Mitteilungen zum Derby vom 21.02.15 - *Update 26.02.15*

19 Antworten · 19'377 Aufrufe · Seite 1 von 1
Zürcher Südkurve
Mitglied
22.02.2015, 14:24 · #1
Beiträge: 681
Zürcher Südkurve verurteilt unverhältnismässigen Polizeieinsatz aufs Schärfste Die Zürcher Südkurve verurteilt den gestrigen Polizeieinsatz und die damit verbundene Fichierung von 750 FCZ-Fans aufs Schärfste. Mit ihrem aggressiven und unverhältnismässigen Vorgehen nahm die Polizei stundenlange Verkehrsbehinderungen und Ausschreitungen mutwillig in Kauf. Rund 750 FCZ-Fans wurden auf ihrem Weg zum Stadion ohne Vorwarnung von einer Hundertschaft von Polizisten eingekesselt. Ein Entkommen aus dem Kessel war weder für Unbeteiligte, noch für Frauen oder Kinder möglich. Per schwer verständlicher Megaphondurchsage wurden die eingekesselten Fans aufgefordert, sich einzeln ausweisen und fichieren zu lassen. Dieser unverhältnismässigen Forderung wollten sie jedoch nicht nachkommen. Sie beschlossen, friedlich im Polizeikessel auszuharren, in der Hoffnung dass sich die Polizei zurückzieht. Stattdessen kamen aber immer mehr Polizeifahrzeuge zum Kessel und die Fans wurden immer dichter zusammengedrängt. Eingepfercht zwischen Hauswänden, Büschen und aggressiven Polizisten drohte die Stimmung zu kippen. Je länger die Einkesselung dauerte, desto stärker fühlten sich die Fans ungerecht und unmenschlich behandelt: Wer aufs WC musste, wurde von den Polizisten genötigt an die umliegenden Hauswände zu urinieren. Einzelne Personen wurden willkürlich aus der Masse gepickt und fichiert. Einige Fans drohten in Panik auszubrechen. Es kam zu ersten Auseinandersetzungen, wobei sämtliche Eingekesselte unterschiedslos Übergriffen der Polizei ausgesetzt waren. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wurden Wasserwerfer eingesetzt, Tränengas und Pfefferspray versprüht sowie mit Gummischrot auf Kopfhöhe gezielt. Nach mehreren Stunden wurden sämtliche 750 Fans von der Polizei fichiert. Dabei wurden ihre Personalien aufgenommen und jede Person einzeln fotografiert. Absehbar war auch, dass sich die nicht eingekesselten Fans mit den Eingekesselten solidarisieren würden. Berichte über Schikanen durch die Polizei drangen nach aussen. Zudem wurde mit der Zeit klar, dass 750 Personen – die meisten von ihnen mit Tickets ausgestattet - im Regen und eingekesselt von der Polizei, auf das erste Derby in diesem Jahr verzichten müssen. Dass man auf einen derart unverhältnismässigen und unterschiedslosen Polizeieinsatz mit Gegengewalt reagiert, ist nachvollziehbar – umso mehr, weil auch die Gründe für den Polizeieinsatz rätselhaft sind. Die Stadtpolizei begründet die Einkesselung nämlich mit dem „massiven Zünden von Feuerwerkskörper und Leuchtpetarden“. Diese Argumentation ist fadenscheinig. Der Pyroeinsatz bewegte sich im Vergleich zu anderen Fanmärschen im Rahmen. Der gemeinsame Gang der FCZ Fans von der Fritschiwiese zum Stadion wurde von der Polizei in den letzten Jahren wiederholt geduldet – auch nachdem ein Marsch im Mai 2013 unter massivem Gummischroteinsatz mit mehreren Verletzten kurzzeitig gestoppt wurde. Auch für Fussballfans gilt zudem das so genannte Störerprinzip, wonach sich Polizeieinsätze gegen fehlbare Einzelne, aber nicht gegen eine ganze Gruppe zu richten haben. Die Taktik der Einkesselung mit anschliessender kollektiver Fichierung scheint eine Spezialität der Stadtpolizei Zürich zu sein, wird sie von ihr doch immer wieder angewandt. Dass diese rechtsstaatlich höchst fragwürdige Praxis auch unter dem neuen Polizeivorstand Richard Wolff fort besteht, ist vor dessen persönlichen und politischen Hintergrund umso bedenklicher. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Aktion von langer Hand geplant war und nicht wie angegeben durch das Zünden von Feuerwerk ausgelöst wurde. Im strategischen Plan der Stadtpolizei Zürich für 2014-2018 wird erwähnt, dass sich die Polizei für einen „markanten Rückgang“ von Pyro einsetzen will. Dafür scheint ihr nun offensichtlich jedes Mittel Recht – auch die vorübergehende Freiheitsberaubung Unschuldiger. Während den StimmbürgerInnen im Jahr 2013 mit der Einführung des Konkordats versprochen wurde, dass Gewalt rund um Fussballspiele endlich der Vergangenheit angehören, wird diese nun von der Polizei bewusst provoziert. Ohne Einkesselung hätte es keine mehrstündigen Ausschreitungen und Verkehrsbehinderungen gegeben, das Derby wäre im gewohnten Rahmen über die Bühne gegangen. Dass wir unsere Mannschaft in diesem wichtigen Derby nicht unterstützen konnten, schmerzt die Südkurve übrigens am meisten. Was mit den Daten der Fans nun passiert, ist unklar. Die Zürcher Südkurve wird das weitere Vorgehen der Stadtpolizei auf jeden Fall juristisch und anwaltlich begleiten.
