26.09.2006, 10:23 · #21
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Tagi
Und jetzt gegen Del Pieros Juve
Alain Nef wurde mit dem FC Zürich Schweizer Meister. In dieser Saison spielt er mit Piacenza in der Serie B.
Von Peter Bühler
In Wädenswil ist Alain Nef aufgewachsen, beim FC Zürich ist er als Fussballer gross und in den beiden letzten Saisons Cupsieger und Meister geworden. An das Finale vom 13. Mai in Basel erinnert sich der Abwehrspieler genau: Nicht wegen der Krawalle, die waren auch ihm zuwider, sondern wegen der beiden Tore des FCZ gegen den FCB. Sowohl das 1:0 von Keita als auch das 2:1 von Filipescu in letzter Sekunde hatte er eingeleitet - mit einem abgefälschten Schuss und einem weiten Einwurf.
Nun sitzt Nef in seiner Wohnung in Piacenza, lacht ins Telefon und sagt: «Das war ein starker Abgang beim FCZ.» Von Wädenswil über Zürich nach Piacenza: Für ihn ist das «ein ganz natürlicher Schritt». Schon immer wollte er einmal im Ausland spielen. Und weil im letzten Frühling die Offerte des Piacenza Football Club sehr konkret war und sein Vertrag mit dem FCZ am 30. Juni 2006 auslief, entschloss er sich zum Wechsel in die Emilia Romagna.
Von Albinoleffe bis Juventus
In der Serie B heissen die Gegner nicht mehr Aarau, Thun oder Schaffhausen, sondern Albinoleffe, Frosinone oder Crotone - aber auch Napoli, Genoa, Bologna oder Juventus Turin. Kommenden Samstag gastiert Juventus in Piacenza, das Stadio Leonardo Garilli mit seinen 21 000 Plätzen wird ausverkauft sein. Und Nef lässt sich am Telefon schon einmal die Namen auf der Zunge zergehen. «Buffon, Nedved, Trezeguet, Del Piero - für mich geht ein Traum in Erfüllung.» Die Juve ist gut in die Meisterschaft gestartet, sie hat in den ersten vier Spielen zehn Punkte gewonnen und steht nun mit noch minus sieben Punkten am Tabellenende. Calcio Gate, der Fussballskandal, hat seine Auswirkungen bis tief in die Serie B hinein.
Gegen Piacenza strebt Alessandro Del Piero seinen 200. Treffer im Dress von Juventus an, ein Tor in Piacenza würde ihm dazu genügen. «Er wird es nicht schiessen», sagt Nef. An Selbstvertrauen hat es ihm nie gefehlt. Und im eigenen Stadion ist Piacenza bis anhin eine Macht. Mit Napoli (2:1) und Bologna (1:0) wurden zwei Grössen der Serie B besiegt. Gegen Bologna erzielte der 24-jährige Nef den entscheidenden Treffer mit dem Kopf und erhielt von der «Gazzetta dello Sport» die höchste Note aller Spieler, eine 7(die 10 ist die höchste Wertung).
Ein Fussballerleben im Hotel
Auswärts allerdings ist die Bilanz von Piacenza weniger gut: zwei Spiele, zwei 0:2-Niederlagen in Brescia und zuletzt in Genua. Darüber mag sich Nef nicht aufregen. Schon eher missfällt ihm das ständige Hotelleben. Die Nacht vor und nach jedem Spiel müssen die Spieler im Hotel verbringen, und vor der Saison weilten sie während sechs Wochen im Trainingslager.
«Das Leben eines Fussballers in Italien ist bisweilen eintönig», bemerkt Nef. Alles sei auf den Beruf fokussiert. Doch er mag nicht klagen. Bis 2009 läuft sein Vertrag. Er sagt, er werde gut bezahlt.
Mit seiner Freundin, die ihn nach Piacenza begleitet hat, soll die Reise durch den italienischen Fussball dereinst weitergehen. Die Serie A ist das Ziel, und an Valon Behrami nimmt er sich ein Beispiel. Der Schweizer Nationalspieler mit albanischen Wurzeln lancierte seine Karriere einst bei Genoa und Hellas Verona in der Serie B. Heute spielt er für den Grossklub Lazio in der Hauptstadt Rom.