Medienberichte / Kommentare

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pexitoMitglied
03.03.2008, 14:39 · #1
Beiträge: 3'138
Hab mal einen Thread eröffnet für allgemeine Fussballberichte / Kommentare. Diesen hier stammt von der Feder eines gewissen Patrick Mäder... 03.03.2008 Verdammter Strich Schlusslicht Thun wäre momentan unter dem Strich. Wenn ich mich richtig erinnere, war es im Spätherbst 1992, in der Hochblüte des Strichs, der die Fussballrangliste der Schweizer NLA damals in oben und unten, in Final- und Abstiegsrunde, in die Ränge 1 bis 8 und 9 bis 12 trennte. Oder anders ausgedrückt: in gut und schlecht, in Helden und Versager. Der FC Zürich hatte ein Heimspiel, war aber derart unter Strichdruck, dass das Team sich jeweils schon einen Tag vor der Partie ins Hotel Panorama zurückzog, der heutigen Nati-Basis in Feusisberg zwanzig Autominuten vom Letzigrund entfernt. Die schöne Panorama-Aussicht von dort oben hinunter auf den Zürichsee interessierte uns Spieler damals nicht. Unsere Blicke schweiften nicht über die Landschaft, sondern starrten gebannt auf Teller und Besteck, die unheilvoll vor uns auf dem kleinkarierten Tischtuch lagen. Im Esssaal war es derart still, dass es weh tat. Appetit hatte keiner. Schamhaft kreuzten sich Messer und Gabel oder kratzten sachte an den Tellerböden, da und dort wurde vorsichtig ein Stuhl gerückt oder räusperte sich einer verstohlen: mehr gabs nicht zu hören. Die Stimmung war zum zerreissen gespannt. Sie war miserabel; kein Lachen, kein Wort, kein Körperkontakt, kein positiver Gedanke. Jeder in sich versunken. Gebannt in der Hoffnung, es möge nicht zu schlimm kommen am nächsten Tag. Der nächste Tag war Strichkampftag. Fussball machte uns keinen Spass. Die Kunst des Spiels wurde in den Teamsitzungen gar nie angesprochen, schon gar nicht gefordert. Wen interessiert die, wenn allein das Resultat über Sein oder Nichtsein entscheidet? Punkte (damals gab es noch zwei pro Sieg) mussten her. Ganz egal wie. Kein Wunder, waren unsere Kicks meist unterirdisch schlecht. Wir hatten die präsidialen Drohungen im Nacken, einen disziplinierenden Strafenkatalog für Verfehlungen im Kopf und unerklärbare Unsicherheit in Händen und Füssen. Wir waren am Arsch und nicht die einzigen. Jedes Jahr im Herbst wars das gleiche Drama: Fast alle Teams mussten zittern, um sich im Dezember unter die ersten Acht retten zu können. Diesem verdammten Strich konnte sich einfach keiner entziehen. Die Verantwortlichen kämpften verzweifelt, kauften neue Spieler. Irgendwelche halt, die grad zu haben waren um diese Jahreszeit. Oder sie ersetzten den Trainer durch einen harten Hund, für den kurzfristigen Erfolg, der Finalrunde hiess. Blinder Aktionismus. Ein Strichgebaren, das nicht nur den FC Zürich in finanzielle Nöte brachte. Aber nur der FC Zürich hatte einen Sven Hotz, den finanzstarken und herzensguten Präsidenten, der die roten Löcher stopfte. Der Schweizer Fussball schlitterte in eine grosse Krise. Die Klubs verloren Kontrolle und Vernunft. Ihre verzweifelte Suche nach Geld machte die NLA zum Treff- und Tummelplatz von dubiosen Gestalten, die ein freundliches Gesicht zu unlauteren Absichten machten, auf schnelle Publicity aus waren, sich in der Rolle des vermeintlichen Rettungsengel gefielen oder schlicht die grosse Kohle durch ein glückliches Transfergeschäft witterten. Furchtbare Zeiten, die zum Glück vorbei sind. Vorbei? Leider nein, kürzlich erschallte der Ruf nach der Rückkehr des Strichs. Es war zu vernehmen, dass die «Swiss Football League» (so heisst das heute) ganz konkret an diesem Projekt arbeite und dass die Chancen für eine Rückkehr des Strichs in den Schweizer Fussball sehr gross seien. Auf den ersten Blick ist die Idee legitim. Mit dem Strich wird künstliche Spannung und zusätzliche Brisanz erzeugt. Das gibt Schlagzeilen, die den einen oder anderen Zuschauer mehr ins Stadion locken wird. Aber es ist auch ein Eingeständnis: Denn eine Liga, die künstlich Spannung erzeugen muss, ist qualitativ eine schlechte Liga und gesteht dies selber ein. Die Strich-Idee passt also so gar nicht zum neuen grossartigen Selbstbewusstsein, dass sich der Schweizer Fussball durch erfolgreiche Auslandtransfers vieler Spieler und guten Leistungen unserer Nationalmannschaften in den letzten Jahren erschaffen hat. Die Probleme, welche den Strich im Jahr 2003 nach 16 Jahren der Angstherrschaft zum Verschwinden zwangen, werden bei seiner Rückkehr an die Macht wieder dieselben sein. Er wird Trainern den Schlaf und manch einem den Job rauben. Präsidenten zum finanziellen Spagat zwingen. Jedem vernünftigen Wirtschaftsplan einen Strich durch die Rechnung machen. Zu Panikeinkäufen verleiten, welche selten zum Erfolg führen, aber immer den eigenen Talenten schaden, welche auf der Bank versauern, weil die Verantwortlichen keine Zeit mehr für den langfristigen Aufbau haben. Und nicht zuletzt wird der Strich, weil nur noch das Ergebnis zählt, vielen Spielern den Spass am Fussball verderben. Und den Appetit. Patrick Mäder, 43, ehemaliger FCZ-Goalie, heute Chefredaktor des Sportmagazin
GlobesternMitglied
03.03.2008, 14:49 · #2
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super artikel.. hut ab! den strich zurück? damit noch mehr teams konkurs gehen und das niveau der NLA (wieder) sinkt? nein danke..
