Eine Reise mit Zwischenhalt im Letzigrund (NZZ)

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tiger
Mitglied
13.07.2003, 09:57 · #1
Beiträge: 117
Eine Reise mit Zwischenhalt im Letzigrund Talentiert, umworben und ehrgeizig: Augustine Simò setzt alles daran, in einer grossen europäischen Liga zu spielen. Aber zuerst will er dem FC Zürich den Erfolg zurückbringen. Von Christine Steffen Um zehn Uhr morgens tut sich auf dem Zürcher Letzigrund Wunderliches. Die erste Mannschaft des FC Zürich trainiert, und statt kleine Matches gegeneinander auszutragen, erhalten die Spieler Lektionen in Taktik. Das hat man selten gesehen in den letzten Jahren. Lucien Favre, dem die kurzen Hosen um die Beine schlottern, erklärt, gestikuliert und zieht auch einmal einen Spieler am Trikot dorthin, wo er zu stehen hat. Wenn der neue Zürcher Trainer mit dem Ball am Fuss ein paar Meter rennt, blitzt die Erinnerung auf an die unvergleichliche Eleganz, die ihm als Spieler eigen war. Der Romand mit dem Habitus eines Lehrers, dessen Detailversessenheit die Schüler die Augen rollen lässt, hat ganz offensichtlich ein Konzept - wobei nicht jeder Spieler den Eindruck macht, als würde er es restlos verstehen. Dass ein Coach ein System hat, mag bei jedem Fussballklub eine Selbstverständlichkeit sein, beim FC Zürich ist es eine kleine Offenbarung. «Typisch welscher Fussball», sagt einer der Rentner, die in guten wie in schlechten Zeiten an der Metallabschrankung des Trainingsplatzes lehnen. Es tönt zufrieden. «Ich bin ein Leader» Inmitten der Spieler steht ein Mann, die Hände auf die Hüften gestützt, nicht gross, kräftig, ruhig. Augustine Simò, der Kameruner, der 23-mal für sein Land gespielt hat und von der halben Schweizer Liga umschwärmt wurde. Der kluge Mittelfeldspieler, der einen entscheidenden Anteil an der überraschend erfolgreichen Saison von Neuenburg Xamax hatte. Simò, der erste schwarze Captain in der Schweiz, der den Erfolg auf den Letzigrund zurückbringen soll. Lucien Favre bescheinigt ihm «enorme Qualitäten». Favre wie auch Alain Geiger, der ihn zu Xamax geholt hatte, loben seine Fähigkeit, den Ball zu halten, die gute Übersicht und seine Bereitschaft, sich für die Mannschaft einzusetzen. Geiger hält ihn für einen sehr wichtigen Spieler, «der dann gut ist, wenn er das Vertrauen des Trainers spürt». Simò weiss um die traurigen Zeiten beim FC Zürich, und er kennt die Hoffnungen, die in den neuen Trainer und die neue Mannschaft gesetzt werden. Sie beunruhigen ihn nicht. «Man hat immer viel von mir erwartet», sagt er. Die Gewissheit, dass man ihn in Zürich unbedingt wollte, gibt ihm Zuversicht und Sicherheit. Zwar habe er viele Angebote bekommen; «aber ich habe hier Wärme gespürt wie an keinem anderen Ort». Die Struktur des FCZ ist Simò vertraut. In Neuenburg war Gilbert Facchinetti der Patron der Fussballfamilie, in Zürich ist es Sven Hotz. Simò braucht die Worte Menschlichkeit und Wärme, ohne dass ihnen ein falscher Beiklang und Pathos anhaftet. Trotzdem hat der neue Arbeitgeber wohl kaum nur soziale Argumente in die Waagschale geworfen, sondern auch ein beachtliches Salär. Dass für den 24-Jährigen das Umfeld wichtig ist, lässt sich aus seiner Geschichte erklären. Vor sieben Jahren verliess Simò, der aus dem englischsprachigen Teil Kameruns stammt, Afrika Richtung AC Torino. Er lebte allein in einem Appartement, überdauerte drei Trainer und stieg in die Serie B ab. Nach Neuenburg kam er 1999 nach eher unerfreulichen Engagements in Lugano, St. Etienne und im spanischen Mérida. Der steinige Weg hat ihm einerseits gezeigt, wie wichtig es ist, aufgehoben zu sein, andererseits hat er ihn unerschrocken gemacht. Wer mit 17 mausbeinallein auf einen anderen Kontinent reist, fürchtet sich nicht davor, alles zurückzulassen und weiterzuziehen. Die Erfahrung hat Simò gezeigt, dass er allein zurechtkommt, und sie hat ihm eine Selbstsicherheit gebracht, die ohne einen Hauch von Überheblichkeit ist. Er weiss, was er kann. Und er hat