Zürcher Südkurve
Mitglied
26.02.2015, 09:55 · #2
Beiträge: 681
Anzeige gegen Fehr, Wolff & Co. Betroffene Fans des FC Zürich haben Strafanzeige gegen die politischen und operativen Verantwortlichen des Polizeieinsatzes vom vergangenen Wochenende eingereicht. Angezeigt wurden Mario Fehr (Sicherheitsdirektor Kanton Zürich), Richard Wolff (Vorsteher des Polizeidepartements der Stadt Zürich), Daniel Blumer (Kommandant der Stadtpolizei Zürich), Thomas Würgler (Kommandant der Kantonspolizei Zürich), sowie die Einsatzleitung vom Samstag. Vorgeworfen werden den Verantwortlichen des Einsatzes, Freiheitsberaubung, Nötigung, Tätlichkeiten sowie weitere Delikte gegenüber denjenigen, die sich über Stunden im Inneren des geplanten Polizeikessels an der Badenerstrasse befanden. Weiter wird eine anfechtbare Verfügung des Polizeieinsatzes verlangt. Wir verweisen an dieser Stelle auch auf die Erklärung der Zürcher Südkurve vom vergangenen Sonntag, in der die tatsächlichen Geschehnisse rund um das Derby dargelegt und eingeordnet werden.
südkurve wescht
Mitglied
21.05.2015, 06:20 · #4
Beiträge: 2'981
Die Antworten des Stadtrates auf zwei schriftliche Anfragen aus dem Gemeinderat zum Kessel liegen vor: http://www.gemeinderat-zuerich.ch/Gesch ... 5_0061.pdf http://www.gemeinderat-zuerich.ch/Gesch ... 5_0060.pdf Haha, blablabla. Bei einer Stellungnahme schreibt man: "Wenn nein, weshalb wurden nun alle FCZ-Fans fotografiert?») Am Besammlungsort auf der Fritschiwiese und während des Fanmarsches wurden diverse Straftaten durch die Polizei beobachtet (vgl. Antwort zur Schriftlichen Anfrage GR Nr. 2015/60, Frage 1) und durch Video- und Bildmaterial dokumentiert. Um verdächtige Personen identifizieren zu können, wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fanmarsches zwecks Beweismittelsicherung im Rahmen der Personenkontrolle fotografiert." Bei der anderen: "Wie viele einzelne Personen haben Pyros und Böller gezündet? Als die Böller auf der Fritschiwiese gezündet wurden, hielten sich an dieser Örtlichkeit mehrere hundert Personen auf. Die Detonationen erfolgten an verschiedenen Orten auf der Fritschiwiese. Wegen der grossen Anzahl Personen kann nicht gesagt werden, durch wie viele verschiedene Personen die Böller gezündet wurden. Es müssen aber mehrere gewesen sein, da die Böller immer wieder an verschiedenen Orten detonierten. Die etwa 25 Pyros wurden während des Marsches praktisch gleichzeitig durch verschiedene Personen gezündet." Was jetzt, wurden Fotos zwecks Personenidentifikation oder einfach so um sie ins Polis zu stellen gemacht?