FigeMitglied
03.03.2008, 20:33 · #3
Beiträge: 1'279
Ein guter Artikel. War auch geschockt, als ich vor einer Woche von den Plänen des Herrn Stadelmann hörte, den "Strich" wieder einzuführen. Nein, diesen verkrüppelten Modus mit der anschliessenden Punktehalbierung in der Finalrunde, der die im Herbst stark aufspielenden Teams bestraft, möchte ich nie wieder sehen im Schweizer Fussball. Eine Fussballmeisterschaft hat aus einer Vor- und Rückrunde zu bestehen wo am Ende der Meister, die Europacup-Teilnehmer sowie die Absteiger feststehen und nichts anderem.
SlorMitglied
03.03.2008, 20:42 · #4
Beiträge: 679
Na ja, man muss ja nicht gleich den Strich wieder einführen, aber welche Spannung bringt eine Saison, in der die Teams von Platz 7 - 9 schon 10 Runden vor Schluss praktisch und faktisch gesichert sind? Und ob die in Ruhe essen und den Zürichsee geniessen können ist mir eigentlich auch Jacke wie Hose... Oder wollen wir es machen wie in der NFL, wo man auch nach einer 1-16 Saison nicht ansteigen kann? Ich weiss nicht... Dass es den maroden Finanzen diverser Klubs nicht dienlich wäre, ist mir natürlich auch klar.
yellowMitglied
03.03.2008, 21:11 · #5
Beiträge: 6'695
Na ja, man muss ja nicht gleich den Strich wieder einführen, aber welche Spannung bringt eine Saison, in der die Teams von Platz 7 - 9 schon 10 Runden vor Schluss praktisch und faktisch gesichert sind? Und ob die in Ruhe essen und den Zürichsee geniessen können ist mir eigentlich auch Jacke wie Hose... Oder wollen wir es machen wie in der NFL, wo man auch nach einer 1-16 Saison nicht ansteigen kann? Ich weiss nicht... Dass es den maroden Finanzen diverser Klubs nicht dienlich wäre, ist mir natürlich auch klar. Nein, ich habe den Strich noch nie vermisst. Mit dem Strich hätten wir nie die Erfolge der letzten drei Jahre gehabt. So cool wäre Sven Hotz beim totalen Fehlstart von Favre sicherlich nicht geblieben. Favre hätte spätestens im Dezember seine Koffer packen müssen. Klar gibt es immer wieder mal eine Saison, in der fast alle wichtigen Entscheidunge schon frühzeitig fallen. Aber auch das gehört zum Fussball.
SlorMitglied
03.03.2008, 21:17 · #6
Beiträge: 679
Nein, ich habe den Strich noch nie vermisst. Mit dem Strich hätten wir nie die Erfolge der letzten drei Jahre gehabt. So cool wäre Sven Hotz beim totalen Fehlstart von Favre sicherlich nicht geblieben. Favre hätte spätestens im Dezember seine Koffer packen müssen. Klar gibt es immer wieder mal eine Saison, in der fast alle wichtigen Entscheidunge schon frühzeitig fallen. Aber auch das gehört zum Fussball. Ich vermisse ihn auch nicht, mit Grauen denke ich an ein Spiel in Neuenburg zurück... Aber irgendwie fehlt dem heutigen System auch die Spannung und ich bezog mich nebenbei auf die Gemütslage der Spieler! Ach was weiss ich, ich bin halt zu jung für Muri.
TO BEMitglied
04.03.2008, 07:49 · #7
Beiträge: 518
super artikel.. hut ab! den strich zurück? damit noch mehr teams konkurs gehen und das niveau der NLA (wieder) sinkt? nein danke.. Naja der Bericht sit etwas komisch. Man kann das ganze doch nicht "dem Strich" in die Schuhe schieben. Ich meine, GC hatte ja meistens keine Probleme. Was ich damit meine ist, der FCZ war einfach zu schelcht, deshalb war die Situation so, wie im Bericht beschrieben. Aber ich garantiere euch, ein FC Thun oder St Gallen Spieler kann im Moment genau das selbe erzählen. Ich bin auch nicht so übereugt davon, den alten Modus wieder einzzuführen. Aber eine Aufstockung auf 12 Teams und zwei Ligawechsel würden gut tun. Denn im Moment gibts mir zu wenig Abwechslung.
trellezMitglied
04.03.2008, 15:24 · #8
Beiträge: 1'933
...Ich sage es mal so; der SL fehlt das Feuer und die Brisanz aus früheren Tagen. Oft plätschert alles in einem gemächlichen Tempo vor sich hin. O.K, durch die Modusänderung haben Clubs etwas mehr Zeit eine Mannschaft aufzubauen ohne dass sie gleich den "Strich" im Nacken spüren doch genau diese Tatsache hat dazu geführt dass wir zuletzt international nichts mehr zu husten hatten. Zu viel Zeit ist im Fussball auch nicht gut, genau wie das Gegenteil davon. Der Schweizer Fussball muss sich endlich einmal weiterentwickeln, national und international. Es fehlt eindeutig der Druck während der Meisterschaft und wenn er denn mal vorhanden ist, bekunden viele erhebliche Mühe damit. waren wir denn früher international viel besser dran als heute? habe ich da etwas verpasst? der druck ist auch ohne diesen strich vorhanden. frag einmal die thun-, sion-, xamax-, etc. spieler nach ihren wohlbefinden..:-) der strich ist passé, und das ist auch gut so.
