Stolz auf Zürich

24 Antworten · 4'870 Aufrufe · Seite 2 von 2
floMitglied
27.11.2002, 11:38 · #21
Beiträge: 2'424
es sind genau die privilegierten Salon-Linken mit Studienabschluss, sicherer Zukunft und klugscheisserischen Worten, welche der SVP fast 50% der Bevölkerung in die Arme treiben. Die Linke hat Fehler gemacht und macht immer noch Fehler, gerade in der Kommunikation. Das steht für mich ausser Frage. Dennoch kann man nicht der Linken die Schuld am hohen Jastimmen-Anteil geben: Sie hat sich wenigstens gegen die Initiative engagiert. Während CVP und FDP sich aufs Nichtstun beschränkt haben. So haben denn auch sowohl die armen Regionen der Schweiz (Wallis, Jura) als auch die linken Hochburgen (Romandie, Zürich, Bern, Basel) die Initiative deutlich abgelehnt. Es wurde weiter oben die Frage gestellt, wer denn ja stimmen konnte. Hier ein Beispiel aus meinem Bekanntenkreis: geschiedene Migros-Verkäuferin, Monatslohn Fr. 3'300.--, leicht behinderter Sohn, der keine Lehrstelle findet und dem kürzlich die Unterstützung für einen weiteren Schulbesuch gestrichen worden ist. Die ist total frustriert. Ausländische Jugendliche erhalten gratis Deutsch-Unterricht und nehmen ihrem Sohn die Lehrstellen weg. Für ihren Sohn ist kein Geld mehr da. Das ihre zugegebenermassen einfache Sicht. Aber es sind genau diese Leute, die ja gestimmt haben. Niemand nimmt ihre Sorgen ernst, niemand holt sie mit ihren Problemen ab. Ich verbiete mir den Vorwurf, dass ich und die SP ihre Sorgen nicht ernst nehmen. Einige Beispiele von SP-Initiativen, von denen diese Frau und ihr Sohn konkret profitieren würden: Lehrstellen-Initiative für mehr Lehrstellen, Gesundheits-Initiative für einkommensabhängige Krankenkassenprämien, kantonalzürcherische Initiative für tiefere Steuern für niedrige Einkommen, Initiative für gleiche Rechte für Behinderte (ist nicht von der SP, doch unterstützt sie die SP als einzige grosse Partei), und so weiter. Dass die SVP - wie auch CVP und FDP - sich gegen diese Initiativen aussprechen, vesteht sich von selbst. Schliesslich bleiben dann weniger Gelder für Steuergeschenke für die Reichsten. (Im Kanton Zürich haben FDP und SVP beispielsweise die Vermögenssteuer so gesenkt, dass 0.8 Prozent der Bevölkerung 51% der Steuergeschenke erhalten.) Dass in der wirksamen Kommunikation unserer Anliegen Defizite bestehen, streite ich nicht ab. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir die Sorgen dieser Menschen ernst nehmen und uns für wirksame Lösungen einsetzen. Eigentlich wäre das ja die "Kundschaft" der linken Parteien. Aber deren Vertreter gefallen sich lieber in medienwirksamem pseudointelektuellem Palaver über irgendwelchen Multi-Kulti-Scheiss und fühlen sich unendlich gut dabei. Das Feld der vielen Frustrierten überlassen sie grosszügig der SVP. Wenn da nicht endlich Gegensteuer gegeben wird, kommt es noch schlimmer, erhält die SVP noch mehr Zulauf. Die Salon-Linken sollten sich weniger mit der psychischen Befindlichkeit der unterdrückten Schwulen in Westafrika und mehr mit den alltäglichen Sorgen der Schweizer Familien beschäftigen. Der Einsatz für soziale Gerechtigkeit in der Schweiz schliesst den Einsatz für soziale Gerechtigkeit auch im Ausland nicht aus: Es braucht beides. Dass du die Entwicklungshilfe, von der das Leben vieler Menschen abhängt, mit dem Hinweis auf "die Befindlichkeit der unterdrückten Schwulen in Westafrika" lächerlich machst, lassen wir als gröberen Ausrutscher mal unkommentiert. Zudem sollten endlich die kriminellen Asylbewerber mit aller Härte angefasst werden. Das würde schon wesentlich zur Verbesserung der Stimmung beitragen. Hier haben wir keine Differenzen. Ich hatte gegenüber Kriminalität immer eine klare Haltung. Freilich müssen im Interesse der Schweizer Bevölkerung auch die Ursachen der Kriminalität bekämpft werden. Leider sieht das die SVP anders. Wenn nämlich die SVP-Initiative verlangt, dass an Flüchtlinge keine Medikamente abgegeben werden (sofern keine unmittelbare Todesgefahr besteht), so ist dies nun mal kriminalitätsfördernd, da dann halt das notwendige Geld auf illegale Art und Weise beschafft wird. Ich weiss, ist ein Fussballforum hier. Aber Deinen Beitrag konnte ich doch nicht unbeantwortet lassen. Und in einem sind wir uns ja einig: die Initiative war abzulehnen. Ich bin durchaus der Meinung, dass dieses Forum hie und da einen Off-Topic-Beitrag erträgt. Zumal bezüglich Themen, die für die Schweiz - und auch für den FCZ, siehe EM-Kandidatur oder David Opango - von eminenter Bedeutung sind. Gruss Flo