Zhyrus
Mitglied
21.05.2015, 06:29 · #5
Beiträge: 15'713
Die Antworten des Stadtrates auf zwei schriftliche Anfragen aus dem Gemeinderat zum Kessel liegen vor: http://www.gemeinderat-zuerich.ch/Gesch ... 5_0061.pdf http://www.gemeinderat-zuerich.ch/Gesch ... 5_0060.pdf Haha, blablabla. Das einzige, was mich überrascht hat, ist, dass die Stadtschreiberin einen Doktortitel hat! Der Rest, wortreiches Umschreiben für "wir machen, was wir wollen"
Maloney
Mitglied
21.05.2015, 08:25 · #6
Beiträge: 7'090
Die Antworten des Stadtrates auf zwei schriftliche Anfragen aus dem Gemeinderat zum Kessel liegen vor: http://www.gemeinderat-zuerich.ch/Gesch ... 5_0061.pdf http://www.gemeinderat-zuerich.ch/Gesch ... 5_0060.pdf Haha, blablabla. Das einzige, was mich überrascht hat, ist, dass die Stadtschreiberin einen Doktortitel hat! Der Rest, wortreiches Umschreiben für "wir machen, was wir wollen" Einen Doktortitel hatte ihr Vorgänger auch schon.
dennisov
Mitglied
21.05.2015, 09:32 · #7
Beiträge: 5'501
Das ganze ist einfach nur noch armselig und kotzt mich an. Zuerst labern die, dass die Daten gelöscht werden, wenn nichts nachgewiesen werden und kann und bei der nächsten Frage heisst es dann auf einmal, nach 5 Jahren wird man aus der Datenbank gelöscht. Wen wollen die eigentlich verarschen?! Sollen doch gleich auf den Punkt kommen.
«**Zu Frage 3 («Wo und wie genau wurden resp. werden die erfassten Personendaten (Identitätsfeststellung,»
Fotos) der GC- resp. FCZ-Fans (1. März 2014 resp. 21. Februar 2015) im POLIS abgelegt?»)** Jede einzelne Person wurde mit einem Personenkontrollrapport im POLIS erfasst. Im Rahmen der Personenkontrolle erstellte Fotos werden von der Stadtpolizei vernichtet, wenn der betreffenden Person keine strafbaren Handlungen nachgewiesen werden können.
«**Zu Frage 8 («Wie lange werden die Fotos und wie lange die übrigen Personendaten in POLIS aufbewahrt»
resp. wie lange ist ein Zugriff möglich?»)** Daten über Personenkontrollen werden nach fünf Jahren im POLIS automatisch gelöscht. In diesem Zeitraum ist ein Zugriff auf die Daten möglich. Hinsichtlich der erstellten Fotos kann auf die Ausführungen zu Frage 3 verwiesen werden. Momol, also unsere Grundrechte wie z.B der Schutz der Privatsphäre (Foto ohne meine Einwilligung) oder persönliche Freiheit (6 Stunden festgehalten) wurden da absolut eingehalten. Scheiss auf die Bundesverfassung!!!
parmigiana
Mitglied
21.05.2015, 12:14 · #8
Beiträge: 122
Deshalb erging ja auch die Aufforderung: Fordert Einsicht und Löschung eurer Daten. Wer das macht, kriegt u.a. ebenfalls diese Infos geliefert. Und kann sich überlegen, ob er/sie das akzeptieren will oder nicht. Oder man versucht, kollektive Wege gegen diese Praxis zu beschreiten - auf juristischem oder politischem Weg. post704296.html#p704296
bluesoul
Mitglied
21.05.2015, 12:36 · #9
Beiträge: 5'138
Da ich nicht dabei war, kann ich auch nicht abschätzen, wie viel wirklich geböllert wurde. Aber rund 70 von den Böllern, bei unbeteiligten Menschen... ich denke, die über 800 wissen, bei wem sie sich zu bedanken haben. Liebe Kurve, kriegt das in den Griff. Oder lasst zu, dass das die Bullen in den Griff kriegen.