pexitoMitglied
04.03.2008, 16:00 · #9
Beiträge: 3'138
Bin strikte gegen den Strich. Solche herbeigeführte "Spannung" bringt nichts. Die handvoll zusätzliche Zuschauer, können getrost zu hause bleiben, wenn dafür die Bosse das Geld nicht für kurzfristige "Retter" ausgeben. Egal ob es sich um Zürich oder andere Klub handelt. Der Strich ist und bleibt ein finanzielles Desaster und hindert den nachhaltigen Aufbau eines Klubs. Dabei kann ich gut damit leben, dass wir gegen jeden gegner 4 Mal spielen. Besser als noch zusätzlich gegen Wil und Schaffhausen zu tschutten. Immerhin waren die letzten beiden Saisons an der Spitze und am Tabellenende interessant. Auch jetzt liegen zwischen St.Gallen (Barrageplatz) und GC (4. Platz) nur 5 Punkte. Das ist Spannung genug.
yellowMitglied
04.03.2008, 16:19 · #10
Beiträge: 6'695
Warum zurück zur Vergangenheit? Warum nicht ein paar Anleihen beim Eishockey machen und sie mit einigen spannungserhaltenden Massnahmen würzen? Also, zuerst in 40 bedeutungslosen Quali-Runden den Zuschauern das Geld aus der Tasche ziehen. Dann ab März beginnen die Playoffs. Vorteile: Man kann die NLA auf 8 Teams reduzieren und Spannung ist bis zum Schluss garantiert. Die vielen Spiele kann man durchaus verantworten, da sich ja eh kein Team für den europäischen Fussball qualifiziert. Evtl. sollte man sich noch überlegen, ob wir nach je 10, 20 und 30 Qualispielen die Punktzahl nicht halbieren oder gar vierteln sollten. Dann sollte die fairste Mannschaft noch nach jeder fünften Runde mind. einen Bonuspunkt bekommen. Das über die ganze Quali-Phase am stärksten von den Schiedsrichtern benachteiligte Team erhält noch 5 Zusatzpunkte. (Entscheidungsträger sind übrigens die Journalisten der BAZ.) Erzielt eine Mannschaft in der Qualiphase einen Vorsprung von mehr als 6 Punkten wird sie mit einem Abzug von 5 Punkten bestraft etc. etc. etc.
InishmoreMitglied
04.03.2008, 16:25 · #11
Beiträge: 1'290
Warum zurück zur Vergangenheit? Warum nicht ein paar Anleihen beim Eishockey machen und sie mit einigen spannungserhaltenden Massnahmen würzen? Also, zuerst in 40 bedeutungslosen Quali-Runden den Zuschauern das Geld aus der Tasche ziehen. Dann ab März beginnen die Playoffs. Vorteile: Man kann die NLA auf 8 Teams reduzieren und Spannung ist bis zum Schluss garantiert. Die vielen Spiele kann man durchaus verantworten, da sich ja eh kein Team für den europäischen Fussball qualifiziert. Evtl. sollte man sich noch überlegen, ob wir nach je 10, 20 und 30 Qualispielen die Punktzahl nicht halbieren oder gar vierteln sollten. Dann sollte die fairste Mannschaft noch nach jeder fünften Runde mind. einen Bonuspunkt bekommen. Das über die ganze Quali-Phase am stärksten von den Schiedsrichtern benachteiligte Team erhält noch 5 Zusatzpunkte. (Entscheidungsträger sind übrigens die Journalisten der BAZ.) Erzielt eine Mannschaft in der Qualiphase einen Vorsprung von mehr als 6 Punkten wird sie mit einem Abzug von 5 Punkten bestraft etc. etc. etc. Find ich einen guten Ansatz. Und am letzten Spieltag, treffen sich die Captains aller Superlig Mannschaften in Muri und Würfeln live im Schweizer Fernsehen den definitiven Tabellenrang aus!
Elim13Mitglied
04.03.2008, 17:48 · #12
Beiträge: 722
Das Argument, das für das Mittelfeld die Saison 10 Runden vor Schluss gelaufen ist, darf ja wohl nicht ernsthaft gemeint sein...oder rechnet der 8. des Strichmodus in der Finalrunde tatsächlich damit, dass er noch Meister wird? Schauen wir doch die aktuelle Tabelle an (13 Runden vor Schluss):
  1. Basel 49 (denen ist nicht langweilig und wenn es einen überlegenen Leader gibt gibt's den auch im Strichmodus)
  2. YB 43 (Spannung wie noch nie)
  3. FCZ 40 (Sind wir das Mittelfeld? Findet sich einer in der Mannschaft, der den Titel schon abgeschrieben hat?)
  4. GC 30 (Letztes Wochenende noch im Kampf um die UEFA-Cup Spiele, heute schon wieder ein bisschen den Abstieg im Nacken)
8.-9. Abstiegskampf pur 10. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und wo ist das berüchtige Mittelfeld? Wie war das in der Quali früher für den Leader, als die Hinrundenspiele zur Farce verkamen, weil die Punkte eh wieder halbiert wurden? Auch die Derbys werden nicht wieder aufgewertet, solange der FCZ und GC zusammen in der Finalrunde oder im Abstiegskampf sind, gibt es auch da 4 Derbys pro Saison. Definitiv gegen den Strich. Nicht zuletzt dank der "Planungssicherheit" für Mannschaften.
