an uns vorbei. Bin mir nicht sicher ob unsere Chefs da nicht auch reingefallen wären. Narzissten können seeehr überzeugend sein. Siehe Trump oder Benko
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