dennisov
Mitglied
21.05.2015, 12:56 · #10
Beiträge: 5'501
Man kann noch lange die Löschung der Daten fordern, aber das bringt genau nichts, ausser man versucht's auf juristischem Weg. Aber auch dort wird man wohl keine Chance haben. @bluesoul: Ich hasse die Böller auch, aber ich hasse es noch mehr 6 Stunden im Regen eingekesselt zu werden und ein Derby, für welches ich schon bezahlt hatte, zu verpassen. Und ich finde ein paar Böller und Pyros sind kein Grund, um unsere Grundrechte zu verletzen. Die Bullen wollten ihre Macht demonstrieren und dass dies die Politiker noch unterstützen ist sehr bedenklich.
bluesoul
Mitglied
21.05.2015, 15:56 · #11
Beiträge: 5'138
@bluesoul: Ich hasse die Böller auch, aber ich hasse es noch mehr 6 Stunden im Regen eingekesselt zu werden und ein Derby, für welches ich schon bezahlt hatte, zu verpassen. Und ich finde ein paar Böller und Pyros sind kein Grund, um unsere Grundrechte zu verletzen. Die Bullen wollten ihre Macht demonstrieren und dass dies die Politiker noch unterstützen ist sehr bedenklich. Ich war bisher eher auf der Seite der empörten Fans. Bis ich das gelesen habe, 70 Böller, einige davon schon auf der Fritschiwiese mit wohl einigen absolut Unbeteiligten. Ich will nicht wissen, wie vielen Kindern die Ohren gesaust haben nachher (ich weiss, ich polemisiere etwas). Wenn das wirklich stimmt, dann war die Reaktion der Bullen abzusehen. Absolut übertrieben aber absehbar.
devante
Mitglied
21.05.2015, 15:58 · #12
Beiträge: 19'476
@bluesoul: Ich hasse die Böller auch, aber ich hasse es noch mehr 6 Stunden im Regen eingekesselt zu werden und ein Derby, für welches ich schon bezahlt hatte, zu verpassen. Und ich finde ein paar Böller und Pyros sind kein Grund, um unsere Grundrechte zu verletzen. Die Bullen wollten ihre Macht demonstrieren und dass dies die Politiker noch unterstützen ist sehr bedenklich. Ich war bisher eher auf der Seite der empörten Fans. Bis ich das gelesen habe, 70 Böller, einige davon schon auf der Fritschiwiese mit wohl einigen absolut Unbeteiligten. Ich will nicht wissen, wie vielen Kindern die Ohren gesaust haben nachher (ich weiss, ich polemisiere etwas). Wenn das wirklich stimmt, dann war die Reaktion der Bullen abzusehen. eben....war auch nicht dabei aber einige meiner freunde. die anzahl pyros und böller scheinen hier wohl an den haaren herbeigezogen!
Los Tioz
Mitglied
22.05.2015, 23:18 · #13
Beiträge: 3'995
@bluesoul: Ich hasse die Böller auch, aber ich hasse es noch mehr 6 Stunden im Regen eingekesselt zu werden und ein Derby, für welches ich schon bezahlt hatte, zu verpassen. Und ich finde ein paar Böller und Pyros sind kein Grund, um unsere Grundrechte zu verletzen. Die Bullen wollten ihre Macht demonstrieren und dass dies die Politiker noch unterstützen ist sehr bedenklich. Ich war bisher eher auf der Seite der empörten Fans. Bis ich das gelesen habe, 70 Böller, einige davon schon auf der Fritschiwiese mit wohl einigen absolut Unbeteiligten. Ich will nicht wissen, wie vielen Kindern die Ohren gesaust haben nachher (ich weiss, ich polemisiere etwas). Wenn das wirklich stimmt, dann war die Reaktion der Bullen abzusehen. Absolut übertrieben aber absehbar. Die 70 Böller sind schlicht übertrieben. Es gab einige Böller (wie leider immer) auf der Fritschiwiese (vereinzelte) und auch auf dem Marsch, aber ich wiederhole was ich schon bei früheren Diskussionen zu diesem Thema geschrieben habe: Der Einsatz von Pyros und Böllern war in keinster Weise extremer als an anderen Anlässen, nach meinem Empfinden war es "normal" und eigentlich so wie immer, und ich war schon an sehr vielen Märschen dabei. Da waren die Märsche über die Geleise früher einiges krasser... (Nur um es klar zu stellen: Pyros und Rauch ja - Böller nein!!!)