SoccerloveMitglied
17.05.2008, 12:31 · #13
Beiträge: 651
*Fackelwerfer kommt mit einem blauen Auge davon Ein Zürcher, der eine brennende Fackel in eine Gruppe von Basler Fussballfans geworfen hat, ist mit 45 Tagessätzen bestraft worden. Damit kam er gut weg. Von Liliane Minor Zürich. – Die Szene hat sich nicht im Fuss­ballstadion, sondern auf offener Strasse ereignet, kurz vor dem Spiel GC - Basel, im August 2007. FCB-Fans griffen beim Escher-Wyss-Platz eine Gruppe von GC­Anhängern an – mitten drin der heute 22­jährige Angeklagte. Die Basler, klar in Überzahl, rannten den Zürchern nach, warfen brennende Phosphorfackeln. Eine davon landete vor den Füssen des Ange­klagten. Der packte die Fackel und schleu­derte sie kurz entschlossen zurück in die Basler Gruppe. Die Szene wurde von der Polizei gefilmt, der junge Mann angezeigt. Vor einigen Monaten hat er dafür bereits ein Rayonverbot sechs Stunden vor und nach Fussballspielen kassiert. Es gilt bis nach der Europameisterschaft. Nur wegen Landfriedensbruch Gestern stand er nun vor dem Einzel­richter am Zürcher Bezirksgericht. Ja, er habe die Fackel geworfen, gab er zu: «Aber nicht gezielt. Ich habe sie einfach gewor­fen, damit ich davonrennen konnte.» Er sei eigentlich nur zufällig dort gewesen, habe mit Freunden etwas getrunken. Da sei die Gruppe unvermittelt angegriffen worden: «Die Basler hätten eigentlich gar nicht dort sein dürfen. Aber die Polizei hat nichts getan, hat uns nicht geholfen.» Der Richter liess das Argument der Not­wehr indes nicht gelten. «Sie hätten auch die Möglichkeit gehabt, einfach davonzu­gehen », hielt er dem Angeklagten vor. «Ja, das stimmt», räumte dieser ein, «aber ir­gendwann ist es mir zu blöd geworden, ständig davonzurennen.» Wegen Landfriedensbruch und Ver­stoss gegen das Vermummungsverbot brummte der Richter dem Informatiker, der bereits wegen einer Schlägerei in Ulm vorbestraft ist, 45 Tagessätze zu 100 Fran­ken auf. Das ist eine verhältnismässig hohe Strafe für den eingeklagten Tatbestand – üblich sind bei Landfriedensbruch 10 bis 15 Tage. Der Richter argumentierte damit, dass ein Fackelwurf in eine Gruppe von Menschen «sehr, sehr gefährlich» sei. Trotzdem ist der junge Mann mit einem blauen Auge davongekommen, weil er bloss wegen Landfriedensbruch angeklagt worden ist. Damit ist die einfache Teil­nahme an einer gewalttätigen Zusammen­rottung gemeint. Mit anderen Worten: Der Zürcher ist nicht für den Fackelwurf be­straft worden, weil dieser Tatbestand überhaupt nicht eingeklagt wurde. Wäre der Mann zusätzlich zum Landfriedens­bruch beispielsweise wegen versuchter Körperverletzung unter Einsatz eines ge­fährlichen Gegenstands angeklagt worden, hätte ohne weiteres eine mehr als doppelt so hohe Strafe verhängt werden können. Höhere Strafandrohung bei FCZ-Fans Zum Vergleich: Gegen die FCZ-Fans, die vor zwei Wochen im Basler St.-Jakobs­Stadion mehrere dieser über 1000 Grad heissen Fackeln in den Sektor der FCB­Fans geworfen haben, läuft eine Untersu­chung wegen Gefährdung des Lebens. Die­ses Delikt wird mit bis zu fünf Jahren Frei­heitsstrafe geahndet. Nachbemerkung: Vor der Gerichtsver­handlung gestern betonte der Angeklagte den Medien gegenüber, er sei gar nicht GC-, sondern FCZ-Fan. «Ich habe einfach ein paar Kollegen, die für GC sind.» * Q: Tages-Anzeiger vom 15.05.08 Letzter Satz ist interessant. Hobby-Prügler?