Rocco-RavioliMitglied
27.11.2002, 11:55 · #22
Beiträge: 18
Tut mir Leid, dass ich nochmals meinen Senf dazugebe.... Aber ich denke ein weiteres Problem der SP ist, dass die meisten Parlamentarier und gewählte Exekutivorgane aus ganz anderen Schichten kommen, als die Menschen die sie vertreten wollen. Schau Dir das Kantonsparlament an, wieviele SP-Parlamentarier haben dort noch Dreck unter den Fingernägeln? Als Büezer fühle ich mich besser von einem Kleingewerbler vertreten, der meine Sorgen kennt, als von einem Mittelschullehrer oder einem Verwaltungsangestellten. Klar weiss ich, dass meine Argumentation sehr bauchlastig ist und nicht gerade objektiv. Ich finde es braucht sowohl linke wie auch rechte Parteien und lehen deshalb weder die eine noch die andere Seite grundsätzlich ab. Aber wenn die Linke in der Schweiz nicht langsam aufpasst und sich ein wenig an der Nase nimmt, läuft sie Gefahr, wie in GB und Deutschland passiert, ganz und gar ihr Gesicht zu verlieren und die Folge davon wäre dann ein Rechtsrutsch, welcher dann sehr unangenehme Folgen haben könnte (man schaue sich nur mal mal die Reden verschiedener einschlägigen Exponenten an).... Aber jetzt wieder zurück zum Fussball... rocco
floMitglied
27.11.2002, 12:17 · #23
Beiträge: 2'424
Aber ich denke ein weiteres Problem der SP ist, dass die meisten Parlamentarier und gewählte Exekutivorgane aus ganz anderen Schichten kommen, als die Menschen die sie vertreten wollen. Schau Dir das Kantonsparlament an, wieviele SP-Parlamentarier haben dort noch Dreck unter den Fingernägeln? Als Büezer fühle ich mich besser von einem Kleingewerbler vertreten, der meine Sorgen kennt, als von einem Mittelschullehrer oder einem Verwaltungsangestellten. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass viele soziale Schichten in der Politik untervertreten sind. Dies ist zugegebenermassen auch ein Problem der Linken. Jedoch nicht ausschliesslich - im Gegenteil: Die bürgerlichen Bundesparlamentarier haben z.B. durchschnittlich nicht weniger als 3 Verwaltungsratsmandate inne (Stand 1999)... Da wird der angesprochene Mittelschullehrer geradezu wieder volksnah im Vergleich... Meine Eltern sind übrigens auch selbständigerwerbende Kleingewerbler. Diese Welt ist mir also alles andere als fremd; auch ich komme von "unten". Gruss Flo
Rocco-RavioliMitglied
27.11.2002, 13:26 · #24
Beiträge: 18
Gut das mit den Verwaltungsratsmandaten ist so eine Sache.... aber diese Partei hat im Moment sowiso nichts zu lachen, sie verliert meistens und freuen tut's die Volkspartei... Aber Floh versteh mich nicht falsch, es ging mir nicht darum Dich runter zu machen oder so... Es war mehr als meine eigene politische Einschätzung gemeint... Gruss, Rocco
floMitglied
27.11.2002, 13:48 · #25
Beiträge: 2'424
Gut das mit den Verwaltungsratsmandaten ist so eine Sache.... aber diese Partei hat im Moment sowiso nichts zu lachen, sie verliert meistens und freuen tut's die Volkspartei... Ist auf alle bürgerlichen Parteien bezogen, nicht nur auf die Freisinnigen. Bei der FDP warens im Schnitt 3.18 Verwaltungsratsmandate pro Parlamentarier, bei der SVP 2.79 und bei der CVP 2.59. Ist also in dieser Beziehung Hans was Heiri. Aber Floh versteh mich nicht falsch, es ging mir nicht darum Dich runter zu machen oder so... Es war mehr als meine eigene politische Einschätzung gemeint... Das ist schon klar, hab's auch nicht persönlich empfunden. Gruss Flo
Melde dich an, um auf dieses Thema zu antworten.