Artemos
Mitglied
23.05.2015, 10:08 · #14
Beiträge: 1'501
@bluesoul: Ich hasse die Böller auch, aber ich hasse es noch mehr 6 Stunden im Regen eingekesselt zu werden und ein Derby, für welches ich schon bezahlt hatte, zu verpassen. Und ich finde ein paar Böller und Pyros sind kein Grund, um unsere Grundrechte zu verletzen. Die Bullen wollten ihre Macht demonstrieren und dass dies die Politiker noch unterstützen ist sehr bedenklich. Ich war bisher eher auf der Seite der empörten Fans. Bis ich das gelesen habe, 70 Böller, einige davon schon auf der Fritschiwiese mit wohl einigen absolut Unbeteiligten. Ich will nicht wissen, wie vielen Kindern die Ohren gesaust haben nachher (ich weiss, ich polemisiere etwas). Wenn das wirklich stimmt, dann war die Reaktion der Bullen abzusehen. Absolut übertrieben aber absehbar. Etwas polemisieren? Deine Posts passen in die Riege von Blickkommentaren. "Ich war ja nicht dabei, aber.." "Denkt doch an die Kinder!" "Ihr wisst, wem ihr das zu verdanken habt!"
südkurve wescht
Mitglied
01.06.2015, 06:47 · #15
Beiträge: 2'981
Quelle: Online - Tagi Einkesselung von FCZ-Fans hat ein Nachspiel für die Polizei Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat gegen einen Gruppenführer der Stadtpolizei eine Strafuntersuchung eröffnet. Gummischrot fliegt durch die Luft. Ein Wasserwerfer spritzt auf der Badenerstrasse in Richtung Fans. Rund einen Monat vor der Abstimmung über das Hooligan-Konkordat geht die Stadtpolizei am 12. Mai 2013 erstmals hart gegen den unbewilligten, aber üblichen FCZ-Fanmarsch von der Fritschiwiese zum Letzigrund vor. Sie kesselt die Fans ein und treibt sie in die Enge. Beim Marsch ist es zu keiner Gewalt oder Sachbeschädigung gekommen, aber einige Fans vermummten sich und zündeten illegale Pyros und Knaller, was gemäss Stadtpolizei Auslöser für den Kessel war. Vier Züge, also Einheiten, waren bei der Einkesselung im Einsatz: Blau, Rot, Schwarz und Orange. Der Zug Orange riegelte hinter dem Fanmarsch die Badenerstrasse in Richtung Albisriederplatz ab, einzelne Polizisten setzten nach einem Schiessbefehl ihres Zugführers Gummischrot ein. Ein Geschoss trifft einen FCZ-Fan am Kopf, einen anderen am Auge. Die Bilanz: eine 3 Zentimeter lange Rissquetschwunde an der Stirn eines Mannes und ein geprellter Augapfel einer Frau. Die beiden Verletzten erstatteten Strafanzeige wegen Körperverletzung und Amtsmissbrauchs bei der Kantonspolizei. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung gegen den Zugführer des Zugs Orange eröffnet, wie sie bestätigt. Eine Strafuntersuchung laufe unter anderem wegen Amtsmissbrauchs und Körperverletzung. Genauere Angaben kann die Staatsanwaltschaft aufgrund des laufenden Verfahrens nicht machen. Manuela Schiller, Anwältin der Geschädigten, sagt, dass es bei der Untersuchung wohl darum gehe, ob der Zugführer unter den damaligen Umständen den Schiessbefehl geben durfte. Gegensätzliche Aussagen Obwohl nun gegen den Zugführer eine Untersuchung läuft, ist die Anwältin unzufrieden. Denn gegen sieben Polizisten des Zugs Orange ermittelt die Staatsanwaltschaft nicht weiter. Deshalb hat Schiller eine Beschwerde in Bezug auf drei Polizisten eingereicht. Sie sieht die Bedingungen für eine sogenannte Nichtanhandnahme in diesen Fällen nicht erfüllt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich drei der Polizisten strafbar gemacht hätten, findet sie. Denn auch wenn den drei Schützen nicht nachgewiesen werden kann, wer für die Körperverletzung verantwortlich ist, gebe es den Tatbestand der versuchten schweren Köperverletzung, sagt