LazioMitglied
13.07.2008, 21:46 · #14
Beiträge: 279
«Randale bei BVB-Testspiel in Basel»
Beim Testspiel des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund beim Schweizer Erstligisten FC Basel ist es zu Ausschreitungen gekommen. Vor 7.000 Zuschauern in Grenchen in der Schweiz kam es beim 2:2 der Klopp-Truppe in beiden Fan-Blöcken zu zahlreichen Unterbrechungen. “Wir haben die Toleranz unserer Gastgeber mit Füßen getreten“, erklärte Jens Volke, Fanbeauftragte der Borussen. Während der zweiten 45 Minuten wurden von Dortmund-Fans immer wieder Feuerwerkskörper auf den Rasen geschossen. http://www.fussball-blabla.de/2008/07/1 ... -in-basel/
LazioMitglied
14.07.2008, 18:42 · #15
Beiträge: 279
«"An Unfähigkeit nicht zu überbieten"»
München - Einen Vorgeschmack auf das was noch kommen sollte, bekamen die Dortmunder schon bei der Ankunft im schweizerischen Grenchen. Als ein Fan des FC Basel das Fanmobil der Borussia bemerkte, hat er "seine Handschuhe angezogen und das Auto bearbeitet", wie der Fanbeauftragte Jens Volke berichtet. Eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte bei dem 2:2 im Testspiel zwischen Dortmund und Basel. Basler Hooligans, die den BVB-Fanblock stürmen, Dortmunder Anhänger, die Feuerwerkskörper aufs Spielfeld fliegen lassen, Polizisten, die mit Tränengas schlimmere Ausschreitungen verhindern müssen. Die BVB-Verantwortlichen kündigen nun harte Konsequenzen gegen die Randalierer in den eigenen Reihen an - richten aber auch Vorwürfe an die örtlichen Behörden. ![](http://www.sport1.de/media/redaktionell/bilder/sportarten/fussball_1/bundesliga/diashows_1/krawallebvbbasel/randale01.jpg) Ein Feuerwerkskörper brennt im Kasten von BVB-Keeper Lukas Kruse ein http://www.sport1.de/de/sport/artikel_2297843.html
Züri 9Mitglied
14.07.2008, 18:48 · #16
Beiträge: 3'988
«"An Unfähigkeit nicht zu überbieten"»
München - Einen Vorgeschmack auf das was noch kommen sollte, bekamen die Dortmunder schon bei der Ankunft im schweizerischen Grenchen. Als ein Fan des FC Basel das Fanmobil der Borussia bemerkte, hat er "seine Handschuhe angezogen und das Auto bearbeitet", wie der Fanbeauftragte Jens Volke berichtet. Eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte bei dem 2:2 im Testspiel zwischen Dortmund und Basel. Basler Hooligans, die den BVB-Fanblock stürmen, Dortmunder Anhänger, die Feuerwerkskörper aufs Spielfeld fliegen lassen, Polizisten, die mit Tränengas schlimmere Ausschreitungen verhindern müssen. Die BVB-Verantwortlichen kündigen nun harte Konsequenzen gegen die Randalierer in den eigenen Reihen an - richten aber auch Vorwürfe an die örtlichen Behörden. ![](http://www.sport1.de/media/redaktionell/bilder/sportarten/fussball_1/bundesliga/diashows_1/krawallebvbbasel/randale01.jpg) Ein Feuerwerkskörper brennt im Kasten von BVB-Keeper Lukas Kruse ein http://www.sport1.de/de/sport/artikel_2297843.html hier noch der rest des artikels:
«"An Unfähigkeit nicht zu überbieten"»
"Bei solchen Sicherheitsvorkehrungen fühlt sich der ein oder andere, dem man eh nicht mehr helfen kann, natürlich eingeladen", monierte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke. Volke wurde deutlicher: "Die Polizei war an Unfähigkeit nicht zu überbieten." Obwohl Volke die Behörden nach dem Fanbus-Vorfall auf das Gefahrenpotenzial hinwies, versäumte man es, die Fanlager ordentlich zu trennen. Festnahmen nur wegen Vermummungen Erst als kurz vor Anpfiff eine Reihe Basler Hooligans in den Dortmunder Fanblock eindrang, schritt die Polizei ein. Festnahmen gab es am Ende des Chaostags nur vier - und die nicht wegen der Angriffe, sondern Verstößen gegen das Vermummungsverbot. Keine unbeschriebenen Blätter Dabei sind Basels Hooligans alles andere als unbeschriebene Blätter, schon oft haben sie durch schwere Ausschreitungen Schlagzeilen gemacht. Trauriger Höhepunkt: Die so genannte "Schande von Basel" 2006, nach dem entscheidenden Meisterschaftsspiel zwischen dem Heimverein und dem FC Zürich. 80.000 Schweizer Franken Strafe musste Basel zahlen, weil Hooligans nach Zürichs Sieg den Platz stürmten und in ein Schlachtfeld verwandelten. Petric symbolisch verbrannt Jemand, der aus eigener Erfahrung um die Baseler Problemfans weiß, ist Mladen Petric. Er war vor seiner BVB-Zeit selbst in Basel aktiv und ein Hassobjekt bei vielen eigenen Anhängern. Beim Uhrencup vor vier Jahren - demselben Turnier, in dessen Rahmen nun auch das Dortmund-Spiel stattfand - hatten Basel-Fans in Grenchen sogar eine Puppe, die ihn darstellen sollte, an einem Galgen aufgehängt und verbrannt. Petric war nie verziehen worden, dass er 2003 bei der Meisterfeier seines vorherigen Klubs Grasshoppers Zürich im Überschwang der Gefühle einen Basel-Fanschal angezündet hatte, den ihm ein Anhänger gereicht hatte. "Für gewöhnlich anständig" Da mutet es merkwürdig an, dass Petric sich nun bei überrascht vom Verhalten der Randalierer aus den Reihen seines Ex-Klubs zeigt. "Das Verhalten der Baseler Fans war mir in der Form neu, sie sind für gewöhnlich sehr laut, aber anständig", meinte Petric bei "Reviersport": "Aber am Samstag waren ein paar aggressive Jungs dabei." Die allerdings gab es aber auch zuhauf im Dortmunder Fanblock: "Wir haben die Toleranz unserer Gastgeber mit Füßen getreten", erklärte Volke. Stadionverbote drohen "Wir verurteilen so etwas aufs Schärfste und werden das mit aller Entschlossenheit aufklären", kündigte Watzke an. Am Donnerstag soll es eine Art Krisengipfel mit Volke und weiteren Fanvertretern geben, auch eine Foto-Auswertung der Randale und Stadionverbote für einzelne Aufrührer werden angedeutet. "Ich hoffe, dass wir auf unsere Fans zumindest ein bisschen Einfluss haben und das klären können. Denn das war scheiße", meint Trainer Jürgen Klopp in aller Deutlichkeit.
