Stu
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28.07.2003, 07:47 · #1
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So viel Geduld habe dann aber selbst ich nicht :-)
Im Zehnjahresplan
Der FCZ verliert auch das dritte Spiel - 1:2 auswärts gegen YB
so. Bern, 26. Juli
Nach nur drei Runden der neuen Super-Meisterschaft präsentiert sich die Situation im Letzigrund schon wieder wie so oft gehabt. Im FC Zürich ist bereits Krisenmanagement angesagt, ohne Punkt liegt das Team, das vor dem Start von den Medien zum Transfersieger erklärt worden ist, an letzter Stelle. Sven Hotz, der rührige Präsident des Stadtklubs, beteuert nach der 1:2-Niederlage gegen den BSC Young Boys sein Vertrauen in den neuen Trainer: Lucien Favre - und mit ihm seine Spieler - vertrauen darauf, «weiter hart zu arbeiten» und so die Negativ-Serie zu durchbrechen. Der Präsident spricht von der Suche nach einem neuen Abwehrchef. Und der Trainer hat in Bern auch «Power im Angriff» vermisst, die am ehesten von den verletzten Yasar und Muff kommen könnte. Dem geneigten Beobachter kommt dieses Szenario bekannt vor: Die Bekenntnisse des Präsidenten, die mit Schnelleinkäufen so oft schon zur Makulatur gewordenen Spar-Devisen und dann . . . In der vierten Runde wird die Partie gegen St. Gallen - die Ostschweizer sind nur um einen Punkt weniger schlecht gestartet und waren mit einem Treffer noch ineffizienter als die Zürcher - schon zum wegweisenden Match.
Wären die Automatismen im Fussball nicht so, wie sie halt sind, bestünde im Stadtklub beileibe nicht nur Anlass zur Nervosität. Die Equipe von Favre hat vor 8000 Zuschauern im antiquierten Berner Neufeld-Stadion durchaus auch Qualitäten gezeigt. Gepflegt, wie der Romand einst selbst gespielt hatte, präsentierte sich das Gästeteam, besonders im Mittelfeld, das schon in der 26. Minute den angeschlagenen Augustine Simo verlor. Ja, bisweilen erinnerte nicht nur der Dress an «königliche» Vorbilder, aber selten gediehen die eleganten Ballstafetten des «Balletts in Weiss» über Ansätze im Mittelfeld hinaus. Statt eines Raul oder Ronaldo mühte sich im Sturm nur Keita ab, fleissig und mit bekannten Qualitäten, jedoch so gut wie ohne Unterstützung, weder durch den statischen jungen Stanic noch den fragilen Guerrero. Auch das Mittelfeld verstand sich - Petrosjans Tor zum Trotz - ausschliesslich als Vorbereiter und mied den Sprint in die Spitze. Die Kombination beider Qualitäten hatte auf der Gegenseite einen Namen: Sermeters Schnelligkeit stand am Ursprung beider YB-Tore. Zuerst Chapuisat mit dem Kopf, dann Leandro mit einem technisch gekonnten Heber nach idealen Zuspielen des zuvor gesperrt gewesenen Sermeter erzielten die Tore zum 2:0, die schon vor der Pause hätten fallen können.
In den ersten 45 Minuten hatte sich die quicklebendige Berner Equipe das Leben selber schwer gemacht. Zwölfmal war das Heimteam ins Abseits gelaufen, aber schon da war ersichtlich, dass die Zürcher Abwehr auf einer Linie, so extrem gespielt, dass schon zehn Meter hinter der Mittellinie eine Offside-«Falle» aufgebaut wurde, ein enorm hohes Risiko einging. Warum sich Favre den Luxus leistete, Verteidiger Buess auf der Ersatzbank zu belassen, bleibt sein Geheimnis. Im zweiten Durchgang liefen die Young Boys nur noch einmal ins Offside - doch beim zweiten YB- Tor hätte der Referee wohl ein weiteres Mal auf Abseits entscheiden müssen. Trotzdem, mit so viel Risiko wird in der jungen, unerfahrenen, oft aber auch zu langsamen FCZ-Abwehr Stabilität nicht zu erreichen sein - ein Risiko, das auch nicht im Sinne des Trainers war. Der betont, dass ein Team, das neu aufgebaut wird, Fehler nie vermeiden könne. Auch ihm ist bewusst, dass seine Equipe möglichst bald Punkte holen muss, aber er geht davon aus, dass man ihm für seine Aufbauarbeit Zeit lässt. «Ich arbeite», sagt der frühere Yverdon- und Servette-Trainer, «in jedem Klub so, als würde ich zehn Jahre bleiben.»