Schiller. Dabei reiche aus, dass ein Polizist unter der vorgeschriebenen Mindestdistanz von 20 Metern geschossen habe und somit, je nach Umständen, in Kauf nehme, dass sich jemand verletze. Ein Polizist sei bei einem Schuss unter 20 Metern nicht mehr vom Schiessbefehl gedeckt, sondern müsse selbst entscheiden, ob die nötigen Voraussetzungen gegeben sind. «Der Anfangsverdacht, dass jeder dieser drei Polizisten die Verletzung in Kauf nahm, ist sicher zu bejahen. Das reicht für eine Strafuntersuchung», sagt Schiller. Die Staatsanwaltschaft geht nicht davon aus, dass die Polizisten die Mindestdistanz unterschritten haben. Anwältin Schiller ist vom Gegenteil überzeugt. Dies aufgrund ihrer Rekonstruktion der Ereignisse, die auf Videoaufnahmen und eigenen Messungen basieren. Schiller hat auf dem Polizeivideo den an der Stirn verletzten Klienten anhand einer gelben Einkaufstasche identifiziert. Dieser suchte während des Polizeieinsatzes Schutz im Eingang eines Reisebüros, den Rücken den herannahenden Beamten zugewandt. Im Video erkennt Schiller, wie seine gelbe Tasche auf einmal ausschwenkt. Für sie ist das ein «plausibler» Hinweis dafür, dass ihr Mandant in diesem Moment den Kopf aus der Deckung wandte und am Kopf getroffen wurde. Aufgrund des Abstands vom Eingang des Reisebüros zu den Polizisten geht sie von einer Schussdistanz von etwa 10 Metern aus. Der vierminütige Film der Polizei dokumentiert den Marsch auf der Badener­strasse – aber nicht vollständig. Die Kamera filmt, wie der Zug Orange vom Albisriederplatz her zum Fanmarsch aufrückt. Der Wasserwerfer fährt vor. Die Beamten positionieren sich links und rechts des Wasserwerfers. Wasser spritzt, und Polizisten feuern Gummischrot. Der Fanmarsch teilt sich und die Fans flüchten nach links und rechts. Als die Polizisten immer näher zur Menschenmenge aufrücken, schwenkt die Kamera plötzlich weg und filmt kurz die gegenüberliegende Hauswand. Es folgt ein Schnitt. Das nächste Bild zeigt den geschlossenen Kessel. Schiller findet den Schwenker äusserst problematisch, da just in einer «heiklen Phase» die Geschehnisse nicht dokumentiert sind. Das grenze an «Komplizenschaft». Gegenüber der ermittelnden Kantonspolizei begründete die Stadtpolizei den Schwenker damit, dass das Objektiv nass wurde und deshalb vom Filmer gesäubert werden musste. Für Schiller ist das unglaubwürdig: «Auf den Bildern sieht man keinen Tropfen.» Hohe Kaution für Beschwerde Trotz Beschwerde haben die Geschädigten «wohl oder übel» die Nichtanhandnahme akzeptiert, sagt Schiller. Der Grund: eine abschreckend hohe Kaution des Obergerichts von 4500 Franken, die die Geschädigten nicht bereit waren zu bezahlen. Das Obergericht weist den Vorwurf der abschreckend hohen Kaution zurück. Lukas Huber, stellvertretender Generalsekretär des Obergerichts, sagt, die Kaution für Beschwerden gegen Nichtanhandnahmeverfügungen liege in der Regel zwischen 1000 und 3000 Franken. Bei aufwendigeren Verfahren oder wenn sich die Beschwerde gegen mehrere, anwaltlich vertretene Parteien richte, müsse die Kaution höher angesetzt werden. In diesem Fall hat sich die Beschwerde gegen drei Polizisten mit je einem Anwalt gerichtet. Eine Kaution sei gemäss Huber im Allgemeinen notwendig, um die mutmasslichen Kosten aus dem Beschwerdeverfahren sicherzustellen. Eine angemessene Kaution sei zudem eine «sinnvolle Hürde» gegen querulatorische Beschwerden. Wer mittellos sei, habe die Möglichkeit, unentgeltliche Rechtspflege zu beantragen. Mittellos sind die Geschädigten nicht. In Absprache mit ihrer Anwältin haben sie aber beschlossen, die 4500 Franken nicht zu bezahlen – im Wissen, dass wohl wenigstens gegen den Zugführer untersucht wird. http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Einkesselung-von-FCZFans-hat-ein-Nachspiel-fuer-die-Polizei/story/31577046