billyMitglied
15.07.2008, 08:45 · #17
Beiträge: 701
Liga-Direktor Isoz:«Eine gewisse Angst» Am Freitag beginnt in der Schweiz die neue Fussball­saison. Bei zwei Testspielen kam es bereits wieder zu Problemen und Ausschreitungen. Mit Edmond Isoz sprach Ueli Kägi Randale im Zug und 63 vorübergehende Festnahmen im Zürcher Hauptbahnhof nach einem Testspiel des FC Basel in Wil Ende Juni; Rangeleien zwischen Fangrup­pen und Petardenwürfe auf den Rasen beim Uhren-Cup-Spiel zwischen Basel und Borussia Dortmund am Samstag. Ein paar Tage nach der Euro sind der Klub­fussball und auch die Probleme mit einzel­nen Zuschauern zurückgekehrt. Das überrascht Peter Landolt, Stadion­manager im Letzigrund und Präsident der Sicherheitskommission der Swiss Football League, nicht. Er sagt, das standardisierte und auf die neue Saison hin nur in Details angepasste Sicherheitskonzept für alle Su­per- League-Klubs sei «in der Theorie sehr gut». Rund 480 Stadionverbote sind der­zeit ausgesprochen. Die grossen Klubs wie der FCB, YB, der FCZ und GC arbeiteten mit vollamtlichen oder quasi vollamtli­chen Sicherheitschefs, aber alle Massnah­men von Liga und Klubs genügten nicht. Die Vergangenheit zeigt, dass gewaltbe­reite Fans vor allem bei Auswärtsspielen auffallen. Landolt glaubt, dass Auswärts­spiele eine gewisse Anonymität böten. Er wünscht sich harmonisiertere Abläufe zwischen den Klubs, aber er wünscht sich vor allem fremde Hilfe. «Die Liga kann ge­wisse Bereiche abdecken, aber irgend­wann ist sie auf die Unterstützung des Staates angewiesen.» Dieser Augenblick sei nun gekommen. «Aber ich befürchte, dass es zuerst Tote geben muss, bis die Po­litik reagiert. Das war in anderen Ländern auch schon so. Solange nicht knallhart durchgegriffen wird, werden die Probleme andauern.» Es ist die Sorge, die auch Ed­mond Isoz teilt, der Direktor der Swiss Football League. * Edmond Isoz, rund um zwei Testspiele ist es zu Problemen und Verhaftungen gekommen, am Freitag beginnt die neue Saison. Sind Sie beunruhigt?* Alle waren überzeugt, dass die Euro keine Sicherheitsprobleme mit sich bringt, weil sie andere Zuschauer anzieht. Nun beginnt die Schweizer Meisterschaft wie­der, und mit ihr kehren die alten Probleme zurück – auch wenn Liga und Klubs in der Vergangenheit Anstrengungen unter­nommen haben. Wir haben eine gewisse Angst, dass es in einem Schweizer Stadion zu noch gravierenderen Vorfällen mit noch grösseren Konsequenzen als bisher kom­men kann. * Sie sprechen von Anstrengungen in der Ver­gangenheit, die von Liga und Klubs unter­nommen worden seien. Es bleibt trotzdem oft der Eindruck, die Vereine arbeiteten nicht immer mit voller Überzeugung daran, ihre Fans unter Kontrolle zu halten.* Da sagt mir mein Gefühl etwas anderes. Wir kontrollieren die Arbeit der Klubs mit Inspektoren, wir hatten dafür in der ver­gangenen Saison ein Budget von 300 000 Franken. Und dieser Betrag hat nichts mit dem zu tun, was die Klubs von sich aus zu leisten haben, sie stehen allein für beglei­tende Massnahmen zur Verfügung. * Und trotzdem gab es zuletzt vor allem mit Fans von Gastmannschaften wiederholt Probleme.* Ich möchte auch an die Verhältnismäs­sigkeit erinnern. Am Abend, als der FCB gegen Zürich und YB gegen Xamax spiel­ten (am 2. Mai, als Personen aus dem FCZ­Sektor brennende Fackeln mitten ins Bas­ler Publikum warfen), waren in beiden Stadien zusammen 60 000 Zuschauer. Es ist eine kleine Zahl von Personen, die für ein Imageproblem in dieser Liga sorgen und vieles in Frage stellen. Und es ist für die Klubs nicht einfach, dagegen wirksam etwas zu unternehmen, wenn ihnen die Gesetze nicht klare Möglichkeiten bieten. Denn Klubs haben beispielsweise nicht die Möglichkeit, fehlbare Personen problem­los strafrechtlich zu belangen. * Welche Grundlagen fehlen?* Ich habe am Samstag zufällig eine Doku­mentation gesehen. In Frankreich können Richter schon im Stadion aktiv werden, im Stade de France gibt es sogar Gefängnisse. Gewisse Länder wie Frankreich oder Eng­land, die oft Probleme hatten mit ihrem Fussballpublikum, sind sehr weit gegan­gen, um erfolgreich gegen die Gewalt zu kämpfen. * Also stützen Sie die Aussage von FCZ­Präsident Ancillo Canepa, der sagt, Liga und Klubs alleine seien hilflos im Kampf gegen die Gewalt?* Die Swiss Football League würde sich freuen, wenn Polizei und Justiz mehr Kompetenzen erhalten würden. Canepa kündigte auch an, die Kausalhaf­tung in Frage zu stellen, nachdem der FCZ für die Fackelwürfe mit zwei Geisterspielen und 30 000 Franken Busse bestraft wor­den war. Ohne Kausalhaftung müsste der Gastklub das Verhalten seiner Fans in fremden Stadien nicht mehr verantworten. * Was sagen Sie dazu?* Die Kausalhaftung wurde schon mehr­mals wieder in Frage gestellt. Aber sie al­lein führt dazu, dass alle an einem Spiel be­teiligten Parteien ihre Verantwortung tra­gen müssen. Nur der Auswärtsklub kennt seine Fans. Eine Zusammenarbeit zwi­schen Liga, Heim- und Auswärtsklub ist nötig. Welches Interesse hat der Gastver­ein noch an einer problemlosen Durchfüh­rung eines Spiels, wenn er nicht mehr in der Verantwortung steht? Wir alle stehen doch in der Verantwortung. Quelle: tagi, 15.07.08, Seite 33
