Der Mehmet hatte eben doch recht!
"Die Tedescos, die Wolfs, sie sprießen aus dem Boden, und der deutsche Fußball wird sein blaues Wunder erleben."
http://www.spiegel.de/sport/fussball/mehmet-scholl-kritik-an-trainerausbildung-des-deutschen-fussball-bunds-a-1182515.html
Einmal davon abgesehen, dass Scholl als Trainer bisher überhaupt nichts gerissen hat und ausserhalb der geschützten Werkstatt im Bayern-Nachwuchs (trotz UEFA Pro Lizenz!) nie eine Mannschaft trainiert hat: Was hat der Artikel überhaupt mit der WM 2018 zu tun? Ist Löw ein junger Laptop-Trainer? Sind Özil, Reus, Werner, Brandt oder Draxler Spieler, die sich schon seit der D-Jugend nicht mehr getrauen ins Dribbling zu gehen? Vom Polemiker Scholl kann man halten was man will, aber mit dem Ausscheiden der "Mannschaft" bei der WM hat die Trainerausbildung überhaupt nichts zu tun.
Wenn Scholl sich über Trainer wie Wolf oder Tedesco auslässt, dann kann ich das in etwa so ernst nehmen, wie wenn Gygax das Coaching von Favre kritisieren würde. Vielleicht ist er aber auch einfach nur gefrustet, dass laufend andere, jüngere Trainer (ohne den Bonus einer grossen Spielerkarriere) den Sprung vom Nachwuchsbereich in die Bundesliga schaffen und er seit 2013 auf ein Angebot wartet.
Das zu interpretieren hängt aus meiner Sicht ein Stück weit von der jeweiligen Filtrationsblase ab. In dem Fall die Frage Theorie und Praxis. Wie jeder, der für Geld seinen Arsch hinhält stoche auch ich im Berufsleben immer wieder an genau dieses Thema, wieviel "Praktiker" und wieviel "Theoretiker" brauchts. Auf den Praktiker Scholl zu schiessen um seine Aussage zu diffamieren ist ein Ansatz (nicht persönlich gemeint!), auf den Theoretiker Scholl wäre vielleicht ein anderer Ansatz, im schlimmsten Fall auf den Mensch Scholl (hat da ja auch keine weisse Weste).
Zum Inhalt:
Aus meiner persönlichen Erfahrung muss ich Scholl in soweit recht geben, als das eine Mannschaft, die den Titel verteidigen will, nicht rein auf Ebene "Theorie" diesen holen kann. Dazu braucht es zusätzlich andere Reizpunkte. Plus das so ein Gefüge natürlich ein Stück weit fragiler ist als eine "erfolgshungrige/noch ohne Titel" spielende Mannschaft. Da kann man nach oben schauen und sich aufreiben, während die wo oen sind eher von "Verlustangst" geprägt sind. Das erklärt eventuell ein Stück weit das Auftreten der Deutschen Mannschaft. Man hat zu sehr auf Statistiken gespielt und gedacht, nur über die Anzahl an Torchancen (die meisten glaubs aller Teams gemäss Statistik wie in einigen Statistiken zu lesen war) gewinnt man und kann so den Titel verteidigen. Da in den latzten WM`s jedoch schon zu sehen war, wie gefährlich diese Gradwanderung ist anhand dem Ausscheiden der anderen Titelträger jeweils in der Vorrunde, muss und stellt man Löw zurecht in Frage.
Der Rest ist eben eine Generationsfrage, Energie vs Erfahrung...aus meiner Sicht muss beides kombiniert und offen die jeweilige Rolle kommuniziert werden. Aber Filtrationsblasen wird man onehin immer generieren, auch bei Scholls Artikel;-)