Zhyrus
Mitglied
01.06.2015, 11:58 · #16
Beiträge: 15'713
Der vierminütige Film der Polizei dokumentiert den Marsch auf der Badener­strasse – aber nicht vollständig. Die Kamera filmt, wie der Zug Orange vom Albisriederplatz her zum Fanmarsch aufrückt. Der Wasserwerfer fährt vor. Die Beamten positionieren sich links und rechts des Wasserwerfers. Wasser spritzt, und Polizisten feuern Gummischrot. Der Fanmarsch teilt sich und die Fans flüchten nach links und rechts. Als die Polizisten immer näher zur Menschenmenge aufrücken, schwenkt die Kamera plötzlich weg und filmt kurz die gegenüberliegende Hauswand. Es folgt ein Schnitt. Das nächste Bild zeigt den geschlossenen Kessel. Schiller findet den Schwenker äusserst problematisch, da just in einer «heiklen Phase» die Geschehnisse nicht dokumentiert sind. Das grenze an «Komplizenschaft». Gegenüber der ermittelnden Kantonspolizei begründete die Stadtpolizei den Schwenker damit, dass das Objektiv nass wurde und deshalb vom Filmer gesäubert werden musste. Für Schiller ist das unglaubwürdig: «Auf den Bildern sieht man keinen Tropfen.» Sehr verdächtig! Es sollte ja kein Problem sein das ungeschnittene Material zu zeigen, auch wenn man da wirklich nur den Filmer sieht, der sein Objektiv pützelt. Geschnittenes und daher editiertes Filmmaterial ist einer Bananenrepublik würdig!
Maloney
Mitglied
01.06.2015, 13:06 · #17
Beiträge: 7'090
Der vierminütige Film der Polizei dokumentiert den Marsch auf der Badener­strasse – aber nicht vollständig. Die Kamera filmt, wie der Zug Orange vom Albisriederplatz her zum Fanmarsch aufrückt. Der Wasserwerfer fährt vor. Die Beamten positionieren sich links und rechts des Wasserwerfers. Wasser spritzt, und Polizisten feuern Gummischrot. Der Fanmarsch teilt sich und die Fans flüchten nach links und rechts. Als die Polizisten immer näher zur Menschenmenge aufrücken, schwenkt die Kamera plötzlich weg und filmt kurz die gegenüberliegende Hauswand. Es folgt ein Schnitt. Das nächste Bild zeigt den geschlossenen Kessel. Schiller findet den Schwenker äusserst problematisch, da just in einer «heiklen Phase» die Geschehnisse nicht dokumentiert sind. Das grenze an «Komplizenschaft». Gegenüber der ermittelnden Kantonspolizei begründete die Stadtpolizei den Schwenker damit, dass das Objektiv nass wurde und deshalb vom Filmer gesäubert werden musste. Für Schiller ist das unglaubwürdig: «Auf den Bildern sieht man keinen Tropfen.» Sehr verdächtig! Es sollte ja kein Problem sein das ungeschnittene Material zu zeigen, auch wenn man da wirklich nur den Filmer sieht, der sein Objektiv pützelt. Geschnittenes und daher editiertes Filmmaterial ist einer Bananenrepublik würdig! Sehr fadenscheinige Begründung. Wieso soll der Filmer die Kamera zur Hauswand wegschwenken BEVOR die Linse nass wurde um sie zu putzen, weil sie anschliessend angeblich nass wurde? Dies entbehrt jeglicher Logik. Und Wasserwerfer sind doch auch mit Videokameras ausgestattet. Weshalb nimmt man in einem solchen Fall nicht dieses Videomaterial, um eine lückenlose Dokumentation der Ereignisse zu gewährleisten? Edit: Den "Schneidetrick" hat die Stadtpolizei Zürich ja bereits 2011 angewandt als die Basler den Gästesektor stürmten. Das Fehlverhalten der Deltas wurde einfach rausgeschnitten und nicht veröffentlich. Wäre also nichts neues.