radiobembaMitglied
15.07.2008, 08:59 · #18
Beiträge: 171
«"An Unfähigkeit nicht zu überbieten"»
München - Einen Vorgeschmack auf das was noch kommen sollte, bekamen die Dortmunder schon bei der Ankunft im schweizerischen Grenchen. Als ein Fan des FC Basel das Fanmobil der Borussia bemerkte, hat er "seine Handschuhe angezogen und das Auto bearbeitet", wie der Fanbeauftragte Jens Volke berichtet. Eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte bei dem 2:2 im Testspiel zwischen Dortmund und Basel. Basler Hooligans, die den BVB-Fanblock stürmen, Dortmunder Anhänger, die Feuerwerkskörper aufs Spielfeld fliegen lassen, Polizisten, die mit Tränengas schlimmere Ausschreitungen verhindern müssen. Die BVB-Verantwortlichen kündigen nun harte Konsequenzen gegen die Randalierer in den eigenen Reihen an - richten aber auch Vorwürfe an die örtlichen Behörden. ![](http://www.sport1.de/media/redaktionell/bilder/sportarten/fussball_1/bundesliga/diashows_1/krawallebvbbasel/randale01.jpg) Ein Feuerwerkskörper brennt im Kasten von BVB-Keeper Lukas Kruse ein http://www.sport1.de/de/sport/artikel_2297843.html Selten so viel Müll in einem Artikel gelesen (das gilt übrigens auch für zahlreiche weitere Artikel über diese "Vorfälle").
billyMitglied
18.07.2008, 06:59 · #19
Beiträge: 701
GEWALT IM FUSSBALL Gute Fans, böse Fans Von Dario Venutti Beginnt mit der Schweizer Fussballmeisterschaft auch eine Saison der Wochenendkrawalle von Fans? Sind ab heute Freitag zwischen Zürich und Basel, Sitten und Bellinzona wilde Horden auf Saubannerzügen unterwegs? Diesen Eindruck vermittelten in den letzten Tagen Funktionäre, Sicherheitsleute und Journalisten. Nach der angeblich friedlichen EM rechnen sie im Hinblick auf die nationale Meisterschaft mit schlimmen Vorkommnissen. Spätestens seit den Fackelwürfen von Krawallanten aus dem FCZ -Fanlager am 2. Mai in Basel scheint eine nüchterne Diskussion über Fussballfans hierzulande nicht mehr möglich zu sein. Es gelten die Gleichungen: Fans = potenzielle Gewalttäter, Fackeln = Gewalt. Deutlich zum Ausdruck kam dies am vergangenen Samstag, als Scharmützel und bengalische Fackeln beim Testspiel Basel - Dortmund am Uhrencup in Grenchen zum Krawall skandalisiert wurden. Selbst die Organisatoren des Turniers waren erstaunt über die Berichterstattung und dementierten insbesondere die Meldung, ein Tornetz habe gebrannt. Kaum jemand bestreitet, dass im Schweizer Fussball Gewalt existiert. Und kaum jemand wehrt sich gegen eine strafrechtliche Verurtei- lung der Fackelwerfer von Basel. Doch wie schlimm steht es um die Gewalt? Und was ist in Zukunft zu erwarten? Die Antwort auf diese Fragen hängt in erster Linie davon ab, was unter Gewalt zu verstehen ist. Das Beispiel der Fackeln zeigt, dass eine Neudefinition stattgefunden hat: Galten Pyroshows noch vor ungefähr 10 Jahren als Ausdruck von südländischer Stimmung, werden die Zünder heute pauschal kriminalisiert und mit Stadionverboten bestraft. Dadurch wird der Kreis der Gewalttäter erweitert – unabhängig davon, ob Fackeln als Waffen eingesetzt oder zur Stimmungsmache gezündet werden. Wer Fackeln anzündet, gilt heute im besseren Fall als Fan in Anführungszeichen, im schlechteren als Chaot. Weil pyrotechnisches Material ein wichtiger Bestandteil der Fanszene ist, wird mit dessen Bekämpfung gleich die gesamte Szene in Frage gestellt. Die Vereine, Polizei und Öffentlichkeit müssen wissen, ob sie das wollen: Schwebt ihnen eine Fankultur vor, die den Anhängern Selbstbestimmung und eigene Gestaltung ermöglicht? Oder wollen sie die Zuschauer zu passiven Konsumenten degradieren, wie das zum grossen Teil an der EM der Fall war? Selbstbestimmung bedeutet nicht, dass rechtsfreie Räume geschaffen werden. Ihre Grenzen sollten ausgehandelt und nicht einseitig verordnet werden. Schliesslich würde es helfen, die Sache mit mehr Gelassenheit anzugehen. Jedenfalls ist kaum nachvollziehbar, dass Fussballfans in der Schweiz heute als Problem der inneren Sicherheit gelten. Oder stellen die Anhänger die verfassungsmässige Ordnung des Landes in Frage? Planen sie einen Staatsstreich? Ironischerweise führt der jüngst veröffentlichte «Bericht Innere Sicherheit» des Bundesamtes für Polizei die eigenen Warnungen ad absurdum: In der Fussballsaison 2006/07, als rund 1 Million Zuschauer im Stadion waren, wurden bei Ausschreitungen 52 Personen, darunter 9 Polizisten, verletzt und 99 Fans verhaftet. In Relation zur Anzahl Spiele und Zuschauer insgesamt kann man da nur sagen: Glücklich ein Land, das solche Fussballfans hat. Quelle: tagi, 18.07.08, Seite 7