Lust, es zu zeigen. Trotzdem: Wer Simò auf dem Feld sieht, staunt. Die Besonnenheit, die Autorität, dieses beinah Väterliche, das er ausstrahlt, wollen nicht recht zu einem derart jungen Mann passen. «Ich war immer ein Leader», sagt er, «und stets Captain bei den Nachwuchsauswahlen von Kamerun.» In seiner Heimat spricht man mit Respekt von ihm. Trotzdem erhielt er für die Weltmeisterschaft vor zwei Jahren kein Aufgebot mehr. Das schmerzt ihn. Er weiss, dass er nur dann eine Chance hat, für sein Land anzutreten, wenn er in einer Mannschaft spielt, die im nationalen Wettbewerb ganz vorne dabei ist - wie Thimothée Atouba, sein Freund vom FC Basel, der zu einigen Einsätzen gekommen ist. Ein weiterer Grund, Xamax zu verlassen: «In Neuenburg ging es immer darum, unter den ersten acht zu sein. Ich will um die Meisterschaft spielen.» «Zurich, ça bouge» In ein paar Tagen wird Simò mit seiner Freundin, einer Genferin, in eine Wohnung etwas ausserhalb von Zürich ziehen. Er will «schnell lernen, wie die Zürcher leben». Deutsch soll die vierte Sprache sein, die er lernt - nach Englisch, Französisch und Italienisch. Das Internationale der Stadt gefällt ihm. «Zurich, ça bouge», sagt er, wünscht Mitspieler Tarone, der vorbeiläuft, «en Guete» und verabschiedet Kollege Keita mit «see you». Er müsse den Ort lieben, an dem er lebe - «dann spiele ich gut». Und gut spielen muss er unbedingt, weil dann der FC Zürich Erfolg hat und ihm der Abschied von Neuenburg nicht mehr so wehtut. «Es war schön, und ich bin den Leuten dort sehr verbunden», sagt er. Und wenn Augustine Simò Zürich lieben lernt - die nächste Reise wird kommen. Sein Ziel ist eine der grossen europäischen Ligen. Aber vorher will er mit dem FCZ «etwas gewinnen». Zürich würde ihn sehr lieben.
somalia
Mitglied
13.07.2003, 10:18 · #2
Beiträge: 1'139
Danke für den Beitrag. Ich fand, dass Simo in den Freundschaftsspielen sehr gut spielte und Einsaz zeigte. Aber tönt das jetzt nich schon einbisschen wie bei Bartlett...?!
Pascal
Mitglied
13.07.2003, 10:20 · #3
Beiträge: 436
Danke für den Beitrag. Ich fand, dass Simo in den Freundschaftsspielen sehr gut spielte und Einsaz zeigte. Aber tönt das jetzt nich schon einbisschen wie bei Bartlett...?! Meines Erachtens ist Simo nichts anderes als ehrlich, sollte er denn sagen, dass er jetzt am Höhepunkt seiner Karriere angelangt ist etc.?
somalia
Mitglied
13.07.2003, 10:23 · #4
Beiträge: 1'139
Nein, klar nicht. Ich sagte lediglich, dass es zu einem Problem werden könnte wie bei Bartlett, wenn er dann gehen will und man ihm es verweigert (doch ich glaube fest, dass Hotz aus dieser Sache gelernt hat.)
Jerkovic
Mitglied
13.07.2003, 11:21 · #5
Beiträge: 2'822
Nein, klar nicht. Ich sagte lediglich, dass es zu einem Problem werden könnte wie bei Bartlett, wenn er dann gehen will und man ihm es verweigert (doch ich glaube fest, dass Hotz aus dieser Sache gelernt hat.) Seinen Lerneffekt hat man beim Abgang von Akale gesehen.
flo
Mitglied
13.07.2003, 12:10 · #6
Beiträge: 2'424
Ein schöner Artikel. Tiefgründig, emotional, prägnant. So sollten alle Zeitungen schreiben. (NZZ-Leser werde ich trotzdem nicht. Ich ziehe ein pluralistisches Blatt auch dann einer reinen Parteizeitung vor, wenn sie gut geschrieben ist.)
Sascha
Mitglied
13.07.2003, 13:37 · #7
Beiträge: 2'412
Lange nicht mehr so was tolles gelesen.....tut irgendwie gut!
bannon
Mitglied
13.07.2003, 14:34 · #8
Beiträge: 1'679
Schöne Sache, ein lieber Kerl anscheinend. Höhö. Darum werden wir also dieses Jahr ums Meisterbecherlein mitspielen...
Lovis
Mitglied
13.07.2003, 16:29 · #9
Beiträge: 685
bekommt man eigentlich statt einem Meisterpokal einen versilberten Miniaturstarkstrommast?
bannon
Mitglied
13.07.2003, 18:14 · #10
Beiträge: 1'679
bekommt man eigentlich statt einem Meisterpokal einen versilberten Miniaturstarkstrommast? Nö, kein Silber. Das wäre zu teuer. Einen echten antiken Strommasten. Oder einen kleinen Plutoniumstab... Hehe.
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