Avatar von Dave
Dave
Mitglied
01.06.2015, 13:11 · #18
Beiträge: 8'207
Der vierminütige Film der Polizei dokumentiert den Marsch auf der Badener­strasse – aber nicht vollständig. Die Kamera filmt, wie der Zug Orange vom Albisriederplatz her zum Fanmarsch aufrückt. Der Wasserwerfer fährt vor. Die Beamten positionieren sich links und rechts des Wasserwerfers. Wasser spritzt, und Polizisten feuern Gummischrot. Der Fanmarsch teilt sich und die Fans flüchten nach links und rechts. Als die Polizisten immer näher zur Menschenmenge aufrücken, schwenkt die Kamera plötzlich weg und filmt kurz die gegenüberliegende Hauswand. Es folgt ein Schnitt. Das nächste Bild zeigt den geschlossenen Kessel. Schiller findet den Schwenker äusserst problematisch, da just in einer «heiklen Phase» die Geschehnisse nicht dokumentiert sind. Das grenze an «Komplizenschaft». Gegenüber der ermittelnden Kantonspolizei begründete die Stadtpolizei den Schwenker damit, dass das Objektiv nass wurde und deshalb vom Filmer gesäubert werden musste. Für Schiller ist das unglaubwürdig: «Auf den Bildern sieht man keinen Tropfen.» Sehr verdächtig! Es sollte ja kein Problem sein das ungeschnittene Material zu zeigen, auch wenn man da wirklich nur den Filmer sieht, der sein Objektiv pützelt. Geschnittenes und daher editiertes Filmmaterial ist einer Bananenrepublik würdig! Sehr fadenscheinige Begründung. Wieso soll der Filmer die Kamera zur Hauswand wegschwenken BEVOR die Linse nass wurde um sie zu putzen, weil sie anschliessend angeblich nass wurde? Dies entbehrt jeglicher Logik. Und Wasserwerfer sind doch auch mit Videokameras ausgestattet. Weshalb nimmt man in einem solchen Fall nicht dieses Videomaterial, um eine lückenlose Dokumentation der Ereignisse zu gewährleisten? Weil man gopfertami etwas gegen die Hools vor der Abstimmung unternehmen musste. Isch das jetzt Ironie?
«Wenn jemand sagt, der FCZ sei kein Spitzenklub, habe ich Mühe, weiterzudiskutieren.» Ancillo Canepa
Maloney
Mitglied
01.06.2015, 13:17 · #19
Beiträge: 7'090
Der vierminütige Film der Polizei dokumentiert den Marsch auf der Badener­strasse – aber nicht vollständig. Die Kamera filmt, wie der Zug Orange vom Albisriederplatz her zum Fanmarsch aufrückt. Der Wasserwerfer fährt vor. Die Beamten positionieren sich links und rechts des Wasserwerfers. Wasser spritzt, und Polizisten feuern Gummischrot. Der Fanmarsch teilt sich und die Fans flüchten nach links und rechts. Als die Polizisten immer näher zur Menschenmenge aufrücken, schwenkt die Kamera plötzlich weg und filmt kurz die gegenüberliegende Hauswand. Es folgt ein Schnitt. Das nächste Bild zeigt den geschlossenen Kessel. Schiller findet den Schwenker äusserst problematisch, da just in einer «heiklen Phase» die Geschehnisse nicht dokumentiert sind. Das grenze an «Komplizenschaft». Gegenüber der ermittelnden Kantonspolizei begründete die Stadtpolizei den Schwenker damit, dass das Objektiv nass wurde und deshalb vom Filmer gesäubert werden musste. Für Schiller ist das unglaubwürdig: «Auf den Bildern sieht man keinen Tropfen.» Sehr verdächtig! Es sollte ja kein Problem sein das ungeschnittene Material zu zeigen, auch wenn man da wirklich nur den Filmer sieht, der sein Objektiv pützelt. Geschnittenes und daher editiertes Filmmaterial ist einer Bananenrepublik würdig! Sehr fadenscheinige Begründung. Wieso soll der Filmer die Kamera zur Hauswand wegschwenken BEVOR die Linse nass wurde um sie zu putzen, weil sie anschliessend angeblich nass wurde? Dies entbehrt jeglicher Logik. Und Wasserwerfer sind doch auch mit Videokameras ausgestattet. Weshalb nimmt man in einem solchen Fall nicht dieses Videomaterial, um eine lückenlose Dokumentation der Ereignisse zu gewährleisten? Weil man gopfertami etwas gegen die Hools vor der Abstimmung unternehmen musste. Isch das jetzt Ironie? Eher zynisch.
FCZ1896 mis Läbe
Mitglied
08.01.2016, 17:54 · #20
Beiträge: 1'338
Zürcher Fan-Kessel hat Folgen: Strafuntersuchung gegen Polizei-Einsatzleiter gestartet http://blick.ch/4538557
Melde dich an, um auf dieses Thema zu antworten.