billyMitglied
18.07.2008, 07:03 · #20
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IM BRENNPUNKT: SAISONSTART IN DER SUPER LEAGUE Die Rückkehr des reineren Fussballs Die Super League startet heute mit YB - Basel. Sie hat zuletzt an Attraktivität gewonnen, muss jetzt aber mit St. Gallens Abstieg und dem Liechtensteiner Novum zurechtkommen. Von Ueli Kägi Neunzehn Tage nach der EM ist ab heute Freitag wieder Zeit für die Super League. Zeit nicht für besseren, aber reineren Fussball. Ohne veramerikanisiertes Drumherum, ohne ständiges Eventfeeling, ohne 400-Euro-Tickets und VIP-Gourmet- Zelt. Ohne Buffon und Torres. Dafür mit EM- und Provinzstadien. Mit Basel und Bellinzona. Mit lauwarmen Bratwürsten und lokalen Bieren. Mit Lustrinelli und Wölfli. Mit Schweizer Klubs und als Premiere auch mit einem Ko-Gastgeber aus Liechtenstein. Mit einem ersten Match, der in der vergangenen Saison noch das grosse Finale war – zwischen dem Zweitplatzierten YB und Meister Basel (live SF2, 20.15 Uhr). Und erwartungsgemäss auch wieder mit den alten Begleitern für leidige Geschichten: den Hooligans und Fussballchaoten. Die Super League ist trotz ihres Gewaltproblems ein attraktives Paket. Die Zu- schauerzahlen stiegen in den vergangenen drei Jahren von durchschnittlich 7993 auf 10 916 pro Partie. Dreimal in Serie wurde die Meisterschaft erst am letzten Spieltag entschieden. Die Qualität des Fussballs ist besser als sein Ruf, auch wenn kaum noch Nationalspieler hier ihre Heimat finden. Blass ersetzt fussballverrückt Nur muss die Liga jetzt verkraften, dass das fussballverrückte St. Gallen ab- und das blasse Vaduz aufgestiegen ist. Sie wird sich nach diesem Jahr fragen müssen, ob Vaduz trotz den erwarteten 3000 Zuschauern pro Match eine Bereicherung sein kann. Ob diese Mannschaft auch dann wieder in der höchsten Schweizer Spielklasse mitspielen darf, wenn die aktuelle Vereinbarung zwischen Liga und Liechtensteinern in zwei Jahren abgelaufen ist. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten prägen direkt die Rangliste der Favoriten. Der FC Basel mit seinen 24 000 verkauften Saisonkarten und dem bekannten 30-Millionen- Franken-Grundbudget ist erster Titelkandidat. Der Meister von 2002, 2004, 2005 und 2008 geht erstmals seit Jahren mit nur einem nennenswerten Abgang (Abwehrchef Majstorovic) in die nächste Saison und wird schon in den ersten sechs Runden mit Partien gegen alle Mitfavoriten wissen, wie stark er ist. Das verbreiterte Basler Kader bietet allein im Mittelfeld 12 Kandidaten für 5 Positionen. Der FCB dürfte sich für den vorderhand verletzten Stürmer Streller noch einen weiteren Zuzug leisten. Und er kann sich im Prinzip nur selber stoppen – wenn er sich für die Champions League qualifiziert und die Belastungen Auswirkungen auf die Super League haben – oder wenn er zerbricht an seinen inneren Streitereien. Täuschen nicht alle Zeichen, ist die zehnte auch die letzte Basler Saison für Christian Gross. Das Verhältnis zwischen dem Trainer und der Präsidentin ist schwer belastet. Gigi Oeri hätte Gross nach der vergangenen Saison entlassen wollen, wenn er nicht Meister geworden wäre. Und in den letzten Tagen hat Ivan Ergic seinen Konflikt mit dem Trainer öffentlich gemacht und seine Captainbinde abgegeben. Er ist nicht der einzige Basler Profi, der sich über Gross’ Methoden und Spielkonzepte beschwert. Hinter dem FC Basel lauern die Young Boys, die heute zum ersten Mal beantworten müssen, wie erfolgreich sie ohne Hakan Yakin stürmen können. Und hinter den beiden ersten Titelanwärtern stehen die weiteren Spitzenplatz-Kandidaten, die allerdings kaum gut genug sind für den Titel: FCZ und GC. Und Sion, die Mannschaft mit den hervorragenden Einzelspielern, aber auch mit einem Präsidenten, der mit seiner Unberechenbarkeit über Wohl und Unwohl des Klubs bestimmt. Wer wird die Nummer 1 in Zürich? Spannender als der Titelkampf kann das Prestigeduell um Platz 1 in der Stadt Zürich werden. Der FCZ hat die besseren Individualisten als GC, wenn Bernard Challandes die Wunschmannschaft zur Verfügung steht. Nur kann der Trainer schon jetzt nicht mehr mit Chikhaoui rechnen, weil der Tunesier in diesen Tagen nicht in erster Linie zum Wohl des FCZ an seiner Genesung schuftet, sondern für den schnellen Transfer. Die selbst ernannt klammen Grasshoppers haben offensichtlich ein gefülltes Gönnerportemonnaie gefunden. Ihnen sind die Transfers der Offensivspieler Lulic, Sabanovic und Callà gelungen - und sie konnten den Leihvertrag mit Goalie Jakupovic verlängern. Das Kader bleibt dünn, sie haben sich nach ihrem Aufschwung im Frühling trotzdem Platz 3 und damit den Uefa-Cup zum nächsten Ziel gemacht – für sich und ihren Anhang am liebsten auf Kosten des FCZ . tagi, 18.07.08, Seite 29
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